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VOIGTLÄNDER BESSA MESSUCHER KAMERAS - ALT UND NEU
Frank Mechelhoff

Neue Bessa von Voigtländer Japan (Cosina)
Bessa-L mit 4.5/15mm  Super-Wide-Heliar
Bessa-R
Snapshot Skopar 4/25 und Color-Skopar 4/21mm
Ultron 1.7/35mm
Color-Heliar 2.5/75mm
Kobalux/ Avenon 2.8/21mm

zu den historischen Voigtländer BESSA Cameras und Objektiven (Heliar und Apo-Lanthar)

Canon Messucher Sammlung
Zeiss und Contax SLR Objektive  (neu 3. Mai 2005)
Meine Bilder mit diesen Cameras
Objektivtests Messucher Teleobjektive (LTM) - Canon, Nikon, Voigtländer, Jupiter --  under construction

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Copyright Texte und alle Bilder: Frank Mechelhoff 2005
     Kontakt:    Frank.Mechelhoff "at"gmx.de

Vor einigen Jahren war ich auf der Suche nach einer Panoramakamera für Landschaftsaufnahmen. Ich bin Reiter und so muß meine Kamera tragbar und kompakt sein. Damals entdeckte ich die Voigtländer Bessa L und war erstaunt dass es solch eine Kamera heute noch, oder schon wieder gibt, die völlig gegen den Zeitgeist ist und nur das absolut notwendigste zum Fotografieren mitbringt. Als alter Fotograf erstaunte mich schon etwas, dass sich so etwas heutzutage verkaufen lässt - und noch mehr, dass es aus Japan kommt trotz des Deutschen Namens.



Meine Bessa L trägt ihr Gebrauchssuren und im Gelände erworbenen Kratzer mit Ehre. Sie ist eine Minimalkamera ohne Sucher - eigentlich eher ein Filmgehäuse mit - ziemlich lautem - mechanischem Metallschlitzverschluß und batteriebetriebenem TTL-Belichtungsmesser - speziell für Weitwinkelfotografie entwickelt. Weil sie nämlich keine Spiegelreflexkamer ist kann das Gehäuse schmal gehalten werden und das Objektiv dicht an die Filmebene heranrücken - wie bei den Leica Messucherkameras. Das macht die Konstruktion einfacherer (preiswerterer) Weitwinkelobjektive möglich.

Die Bessa-L war der erste Teil des Doppelschlags von Mr. Kobayashi, Chef und Ideengeber von Cosina, und trägt den großen Namen, den Cosina erworben und ihr gegeben hatte, zu vollem Recht! Der zweite Teil ist das Objektiv, ein bezahlbares 15mm Superweitwinkel mit unglaublichen 110° Bildwinkel. Damit wird die 11-fache Fläche eines 50mm "Standardobjektivs" abgebildet (und erfordert daher entweder Projektion oder großformatige Abzüge von mindestens  20cm x30cm damit die Perspektive stimmt).

Das 15mm ist nicht besonders lichstark (f/4.5) aber dafür auch das mit Abstand kompakteste Superweitwinkel auf dem Markt. Das Objektiv wiegt 102g trotz Metallgehäuse, die ganze Combo 462g - das bringt manches SLR-Superweitwinkel allein auf die Waage... das 4.5/15mm ist bekannt für seine ausgezeichnete Schärfe und Kontrast, sehr geringe Überstrahlung und Gegenlichtempfindlichkeit.

Woran man sich gewöhnen muß: Die große Bildfläche wird oft ungleichmäßig hell wiedergegeben, besonders bei blauen Himmel. Das Auge (bzw. das Sehzentrum unseres Gehirns) gleicht die ungleichmässige Beleuchtung aus, das Objektiv ist hierzu nicht in der Lage. Bei bedecktem Himmel sind Außenaufnahmen gleichmäßiger ausgeleuchtet, wobei wie bei jedem Ultraweitwinkel zu berücksichtigen ist dass der optisch unabdingbare Lichtabfall zu den Ecken (cos4-Gesetz) bei einem Ultraweitwinkel viel stärker ist als bei einem "milden" Weitwinkel (wo er bei bestimmten Motiven auch schon störend wirken kann). Man sollte wirklich zu geringempfindlichen, sehr feinkörnigen Film greifen, damit die feinen Details wirklich erkennbar werden.

Bedienung der Bessa-L

Statt eines Kamerasuchers gibt es auswechselbare Durchsichtssucher zum Aufstecken (ohne Parallaxausgleich, der aber bei Superweitwinkel nicht so wichtig ist). Wenn der Auslöser halb gedrückt wird aktiviert das den TTL-Belichtungsmesser und die Belichtungsanzeige (rot-grüne LED's links neben dem Sucher) was aus den Augenwinkeln sehr gut beobachtet werden kann, die Kamera aber auch für unbeobachtete Aufnahmen "aus der Hüfte" (z.B. mit dem Snapshot-Skopar 4/25mm) tauglich macht. Der Verschluß funktioniert auch ohne Batterie. Die 1/2000s mag ungewöhnlich erscheinen, ist aber sehr nützlich bei der Verwendung hochlichtstarker Objektive.

Wie entstand dieses ungewöhnliche Camera? Nun, Cosina baut seit den 70'er Jahren Cameras für andere Hersteller im "volume"-Bereich, u.a. auch für Nikon und verwendet viele Baukastenkomponenten die einfach zur Hand waren. Ich habe eine für ZEISS/ Contax SLR Objektive gebaute Yashica FX-3 der neunziger Jahre (ebenfalls mit 1/2000s) die an vielen Stellen wie eine Bessa aussieht und auch so klingt. Cosina konstruierte um die vorhandenen Komponenten einfach ein neues Gehäuse und liess den voluminösen Spiegelkasten weg.. und voila, das Ergebnis war die Minimalkamera Bessa-L.

Als sich die Camera gut verkaufte - der Preis war anfangs recht hoch für das doch recht einfache Produkt, aber doch wesentlich unter Leica-Niveau - und glänzende Kritiken von der Fachpresse erhielt, legte Cosina noch eins drauf: ein 12mm Superweitwinkel (das extremste nicht verzeichnende Weitwinkel das je für Kleinbildcameras gebaut wurde) und die Messucherkamera Bessa R. Auch hier wurde die Bessa-L einfach mit einem anderen Gehäuseoberteil versehen dass den Messucher enthielt - und um die Konstruktion einfach und kostengünstig zu erhalten, begnügte man sich mit einer recht kruzen Meßbasis - und zeichnete damit die Strategie vor keine hochlichtstarken Teleobjektive anbieten zu wollen. Die Objektivreihe wuchs nach und nach, sehr lichtstarke Weitwinkelobjektive waren auch darunter. Keins der Objektive erhielt schlechte Kritiken.



Voigtländer Bessa R

Bessa-R mit canon 2/35
Das Foto zeigt eine Bessa-R mit 40 Jahre altem Canon RF Objektiv 2/35mm - eine sehr kompakte leichtgewichtige Reise-Combo...

Während all dieser Zeit begnügte sich Mr. Kobayashi der Firma LEICA in ihrem Hochpreissegment keine wirkliche Konkurrenz zu machen, sondern kostengünstige Produkte zu bestmöglicher, aber eben nicht unerschwinglich teurer Qualität zu produzieren. Das fing schon damit an dass man nicht das aktuelle M-Bajonett sondern M39-Schraubgewindeobjektive (Leica Thread Mount/ LTM) baute die seit den späten 60'er Jahren niemand mehr produzierte. Man kann sagen die neuen Voigtländer bildeten einen Einstieg für LEICA, senkten die Hemmschwelle - oder schärfer formuliert, produzierten die Produkte die man von LEICA jahrzehntelang als Abrundung des Programms preislich nach unten, vergeblich erwartet hätte!
Heute (2005) hat sich diese Nischenstragie von Cosina/ Voigtländer als erfolgreich herausgestellt. Cosina wurde von ZEISS, dem alten LEICA-Erzrivalen, lizensiert die (wahrscheinlich maßgelich von Cosina selbst) neuentwickelte ZEISS-IKON ZM Messucherkamera zu bauen, und erhielt von ZEISS den Adelschlag, selbst Objektive im Namen von ZEISS zu produzieren, mit der Begründung "Cosina ist heute einer der erfahrensten Hersteller von Messucher-Cameras und -objektiven". Stimmt! Nun ist ZEISS im Sektor der anspruchsvollen Kleinbildfotografie länger nicht mehr vertreten und kann daher nur dazugewinnen, hat aber bei sehr geringem Einsatz außer Prestige wenig zu verlieren. LEICA dagegen hat, leider, sehr viel zu verlieren durch diese neue japanisch-deutsche Coproduktion.

Bessa Familie
Vorne meine erste, die Bessa-L, hinten eine Bessa-R. Vorn noch das ausgezeichnete und scharfe 4/25mm Snapshot-Skopar, und dahinter zum Größenvergleich ein Canon FD Normalobjektiv



Andere Objektive zur neuen Bessa:

Color-Ultron 1.7/35mm
Lichtstarkes Weitwinkel mit konkaver Frontlinse. Gute Abbildungsleistung bei hoher Öffnung, nicht ganz so überzeugend in Kontrast und Farbdarstellung bei mittleren Blenden f/5.6-8. Wirkt etwas schwer an der kompakten Bessa-R, passt aber hervorragend zu den etwas größeren und massiveren Kameras der 60'er Jahre wie der Canon P. (mehr davon)

am schönsten ander Canon P: Ultron 1.7/35mm



Color-Heliar 2.5/75mm
Ein sehr gutes kurzes Teleobjektiv, eine ideale Kombination zum 35mm-Ultron wenn man bloß zwei Objektive mitnehmen kann oder will - zumal die beiden Objektive auch äußerlich und vom Handling her sehr ähnlich sind. Kurzer Fokusweg, sehr "schnelle" Einstellung. Noch kompakte Größe als Reiseobjektiv. Sehr scharf schon bei großer Blende, beste Leistung bei f/4. Ein schönes Objektiv - wenn auch kein klassisches Heliar sondern ein "ganz normales" 6-linsiges Planar wie heute meist als kurzes Teleobjektiv verwendet. Bei mittleren Blenden sind die Abbildungsleistungen sehr gut, übertreffen aber nicht die der besten klassischen Telephotos der 1960'er von Canon und Nikon (mehr davon)

Color Heliar 75mm



Voigtländer Snapshot-Skopar 4/25mm und Color-Skopar 4/21mm

Snapshot Skopar

Neben dem sensationellen 15mm f/4.5, dem bald ein 12mm f/5.6 folgte (das weitwinkligste verzeichnungsfreie Kleinbildobjektiv aller Zeiten) machte Cosina/ Voigtländer vor allem mit dem 4/25mm von sich reden. Das Design ist sichtlich modern und eigenständig mit planer Frontlinse. Das später hinzugekommene 4/21mm baut auf dem gleichen Gebäuse auf und hat vom Design Ähnlichkeit mit den LEICA Elmarit-M 2.8/21 sowie seinem Nachfolger mit asphärischem Element.

Snapshot Skopar
Voigtländer Snapshot Skopar 25mm f/4 - eigenständiges und modernes Design  - 7 Elemente in 5 Gruppen
21mm
Voigtländer Color-Skopar 21mm f/4 - 8 Elemente in 6 Gruppen
Leica 21mm Elmarit-M asph.
LEICA Elmarit-M Asph. 21mm f/2.8 - das Referenzobjektiv (und eine Blendenstufe lichstärker) - 9 Elemente in 6 Gruppen

Cosina/ Voigtländer verzichtete bewußt auf eine Blendenstufe Geschwindigkeit, um Konstruktionsaufwand und Kosten gering, vor allem aber die Größe klein zu halten. Damit nahm man auch einen gewissen Eckenabfall in Kauf, der etwas größer ist als bei den voluminöseren Meßsucher-Weitwinkelobjektiven von LEICA oder ZEISS. Mehr noch als das 15mm, sind es wirklich Hosentaschenobjektive, bestens geeignet sie überall hin mitzunehmen. Ich fand den 25mm Sucher besser als den vom 21mm (verzeichnungsfreier), habe das 25mm auch gemocht, die Brennweite aber zu "eng" am 35mm und zu "weit enfernt" vom 15mm gefunden und es deshalb durch das 21mm ersetzt.
Das 4/25mm schnitt in allen Tests hervorrragend ab und ist äußerst scharf und kontrastreich. Das 21mm erscheint mir bislang mindestens ebenso gut..
Außerdem empfinde ich es als angenehmer dass das 21mm Objektiv messucher-gekuppelt ist. Zwar ist das bei extremen Weitwinkeln nicht unbedingt nötig wegen der großen Schärfentiefe, aber gerade wenn man häufig Objektive wechselt und es gewöhnt ist "versucht" man automatisch im Meßsucher zu fokussieren. Wenn man dann ein Objektiv hat ohne Kupplung ist das irritierend.

Idstein Markt



Kobalux/ Avenon Super-Wide L 21mm f/2.8 für Leica/LTM

Kobalux 21mm

Meine neuste Errungenschaft ist ein Objektiv von dem wahrscheinlich weniger als 100 Stück durch den Japanischen Hersteller gebaut wurden, ein Avenon/ Kobalux 21mm Weitwinkel der letzten, dritten "2000" genannten Serie

Technische Daten                                          (S/N 20026)
Gewicht Objektiv/ Sucher
225g/ 66g
Blende
2.8-22 (halbstufig rastend)
Entfernungseinstellung/ Einstellwinkel
unendlich-0,75m/ 120°
Durchmesser Objektiv/ Filtergewinde
64mm/ 58mm
Länge ab Bajonettauflage (ohne Deckel)
34,7mm
Durchmesser Sucher/ Art
39 mm/ Albada-Finder m. Leuchtrahmen u. Parallaxstrichen (Metall)
Design
8 Linsen/ 6 Gruppen
Preis Objektiv/ Sucher in Japan
72.800 / 17.000 Yen

Es wirkt an der Bessa-R eindrucksvoll, aber nicht überdimensioniert. Auch das Messucherfenster wird nicht abgeschattet. Hervorragende Verarbeitung (LEICA-mäßig). Auch der Sucher ist aufwendig gemacht und brilliant, allerdings auch groß und auffällig, und nicht so brillenträgerfreundlich wie die kleineren Cosina/Voigtländer Sucher (Metall-Endstück).
Das Objektiv ist mit 225g und 64mm Durchmesser deutlich größer als die super-kompakten Voigtländer-Objektive und kein Hosentaschen-Objektiv mehr, aber erfreulicherweise auch noch kein Schwergewicht. Man erkennt welch konstruktiver Aufwand nötig ist für den Gewinn einer einzigen Blendenstufe (von f/4 auf f/2.8), die aber für Innenraum-Freihandaufnahmen (z.B. in Kirchen) obligatorisch sein kann

Kobalux 21mm

Die Konstruktion (8 Linsen/ 6 Gruppen laut mitgelieferten Datenblatt) ist wahrscheinlich dem vor-asphärischen Leica Elmarit-M 21mm ähnlich (mir liegt kein Diagramm vor), dem es auch von der Leistung her ungefähr entspricht. Es ist Messsucher-gekuppelt und ragt etwas tiefer in die Camera hinein (längerer Rückdeckel) als die Voigtländer/ Cosina Objektive, ist also weniger retrofocus-konstruiert als diese. Obwohl es mit seiner schönen Ganzmetallkonstruktion und Solidität gut zu den Canon Rangefinder Kameras passen würde, lässt es sich ohne Modifikation nicht einschrauben, da es an ein Schutzblech im Lichtschacht der Canon anstösst. Mit Adapter passt es aber an Leica-M.
Der Hersteller war die kleine, feine Y.K. Optical Company, Yokohama Japan. Sie boten ihre Objektive je nach Land unter verschiedenen Namen an, noch bevor Cosina/ Voigtländer mit der Bessa ihren großen Hit mit Leica-Schraubobjektiven landete. Iin Japan als Avenon, in USA als Kobalux (unter diesem Namen ist es am bekanntesten), auch als Komura oder Pasoptik (GB). Der internationale Vertrieb scheint nicht besonders gut funktioniert zu haben, obwohl das Objektiv in der Fachpresse sehr gute, ja enthusiastische Kritiken erhielt. Welcher deutsche LEICA-Besitzer würde ein "Avenon" an seine Nobelcamera schrauben, was für deutsche Ohren verdächtig nach Billiganbieter riecht... Seit mindestens 2002 ist es nicht mehr erhältlich. Unter "Avenon Optical Company" (Eigenbezeichnung des Herstellers laut Verpackung) findet Google keine Informationen. Ich vermute die Herstellerfirma existiert nicht mehr oder hat ihre Selbständigkeit verloren.
Aufmerksam wurde ich auf das Objektiv durch diesen Artikel  auf Dante Stella's Website

Aus der Beschreibung des ehemaligen Herstellers auf der erloschenen website www.kobalux.com

"Kobalux was the first manufacturer to make Leica LTM lenses in 1994 (the first since Canon ceased production in 1972). These kicked off the "rangefinder renaissance," and predated LTM lenses that would be made by Leica, Cosina, Ricoh, and Konica by some time.
The second generation, released in 1996, met with critical acclaim, garnering favorable reviews in the British Journal of Photography (November 6, 1996) ("at least the equal of the 21/4.5 Biogon which is sometimes found converted for the Leica, and is considerably better than either of the [Leica] Super Angulons (f/4 and f/3.4)") and in Shutterbug (July 1999) ("produced very sharp images at all apertures... excellent performance for lenses in this focal length range... very well made... you can use these lenses wide-open with confidence").
The third-generation, or M-series, is the next step in Kobalux evolution, designed to bring both superior imaging in the subject areas and superior bokeh. The M-Series is an affordable alternative to a Leica 21/2.8 Elmarit-ASPH."



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