Japan's erste SLR: Die ASAHIFLEX

(c) Frank Mechelhoff                                                                        update 18. Januar 2008

  Asahiflex
Asahi Optical machte sich ab 1939 einen Namen als Hersteller von Luftbildkameras, nach dem Krieg  von Jupiter-Kleinferngläsern (6x15) und vergüteten Linsen allgemein, die u.a. für Microcameras verwendet wurden, die eine kurze Zeit lang in Mode waren. Die frühe Geschichte von Pentax ist durch den italienischen Asahi Optical Historical Club recht gut beschrieben. Um 1950 suchte man ein neues Produkt und der Präsident beauftragte seine beiden Ingenieure Nobuyuki Yoshida (für die Cameragehäuse zuständig) und Ryohei Suzuki (Objektive) eine kompakte und leistungsfähige Kleinbild-SLR zu konstruieren, die mit den modernsten Messsucher-Cameras konkurrieren konnte. Präsident Saburo Matsumoto hatte 1935 eine "Reflex-Korelle" aus Deutschland (Franz Kochmann, Dresden, 6x6) erworben die man zum Ausgangspunkt nahm.

Prakt-Asahiflex
Praktiflex (ca. 1942) m. sehr schön verarbeitetem, schwerem Schneider-Kreuznach Xenar - vierlinsiger
Tessar-Typ - f:4,5 F=10,5cm von 1939 neben Asahiflex IIa (1954) mit dreilinsigem  3.5/100mm
Leica
Möglicherweise hat man auch die "Praktiflex" gekannt, von 1939-1947 von den Kamera-Werkstätten Guthe & Thorsch in Niedersedlitz bei Dresden gebaut, und zu einem Bruchteil des Preises von EXKATA oder LEICA verkauft.

Der erste Prototyp wird im Nov. 1950 fertig und 1953 als Asahiflex-I und Ia gebaut (ca. 18.000 Stück) und hat bereits einen "halbautomatischen" Rückkehrspiegel wie die Praktiflex von 1939-1947.  Während man in Dresden das Konzept nicht weiter verfolgt, verbessert man es bei Asahi Optical mit Erfolg und bringt 1954 die erste Camera mit zwangsgekuppeltem Rückschwingspiegel, auf den Markt. Der "Blackout" nach dem Auslösen ist Geschichte!

Und im direkten Vergleich mit der Praktiflex, ist die ASAHIFLEX kleiner, feiner, bietet mehr, wirkt solider, besser konstruiert - ganz klar die bessere Camera! Man hat man das allerhöchste konstruktive Niveau erreicht, wie es von Nachkriegs-Leica, EXAKTA oder auch der britischen WRAYFLEX repräsentiert wird! Aber der Preis der ASAHIFLEX ist niedrig - 130 Dollar mit dem Top-Objektiv 2.4/58mm - so kann man mit dem etwas einfacheren Schlitzverschluß (B, T, 1/2-1/500s) ganz gut leben. Nicht nur der Verschluß - nachdem die Deutschen Vorkriegspatente freigegeben waren durfte man diesen international nachbauen - auch Dimensionen, Gewicht und Handling der Camera ähnelt der LEICA... eine so kleine SLR hatte bis dato noch niemand versucht zu bauen!
Pentax Heliar Links: Das Heliar wie von Voigtländer konstruiert - und von PENTAX weitergebaut bis in die 70'er Jahre als SMC MACRO 4/100mm

Rechts:
Das "Asahi Heliar": Objektiv zur Asahiflex (58mm f/2.4)

Asahi Heliar
Das Objektiv ist ein 5-linsiges 2.4/58mm - ein Heliar-Typ. Asahi Optical hat diese Voigtländer-Vorkriegskonstruktion - es gilt als eine der besten Portrait- und Landschaftslinsen der Welt - weiterentwickelt und auf maximale Lichtstärke gebracht. Das probiert sonst kein anderer Hersteller. Man sieht: hier geht eine erfinderische Company an den Start....  es hätte eine Warnung sein können..!
Von der Asahiflex IIa werden ca. 20.8000, von der einfacheren IIb (ohne slow-speed-dial) 16.100 Stück verkauft. Die Stückzahlen sind damit höher als die Nachriegs- und recht als die Vorkriegszahlen bei KW. Dies ebnet Asahi Optical den Weg zum Großserienproduzenten. Nicht schlecht für die erste Japanische SLR!
Asahiflex

Die Asahiflex (1954) und ihre Nachfolgerin, die Asahi Pentax mit Pentaprisma (1957). Sie wurde zum echten Knaller, und verkaufte sich zum doppelten Preis (250 - 300 USD). Das Foto macht deutlich dass die Asahi Pentax konstruktiv eigentlich auf der Asahiflex basiert. Die Ähnlichkeiten setzen sich im Inneren fort. Eine angelenkte Rückwand hatte damals ausser der Asahiflex nur die Contax. Durch den Einsatz von Aluminium anstatt verchromten Messing werden die Objektive trotz Größenzunahme(46mm; zuvor 40mm Filter) um 1/3 leichter.

Rückseiten

Asahiflex

Die Asahiflex hatte 37mm Schraubgewinde, obwohl es damals M42 bereits gab (Contax und Praktika SLR) - Praktiflex hatte 40,5mm). 37mm betrug hingegen auch der Bajonettdurchmesser der Kine-EXAKTA. Mit der Asahi Pentax wurde dann nicht nur der Objektivanschluss vergrössert, sondern auch der Spiegel. Der Spiegelkasten mit den synchronisierten Blitzanschlüssen für FP und X wurde etwas abgerundet, sonst kaum verändert. Auch die äussert haltbare und langlebige Belederung samt Einfassung - die bei CANON übrigens nahezu identisch aussah - und aus Kunststoff bestand, nicht aus Leder oder Vulkanit/Gummi - wurde unverändert übernommen.

Asahi

Kompaktheit der Cameras und Objektive bleibt immer ein Vorzug der PENTAX SLRs.
Aber dennoch werden alle SLRs der nächsten 22 Jahre Größe und Gewicht der Asahiflex überschreiten.

Erst 22 Jahre später
wird PENTAX - als Reaktion auf die Olympus OM-1 - wieder eine SLR bauen die ebenso klein und zierlich ist wie ihre allererste SLR: Es wird ihre letzte, reinmechanische Camera sein - das Ende einer Ära - die Pentax MX.

Gewichte
Asahiflex 1954: 
506g Asahi Pentax 1957:
564g
Pentax MX (1976):
488g
Asahi Kogaku Takumar 1:2.4 f=58mm: 
220g Asahi Takumar 1:2.4 f=58mm:
172g
Pentax-M 1:1.7 50mm:
182g

726g

736g

670g


Bilder und Texte copyright beim Autor Frank Mechelhoff
contact: Frank.Mechelhoff "@" gmx.de

Fortsetzung: Asahi Pentax/ Pentax K (1957-58)
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Steinheil Cassar 105/4.5 für Asahiflex/ Tower

Cassar
Eher selten in M37 für Asahiflex zu finden ist das deutsche Steinheil Cassar 1:4,5 105mm, gebaut für das amerikanische Handelshaus Sears, Roebuck &Co. und deshalb mit ihrer Handelsmarke Tower geprägt.

Sears war der erste Importeur der Asahiflex in den USA und hatte das Cassar 1956-1958 im Angebot.
Cassar
Triplet (Dreilinser) mit Frontlinsenfokussierung, Naheinstellung 3.3ft, leichtgewichtige, dennoch solide Alu-Fassung und manuelle Blende.

Häufiger zu finden in Exakta Mount und M42.

Leichter als das Asahi-Kogaku 100/3.5

Ich kaufte das Objektiv mit defekter Blende, erfreulicherweise war die Reparatur relativ unaufwendig (Beschäftigung für einen Samstag-Nachmittag)