Westdeutsche Kleinbildcameras -
wie sie gegen die Japaner verloren


(c) Frank Mechelhoff                                                                    update 16. Januar 2010

Das Ende der Deutschen Cameraindustrie ist eine Tragödie in 3 Akten. Mit Industrie ist hier die fabrikmässige Serienfertigung für den normalen Konsumentenmarkt angesprochen (Consumer+Prosumer), der im Deutschland der 50'er, 6o'er Jahre Tausende von Arbeitskräfte beschäftigte und am Weltmarkt eine wesentliche Position einnahm, wie heute Cameras aus Japan oder neuerdings China. Auch heute kommen noch Cameras aus Deutschland, aber sie werden eher handwerklich gefertigt und hauptsächlich für den Sammlermarkt - Stückzahlen und Verkaufserlöse sind zu gering um in neuen Technologien zu forschen und die Produkte konstant zu verbessern. Die Hauptimpulse zur Weiterentwicklung des fotografischen Marktes kommen längst aus Japan, wo der Hauptteil der Schlüsseltechnologien und Forschungskapazitäten sind. Lediglich in der optischen Entwicklung können zwei Deutsche Hersteller (der Konzern ZEISS und die kleine LEICA AG) noch in vorderster Reihe mithalten.

Zeiss-Ikon/ Voigtländer begründete den Ausstieg aus dem Camerabau für den Amateurmarkt 1971 mit zu hohen Produktionskosten für den "Standort Made in Germany". Und auch heute wird diese Erklärung gern wieder bemüht. Im Folgenden wird gezeigt dass man durchaus kostengünstiger produzieren konnte, aber durch eine verfehlte Modellpolitik, eine zu niedrige Innovationsrate und Managementfehler, Marktanteile und die führende Stellung im Camerabau gegen die Japaner verloren hat.

Der Tragödie erster Teil: Die letzten Innovationen

1959 - Die "Gegen-Contarex" von Voigtländer
Seit 1956 hat Carl Zeiss die Aktienmehrheit an Voigtländer, aber trotzdem macht man sich weiterhin Konkurrenz auf allen Märkten. 1959 hat der junge (1954 mit 26 Jahren von Carl Zeiss Jena zu Voigtländer herüber gewechselte) Konstrukteur Walter Swarofsky einen besonderen Prototypen fertig.

Voigtländer 132.
Voigtländer 132 Prototyp
(US-Patent 3.229.604, eingereicht 19.01.1962)
gegen Contarex I

Was bietet diese Camera (Voigtländer 132) nicht alles interessantes: Da ist zunächst die Formgebung - abgerundet und schnörkellos anstatt überladen, eckig und barock. Swarofsky gibt hier eine Linie vor die er 1963 mit dem Bessaflex Prototypen und der Ultramatic weiter fortsetzen wird. Keine Bedienungselemente auf der Oberseite! Der Auslöser ist unten rechts neben dem Objektiv; der Schnellspannhebel sitzt unten links. Zeiten- und Blendeneinstellrad (wie bei der Contarex Teil der Camera) sitzen am Objektiv, ähnlich wie bei der späteren zentralverschluß-Ultramatic. Es gibt somit Blendenübertragung vom Objektiv zur Camera und vollwertige Springblende - die Contarex schließt zwar die Blende, öffnet sie nach der Aufnahme aber nicht wieder - und wechselbare Sucher

132
(beide Bilder: Photo-Deal Nr. 28)
Vor allem aber bietet sie - ein Jahr bevor Pentax das Vorserienmodell Spot-Matic auf der Photokina zeigt - Belichtungsmessung durch das Objektiv mittels einer batteriebetriebenen Photo- (vermutlich CdS?) Zelle. Die Meßzelle wird samt Meßwerkzeiger mittels Abblendhebel unter dem Prisma eingeschoben und mißt dort etwa 1/5-1/8 des Sucherfelds, das damit aber verdeckt wird. Der vierteilige Metallverschluß ist gleichfalls eine Neuheit: er läuft von oben nach unten ab und erlaubt eine zu dieser Zeit enorm schnelle 1/100s Synchronisationszeit.
Leider ist die Camera aber auch groß und schwer (etwas größer als die spätere Ultramatic) und auch die Bedienung erscheint - bei aller schönen Linie - noch nicht ausgereift und überarbeitungsbedürftig. Aber auch Pentax braucht vier Jahre um die TTL-Belichtungsmessung serienreif zu entwickeln - erst 1964 kommt die Camera auf den Markt die zum Preis von rund 800,- Mark die Camerawelt für immer verändern wird. Die Voigtländer 132 besteht aus 607 Einzelteilen - nur halb soviele wie bei der Contarex. Und mit einem angepeilten Preis von deutlich unter 1.000,- DM könnte sie nicht nur mehr sondern wäre auch noch billiger! Das ist der Konzernführung dann doch zuviel: Um die Contarex zu schützen, läßt man den Voigtländer Prototypen sterben und entwickelt in dieser Richtung auch nicht weiter - noch bevor die Contarex überhaupt auf dem Markt ist. Offenbar glauben die Verantwortlichen der eigenen Werbung der "besten Camera der Welt" und sind blind dafür, dass die Konkurrenz aus Japan bald aufgeholt haben - und dann leider nicht so rücksichtsvoll sein wird ihre Konkurrenzmodelle freiwillig einzustampfen..

Dass man bei ZEISS-IKON bereits viel früher, nämlich zwischen 1954 und 1957 versäumt hat die japanische Konkurrenz wahrzunehmen und als ernstzunehmend einzuschätzen, zeigt die Betrachtung der frühen Erfolgsgeschichte von Nippon Kogaku K. K., oder - um es an einem bestimmten Cameramodell festzumachen, der NIKON S2...

1965 - Das Ende der Contaflex - Story...
Die Contaflex war als SLR mit Zentralverschluß (Synchro-Compur) mit Springblende bei ihrer Markteinführung 1954 eine durchaus moderne Camera. Der Sucher ist dank Fresnellringen heller als bei fast allen anderen, die Scharfstellung durch Mikroprismen und Schnittbild erleichtert. Das ist auch gut so denn die lichtstärksten Objektive haben nur f/2.8. Und dann hat sie leider keinen Rückschwingspiegel, und wird bis zu ihrer Einstellung 1970 leider auch nie einen spendiert bekommen. Hier, wie bei manch anderen Rückständigkeiten die sich im Laufe der Jahre herausstellen, muß man sich fragen ob Zeiss-Ikon solchen Übelständen nicht abhalf um künstlich einen "Abstand" zum Spitzenmodell Contarex herzustellen. Eine Modellpolitik mit fatalen Folgen.
Als Hauptnachteil stellt sich bereits sehr früh der Zentralverschluß heraus, der als Bestandteil der Camera einen vollständigen Objektivwechsel nicht zulässt. Man kann bloß die vor der Blende liegenden Teile wechseln. Das "Satzobjektiv", am Anfang des Jahrhunderts im Großformat modern, kommt zu neuen Ehren. Die Objektivvorsätze sind aber schwer und können niemals die Qualität von hochklassigen Festbrennweiten des Hauses Zeiss erreichen.
Satzt-tessar

Bei den damals noch nicht so lichtstarken Filmen ist der praktische Vorteil eines zwei Blendenstufen lichtstärkeren Tele- oder Weitwinkelobjektivs ebenso hoch wie der Prestigewert. Außerdem ist die Naheinstellgrenze höher als bei Festbrennweiten für Schlitzverschluß-SLR oder sogar Messucherkameras. Sie beträgt beim 50mm 70cm, und beim 85mm Vorsatz 1,7m (üblich waren 0,85-1m) - beim 115mm gar nur 3m. Ein wesentlicher Vorteil der SLR gegenüber der Messucherkamera, die fehlenden Parallaxe, ist damit ungenutzt.
Dies rührt daher dass man bei den Top-Modellen der Contaflex den Verschluß auf der optischen Achse beweglich hält um eine Gesamtobjektiv-Fokussierung zu ermöglichen die optisch besser ist und dem Standard hochwertiger Cameras entspricht. Aber selbstredend ist der Verstellweg des Verschlusses durch die Komponenten der mechanischen Übertragung eng begrenzt !
Ab 1962 sind die Kunden immer weniger gewillt diese prinzipiellen Nachteile einer Zentralverschluß-SLR hinzunehmen, und bringen dies durch Kauf-Verweigerung zum Ausdruck. 1963 entwickelt, wieder von Walter Swarofsky, Voigtländer eine günstige Schlitzverschluß-SLR, kleiner und hübscher als die Contaflex, und zudem billiger, zur Marktreife: die Bessaflex. -- Und diese wird vom Konzernvorstand wiederum verworfen, denn man hat andere Pläne.

Copntaflex Super-BC
TTL-Offenblendmessung

1965 kommt die letzte Verbesserung der Contaflex auf den Markt: die Super BC, die erste deutsche SLR mit TTL-Offenblendmessung, und eine der ersten überhaupt mit (wahlweiser) Blendenautomatik.Verschlußzeit und automatische Blende werden im Sucher eingespiegelt. Soviel Bedienungskomfort bietet damals keine Schlitzverschluß-SLR der Welt. Die Blendenautomatik ist mechanisch gesteuert - erleichtert durch die Tatsache dass Zentralverschluß und Blende (als eine Einheit) Bestandteil der Camera sind, obwohl sie mit der Entfernungseinstellung des gesamten Objektivs vor- und zurückfahren. Aber die TTL-Messung nahe beim Suchereinblick mittels CdS-Messzelle zeigte dass die Deutschen Ingenieure (1 Jahr nach der Pentax Spotmatic) diese Technik ebenfalls beherrschen. Die Camera ist allerdings komplex und anfällig geraten.
Der Preis dieses Spitzenmodells der Contaflex-Familie liegt bei DM 799,-- (1966) und ist trotz des gebotenen Bedienungskomforts nicht gerade billig. Sie wiegt 860g Gramm, 300g mehr als eine Pentax Spotmatic, und ist trotz der nur eingeschränkt wechselbaren Objektive eine große, schwere Camera.
Anstatt aber der kleineren und günstigeren Bessaflex wenigstens eine Chance zu geben, baute man von der Contaflex-Familie vier Modelle nebenher!

Ultramatic Merkwürdigerweise baut der Zeiss-Ikon/ Voigtländer Konzern zur gleichen Zeit noch eine weitere Zentralverschluß-SLR mit TTL-Messung und Belichtungsautomatik - sogar technisch noch ausgefeilter und mit modernerem glattflächigem Äußeren. Sie bietet voll wechselbare Objektive, darunter auch zwei die mit f/2.0 (also eine Blendenstufe lichtstärker als für die Contaflex). Es ist die Voigtländer Ultramatic (Link zur eigenen Seite).

Schon damals fragten sich viele warum man im Konzern an zwei (inkompatiblen!) Zentralverschluß-SLR-Familien entwickelte, und keine Schlitzverschluß-SLR vorweisen konnte. Heute weiß man es: der Vorstand wollte es so, wahrscheinlich um den Zentralverschluß-Hersteller, die Fa. Gauthier-Deckel, ebenfalls im Konzern, zu beschäftigen. Am Ende gingen alle zusammen pleite.

Es ist damals schon lange klar dass man mit diesen Modellen das Konzept der Zentralverschluß-SLR an sein technisches Optimum gebracht hatte..
Letztendlich waren die Contaflex Super BC und die Ultramatic CS mechanisch kompliziertere Cameras als die Schlitzverschluß-SLR des Typs Pentax Spotmatic, waren größer und schwerer, bestanden aus mehr Teilen und mussten deswegen auch in der Produktion teurer sein. Die Pentax wies eigentlich bloß eine einzige technische Finesse auf - eben die TTL-Belichtungsmessung - und war ansonsten eine einfach konstruierte, aber eben auch robuste und wenig störanfällige, mechanische Camera. Alte Pentax-SLRs sind heute noch ohne erhebliche Kosten zu überholen während Zentralverschluß-SLRs dieses letzten Typs sehr anfällig, und, wenn etwas defekt ist, fast unreparierbar sind.
Die Kunden kaufen längst nur noch erheblich geringere Stückzahlen der Zentralverschluß-SLR - der "Boom" der frühen 50'er Jahre war unwiederbringlich vorbei. Während PENTAX die Spotmatic am Fliessband in 50-100-fach größeren Stückzahlen fertigte. Und diese einfacheren, in der Massenproduktion billigen Cameras auch noch zum selben Preis absetzen konnte.
Eine um ein vielfaches kompliziertere Camera, zu geringe Stückzahlen im Vergleich zur Konkurrenz, eine anspruchsvolle Kundschaft mit Qualitätsanspruch "Made in Germany" : ZEISS-IKON verbrannte in diesen Jahren die Gewinne die sie in früheren Jahren eingefahren hatten.
Als man sich endlich dazu durchringt eine Schlitzverschluss-SLR zu bauen, enthält man ihr zuerst die TTL-Messung, später dann die Offenblendmessung und Belichtungsautomatik vor, obwohl dies seit einigen Jahren durchaus Stand der Technik war und jetzt die Verkaufszahlen der Spotmatic, 5 Jahre nach deren Vorstellung, eben wegen des Fehlen jener Features zurückgingen. Die Fachleute verstanden die Welt nicht mehr: Von einer Deutschen Camera erwartete man nicht dass sie weniger leistete als eine japanische, sondern zumindest gleichviel - wenn möglich mehr! Nur so war auch ein höherer Preis zu rechtfertigen. Die Icarex stellte aber den absurden Versuch dar die japanische Mittelklasse im Preis noch zu unterbieten!
Fazit: In den Verfehlungen der Modellpolitik des Zeiss-Ikon Konzerns kann die konkrete Ursache der zunehmenden Absatz-Schwierigkeiten ab 1965, und die letztliche Aufgabe des Camerabaus 1971 gefunden werden.
Prototyp Ender 1960'er mit Wechselobjektiven Mit Sicherheit spielte auch eine Rivalität innerhalb der Entwicklungsabteilung des Zeiss-IkonKonzerns eine Rolle. Oder wie anders ist die Fülle der unterschiedlichen, inkompatiblen Modelle Ende der 60'er Jahre zu erklären - etwa das Vorhandensein von Contaflex-Prototypen mit einem ganzen Satz voll wechselbarer Optiken, wo es doch schon erklärtes Ziel war die Contaflex abzulösen? Oder dass die Voigtländer-Entwürfe gegen die von Zeiss-Ikon regelmässig den kürzeren zogen obwohl sie die technisch und designmässig besseren waren?



...Um die Absurdität aber nun voll zu machen, produziert Zeiss-Ikon ab 1967 eine SLR mit vollwechselbaren Optiken, Bajonettanschluß, CdS-TTL-Offenblendmessung, mechanisch gesteuerter Blendenautomatik (1/500 -1/30s) und von oben nach unten laufenden Schlitzverschluß -- jedoch für 126er "Instamatic" Cassettenfilm - ein vorwiegend.für Point& shoot Billigcameras genutztes Format (immerhin 28x28 mm) das von ambitionierten Fotografen eher belächelt wird. Für diese Camera gibt es schon beim Erscheinen fünf Carl Zeiss Objektive: Distagon 2.8/32mm, Color-Panthar 2.8/45mm, Tessar 2.8/45mm, Sonnar 2.8/85 und ein Tele-Tessar 4/135mm. 1970 kommen noch ein Distagon 4/25mm und das Tele-Tessar 4/200mm hinzu. Ob man die überhaupt verkaufte? Ob mit der 126er Cassette überhaupt eine genügende Filmplanlage möglich war um die Qualität der Zeiss-Optiken zur Geltung zu bringen?
Die Contaflex 126 verkauft sich bloß 25.000 mal und kostet mit dem Tessar DM 598,- -- die Contaflex Super BC schon DM 300,- mehr. Und wiegt 130g mehr. Eine Schlitzverschluß-SLR fürs KB-Format wäre kaum teurer zu bauen gewesen (Nachweis hier), und zu diesem Preis voll konkurrenzfähig gewesen....  CANON verkauft vom elektronisch gesteuerten Blendenautomaten AE-1 10 Jahre später übrigens 5 Millionen Stück...

126

Contaflex 126 - das wär's gewesen -

für den richtigen Film...!!
Contaflex 126

 

1966 - Rollei 35 - kleinste 35mm Camera


Rollei 35 (1966)

Weiter zu den guten Neuigkeiten: Rollei bringt Ende 1966 die Rollei 35 heraus, die kleinste Kleinbildkamera der Welt. Als das gilt sie auch heute noch, zusammen mit den später gebauten Minox 35GT und Olympus XA.Und man schafft es auch, sie in ihrer regulären Bauzeit bis 1981 dezent zu verbessern. Die erste Rollei 35 (noch ohne Zusatzbezeichnung, sie entspricht der späteren "T" wiegt bloß 370g.
Von der ursprünglichen Version - immer mit dem Tessar - werden in Deutschland von Ende 1966 bis 1971 ca. 311.000 Stück hergestellt. Ab Juni 1971 verlagert Rollei die Produktion in sein neues Werk in Singapore. Sie ist der letzte wirkliche Verkaufserfolg der westdeutschen Cameraindustrie.

Die ganze Geschichte der Rollei 35 und wie es mit ihr in Singapore weitergeht lesen sie auf der Extraseite der Rollei 35 ...


1967 - Zeiss-Ikon Contarex S
Ab April 1967 baut ZEISS-IKON die Contarex-S - die erste deutsche Spiegelreflexcamera mit Schlitzerschluß und Offenblend-TTL-Messung. Sie ist die dritte Variante oder Weiterentwicklung der ursprünglichen Contarex (-I) mit Selenbelichtungsmesser (Bulls-eye) und mit DM 1.515,-- Listenpreis fast 50% teurer als diese.
Von der Contarex-I waren in 7 Jahren bloß 32.000 Stück hergestellt worden waren - zu wenig um bei den hohen Entwicklungskosten einer aus 1100 Teilen bestehenden Camera für den Hersteller wirklich profitabel zu sein. Die Contarex gilt als schwerste und komplizierteste jemals hergestellte 35mm-SLR Camera.
Zum Vergleich baute Leitz von ihrem (letzten wirklichen) Erfolgsmodell LEICA M3 - einer zwar ausgefeilten, aber technisch wesentlich einfacheren Meßsucherkamera bestehend aus rund 800 Einzelteilen, die gewiss weniger Entwicklungsaufwand verschlungen hatte - 225.000 Stück.

Contarex S
"S-Klasse":  Contarex S, 2.Version (ab 1968), chrome, mit schwarzem Zeiss Planar 2/50mm.

Die Contarex-S, ihre in den meisten Punkten komplett überarbeitete Nachfolgerin brachte es in 4 Jahren bloß noch auf 13.400 Stück (nach anderen Quellen 9.600) - die letzten 600 von Dezember 1971 bis März 1972, mit "ZEISS - West Germany" Logo - nachdem Zeiss-Ikon den Camerabau aus Rentabilitätsgründen offiziell eingestellt hat. Das Flagschiff der Deutschen Cameraindustrie, von Gläubigen als "Mercedes unter den Cameras" gelobpreist - von Reparaturexperten wie Henry Scherer eher als "Alptaumcamera" tituliert - ist nun tot... und es wird nie wieder einen geben...
Link: Die beste Website über die Contarex die ich kenne
Zwischen Mercedes und Contarex gibt es einen augenfälligen Unterschied: Mercedes der 1960er Jahre lassen sich reparieren, und viele fahren noch auf den Straßen. Funktionsfähige Contarex Cameras sind heute rar. Hingegen funktionieren die allermeisten Nikon F oder Pentax Spotmatic aus der gleichen Zeit noch immer, obwohl ihre Verschlüsse oft um ein vielfaches mehr gearbeitet haben - und ihr geringer Wert als Gebrauchtcamera, verglichen mit der Contarex, teure Überholungen nie wirtschaftlich sinnvoll gemacht hat. Leider benötigen Contarex Cameras nicht bloß mehr Wartung als die vermeintlichen Japanischen "Billigcameras" - die Wartung war schon als diese Cameras noch neu verkauft wurden und Teile verfügbar waren, nicht wirtschaftlich zu leisten. Heute, 40 Jahre später, natürlich erst recht nicht...

Mit dem Abstieg der Contarex geht Ende der sechziger Jahre der Aufstieg der NIKON F einher. Die Nikon F ist ein bißchen leichter, weniger kompliziert, extrem belastbar und zuverlässig, bietet Motorantrieb, verschiedene Wechselsucher mit TTL-Belichtungsmessung, ein ebenso großes Zubehör- und noch größeres Objektivprogramm - mit wesentlich mehr Neukonstruktionen die allesamt Zeiss qualitativ das Wasser reichen können oder sie sogar übertreffen. Lediglich der Objektivwechsel ist durch die außenliegende Blendenkupplung in der Handhabung etwas hölzern. Die Nikon F ist ein bißchen ein Spätstarter: von ihr werden - die meisten zwischen 1967 und 1971 - nahezu 1 Million Stück gebaut, vor allem an Profifotografen. Billig ist die Nikon F auch nicht - das Topmodell kostet in den USA Anfang der sechziger Jahre rund 440 USD.


Der Tragödie zweiter Teil: Den Japanern hinterher hecheln

1966 - Zeiss-Ikon Icarex
Die Icarex ist im Grunde ein Voigtländer-Projekt (vermutlich als Bessamatic-Nachfolger entwickelt) und datiert bereits aus dem Jahr 1963.
VOIGTLÄNDER, in den 50'er Jahren Erbauer so excellenter Cameras wie der BESSA-II - Königin der 6x9 Faltcameras mit Meßsucher - Prominent (Kleinbild Meßsucher mit dem besten lichtstarken f/1.5 Standardobjektiv seiner Zeit) und Vitessa (beste 35mm Falt-/ Kompaktcamera) wurde 1956 vom ZEISS-Konzern aufgekauft, nachdem dessen Eigentümer, die Schering AG (Haupteigner seit 1925) ihre Anteile verkauft hat.
Zunächst bleibt Voigtländer vertrieblich und entwicklungstechnisch selbständig, gerät aber immer mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten wegen seiner immer mehr veraltendenden Produkte. Unverständlicherweise betreiben sie auch unter einem gemeinsamen Dach mit Zeiss-Ikon weiterhin unnütze Parallel- und Konkurrenz-Entwicklungen obwohl der Markt sich längst woandershin entwickelt. Schließlich verliert Voigtländer seine Selbständigkeit und auch den Namen. 1965 wird eine Zeiss-Ikon/ Voigtländer Vertriebsgesellschaft gegründet. Voigtländer wird ab nun unter dem Logo "Zeiss-Ikon/ Voigtländer" verkauft.

Icarex - 1966

Die Camera verfügt über wechselbare Sucher aber - mit dem Standardprisma - keinen Belichtungsmesser. Zum Entwurfsjahr des Prototyps, 1963, ist dies verzeihlich - nicht aber zum Vermarktungsjahr 1966. Erst der Sucher "Icarex 35CS" (1969) bietet TTL-Belichtungsmesser - ist aber leider nicht mit Verschlußzeiten oder Blende gekuppelt: so etwas umständliches will keiner mehr haben.
Kardinalfehler der Icarex ist zudem die fehlende Blendenübertragung im Bayonet Mount (BM) - bei der Contarex selbstverständlich vorhanden - ein Fehler den man sogar noch wiederholt als man nach 2 erfolglosen Jahren die Camera mit M42 Schraubgewinde (TM) parallel herausbringt. Das ist das Problem mit ZEISS-IKON in diesen Jahren: Sie könnten es bauen wenn sie wollten - sie tun es bloß nicht. Wahrscheinlich immer aus der Furcht heraus dass sonst niemand mehr ihr Flaggschiff Contrarex kaufen würde, das längst schwere Schlagseite hat und sich nur noch mit letzter Kraft gegen die Wellen des Weltmarktes anstemmt. Auch wenn die Icarex preislich bloß die "Mittelklasse" anspricht - deren Käufer verlangen mittlerweile ein bißchen mehr!
1969 kommt ferner das Modell "Icarex 35S" (eigene Seite) hinzu, mit fest eingebautem, gekuppeltem TTL-Sucher, jedoch bloß mit Arbeitsblendenmessung. Letztlich ist sie damit (und ihrem großen Abmessungen und hohem Gewicht) in der Mittelklasse nicht konkurrenzfähig. Zudem wird sie schlecht vermarktet.
Vor der Einstellung des Camerabaus bei Zeiss-Ikon und Voigtländer wird bekannt dass die Verkaufspreise nur noch 75% der Herstellungskosten abdecken und man somit mit jeder verkauften Camera "draufzahlt" - doch diese Sicht ist irrig, und verrät einmal mehr in welch verkehrten Kategorien die Manager von ZEISS-IKON denken: Das Kostenproblem ist nur Folge des zusammengebrochenen Absatzes!


1971 - letzter Versuch von Zeiss Ikon: die SL-706

SL706

1971 geht das letzte Modell der Icarex-Familie in Serie, die SL-706 - gedacht als Ablösung von vier unabhängigen, und inkompatiblen SLR-Systemen die ZEISS-IKON/ Voigtländer zu dieser Zeit herstellt:
Die SL-706 hat immer noch M42 mount, aber wenigstens Offenblendmessung und auch Blitzsynchronisationsanschluß am Zubehörschuh, entspricht also technisch der Pentax Spotmatic-F. Sie wird aber schlecht vermarktet, trägt keinen zugkräftigen Namen und die Kunden können nicht recht glauben dass dies die Zukunft der SLR sein soll. Man hat noch die Argumente der Händler im Ohr, dass M42 Objektive und Cameras ja alle nichts taugen - was nicht stimmt - und ein Schraubgewindeanschluß technisch veraltet ist - was zutreffend ist in Bezug auf Schnelligkeit des Objektivwechsels, wie Übertragungsmöglichkeiten von Blendensteuerung u.dergl. Hier hatte die Contarex die technisch ausgefeilteste Lösung zu bieten die überhaupt am Markt vorhanden war, und der altertümliche Schraubanschluß mit der primitiv wirkenden Blendenkupplung soll das nun ersetzen?
Auch die mechanische Qualität entspricht nicht mehr dem was man sich unter "Deutsche Wertarbeit" verspricht (Link: Die SL706 von Innen)
Produziert werden nur ganz wenige. Als Ablösung all der SLR-Modelle auf M42 zu setzen ist erkennbar nicht die Lösung. Im gleichen Jahr 1971 bittet PENTAX (dieselbe Firma die M42 populär gemacht hat) ZEISS einen Nachfolger für das M42 für sie zu entwickeln
Mit der allgemeinen Produktionseinstellung bei Zeiss-Ikon für Cameras 1971 - der Beschluß wird am 4. August 1971 bekanntgegeben - werden auch die Icarex und die SL-706 eingestellt. Zeiss-Ikon wird an Rollei verkauft und heißt jetzt "Optische Werke Voigtländer".


1970 - Rolleiflex SL-35

SL35 mit Sonnar 2.8/85mm

Da sich Rollei's bisherige Spitzenmodelle, die zweiäugigen Rolleiflex (TLR Twin Lens Reflection) ebenfalls nicht mehr ordentlich verkaufen, versucht man zweierlei Strategeien:
Erstens mit der SL66 eine moderne Mittelformat-Spiegelrefllexkamera herauszubringen im Format einer Hasselblad, jedoch mit Schlitzverschluß und in die Camera, eingebauter Entfernungseinstellung (Balgen) für Carl Zeiss Objektive. Um es kurz zu machen: Trotz zahlreicher Modifikationen reicht man Hasselblad, die Camera die auf dem Mond war, verkaufstechnisch nicht das Wasser. Und die Objektive dazu sind auch nicht wesentlich billiger.
SL35 schwarz

Als zweites, und parallel dazu bringt Rollei nach vierjähriger Entwicklungsdauer seine erste 35mm SLR heraus: die SL35. Objektive zunächst von Carl Zeiss, oder deren Lizenzfertigungen von Rollei selbst. Die Maße der Camera sind: 141 x 93 x 49 mm. Sie ist damit die erste und einzige Deutsche SLR die man von den Ausmaßen als kompakt bezeichnen kann ! Die Abmessungen der Pentax Spotmatic standen offensichtlich als Referenzwert im Pflichtenheft. Sehr gut !

Die Rolleiflex SL35 Serie ist der letzte ernsthafte Versuch eines deutschen Herstellers in der "SLR Mittelklasse" etwas konkurrenzfähiges auf die Beine zu stellen.
Ab 1970 wurden in ca. 2 Jahren 24.500 Stück in Deutschland gebaut. Das ist besser als die hoffnungslose Situation bei Zeiss-Ikon, aber zuwenig um gegen PENTAX preislich konkurrenzfähig zu bleiben! Ab Juni 1972 wurde die Produktion auch dieser Camera nach Singapore verlagert. In den nächsten 3 1/2 Jahren bis Dez. 1976 baute man dort nochmals 118.500 (chrome und schwarz)

Mit eigenem, neuentwickletem Rollei-QBM-Bajonett (Version 1: 1 pin) und - leider - Gebrauchsblenden- d.h. Arbeitsblendenmessung. Zwar bietet auch Pentax erst 1973 Offenblendmessung, ist aber technisch durch das M42 Schraubgewinde gehandicapt. Hier wäre es besser gewesen sich an NIKON oder MINOLTA zu orientieren.

Hergestelltwird die Camera  in den Deutschen Voigtländer Werken in Braunschweig und Uelzen

Link: Bilder aus den Rolleiwerken in Braunschweig ("die besten Jahre" - um 1959)
Rolleiwerke

1974 - Rolleiflex SL-350

SL350
Warum zum Teufel dauert es 4 Jahre um die Nachfolgerin der SL-35 mit Offenblendmessung zu produzieren? Die LEICA bietet mit der Leicaflex SL die TTL-Offenblendmessung schon seit 1968..?
Die Produktion der SL-350 findet nur in Deutschland statt. In 2 1/2 Jahren bis Dez. 1976 werden bloß 7.974 Stück gebaut. Das sind keine Stückzahlen für einen Großbetrieb. Sie wird auch nahezu nicht vermarktet. Die SL-350 ist das hoffnungsvollste ROLLEI-Design vor dem Konkurs und wird nachfolgerlos eingestellt.
Vermutlich stellte man sie vorsorglich ein um in unseliger Manier das Angebot zu verknappen und den "Apettit" der Kundschaft auf das "geplante Spitzenmodell" SL-2000 zu steigern. Das "Management" hatte immer noch nicht begriffen dass der Cameramarkt keine Planwirtschaft a la DDR war! Die  Kunden warteten natürlich nicht im Traum auf irgendwelche Spitzenmodelle der Firma Rollei, sondern gingen zur Konkurrenz einkaufen: Gerade hatte CANON, eben auch noch fast totgeglaubt, mit der AE-1 einen tollen, mikroprozessor-gesteuerten Blendenautomaten herausgebracht - toll designt, gut bedienbar, Spitzen-Objektive, handlich, praktisch, unverschämt preisgünstig ! CANON verkaufte von ihr 5 Millionen Stück!  Sicherlich hätte man eine so große Menge Cameras auch 1975-80 in Deutschland noch gewinnbringend produzieren können!
Die SL-2000  wurde, obwohl bereits angeblich von Zeiss-Ikon entworfen, 1976 als Prototyp auf der Photokina durch Rollei vorgestellt, erst nach dem Konkurs (ab 1981) in homöopatischen Stückzahlen handwerklich gefertigt. Sie ist das für Rollei, was die Contarex für Zeiss-Ikon war: ein Nagel zum Sarg!


Der Tragödie dritter Teil: Outsourcing nach Fernost

Ab Juni 1971 lagert Rollei die Produktion seiner Kleinbildcameras von seinem Stammwerk in Braunschweig in ihr neues Werk nach Singapur aus um Ferigungskosten einzusparen und mit den Preisen japanischer Cameras mithalten zu können, auch dann wenn die Stückzahlen geringer sind. Zuerst ihr Erfolgsprodukt Rollei 35, wenig später auch die SLR Rolleiflex SL35. Dies markiert einen neuen Trend im Camerabau, dem sich bald andere Industriezweige anschließen und der bis heute ungebrochen ist ("Globalisierung").
Andere Hersteller folgen dem Beispiel. LEICA baut den Nachfolger der Leicaflex SL-2, die Leica R3 - eine durchaus moderne, wenn auch nicht revolutionäre Camera - die erste Leica mit Zeitautomatik - ab 1976 in Portugal, das zu dieser Zeit noch weitgehend unterentwickeltes Agrarland ist. Die geringen Stückzahlen lohnen keine Fertigung in Deutschland.

1974 - Voigtländer VSL-1
VSL-1
1973 kauft Rollei die Firma Voigtländer von Zeiss... und die VSL-1. ist praktisch dieselbe Camera wie die Zeiss-Ikon SL-706, erkennbar am Zeitenrad. Jetzt muß Voigtländer als "Einstiegsmarke" für Rollei herhalten - wahrscheinlich eine später Rache der von Francke und Herdecke, die einst von Voigtländer kamen als sie 1920 Rollei gründeten... Die unterhalb der Rollei SL-350 angesiedelte VSL-1 soll in Singapore produziert werden
1975 werden die "Optischen Werke Voigtländer" endgültig geschlossen - der Maschinenpark wird von Rollei übernommen.  

VSL-1 TM (M42 Schraubanschluß) Juni 1974 - Dez.1976: produziert 32.000 in chrome und schwarz.(Singapore) -- 500 in Deutschland

Gewicht 780g

VSL-1 BM (QBM Bajonett Version 2 - Offenblendmessung) von Dez. 1975 - 1979 in Singapore, insgesamt produziert 20.800 (black only).
Technisch identsich zur ausschließlich in Singapore produzierten Rolleiflex SL35M, der man aber ein schöneres Design verpasst
SL-35M

Nur am Verschlußzeitenknopf sieht man noch die Ähnlichkeit zur Icarex. Und es ist ebenfalls eine große unhandliche Camera im Vergleich zur (jetzt aufgegebenen) Rollei SL-35/ SL-350. Man versucht noch etwas ganz neues und entwickelt einen Zeitautomaten im neuen kompakteren Gehäuse, die Voigtländer VSL-3E (Rolleiflex SL 35 E).

Letztlich wird das alles nicht helfen. Auch die in Singapore möglichen hohen Stückzahlen. Es will nämlich niemand mehr diese Cameras kaufen, auch nicht zu Discount-Preisen zu denen man sie zum Schluß auf den Markt werfen wird. Man hat ein veraltetes Modellprogramm. Die SL35E leidet unter Qualitätsproblemen, was man bei einem Produkt aus dem Hause Rollei nicht akzeptieren mag.

Weiterhin bringt die kompakte Rollei 35 den höchsten Cash-Beitrag. Die SLR-Geschäfte brechen ein. Mittelformat spielt fast keine Rolle mehr umsatzmäßig. 1977 schließt man das Zweigwerk in Uelzen, entlässt den Großteil der 250 Mitarbeiter und verlagert die Produktion ins Stammwerk nach Braunschweig. Der Anfang vom Ende... 1978: Qualitätsprobleme mit der neuen Einsteiger-Rollei 35 LED. Wie immer in solchen Fällen, das schlechte Gerede bleibt auch nachdem man die Fehler behoben hat. 1981: Konkurs ! Das Singapore-Werk, dessen aufgeblähte Kapazitäten mit schuld daran ist, wird sofort geschlossen. Es gibt noch heute originalverpackte Objektive zur Voigtländer VSL zu kaufen so groß waren die Überkapazitäten!

Das Stammwerk Braunschweig wird in der Folge noch mehrmals verkauft, die meisten Beschäftigten verlieren ihre Jobs. Cameraproduktion "Made in West-Germany" ist damit Geschichte. Jetzt sind bloß noch "Sonder"- "Gold"-Serien möglich die stückweise in Handarbeit produziert, und zu hohen Preisen an internationale Sammler verkauft werden. Auf diese Weise lebt man vom guten in der Vergangenheit erworbenen Namen, kann aber nichts Neues mehr schaffen.

Weiterhin bauen noch Werke in der DDR wie Praktica in Dresden Cameras - auch als Hausmarken für westdeutsche Handelsmarken wie Quelle. Sie produzieren aber innerhalb einer abgeschlossenen Wirtschaft und sind nicht der Konkurrenz des Weltmarktes ausgesetzt und ebenfalls nicht von westdeutschen Patenten reglementiert. Andererseits werden sie vom Regime hoch gefördert und subventioniert da sie wertvolle Devisen ins Land bringen. Dass sie der Konkurrenz des Weltmarktes ausgesetzt, nicht gewinnbringend produzieren können, wird nach der Wiedervereinigung 1990 traurig sichtbar. Dennoch machen sie eine viel solidere Modellpolitik und bauen in den 80'er Jahren eine Fülle guter Cameras für den Käufer mit beschränktem Budget der auf ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis Wert legt.


1970 - Weber SL-75
Weber SLR
S/W Fotos aus: H.J. Kuc, Contaflex und Contarex

Das letzte Überbleibsel von Zeiss-Ikon ist der Prototyp SL-725 der Traum vom Contarex-Nachfolger, der nie in Serie gebaut wird. Angeblich ist die SL-725 kleiner als die Contaflex - falls das stimmt stellt sich die Frage warum man sie nicht zur Ausgangsbasis späterer Serienkameras, Z.B. der VSL-1 gemacht hat... Aber wahrscheinlich war sie konstruktionstechnisch ebenso eine Krücke wie die Icarex.
Das Objektivbajonett wurde gegenüber der Contarex vereinfacht, wie bei ihr ist der Blendenring Teil der Camera. Es existiert sogar ein ganzer Satz ZEISS-Objektive hierzu, die den späteren C/Y-mounts sehr ähnlich sehen: Distagon 4.0/18mm, Distagon 2.8/25mm, Planar 1.4/50mm, Sonnar 2.8/85, Sonnar 2.8/135mm, Tele-Tessar 3.5/200mm. In Gesprächen ist man mit einer Dacora/ Weber-Gruppe in Nürnberg. Auf der Photokina 1974 wird der Prototyp vorgestellt. Wird es einen neuen "SLR-Mercedes" Made in Germany geben..?
Aber man muß einen neuen Partner suchen. Als nächstes ist Pentax im Gespräch doch die winken ab: unattraktiv, zu teuer. Bloss einige Ewiggestrige träumen noch den Traum von der Deutschen S-Klasse SLR weiter...


1975 - Contax RTS
Contax RTS

Am Ende einigt man sich mit dem Kyocera/ Yashica Konzern. Yashica hat schon lange Erfahrung im Camerabau, hat schon Ende der 50'er ganz gute Schraub-Leica-Kopien produziert und zuletzt mechanische  SLRs im M42 mount die etwas schwer aber unzerstörbar waren. Wie manch andere Japanische Camerafirma auch zu der Zeit deren Schwerpunkt auf mechanischen Komponenten liegt, hat man die Miniaturiserung und Elektronisierung verschlafen. Das Problem haben nicht nur Deutsche Firmen! Einige Japanische Camerabauer gehen Anfang der 70'er Jahren ebenfalls in Konkurs, wie z.B. Miranda Optical
Yashica hat es dank der Hilfe von Kyocera aber gerade nochmal geschafft, und einige interessante elektronisch gesteuerte Cameras im Angebot, auch wenn sie im Vergleich zu heutigen klobig wirken. Die Zusammenarbeit von Yashica/Kyocera und ZEISS indes wird eine lange Zeit anhalten, und sie wird erfolgreich sein - vor allem für ZEISS, den Objektivhersteller. Auch wenn die CONTAX RTS als Profikamera nicht den Namen haben wird wie die CONTAX Messucherkamera der Vorkriegszeit, ist es doch ein Top-Produkt in der obersten Camera-Liga, auf einem Level mit den Spitzenmodellen von NIKON und CANON - während die Deutsche CONTAREX doch eher eine Außenseiterrolle gespielt hatte.
Das in einigen Punkten altbacken wirkende Design der Weber SL wird durch den Automobilbauer Porsche aufgefrischt. Nachher wird das "Design Porsche" in der CONTAX Werbung groß herausgestellt - als ob eine Automobilproduzent irgendeine Kompetenz hätte betreffend die Bedienungselemente von Cameras. Besser als jede ZEISS-IKON in der Handhabung zu sein, ist jedenfalls kein Kunststück... Trotzdem finde ich, die Verwandschaft zur Weber-SL ist trotzdem noch gut erkennbar.
Die RTS wird als Spitzencamera der CONTAX/ YASHICA- Serie bis 1982 produziert. Ihr werden einige Modelle zur Seite gestellt die ebenfalls den ruhmreichen Namen und ein eigenständiges Design tragen und sich zumindest teilweise ganz gut verkaufen: z.B. die Contax 139
mit dem besten Preis-/ Leistungsverhältnis der Serie.
Von der C/Y-Mount Cameras werden die folgenden Stückzahlen verkauft. Im Vergleich zu NIKON, CANON sind diese gering.

Contax RTS I
95.000 Stück
Contax RTS II
45.000 Stück
Contax 139 Quartz
170.000 Stück
Contax 137MD
50.000 Stück
Contax 137 MA
43.000 Stück
Contax 159MM
25.000 Stück

Manch konservative Freunde Deutschen Camerabaus und des Namens CONTAX werden diese Camera niemals akzeptieren weil kein Deutscher Camerahersteller sie baut. Doch keiner kann sie bauen. Außer LEICA und MINOX gibt es keine mehr...


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Der Niedergang des Hauses Voigtländer
ZEISS Objektive und CONTAX/ Made in Japan
VOIGTLÄNDER Geschichte 1950'er und 1960'er Jahre
Geschichte der Spiegelreflexcamera von 1936 bis 1960
NIKON F - DIE professionelle SLR der späten 60'er
ICAREX - der "letzte Versuch" von ZEISS-IKON

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