taunusreiter TAUNUSREITER
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Update 13. Jan. 2007
 

Piaffe

Geländereiten und Versammlung

Verschleißt „Freizeitreiten“ die Pferde?

Es mag noch ein paar Leute geben, die glauben Geländereiten bedeute nur sich von einem Pferd herumtragen zu lassen. Viele Freizeitreiter haben nach Jahren, in denen sie ohne jeden „dressurmässigen“ Anspruch geritten sind, gemerkt, dass Ihr Pferd immer härter und unbequemer zu reiten geworden ist. Manche haben ein neues Pferd bekommen und festgestellt, dass es auf dieselbe Art wie das alte nicht zu reiten ist. Andere haben Rücken- oder Beinprobleme festgestellt die vielleicht auf schlechtes Reiten zurückzuführen sind (oder zusätzlich zu anderen Ursachen?)
Seit ein paar Jahren ist es wieder „in“ „schönzureiten“. Es kam zu einer Renaissance der Barrockrassen und "Wiederentdeckung der Alten Meister". Nun, ganz vergessen waren sie in all der Zeit nicht, und direkt ins 18. Jh. zurückzurutschen und alles was seither von durchaus vernünftigen Reitern gesagt wurde zur Ausbildung von Pferdetypen die den heutigen immerhin eher entsprechen, ganz zu vergessen wäre vielleicht nicht ganz klug.

Klassisch reitende Freizeitreiter – es gab sie immer

Freizeitreiter die an ihr Reiten auch einen gewissen Anspruch hatten und die Klassiker selbstverständlich kannten, hat es im deutschen Sprachraum jedenfalls auch in der "dunklen Zeit" der Freizeitreiterei zwischen dem 2. Weltkrieg und sagen wir, Sadko Solinski's Alarmruf "Reiten Reiter Reiterei" (1983) gegeben, und einige davon haben sogar geschrieben: Udo Bürger, Horst Stern, Jutta von Grone, Egon von Neindorf, Joachim Brand, Gerhard Kapitzke, um nur ein paar zu nennen. Es hat sie also immer gegeben, die “klassisch reitenden Freizeitreiter“... Und sie hatten sogar “deutsche” Vorbilder, aus der Zeit vor dem ersten und zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg. Sie ritten in der besten Tradition der deutschen Reitmeister - nicht die Olympiasieger, nicht die Kraftreiter, nicht die Verfechter des “German hang and bang system” wie die FN-Reitweise von manchen respektlos auch genannt wird. Freizeitreiter mit ernstem Anspruch an ihr Tun werden hier viel äußerst interessantes finden, wirken doch viele von Steinbrecht karikierte Fehler wie letzte Woche in der Reithalle bei den “Englischreitern” beobachtet. Und sogar ihm, der sich heute so modern liest, wurde vor mehr als 100 Jahren von Kritikern vorgeworfen, seine Schule hätte die Beizäumung zum wichtigsten Prinzip erhoben salonfähig gemacht. Wen würde es also wundern wenn sich dort noch viel interessanteres fände - gerade weil das von unserer “offiziellen” Reiterei in den letzten 50 Jahren nicht mehr zur Kenntnis genommen wurde. Wie auch immer! Wir haben nun wieder den Typ Reitpferd der nach Flucht und Vetreibung hinter dem eisernen Vorhang entschwand, für den die alten deutschen Meister schrieben. Machen wir uns dran ihn nach den alten Quellen auszubilden und zu reiten!

„Barockreiten“ – nur eine Modeerscheinung?

Dennoch ist jetzt eine Mode daraus entstanden, und ein Haufen Ausbilder, viele davon selbsternannte, beklagen mit ernster Miene den schlechten Stand der Freizeitreiterei, das "Reiten auf der Vorhand" -- für ihren Vorwand der Jagd auf Kunden oder dem Durchsetzen ihrer alleinseligmachenden Theorien, die bei näherer Beleuchtung wesentlich schlechter begründet, weniger durch lange eigene Erfahrung überzeugend, weniger durch wissenschaftliche Erklärungen erklärt und leider auch weniger frei von Werturteilen sind als manch ältere von vor 100 oder mehr Jahren! Von den unumstrittenen Meistern (Branderup, Hinrichs, Jänisch - um nur drei zu nennen) hört man dergleichen schrille Töne nicht. Sie haben das nicht nötig, und wichtigeres zu tun: zeigen, wie man’s besser macht...

Wo liegt der Schwerpunkt?

Also wozu, bitteschön, dieses neumodische Zeugs lesen, oder bei diesen Schreihälsen in die Reitstunde gehen, die noch nicht einmal vom Unterschied der statischen (in den stark versammelten Gängen) und der dynamischen Gewichtsverteilung (in schnelleren Gangarten im Gelände) gehört haben? Steinbrecht kannte sie, deshalb schrieb er sein „Reite Dein Pferd vorwärts“... Nur weil die echten „Quellen“ zu lesen sich in der heutigen verflachten Zeit wo man für jedes Problem und Problemchen sofort ein „Rezept“ haben möchte, am liebsten jetzt und sofort aus einer Internet-Newsgroup, sich kaum noch einer die Mühe macht?? Das ist das eigentliche Problem. Freizeitreiter die nicht völlig illiterat und geschichtslos sind schütteln über den jetzigen Boom jedenfalls verwirrt und verständnislos die Köpfe, obwohl sie „im Prinzip“ gar nicht uneinverstanden sind: Alles schon mal dagewesen!

Versammlung – Ja, aber wie?

Für den Geländereiter ist es daher weniger eine Frage des „ob“ als des „wie“, mit welchen Mitteln nämlich versucht wird Versammlung zu erreichen, und vielleicht besteht eher Einigkeit darüber, mit welchen Mitteln Versammlung nicht anzustreben ist, und die man – leider – bei den Modereitstilen ebenso häufig sieht wie in schlechten Dressurställen. Kein Geländereiter hat etwas gegen Versammlung einzuwenden, die aus dem Sitz heraus, nicht von vorn nach hinten geritten, das Pferd im Gleichgewicht aus der Mittel- und Hinterhand heraus, erritten werden kann -- weil sie dem freien Vorwärtsreiten keine Beschränkungen einträgt. Nur: Bis man auf diesem Wege zur Versammlung kommt, ist es mit den meisten Pferden ein ganz schönes Stück, und um sich selbst und sein Pferd auf dem Weg dahin nicht zu verkrampfen trägt der Reiter gut daran, nie zu vergessen dass alles bewusste „Streben und Wollen“ und Reiten mit den Zügeln das Ziel Versammlung in unerreichbare Ferne rückt....


Ich hab es schon gehört: Eine perfekte Piaffe wie die oben gezeigte könne man mit unseren Warmblut- oder Freizeitpferden gar nicht reiten!
Wie praktisch, wenn man da so sicher sein kann...!
Nun, vielleicht kann es in der Tat nicht
jeder (und der Verfasser gibt zu, es nicht zu können). Aber es gibt welche die es können, oder zumindest gab es welche die es konnten:

Piaffe
Muß man so ein Bild (gefunden in Phillipe Karl: Irrwege der modernen Dressur - Die Suche nach einer "klassischen Alternative") eigentlich kommentieren, sieht man nicht alles auf einen Blick? Vielleicht sehen es viele, aber doch nicht alle, deswegen versuche ich's mal:
Der Reiter (Richard Wätjen) sitzt ruhig und gelassen, in schlicht idealer Haltung, tiefer Sitz, lange Bügel. Er muß, um diese schwere Übung zu reiten, nicht groß mit den Schenkeln einwirken, die deswegen ruhig an ihrem Platz liegen, und hat sichtbar wenig in der Hand. Das Pferd in idealer, hoher Aufrichtung, am Zügel, die Nase eine Spur vor der Senkrechten, das Genick ist (eben noch) der höchste Punkt. Es tritt mit soweit wie ihm das möglich ist gebeugten Hanken, ans Gebiß heran, das nicht am Boden befindliche Vorderbein hoch erhoben, das stützende nur ganz leicht zurückgestellt. Besser wäre es senkrecht, aber mehr Gewichtsübernahme der Hinterhand wäre für ein langrechteckiges Pferd wie dieses (in einem Moment fast völliger Ruhe - beim Passagieren mag es anders aussehen) schlicht unmöglich. Nicht zusammengekrochen, wird man glauben dass es (wie die Definition der Piaffe es verlangt), sobald durch den Reiter vorgelassen, mühelos in Passage-Tritten davonschweben könnte.
Zugegeben, es sieht nicht ganz so prachtvoll und mühelos aus wie bei dem Lusitanier oben -- aber es um Welten besser, zwangloser und leichter, als was man auf jedem Dressur Grand-Prix mit Sternen zu sehen bekommt..!


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