Wege
zum Reiten...
(Nicht mit Reitwegen
zu verwechseln, die wollen wir nicht!)
Gelände- und Wanderreiter und "weiche
Wege"
Erfahrene Pferdeleute wissen dass viele, wenn nicht die
meisten
Erkrankungen
des Bewegungsapparats und des Hufs ihre Ursache in zu langer oder zu
schneller
Belastung auf hartem Boden haben. Der trockene Steppenboden über
den
zu laufen das Pferd von Natur konstruiert ist, federt bei Belastung
durch
den Huf weit stärker als künstliche Untergründe wie
Schotter
und Asphalt, besonders wenn noch das Gewichts von Reiter und Sattel
dazukommt.
Schon im 19. Jh., als man noch gar keine Schwingungen messen konnte,
kannte
man den Begriff der "Rückdröhnung" von harten
Untergründen
und "Pflasterlahmheit" war eine bekannte und gefürchtete Krankheit
von
Kutschpferden im städtischen Raum. Schotterböden mit losem
Belag
sind besonders gefährlich, weil die Gelenke durch
unnatürliche
Verdrehungen hier besonders beansprucht sind. Eine Tatsache die jeder
Fußwanderer
im wahrsten Wortsinne nachfühlen kann. Damit ist natürlich
nicht
gemeint dass tiefer Boden und grundlose Matschwege grundsätzlich
besser
wären, oder man seinen Weg mit der Machete suchen muß, wenn
irgendwo
ein Weg mit künstlicher Oberfläche auftaucht. Denn die
Kieswege
und wassergebundenen Wege mit feinem Belag sind (wenn der Hufschutz
stimmt)
gar nicht mal übel. Jedoch dürfen sie nicht so benutzt
werden,
daß bleibend sichtbare Spuren zurückbleiben, weil Anlage und
Reparatur
dieser Wege aufwendig und teuer ist, und Reitschäden den
Verursachern
angelastet werden müssen.
Für Geländereiter, besonders Distanz- und Wanderreiter, ist
es
wichtig um diese Tatsachen zu wissen. Auf Distanzritten mit gutem
Geläuf
sind die Ausfallzahlen wegen Lahmheit signifikant geringer als mit
schlechtem,
und Pferde die sehr häufig und in hohem Tempo auf hartem
Geläuf
eingesetzt werden, weniger lange gesund bleiben und häufig ersetzt
werden
müssen. Echte Pferdefreunde meiden daher diese Art von
Wettbewerben
ganz. Schon Steinbrecht, der größte Deutsche
Reitmeister,
verlangte dass ein vernünftiger Reiter stets das bestmögliche
Geläuf
zu suchen habe.
Deshalb wird kein echter Reiter einen Wanderritt durch Gegenden machen,
wo
alle Wege geschottert oder asphaltiert sind, oder man keine anderen
benutzen
darf. Es gibt eine Grenze was noch toleriert werden kann, und Regionen
wo
heute schon 75% und mehr der Wege geschottert oder asphaltiert sind
sollten
vom Wanderreiten ausgeschlossen sein. Wer hier länger reitet als
2-3
Std. täglich im Schritt, verschleißt die Gesundheit seines
Pferdes
über kurz oder lang, und wer das nicht glaubt soll verdammtnochmal
absteigen
und eine Tagesetappe nebenherlaufen!
Organisatoren von Wanderritten und Vereinigungen die das Wanderreiten
und
den Reittourismus fördern wollen sollten das genau wissen. Die
schönen
bereitbaren Wege sind das wichtigste Kapital, das nicht verloren gehen
darf!
Es würde nichts mehr nützen wenn das fehlt, aber die
Quartiere
noch so schön, komfortabel oder günstig sind. Das sind zwar
nicht
zu verachtende Dinge aber doch nur Beiwerk. Wichtiger ist das
Landschaftserlebnis,
und das gute Gefühl dem Partner Pferd nicht wehgetan zu haben.
Landschaftserlebnis,
und weiche Wege hängen jedoch zusammen. Wo weiche Wege
hinführen,
kommt nur der Fußgänger oder Reiter hin. Auf harten Wegen zu
reiten
ist eigentlich unsinnig weil man da schneller und besser mit dem Auto
oder
Moped hinkäme. Ein solcher Wanderritt wäre letztlich auch
für
den Reiter eine Enttäuschung, nach dem Motto "Einmal und nie
wieder",
oder "das nächste Mal fahren wir zum Wanderreiten in die Ukraine".
Das
tun zwar schon viele, aber damit wäre dem Wanderreiten in
Deutschland
nicht gedient.
Da wir aber auch in den Regionen Deutschlands, in denen Wanderreiten
noch
möglich ist, mit bis zu 50% befestigten Wegen rechnen müssen
(und
wir viele von denen, zumindest mit weichem Kiesbelag, traben
können
um besser vorwärtszukommen) muß ein Hufschutz her der dieser
Tatsache
Rechnung trägt. Das kann sein (in der Reihenfolge des
Gleitschutzes)
Kunststoffbeschlag, glatter Eisenbeschlag, Profileisen (Vaure-Eisen),
Eisenbeschlag
mit Vidiastiften, Alubeschlag mit Griffen, oder (für alpines
Gelände
und Spezialfälle) Eisen mit Schraubstollen. Der benötigte
Beschlag
sollte mit dem Einsatzzweck und -dauer, dem Pferde-Individuum sowie dem
vorgesehenen
Reittempo so genau wie möglich abgestimmt sein. Je weniger
schöne
Wege es gibt desto eher wird man auf ihnen Schritt reiten, um das
seltene
Erlebnis zu verlängern. Man wird da bummeln, wo es schön ist,
und
versucht die unerfreulichen Abschnitte zügig, und so
pferdeschonend
wie möglich hinter sich zu bringen! Wer längere Abschnitte
unterwegs
ist, der wird nicht umhinkommen, problematische Abschnitte zu
durchqueren,
wo ein Reiter angeguckt wird wie ein Mann vom Mond: Lücken
zwischen
Großsiedlungen, Gewerbe- und Industriegebieten ("Industrieparks"
wie
es auf Neudeutsch so schön heißt!), wichtige
Flußbrücken,
Eisenbahn-, Autobahnüberquerungen und Kombinationen aus alledem.
Ursprünglich
waren alle diese Hindernisse passierbar. Vor 30 Jahren gab es noch
Autobahnen
ohne Leitplanken, niveaugleiche Bahnübergänge und
ähnliches
- und mehr Verkehrstote als heute. Seitdem sind "Planer" dazu
übergegangen
hier ein Zaun zu ziehen, dort ein Geländer oder Drehkreuz zu
bauen,
und am besten den Menschen von allem Gefährlichen das man
geschaffen
hat, künstlich fernzuhalten - etwas das für Kinder,
Alkoholisierte
oder anderweitig Untüchtige auch richtig und verständlich
ist.
Niemand hat den Planern je gesagt dass Reiter eine Kalteiche
überqueren
wollen, den Fuldischen Landrücken, oder den Main zwischen Mainz
und
Frankfurt! Sie würden ihn in die Klapsmühle sperren. Und doch
kann
es in Einzelfällen nötig sein. Anderfalls sind Inseln
geschaffen
die nicht mehr verbunden sind. Wenn ich 15 Min an einer Straße
auf
eine Lücke warten muss bei dem heutigen Verkehr ist das zwar
ärgerlich
aber nicht zu ändern. Nur : Werden
wir als Reiter tätig wenn
irgendwo
etwas installiert wird, dass ein Passieren von heute auf morgen
unmöglich
macht, beispielsweise der Durchschlupf verschlossen, und jeder
gezwungen
wird die 3 km bis zur neugebauten Brücke auf Asphalt
zurückzulegen.
Das macht die Landschaft fürs Wanderreiten tot.
Weiche Wege und Geschichte
Seit ca. 1840-1870 gibt es genaue Karten von Deutschland, und
man wird
feststellen
dass es die meisten der weichen Wege schon seit dieser Zeit gibt. Die
alten
Haupt-Ortsverbindungswege sind meist wesentlich älter, die
Höhenwege
entlang der Wasserscheide sind oft frühmittelalterlich oder
keltisch.
An vielen Stellen gibt es Römerstraßen die am längsten
überdauert
haben, und am bekanntesten sind. Vermutlich war die Ausdehnung des
Wegenetzes
um 1880-1914 in Deutschland am größten, da hier Land- und
Forstwirtschaft
im intensivsten die Flächen genutzt haben. Seitdem ist ein
Rückgang
festzustellen, der bis heute anhält. Das ist selbst beim
Autoverkehr
festzustellen: Wenn eine neue Straße gebaut wird, werden zwei
alte
und unzählige Kreuzungen stillgelegt. Das Resultat ist eine
Konzentration
des Verkehrs, mehr KM, Spritverbrauch und Stau.
Ebenso ist es mit den Waldwegen. Wo viele Wege aufgeschottert wurden,
lässt
man alte zufallen, weil sie vermeintlich nicht mehr benötigt
werden.
Die Waldarbeiter vor 30 Jahren stammten noch aus den benachbarten
Dörfern
und wussten, dass ein Weg schon zu Großvaters Zeiten existierte.
Es
wäre ihnen daher nie eingefallen, beim Abasten eines Baumes mit
der
Kettensäge die Zweige einfach auf dem Weg liegenzulassen dass
niemand
mehr durchkommt, außer er sitzt 1 1/2 m über dem Boden auf
einem
Forstschlepper.
Früher gab es viel mehr Leute im Wald, die alle unterschiedlichen
Gewerken
nachgingen: da gab es viel mehr Waldarbeiter, die an vielen Stellen
zugleich
arbeiteten anstatt 2 Mann auf einem Harvester für einen ganzen
Kahlschlag.
Es gab Glasbläser, Köhler, Pottaschebrenner, Hirten (auch das
Großvieh
und selbst Pferde wurden in den Wald getrieben). Es gab Bergleute die
ihre
Gruben mitten im Wald hatten. Der Bauer beschaffte sein Bau- und die
arme
Holzsammlerin ihr Brennholz. Der Wald gab Brot im wahrsten Sinne des
Wortes.
"Viel Holz vor der Hütte" war ursprünglich mal
gleichbedeutend
mit „Auskömmlichen Wohlstand haben“. Kaufleute, Boten und ganze
Heere
benutzten die alten Höhenstraßen die entlang der
Berghöhen
gingen, die trockener und sicherer vor Überfällen waren als
die
von Bächen durchzogenen Talengen, wo es noch keine Brücken
über
jedes Rinnsal gab, und Wagen steckenblieben. Alle gingen sie
überallhin
und legten dabei Wege an. Jeder der heute viel im Wald unterwegs ist
wird
zugeben müssen, dass außer um Punkte touristischer
Massenanziehung
und Parkplätzen kaum jemand im Wald unterwegs ist. Manch
Spaziergänger
schafft gerade noch 2km bis zur nächsten Waldkneipe, da muß
er
sich dann zwei Stunden vom anstrengenden Marsch erholen. Dabei gibt es
noch
Unterschiede des Lebensalters, der Mentalität und Kultur. Es gibt
Förster
die haben noch nie eine türkische Familie im Wald gesehen.
Weiche Wege und Natur
Ebenso wie das Verschwinden eines weichen Waldweges eine
kulturelle
Verarmung
ist, ist es auch eine Verarmung der Natur. Soweit es den Wald betrifft,
gilt
nicht die Regel: "Viel hilft nicht viel", sondern die Vielfalt. Der
Wald
holt sich seinen Teil von selbst, wo der Mensch weicht. Wenn morgen
alle
Menschen aus Deutschland verschwunden wären, würde es in 100
Jahren
wieder waldbedeckt sein. Wo ein Weg im Niederwald 15 Jahre nicht
gepflegt
wird, da kommt kein Mensch mehr durch und kein Reiter (im Hochwald,
besonders
in dichtem Buchenwald wo kein Untergehölz aufkommen kann, dauert
es
etwas länger). Es ist aber dann ein wertvolles Kleinbiotop
unwiederbringlich
verloren, dass gerade darin bestanden hat, dass hier ein
Grünstreifen
quer durch den Wald zog, und Nahrung für Insekten, Schmetterlinge,
Wild
und überhaupt Lebensraum für seltene Arten, eine
"ökologische
Nische" bot, wobei es dazugehörte, dass dieses Kleinbiotop ab und
zu
durch den Menschen "gestört" wurde. Denn erst viele Tritte des
Menschen
(oder des Pferdes) und andere Aktivitäten menschlicher Kultur wie
Fällen
störender Bäume, Abschneiden von Ästen schafft etwas das
als
Weg erkennbar und benutzbar wird. So wird durch kulturellen Eingriff
etwas,
das von der Natur noch verschönert wird. Wer sich über diesen
scheinbaren
Widerspruch wundert, sollte wissen, daß Großstädte
heute
oft mehr Artenreichtum an Vögeln bieten als ausgeräumte
Agrarlandschaften
und monotone Fichtenwälder - weil es mehr Vielfalt und "Nischen"
gibt
- und keine Bejagung stattfindet.
Der Fußgänger und die weichen Wege
Der Wanderer ärgert sich über Grobschotter, und der
Jogger noch
viel mehr. Aber die Wandervereine werden kaum viel tun diese Wege zu
erhalten.
Vielfach wird bei Schotterungen argumentiert, dass dies doch für
die
Wanderer geschehe.
Der Radfahrer (Mountainbiker)
Radfahrer in der Natur sind losem Schotter gegenüber
feindselig
eingestellt,
weil der Fahrwiderstand größer wird und die Haftung
geringer.
Es sind potentielle Verbündete, größer an Zahl und
besser
organisiert als die Reiter. Auch sie arbeiten gegen die gängige
Ansicht,
sie seien rücksichtslose Rabauken. Sie haben auch allen Grund
dazu,
denn häufig sind die Anklagen berechtigt.
Ämter, Naturparksverbände, Institutionen,
Bauindustrie und Weiche Wege
Bürokraten und Bauindustrie versetzen den weichen Wegen
den Todesstoß!
Die Erklärung ist einfach: solange der Weg unbefestigt ist,
nützt
er keinem von denen. Wenn ein Tourist der in Sandalen einen Bergweg
entlanggelaufen
ist und dreckige Füße bekommen hat, einen Brief an ein Amt
schreibt,
kommen Vorgänge in Bewegung. Der unbefestigte Weg hat den Ruch des
Primitiven,
Rückschrittlichen. Er lässt sich nicht verwalten und braucht
kein
Budget. Man muß etwas "verbessern", Anträge schreiben,
Budgets
beantragen, Firmen beauftragen, Fristen und Zahlungen überwachen,
man
braucht weitere Stellen: einen Stellvertreter, Sekretär,
Buchhalter
etc. Alles Dinge die jedem Bürokraten noch wichtiger sind als ihre
eigentliche
Aufgabe. Die Bauindustrie möchte gerne Aufträge.
Öffentliche
Bauhöfe oder Forstbetriebe wollen beschäftigt sein. Alle
befestigten
Wege müssen nach einem bestimmten Plan alle 7 Jahre neu befestigt
werden
egal ob sie verschlissen sind oder nicht. Ein letzter Rest von
sozialistischer
Planwirtschaft, wobei man sich fragt wielange wir uns den noch leisten
wollen
in Zeiten chronischer Verschuldung der öffentlichen Verwaltung.
Aber
Vorsicht: wenn ein Weg neu befestigt wird, wird das oft viel
minderwertiger
gemacht als in der Vergangenheit. Der von den Römern erfundene
mehrschichtige
Wegaufbau, die wassergebundene Decke ist teuer! Ebensogut - für
die
Planerfüllung - kann man eine Ladung Grobschotter abkippen und
auswalzen.
Er wird sich schon irgendwie festfahren, und wenn nicht, haben andere
das
Problem... Wie - die Erholungssuchenden beschweren sich, weil sie nicht
mehr
laufen können..?
Naturschutz-Fundamentalisten und Weiche Wege
Es gibt eine Sorte Naturschützer (beileibe nicht alle)
die möchten
den Menschen am liebsten aus der Natur weghaben, und tun so als
wäre
der unbefestigte Weg nicht durch Menschengebrauch über
Jahrhunderte
entstanden (und nur durch weiteren nachhaltigen Gerbrauch zu erhalten)
sondern
eine Schöpfung von Mutter Natur. Und jeder Teil der Natur muss vom
Menschen
geschützt werden indem man Zäune herumzieht, den Menschen
aussperrt
und nur von außen draufgucken lässt. Im Grunde steckt Mangel
an
Denken in Zusammenhängen und eine menschenfeindliche Einstellung
dahinter.
Zusätzlich elitäres, antidemokratisches Denken (denn sie
selbst,
Experten, Aufpasser und solche mit akademischen Titeln dürfen
hinein
- die anderen müssen draußen bleiben). Das Musterbeispiel
ist
der von Brüssel bezahlte Naturschutzbürokrat der im
Biosphärenreservat
im Geländewagen herumfährt und Fußgängern eine
Predigt
hält dass sie diesen Weg nicht benutzen dürfen, weil die
Birkhühner
vertrieben werden. Erkennbar wird dieses Denken bereits an der Sprache,
denn
es gibt für diese Leute keine Erholungssuchenden sondern nur
"Natur-Benutzer",
was heißen soll Abnutzer. Sie nehmen irgendetwas von der Natur
weg
oder verändern sie negativ. Regelungskreisläufe sind in dem
Konzept
nicht vorgesehen. Jede Veränderung, und sei sie noch so gering,
ist
negativ und endgültig. Gegen diese Leute kann man wenig machen,
außer
bei Wahlen dafür zu sorgen dass ihre Mittel so gekürzt
werden,
dass sie ihre Jobs los werden, und das Geld für wirklichen
Naturschutz
ausgegeben wird. Das gilt auch für alle Institutionen die
sinnlosen
Wegebau finanzieren. Schreiben ans zuständige Ministerium oder den
Bund
für Steuerzahler können nützlich sein.
Jäger und Weiche Wege
Der typische Jäger läuft nicht mehr viel. Die Wege
im oder am Wald
haben für ihn die Funktionen "Wirtschaft" (um die kümmert er
sich
nicht), als Zufahrten zum Ansitz, und als Wildfutterquelle. An
letzteren
beiden ist er sehr interessiert. Insbesondere will er dafür jede
Form
von Durchgangsverkehr vermeiden weil dies seinen Ansitz stört. Es
ist
zwar normal bei seinem Hobby auch mal gestört zu werden aber viele
Jäger
sind da empfindlich. Die Fußgänger sind leicht davon
abzuhalten
unbefestigte Waldwege zu benutzen, dazu reicht eine umgesägte
Fichte.
Schwieriger ist es mit den Reitern. Pferde können springen, und
Reiter
sind manchmal schwierig davon abzuhalten, Wege zu benutzen die sie die
letzten
10 Jahre benutzt haben, besonders wenn ringsum schon alles geschottert
ist.
Aus seiner Sicht verhält sich der Reiter dann nicht aus Not so,
sondern
um den Jäger zu ärgern. Das kann für böses Blut
sorgen.
Um sein Handeln abzusichern (denn natürlich ist es ungesetzlich
Wege
die dem Forst gehören zu sperren) werden Schilder aufgestellt wie
"Wildruhezone
- Bitte nicht betreten" oder noch tränenseliger "Wir, die
Wildtiere,
brauchen diesen Raum zu überleben" usw. Nur hat das Wild dort wo
es
angeblich Ruhe und Raum zum "Überleben" finden soll, Hochsitz an
Hochsitz
stehen von wo der mit der Flinte auf ihn lauert vor dem es die
größte
Angst hat! Es ist nämlich lange erwiesen dass das Wild sehr wohl
zwischen
harmlosen Menschen (Jogger, Radfahrer) und Feinden (Jäger)
unterscheiden
lernt - davon abgesehen dass der Reiter geruchlich gar nicht
wahrgenommen
wird, und das Pferd nur gemieden, aber nicht gefürchtet wird und
keinen
"Stress" darstellt.
Ein spezielles Kapitel sind auch die Wege an Waldrändern.
Jäger
überzeugen Landwirte diese nicht mehr zu pflegen oder pflanzen gar
Gehölze
um weitere Schutz- und Deckungsräume fürs Wild zu schaffen.
Meist
gibt es ja einen längst befestigten Feldweg der ortsnäher
ist,
und der Landwirt kann auf den Waldrandweg tatsächlich verzichten -
nicht
aber der Reiter. Wenn nicht einer der Landwirte auf den
Jagdversammlungen
wo solches beschlossen wird, selbst Reiter ist (oder seine Tochter),
ist
das Schicksal eines weiteren Weges besiegelt, und ein paar Hochsitze
mehr
stehen herum.
"Partnerschaft" zwischen Reitern und Jägern
Echte Partnerschaft kann es geben wenn auf Augenhöhe
miteinander
umgegangen
wird, und der eine dem anderen nicht vorschreibt wie er sein Hobby
auszuüben
hat. Wo es reitende Jäger gibt gelingt das in vielen Fällen.
Wie
der Jäger jagt, interessiert mich als Reiter nicht, es sei denn er
verstößt
gegen Gesetze die dem Wald oder meinen Interessen schaden
(Wildfütterung
im Sommer, Wegsperren usw). Aus Partnern können Verbündete
werden,
denn Jagd und Reitsport sind beides archaische Hobbies die der
Öffentlichkeit
schwer zu vermitteln sind, weshalb bestimmte Politiker geneigt sind,
weitere
gesetzliche und bürokratische Vorschriften ohne rechten
Sachverstand
zu erlassen nach dem Motto "Nicht gut, aber wenigstens gut gemeint".
Wer
heute der Forderung nach einem schärferen Waffenrecht zustimmt
muss
sich nicht wundern wenn morgen der Führerschein für Reiter,
abzuleisten
bei der FN Pflicht wird (unabhängig davon dass er manchem Reiter
wirklich
guttun würde!) Jagd und Reiterei sind beides Hobbies, nichts
weiter.
Keiner der ein Hobby betreibt, kann verlangen das ohne Rücksicht
auf
andere, und vielfältige Einschränkungen zu tun, die eine
moderne
und immer enger werdende Welt von uns verlangt.
Schwierig wird es zwischen Jägern und Reitstallbesitzern. Der
Jäger
zahlt an die Grundeigentümer die Jagdpacht. Der Reitstallbesitzer
hingegen
erzielt Einnahmen aus der Benutzung des Waldes durch seine Einsteller
ohne
Gegenleistung! Er wird gegen Forderungen bestimmte Wege nicht mehr zu
benutzen
etc. daher nicht viel entgegensetzen können. Der
"Erholungssuchende"
Reiter ist dagegen rechtlich nicht schwächer gestellt als der
Jäger,
auch wenn oft anderes behauptet wird, und manche sich auch
verschüchtern
lassen. Der Jäger wird es aber erkennen und achten, wenn er es mit
einem
Reiter zu tun hat, der wie er selber Naturliebhaber ist, und sich in
der
Natur zu bewegen weiß!
Forstwirtschaft und Weiche Wege
Wenn Förster zugleich jagen, gibt es immer
den Interessenskonflikt Jagd gegen andere Erholungssuchende
("Waldnutzer"),
und Wild gegen Wald. Außer dort wo Treibjagden etabliert sind,
die
den Wildbestand kurzhalten. Jagende Förster haben wenig
Interesse
an Reitern auf unbefestigten Wegen, und ziehen es vor sie zur
"Wildruhezone"
umzuwidmen - jedenfalls solange bis mal wieder ein Harvester hindurch
muss.
Stichwort "Schilderwald". Kommt man dann an die Forstbezirksgrenze
fragt
sich der Naturfreund, warum denn hier die Rehe offenbar mit viel
weniger
"Ruhe" auskommen...
Bei dem häufig aufkommenden Vorwurf der Wegbeschädigung durch
Reiter
muß man sich eins klarmachen: Die Forstwirtschaft zählt oder
verwaltet
keine unbefestigten Wege, und demzufolge auch keine Schäden an
solchen
Wegen - schon gar nicht durch Reiter. Noch nie wurde ein unbefestigter
Forstweg
wegen Reitschäden befestigt. Sie benutzen sie solange bis
es
nicht mehr geht, dann werden sie eben geschottert, Punkt. Es gibt
Forstbezirke
wo kein Tun oder Lassen erkennbar ist solche Schäden zu vermeiden,
oder
wenigstens gering zu halten. Vermutlich sind das solche mit einem
festen
Budget für Wegeneubauten. Und es gibt solche, oft gleich
benachbart,
da fahren nur geeignete Fahrzeuge bei geeigneter Witterung in den
Bestand,
tun ihren Job, räumen hinterher auf und nichts ist kaputt. Einfach
staunenswert!
Entweder diese Förster haben weniger Mittel für Wegebauten,
mehr
Ehrgeiz einen guten Job zu tun, oder sind häufiger mal
draußen
und kontrollieren die Arbeit ihrer Leute. Einer dessen herrliche
unbefestigte
Altstraßen ich überschwänglich lobte, nannte dies
trocken
einen Luxus. Nur: Solche vor Gesundheit strotzenden
Mischwaldbestände
die man auch mal jahrelang in Ruhe lassen kann, kein
ausgetüfteltes
Forstwegenetz nötig haben noch Kosten verursachen, ist weit mehr
als
Luxus. Es ist besser als Geld auf der Bank und sollte jeder
Waldbesitzer
anstreben, zumindest längerfristig kalkulierende wie Staat,
Kommunen,
und Genossenschaften.Die Privatwaldbesitzer wirtschaften häufig am
Limit,
oder in der Verlustzone - oft durch unrentable
Betriebsgrößen,
Fehlentscheidungen oder kurzfristiger Profitabilität. Sie erliegen
besonders
leicht einer Propaganda von adligen Standesvertretern, die Reiter seien
an
allem Schuld, machten die Wege kaputt, man müsse sie aussperren
oder
könne durch Gebühren und Wegzölle Reibach machen, da die
Öffentlichkeit
ja ungerechterweise den Wald kostenlos nutze, sie aber die Kosten
trage,
z.B. für Abfallbeseitigung, besonders für wilde
Müllentsorger
u.ä. Da ist was dran. Nur ist die Hemmschwelle stark herabgesetzt,
wenn
deutlich wird dass niemand sich mehr kümmert, Wege zugeworfen
werden,
Landwirte und Anwohner Bauschutt kostengünstig loswerden und
weiche
Waldwege mit Ziegelbruch, kaputten Kacheln u.ä. "verschönern"
ohne
dass durchgegriffen wird - dann wirft der nächste bald kaputte
Kühlschränke
und Altreifen dazu, und warum nicht auch Batterien und
Ölfässer?
Dann fragt sich der brave Waldbesucher ob man für solch asoziale
Frechheit
nicht Ausnahmen vom Rechtsstaat machen solle, und Zwangsarbeit, Weekend
hinter
Gittern, oder eine nette Tracht Prügel wohl wirksamer wären.
Aber
die Verantwortlichen müssen sich fragen ob nicht sichtbares
Desinteresse,
Gleichgültigkeit, Unordnung und Verkommenlassen dazu beigetragen
haben
dass es soweit gekommen ist.
Fazit für uns Reiter
Vor wenigen Jahren wurde in Freizeitreiterkreisen noch debattiert ob
Reiten
ohne Eisen nicht grundsätzlich besser sei, doch mittlerweile ist
man
sich ziemlich einig dass auf das "notwendige Übel" Beschlag
realistischerweise
nicht verzichtet werden kann. Leute die das immer noch verneinen leben
entweder
viel abgelegener als 99% der Reiter oder
können sich den Luxus sehr weiter Anfahrtswege leisten um ihrer
Liebhaberei zu frönen - als ökologischer Sport fällt
Geländereiten damit durch. Es darf nicht dazu kommen dass wir alle
den letzten schönen Wegen quer durch Deutschland und Europa mit
unseren Pferden hinterherreisen müssen - auch wenn das teilweise
(nämlich von Langstrecken- Distanzreitern) schon so gemacht wird.
Ich habe Anfangs der 80'er Jahre noch lange Wanderritte ohne Beschlag
gemacht
und über weite Strecken 80% und mehr unbefestigte Wege gefunden,
sodass
ich auf den wenigen harten Wegen ohne Probleme Schritt reiten oder
führen
konnte. Mittlerweile hat sich fast überall das Verhältnis
umgekehrt.
Anfangs habe ich versucht mit besseren Karten (1:25.000), besserer
Information
und Vorbereitung dem Problem Herr zu werden. Aber es geht nicht. Sehen
wir
den Tatsachen ins Gesicht: Wir sind, wenn kein Wunder geschieht, die
letzte
Generation Reiter die noch durch Deutschland reiten kann ohne dem Pferd
wehe
zu tun.
Ziehen wir aus diesen
unerfreulichen Tatsachen die Konsequenzen, nämlich um den Erhalt
der
letzten
zum Reiten geeigneter Wege zu kämpfen. Nicht zu verwechseln mit
"Kampf
für Reitwege", denn Regulierung ist nutzlose Bürokratie und
führt
zu Massenaufkommen und neuen Problemen... Warten wir nicht dass andere
es
für uns tun werden. Und vor allem, tun wir etwas dafür, dem
Image
entgegenzutreten, dass wir Reiter es sind die diese letzten Wege
zerstören.
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