taunusreiter TAUNUSREITER
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Update 17. Jan. 2010
 


WANDERREITEN - die andere Krone der Reiterei

Frank Mechelhoff  -Wanderrittführer VFD

Dammersfelder Rhön ..im Taunus und drum herum...




<- Link zum Besten Wanderreitpferd von allen...
              








VORAUSSETZUNGEN BEI PFERD UND REITER

Natürlich sind nicht alle Pferderassen und -individuen gleich gut fürs Wanderreiten geeignet, aber das macht nichts! Wenn sich aber jemand dafür interessiert, Wanderreiter zu werden, wird er oder sie kaum von Null anfangen. Höchstwahrscheinlich hat er bereits ein tüchtiges Geländepferd, und in seiner Umgebung alles interessante abgeritten, so dass er sich für weiter entfernte Ziele zu interessieren beginnt. Das ist der "klassische" Weg wie man zum Wanderreiten kommt. Es spricht alles dafür mit dem Pferd anzufangen dass man bereits hat. Ob das eine Pferd 25, das andere 80km täglich bewältigt, ist nicht das entscheidende. Vielleicht ist es eine Frage der persönlichen Zielsetzung oaber nicht der Eignung schlechthin.

Körperbau

Ideal sind alle harmonisch gebauten Pferde im mittleren Stockmaß von 1,35 bis 1,60. Weder schwere, noch sehr magere Typen versprechen hohe Ausdauer. Das gut bemuskelte Mittelmaß ist am besten geeignet. Es gibt also viele prinzipiell geeignete Rassen. Ponies, Warmblüter, Kaltblüter (im Reittyp) wie kleine Vollblüter.

Vorteilhaft ist ein gut ausgeprägter Widerrist. Er gibt dem Sattel Halt und ist meist mit einer guten Schulter verbunden, bietet Ansatzpunkte für ausgeprägte Muskeln. Eine tiefe muskulöse Brust deutet auf ein starkes Herz und gute Lungen hin. Leicht nach außen gedrehte Ellenbogen, die mindestens zwei Finger Luft zur Gurtlage lassen bedeuten eine stabile Vorhand und machen nie Probleme mit Gurtdruck, sollen aber nicht mit bodenenger Stellung kombiniert sein. Etwas bodenweite Stellung vorn ist in der Kombination eher vorteilhaft und macht trittsicher.

Die hinteren Sprunggelenke sollten nicht zu steil gewinkelt sein, da dies Spat begünstigen kann. Allerdings wird das andere Extrem, schwache Säbelbeine noch viel weniger leisten, auch wenn sie noch so tief unter den Körper gestellt und Gewicht tragen. Eine breite Kruppe und kräftig bemuskelte Oberschenkel sind empfehlenswert, dürfen dabei nicht plump geformt sein oder in der Bewegung schwerfällig wirken. Es ist besser das Pferd "steht über viel Boden" als dass die Hufe eng gestellt sind, sonst sind Streifverletzungen nicht vermeidbar. Für ein Wanderreitpferd ist dies etwas sehr lästiges, und wenn das Pferd es nicht im Laufe der Zeit lernt, auch ohne Streifleder Verletzungen zu vermeiden, dies zu geschwollenen Fesseln oder ähnlichem Ungemach führt, macht dies das Pferd zum Wanderreiten untauglich. Von der Seite betrachtet, soll die Kruppe sollte nicht gerade, eher etwas abfallend sein, weil das die Gewichtsübernahme und Beugung der Hanken begünstigt. Hierzu ist es optimal wenn die Abstände zwischen Hüfthöcker, Sitzbeinhöcker und Kniescheibe ein gleichseitiges Dreieck bilden.

Wenn der Widerrist stark und gut ausgeprägt ist, muß der Rücken entgegen häufiger Ansicht nur gerade und straff, aber nicht stark bemuskelt sein. Pferde mit zu kräftigen Rückenmuskeln neigen eher dazu, diese festzuhalten und unter dem Reiter zu versteifen, zu Verspannungen, unbequemen Gang und reiterlichen Problemen als leicht bemuskelte, die den Rücken leichter hergeben und auch bequemer zu reiten sind. Satteldruck tritt bei ihnen jedenfalls seltener auf, als bei den "stark" aussehenden, mit breiten Muskelwülsten versehenen Rücken.

Geschlecht

Dass Hengste höchst unpraktische Wanderreitpferde sind weil sie immer spezielle Betreuung und Unterbringung bedürfen dürfte einleuchten. Dennoch gibt es Reiter die das auf sich nehmen; sie werden ihre Gründe haben. Wallache sind ausgeglichenere Charaktere und eignen sich für Einsteiger am besten. Jedoch ist nicht zu leugnen dass sie in Punkto Biß, Initiative und Ausdauer mit Hengsten oder Stuten nicht mithalten können. Stuten sind in Bezug auf lineare Schnelligkeit und Kraft Hengsten leicht unterlegen, übertreffen diese jedoch an Ausdauer, besonders in Extremausdauer (hier sind auch Frauen Männern überlegen!). Letzteres ist wichtiger sowohl für Wander- als auch Distanzpferde. In der Regel sind Stuten mutiger als Wallache und scheuen weniger (und wenn, dann meist nicht aus Mißtrauen oder Feigheit, also echten charakterlichen Mängeln, sondern eher um ihre Reiter zu prüfen, aus Überempfindlichkeit oder um sich ein wenig wichtig zu machen). Stuten gelten darüberhinaus als launisch, jedoch hauptsächlich bei Nicht-Stutenreitern. Gut erzogene Stuten machen ebensowenig Schwierigkeiten, weder gegenüber dem Reiter noch anderen Pferden, wie entsprechende Wallache. Stuten im Training und Sporteinsatz werden auch nicht ausgeprägt rossig - einige verlieren besonders in den Ausdauerdisziplinen zeitweilig fast völlig ihren Eisprungzyklus - und sind ebenso konstant leistungsbereit wie Wallache - und jedenfalls weit weniger äusseren Einflüssen und Ablenkungen unterlegen als Hengste. Bekannt ist dass männliche Reiter häufig besonders gut mit Stuten, Reiterinnen dagegen mit Hengsten zurechtkommen, was wohl an der harmonischen Verbindung von Gegensätzen liegt.

Gewichtsverhältnis

Reiter und Pferde sollten Größen- und gewichtsmässig "zusammenpassen". Es ist Fakt dass ein zu kleiner oder zu leichter Reiter sein Pferd nicht gut beherrschen kann, und Hilfen nicht effizient ankommen. Häufig gibt es in solch ungünstigen Konstellationen sogar massive Rangordnungsprobleme: das Pferd erscheint oft als der Ranghöhere. Klar dass für einen Wanderritt so etwas absolut tödlich ist. Bei grossen Reitern ist es ungünstig, wenn deren Oberschenkel so lang sind dass deren Kniee bei schmalen Pferden abstehen weil dann die Unterschenkelhilfen das Pferd nicht mehr leicht erreichen. Das Ideal ist ein Gewichtsverhältnis von Reiter zu Pferd wie 1:6 unter der Berücksichtigung dass noch Gepäck mitgenommen wird (sonst 1:5). Jedoch gilt dies nur bis zu einem Stockmass von 1,60 und einem Gewicht von 550kg, darüber hinaus sind kleinere Pferde verhältnismässig leistungsfähiger. Und natürlich tragen leichte, starkknochige Pferde mehr als feingliedrige oder solche die nicht nur den Reiter sondern selbst noch 50-100kg Übergewicht mit sich herumschleppen müssen! "Heavyweights" unter den Reitern (das beginnt bereits bei 80kg) werden - je schwerer umso mehr - Probleme bekommen “optimal passende” Pferde zu finden und sollten eher mit kleineren vorliebnehmen - müssen diese dann allerdings stärker entlasten: mehr zu Fuß gehen, leichteres Gepäck, geringeres Tempo und Streckenleistung usw. Der bekannte Wanderrittführer Herbert Fischer, selbst eher ein "heavyweight", brachte das einmal auf die nicht ganz ernstgemeinte Sentenz "Über 100kg im Sattel, das ist nicht Reiten sondern Fleischtransport..!" Das hindert ein eingespieltes und guttrainiertes Team nicht darin gute Leistungen zu erbringen. Unzählige Araber haben auf dem schwersten Ritt der Welt, dem "Tevis-Cup" (100 Meilen durch die Sierra Nevada in längstens 24 Stunden), bewiesen 1/3 ihres Gewichts schadlos tragen zu können. Ähnliches haben auch Ponies geschafft. Das muß schon betont werden, nachdem die 1:6-Gewichtsregel der Kavallerie selbst in "Freizeitreiter"-Zeitschriften wieder ausgegraben und als tierfreundliches Solll hingestellt wurde - nachdem man früher einmal wusste welche Typen zu den "Gewichtsträgern" gehören und was das ist. Aber nur leichtgewichtige Leute kamen überhaupt zur Kavallerie (die reitende Artillerie z.B. musste schon anders rechnen). Und nicht wie heute Tierschutz sondern Schnelligkeit und Durchschlagskraft der Attacke waren deren Begründung. Heute sind die Kriterien andere. Meine 1,47m große Fjordaraberstute hat mehrwöchige Touren mit fast 30% ihres Gewichts belastet, mehrfach mit Elan und gesund bewältigt. Jedoch habe ich mich dann mit 40-45 km täglich und 6-7 Std. Reiten begnügt, während sie ohne Gepäck das doppelte leisten kann - und bis zu 7kg Kraftfutter täglich gefüttert. Natürlich kann man dann nicht mit einem 1,60-Halbblüter mithalten wollen der 60km mit einem Lächeln zwischen den Zähnen schafft... Wobei dahingestellt sei wieviel Tage er dieses Lächeln behielte in schwierigem Gelände wo sich ein Pony einfach hindurchwuselt!

Geländetauglichkeit

Damit ist der nächste Aspekt zum Thema "Größe bei Wanderpferden" genannt. Kleine Pferde sind viel geländetauglicher als große. Die Alten sagten "das Pferd muß zur Scholle passen", und das stimmt noch immer (nur die Welt hat sich seitdem verändert). Für einen Wanderritt durch die norddeutsche Tiefebene ist ein Pferd im Typ des alten Trakehners (heute eher polnischen oder russischen Warmbluts) wohl noch heute am leistungsfähigsten und geeignetsten. Mit einem Isi käme man auf den endlos graden Wegen nicht recht voran. Ein größerer oder schwererer Typ würde auch nicht mehr als 60-80km täglich schaffen, dabei höhere Anforderungen an Futtermenge und Unterbringungung stellen und seine Leistungen wären unsicherer.
Die interessantesten Reitgebiete Deutschlands sind heute aber die weniger dicht bebauten Mittelgebirge Süddeutschlands. Das sind überhaupt keine historischen Reitpferdezuchtgebiete. Hier sind die Ponies und Araber im Vorteil, denn die 50-60km täglich die sie hier unter besten Bedingungen erreichen werden von keinem größeren Pferdetyp überboten, zumal ihre Ansprüche an die Unterbringung geringer, und sie selbst härter und weniger verletzungsanfällig sind. Wer schmale Bergpfade begangen hat, umgefallene Bäume, Stege und schmale Fußgängerbrücken passieren mußte, wird keinen Zweifel mehr hegen, daß man mit einem Pferd von 1,40m und 350kg Gewicht viel besser durchkommt als mit einem 30cm grösseren fast doppelt so schweren. Ich habe jedenfalls schon dutzende Engpässe erlebt, wo ich mit dem Pony "eben so" drunter durchpasste. Wo ich um gefallene Bäume zu umgehen, an steilen Hängen ausweichen musste, kam das Pony trotz geringerer Kraft ebenfalls meist geschickter, sicherer und Reiter oder Führer mit weniger "mulmigem Gefühl" weiter. Je mehr die Hauptwege geschottert und unbereitbar werden (und die Belange der Reiter beim Wegebau und anderen Planungen vergessen werden), desto mehr bleibt einem heute gar nichts anderes übrig als immer mehr Wanderwege und schmale, eigentlich für Fußgänger gedachte Wege, Stege, Durchlässe und Unterführungen zu bereiten, wo immer dies noch möglich (und zulässig) ist. Dafür sind kleine Pferde einfach besser. Sie zernieren dabei die Wege auch bei weitem nicht so wie große und schwere Typen, zumal sie meist nicht so exaltierte Gänge haben und ihre Füße leise aufsetzen anstatt sie aufzuknallen. Trifft man einmal Fußgänger wo sie einem besser nicht begegnen sollen, kann man sich besser „kleinmachen“. Ängstliche Menschen haben weniger Angst vor Kleinpferden als vor Großen. Kleinpferde machen sympatisch und lassen den Reisenden zu Pferd nie „herrenreiterhaft“ wirken.
Außerdem sind die kleinen kompakten Exemplare in fast allen Rassen ohnhin die besseren und härteren. Je größer gezüchtet, desto mehr Qualitäten des ursprünglichen Typs gehen verloren. Je alpiner das Gelände desto kleiner muß das Pferd sein (Haflinger/ Isländer). Neben den meist weicheren Gängen kleinerer Pferd spricht dies dafür, sein Pferd keineswegs größer auszuwählen als notwendig um das Gewicht bequem tragen zu können. Die eindrucksvolle, nach "viel Pferd" aussehende Optik bringt eben nicht besser vorwärts, schon gar nicht trägt sie die Last auf lange Sicht gesünder. Wäre ich 20 kg leichter würde ich deshalb wohl immer bei den Ponies bleiben.

Psychische Eigenschaften

Wenn man die Wahl hat, ist ein Pferd mit aktiv-freundlichem, vorwärtsstrebenden Charakter und Nachteilen im Exterieur oder der Gewichtsklasse dem körperlich perfekten, aber passiv oder trägen weniger leistungsbereitem Exemplar bei weitem vorzuziehen. Man sollte zwar nicht zu früh ein Urteil über ein bestimmtes Pferd sprechen, weil sich dies bei geeignetem Training noch erstaunlich verbessern kann. Aber wie beim Menschen, sind die seelischen Eigenschaften für die Leistungsfähigkeit entscheidend -- und Wanderreiten verlangt entschieden mehr Intelligenz, Fleiß, Lernfähigkeit, Mut, Flexibilität, Ausdauer und geistige Stärke, eben das was man gemeinhin "Charakter" nennt, als rein körperliche Eigenschaften. Außerdem ist der Umgang mit einem mittuenden, freundlichen und geistig regen Wesen auch für den Reiter viel erfreulicher als einem stumpfen Tier, das zu allen Aktivitäten angetrieben werden muß - schon auf kurze Dauer, erst recht über Tage und Wochen. Dies dürfte der Grund sein warum viele Wanderreiter hochblütige Pferdetypen bevorzugen - trotz manch praktischer Nachteile und erforderlichen Rücksichten. Aber was macht das schon aus gegen das Gefühl einen echten Freund dabeizuhaben?
Das fängt schon beim Führen an! Ein Pferd das nicht eifrig neben seinem Reiter herläuft und sich für die Welt intereressiert, das nicht losgeht sobald sein Reiter losgeht, sondern immer erst auf den Ruck im Maul wartet, braucht einen Viehtreiber und keinen Reiter. Solche Exemplare die immer bestrebt sind vier Beine am Boden zu haben, machen auch Gerte und Sporn nicht zu einem Kameraden mit dem man gern auf Tour geht. So richtig es ist, daß ein Pferd auf Anforderung auch mal steht - viel wichtiger aber ist daß es geht! “Gehlust ist die wertvollste Eigenschaft eines lebenden Wesens von der Ameise und Biene bis zum Menschen selbst (Monteton)” Wie könnte das für Vielseitigkeitspferde anerkannt sein, nicht aber für die größten "Geher" in den Pferdedisziplinen gelten? Temperamentvoll aber doch gehorsam ist das Ideal - nicht nur des Wanderreitpferdes.

 
wanderreiten
Foto von Wanderrittführer Wolfgang Schräder

Erziehung

Verträglichkeit mit anderen Pferden ist für Wanderreitpferde äußerst wichtig. Auch dominante Tiere, oder kämpferische Charaktere, die es ja gibt und nicht immer die schlechtesten sind, sollen, müssen und können zu absoluter Frömmigkeit erzogen werden. Ich kenne ebensoviele Wallache, Stuten und sogar Hengste die schlagen und dies ist bei Gruppenritten unerträglich und muß mit der notwendigen Konsequenz und gegebenenfalls Strenge aberzogen werden, wozu leider manche Reiter nicht in der Lage zu sein scheinen. Wenn der Reiter niemals züchtigende Strafen in der Öffentlichkeit anwenden sollte ist hier die Ausnahme von der Regel. Außerdem muß er lernen es besser zu reiten, denn Schlagen ist auch immer Zeichen für mangelnden Schenkelgehorsam (ein Pferd vor dem Schenkel kann nicht ausschlagen). Für Beißen gilt dasselbe wobei gewisse nicht in die Tat umgesetzte Beißdrohungen Teil des natürlichen Einschüchterungsverhaltens dominanter Tiere sind und nicht ganz aberzogen werden können.
Erziehung heißt aber nicht Sklavengehorsam, das gilt besonders für Hengste, Stuten und hochblütige Pferde. Diese brauchen wegen ihres höheren Grads an Aktivität und Intelligenz auch gewisse Freiheiten, ebenso wie ein intelligenter, aktiver und sensibler menschlicher Charakter eher unter bedrückendem Zwang leidet. Ohne Motivation und Freiheit keine befriedigende Leistung. Genauso ist es beim Pferd. Das Gleichgewicht zwischen Gehorsam und notwendigen Freiheiten zu erhalten ist aber die Kunst der Erziehung und verlangt gesunden Menschenverstand und Erfahrung. Der große preußische Reitmeister v.Krane nannte diese für den Geländereiter notwendige Selbständigmachung des Pferdes von den Hilfen mit "Entwöhnung". D.h. zuerst kommt die Erziehung, dann geht man einen Schritt zurück und gibt die notwendige Freiheit.

Anbinden und Stehenlassen

Anbinden ist ebenfalls reine Erziehungssache, und für jedes Wanderreitpferd eine "conditio sine qua non". Ich habe aber beobachtet dass viele Reiter aus Furcht ihre Pferde ungern oder gar nicht anbinden. Wie sollen sie es da lernen abgebunden zu stehen? Einfach indem man die Pferde immer wieder anbindet, auch ohne selber weiter wegzugehen, zu möglichst vielen Gelegenheiten, wenn möglich ab  dem Alter von 3-5 Monaten. Wie überall in der Reiterei, versucht man Konflikte nicht absichtlich hervorzurufen, indem man die Pferde zunächst lange an Orten anbindet die sie gar nicht gern verlassen möchten, z.B. beim Füttern. Es muß quasi in einem längeren Zeitraum zu einem erlernten Reflex werden dass man da stehenbleibt wo man angebunden ist. Natürlich können solche Reflexe nie 100- sondern immer nur 99%-ig verankert werden. Deshalb entferne auch ich mich nicht gern wenn mein Pferd in einer nicht völlig überschaubaren Umgebung angebunden ist, also z.B. ohne Futter und andere Annehmlichkeiten. Aber es stimmt auch nicht dass das Risiko umso größer ist je hochblütiger das Pferd ist. Hochblütige Pferde wenn sie gehorsam und vertrauensvoll sind stehen wie eine Eins selbst wenn sie es vielleicht nicht leiden können allein zu bleiben und dieses Mißfallen gegen den als drückend empfundenen Zwang vielleicht auch zum Ausdruck bringen (was man diesen kaum verbieten kann). Ihre Intelligenz und ihr Vertrauen helfen ihnen aber den Zwang dennoch hinzunehmen. Wo das fehlt, wo Mißtrauen und Ängstlichkeit dominieren, sind Pferde oft nicht davon abzuhalten Befreiungsversuche zu unternehmen - und werden so nie zu brauchbaren Wanderreitpferden.

VORAUSSETZUNGEN BEIM REITER

Charakterliche Voraussetzungen des Reiters lasse ich hier mal aus; sie sind ganz ähnlich wie oben fürs Pferd beschrieben und entsprechen im übrigen denen die an jeden Reiter gestellt werden. Hier sei nur daran erinnert dass Reiter, Ritter, Chevalier, Kavalier ursprünglich dasselbe bedeuten. Als Wanderreiter sollten wir uns bemühen nicht mit "Herrenreitern" verwechselt zu werden, denn die mag niemand besonders, und das hat gute Gründe.

Körperliche Fitneß und Ausdauer

Ein Mindestmaß an körperlicher Leistungsfähigkeit und Frische ist ganz unverzichtbar, das nicht bei jedem Reiter, auch solche die sich als körperlich aktiv bezeichnen, vorhanden ist. Besonders auffällig ist dies bei Gruppenritten, wo nach einigen Stunden, längerem Traben oder stärkeren Anstrengungen wie Fußmärschen sich bei vielen stärkere Ermüdung einstellt, die auf die Stimmung drückt, oder einen nachlässigen Sitz zu Pferde zur Folge hat, worunter dieses leidet. Nichts ist unsportlicher! Ein Wanderreiter muß zu einem strammen mehrere KM langen Fußmarsch neben seinem Pferd her in der Lage sein, in voller Ausrüstung, um dieses je nach Bedarf zu entlasten, selbstverständlich auch bergauf. Keine allzulangen Pausen dürfen wegen Ermüdung des Menschen notwendig werden. Dieses muss er/sie mehrere Tage hintereinander leisten können, selbst wenn die Unterkünfte bescheiden oder sogar etwas primitiv sein sollten und keine perfekte Regeneration zulassen. Natürlich gilt dies auch bei schlechter Witterung, Kälte und Regen!
So zeigt sich dass sehr wenige sportlich untrainierte Reiter, noch dazu aus einem Bürojob, diese Anforderungen uneingeschränkt erfüllen können, ohne dass der zum Ertragen körperlicher Anstrengungen unabdingbare Frohsinn leidet. Auch Training im Studio muß hierfür nicht fitter machen. Reduzierung evtl. vorhandenen Übergewichts, mehrstündiges Reiten (mit längeren Trabreprisen), stramme Fußmärsche und Ausgleichssport sind zur Erlangung der notwendigen Fitneß nützlich. Laufen (evtl. mit Pferd an der Hand) 10km im flachen Gelände, oder 2000m Schwimmen in 1 Std. sind gute Fitneßziele. 

Pferdehänger

Man kann auch immer von zuhause aus losreiten, dann braucht man überhaupt keinen Hänger und auch kein Zugfahrzeug. Das ist nicht das schlechteste! Schülern oder Studenten bleibt meist ohnhein nichts anderes übrig. Wenn man aber in seiner Umgebung alles abgeritten hat, kommt mit den Jahren der Wunsch nach einem eigenen Hänger auf, um lange Anmarschwege durch möglicherweise schon lange bekannte oder unattraktive Gegenden abzukürzen. Es muß gesagt werden dass mit Benutzung von Hänger und Zugfahrzeug man meist einen erheblichen Teil an Flexibilität und Spontanität einbüßt, was schon oft dazu geführt hat, dass Reiter seitdem sie so viel Equipment haben gar nicht mehr zum Reiten kommen, weil die Umstände um einmal in die Gänge zu kommen viel zu groß werden! Denn oft kommen noch eine Reihe von Anschaffungen dazu, vordergründig, um das Hobby zu erleichtern (der Markt bietet ja soviel an!) - aber in Wahrheit wird es erschwert, weil vielzuviel Zeug zusammengekommen ist was die Vorbereitung eines Wanderritts kompliziert und in die Länge zieht. Hier gilt der Satz, dass weniger mehr sein kann, und die Kunst der Selbstbeschränkung.

Es ist also an dieser Stelle überflüssig sich lange über moderne Ausstattungsdetails des idealen Wanderritt-Pferdetransporters auszulassen, nur soviel:

- statt eines neuen minderwertigen Billighängers schaue man wenn das Geld knapp ist nach guten gebrauchten Markengeräten. Hänger werden meist sehr wenig bewegt und halten an sich sehr viel länger als Autos. Zudem sind sie mit handwerklichem Geschick gut instandzusetzen. Es gibt 30 Jahre alte Hänger die immer noch sicher ihren Dienst tun. Den Pferden ist dies egal

- schwere und stabile Hänger sind sicherer. Lieber das Geld investieren und ein ordentliches Zugfahrzeug kaufen. Einachshänger sollten nicht mehr gekauft werden (zu unsicher). Ein- oder 1,5-Pferdehänger sind deutlich weniger flexibel im Einsatz, nur unwesentlich leichter von Gewicht, und gar nicht leichtzügiger. Überbreite Zweipferdehänger sind jedoch auch unnötig (und unhandlich). Die älteren Hängerinnenbreiten von 1,55-1,65 sind für unsere meist kleineren Wanderreitpferde voll ausreichend

- Polyhauben sind für die meist längeren Strecken die Wanderpferde bewegt werden unbedingt empfehlenswert. Die Marschtempi auf der Autobahn liegen ja doch näher bei 100km/h als bei 80, und bei höherem Tempo oder in dichtem Verkehr der ja am Wochenende Standard ist, sind Planenanhänger unerträglich laut und ein vermeidbarer Streß für die transportierten Pferde. Vollpolyhänger sind gleich langlebig und entgegen gängigen Glaubens reparaturfreundlicher als Holzhänger

- die Innenausstattung soll hell und freundlich sein (Innenbeleuchtung), variabel, verletzungshemmend und an allen Kanten abgerundet. Auf Trennwände kann häufig verzichtet werden. Wenn nötig, sind Gummiwände geeigneter und verletzungssicherer.

- es ist unbedingt wichtig dass die Vorder- und Hinterstangen nicht bloß gepolstert und stabil sind sondern auch die richtige Höhe fürs Pferd haben. D.h. es muß sich mit der Muskulatur der Oberschenkel auf diese stützen können wenn es sich auf diese Art während der Fahrt ausbalancieren will, demzufolge muß die Hinterstange eine Handbreit niedriger sein als der Sitzbeinhöcker des kleinsten zu transportierenden Pferdes, so daß es seinen Schweif bequem über diese legen kann. Unter gar keinen Umständen dürfen die Stangen so hoch sein dass es sich das Kreuz anstossen kann! Hänger werden heute oft für Pferde mit Riesen-Stockmaßen gebaut, Freizeitpferde-Besitzer gucken in die Röhre! Oft reicht auch der Verstellbereich hierfür nicht aus. Dann muß umgebaut werden. Der Zollstock darf nicht vergessen werden beim Hängerkauf!

- die Frage der Aufstellung ist viel diskutiert worden. Ich kann bloß für meine Pferde sprechen. Diese schätzen keine Trennwände egal aus welchem Material sondern haben gern soviel Platz wie möglich und stellen sich auch gern leicht schräg hin, sogar wenn sie zu zweit fahren. Ich habe ihnen daher vom Dorfschmied eine neue, durchgehende Hinterstange aus Siederrohr anfertigen lassen (mit Polsterung ca. 12cm dick) um ohne Trennwand fahren zu können. Trennwände aus Holz halte ich generell für ein Verletzungsrisiko und verfehlt. Die "Polsterriegel" die unten in einer stabilen Gummimatte auslaufen sind wesentlich geeigneter.

- eine „Sattelkammer“ im Hänger ist durchaus keine unnütze Spielerei. Auch wenn das Zugfahrzeug noch so groß ist, kann es nur angenehm sein, einen zusätzlichen Stauraum für sperrige Gegenstände wie Wasserkanister, Futter, Grillkohle zu haben. Es ist auch praktisch wenn zum Übernachten im Hänger ein Feldbett in die Seitenwand eingehängt werden kann.

Rigg

Zug- und Troßfahrzeug

Hier gilt der lapidare Satz, dass das größte und hubraumstärkste Zugfahrzeug dass man sich leisten kann, am besten ist. Raum kann man kaum genug haben: Meist wird das Fahrzeug ja auch zum Versorgen der Pferde, Heranschaffen von Futter und ähnliche Aufgaben benötigt. Pickups, Geländewagen, Kleintransporter und -busse sind zurecht beliebt. Unter 100PS Leistung wird das Ziehen mühselig, und 2l Hubraum beim Diesel, 1.6l beim Benziner sind das absolute Minimum. Dieselfahrzeuge galten früher als langlebig, was jedoch heutzutage wo aus 2l Hubraum selbst beim Diesel 120 und mehr PS herausgeholt werden, nicht mehr zutrifft. Zwar ist der Verbrauch dieser neuartigen Motoren unerhört sparsam (zumindest ohne Hänger) jedoch kosten sie mehr Steuern, Versicherung und in den Großstädten droht das Feinstaub-Fahrverbot.
Benziner benötigen wegen ihres schlechteren Drehmoments mehr Leistung um mit Dieseln mitzuhalten. Schwache und hochgezüchtete Dieselmotoren neigen oft zu Erhitzung und thermischen Problemen wenn Hänger gezogen werden und müssen mit Feingefühl bewegt werden. Benziner haben diese Probleme eher selten, fangen dafür im Hängebetrieb meist ungezügelt an zu saufen. Heutzutage die wirtschaftlichste und langlebigste Lösung dürften großvolumige, auf Gasbetrieb umgerüstete Benzinmotoren sein. Nachteil: der Platzbedarf der Gastanks. Klassische Wohnmobile sind als Zugfahrzeug ungeeignet. Meist sind sie zu schwach motorisiert, das Heck ist nicht auf die Belastung beim Ziehen konstruiert und der lange hintere Überhang (Abstand Hinterrad-Anhängerkupplung) und das Übergewicht auf der Hinterachse bringt Unruhe und Unsicherheit ins Fahrwerk. Zudem fährt man sich leicht fest. Universell und am sichersten als Zug- und Troßfahrzeuge sind schwere Geländewagen, die hier ihre eigentliche Existenzberechtigung haben. Zu großer Luxus ist natürlich eher reisehemmend, denn diese Fahrzeuge stellt man kaum gerne 4 Tage auf einem abgelegenen Waldparkplatz ab um einen Wanderritt durch die Umgebung zu machen. Da würde auch die Alarmanlage wenig helfen. Es gilt also wie überall der Grundsatz einer gewissen vernünftigen Selbstbeschränkung.
Es wäre gut wenn die von Kleintransportern abgeleiteten, praktischen Vans brauchbar wären, zumal es jetzt sogar welche mit Allrad gibt. Aber leider haben diese nie ausreichend hohe Zuglasten und zu kleine Motoren. Vielleicht hat ja einer der Hersteller mal ein Einsehen. Bis dahin sind wahrscheinlich die SUV (Sport Utility Vehicle) der beste Kompromiß zwischen Zugfahrzeugeignung, Betriebskosten und Fahrkomfort. 


Ausrüstung

Hier ist nun nicht der Platz für lange Listen was man zu Pferd dabeihaben sollte: das hängt von der gewählten Form des Rittes ab (weiter unten). Mir ist es aber schon passiert dass ich zwei Tage lang gepackt habe, weil ich erst alles zusammensuchen, manches noch säubern und reparieren, und einige Teile die fehlten oder defekt waren noch nachkaufen mußte. Nie wieder! Seitdem bemühe ich mich, bereits beim letzten Einpacken auf dem Ritt oder gleich nach Ankunft zuhause trotz Müdigkeit alles so vorzubereiten dass ich gleich wieder losreiten könnte. Fast alles ist in 60l-Alu-Kisten verpackt und muß nur ins Auto geladen werden und es kann sofort losgehen - wenn's sein muss Freitagabend gleich nach der Arbeit!

ARTEN VON WANDERRITTEN

Der Ritt ins Blaue

Man reitet von zuhause oder einem anderen Startpunkt einfach mit einem bestimmten Ziel los und wählt die Etappenorte nach der Länge oder Schwere der Tagesleistung, der Form von Pferd und Reiter, dem Wetter, oder Lust und Laune. Man plant keine Quartiere vor sondern fragt am späten Nachmittag oder frühen Abend bei Landwirten, Grundbesitzern, Pferdehaltern o.ä. bis man Unterkunft bekommt. Diese Art des Wanderreitens ist am flexibelsten und pferdefreundlichsten, da man keinen festen Plan einhalten muß. Ausserdem lernt man am meisten. Dies ist deshalb auch eine ideale Form für Wanderreitanfänger, jedoch nur noch solche mit Erfahrung im selbstständigen Reiten, denen Tagesritte in unbekanntem Gelände nach Karte schon gelingen. Jedoch ist diese Art von Wanderritt nur für Einzelreiter oder kleine Gruppen, bis max. 4, geeignet. Größere Gruppen kann i.A. niemand spontan unterbringen. Dabei ist zu beachten:

Nichts muß im Leben so intensiv vorbereitet werden wie die Absicht zu improvisieren. Die Reitstrecken sollten anhand der Karten (1:25.000 oder 1:50.000) grob oder in mehreren Varianten vorgeplant und abgemessen sein. Welche Ortschaften sich zum Etappenziel in bäuerlichen Regionen wohl eignen kann schon vorab überlegt werden, desgleichen wo man Futter bekommen, einkaufen kann usw. Fast immer wird von solchen Plänen aber abgewichen werden müssen. Auch ist es mir schon passiert, dass in strömendem Regen in einem und selbst dem nächsten Dorf kein Quartier zu erhalten war. Da braucht man ein gesundes Fell! Außerdem wird man damit leben müssen, dass Stall, Weide, Futter, Übernachtungsort für den Menschen, Verpflegung usw. sehr unterschiedlich ausfallen, und manchmal die Erholung nicht so ist, wie sie sein sollte. Mir ist es auch schon passiert dass in einem ganzen Dorf kein Hafer oder Gerste aufzutreiben war. Deshalb versuche ich einen eisernen Vorrat getrennt zu besorgen und mitzuführen. Dessen Beschaffung ist natürlich zeitaufwendig, und das zusätzlich getragene Gewicht nicht unerheblich.

Man wird sich vielleicht anfangs wundern dass nicht jeder Pferdefreund auch Wanderreiter begeistert aufnimmt. Oft fehlt einfach der Platz für ein weiteres Pferd! Oder Ponyreiter nehmen keine Großpferdereiter auf, oder umgekehrt. So etwas gibt es! Am liebsten waren mir immer die Quartiere bei Bauern, die im Krieg noch mit Pferden zu tun hatten. Die wußten sofort was ein Pferd nach so einem Marsch braucht und wunderten sich auch nicht über die Tagesleistungen. So eine Gastlichkeit, Anteilnahme, unkomplizierte Hilfe und Pferdeverstand zusammen habe ich seitdem nur noch in Ausnahmefällen erlebt. Leider sind diese einmaligen Pferdeleute nun fast alle gestorben und haben ihr Wissen und ihren Humor mitgenommen. Ausserdem wird man leicht feststellen dass diejenigen, die selbst nur wenig haben, am ehesten bereit sind etwas abzugeben und sich Gästen anzunehmen. Für manchen wird das überraschend kommen. Die Erfinder der Gastfreundschaft, die alten Griechen, unterschieden übrigens "den Fremden" und "den Gast" nicht, sondern bezeichneten ihn mit dem gleichen Wort (xenos).

Der Biwakritt

Weil man in manch abgelegenen Dörfern in Gasthäusern unter der Woche auch abends nichts zu essen bekommt und auch nicht immer eingeladen wird, habe ich schon immer gern 1-2 Mahlzeiten dabeigehabt - Brot, Hartwurst usw. ohnehin. Weil aber auch das Pferd häufig unbefriedigend untergebracht ist (z.B. abgefressene Kuhweide voller Fliegen, stickiger Stall, schlechtes Heu usw.) und man ja meist eher froh ist überhaupt etwas zu bekommen, es aber schlecht kritisieren oder ablehnen kann, bin ich seitdem gerüstet auch im Freien zu übernachten, zumindest bei trockenem Wetter. Dies ist optimal wenn Pferde ohnehin draußen gehalten werden, weil keine Umstellung notwendig ist. Gras ist überall einheitlich. In Gegenden mit intensiver Landwirtschaft oder wo jeder Quadratmeter Grünland eingezäunt ist, sind Biwaks natürlich unmöglich. Aber in den meisten Mittelgebrigsregionen finden sich Ödlandstreifen oder ausgelassene enge Talwiesen deren Bewirtschaftung sich nicht mehr lohnt, wo man mit 1-2 Pferden übernacht keine Probleme bekommt, wenn man sich richtig verhält und keine Spuren zurückläßt. Oder gar eine bequeme Grillhütte! Diese Art Ritt braucht nicht wesentlich mehr Gepäck, aber mehr Erfahrung, hochwertigste Ausrüstung und Feingefühl vom Reiter. Dafür hat man, weil man in der Lage ist Ortschaften zu meiden, ein ungleich höheres Naturerlebnis, und kann (auch weil mehr Zeit zum eigentlichen Reiten verbleibt) häufig beachtliche Tagesleistungen erreichen.

Vorgeplante Quartiere

Wie beim Ritt ins Blaue, jedoch mit fest ausgemachten Quartieren. Heute gibt es eine schon unübersichtliche Menge an touristischen Angeboten und Listen von Privatunterkünften für Wanderreiter. Hier muß man die Termine vorher ausmachen (die Mitnahme eines Handys empfiehlt sich hier). Auch als Planungsgrundlage sind solche Listen hilfreich. Jedoch kann man nicht davon ausgehen dass in allen landschaftlich schönen Regionen, oder da wo man gerade konkret hinwill, solche Quartiere in befriedigender Dichte existieren. Außerdem verliert man viel Flexibilität, und muß möglicherweise mit Gewalt versuchen ein Ziel zu erreichen, wenn wie so häufig etwas dazwischengekommen ist. Solch erzwungene Gewalttouren sind der ärgste Feind der Pferdegesundheit auf Wanderritten! Ich halte diese Art des Reitens für Anfänger deshalb wenig empfehlenswert. Die Angebote auf touristischer Basis werden aber dem komfortorientierten Reiturlauber, der auf großes Gepäck verzichtet, und bereit ist für den entsprechenden Service zu bezahlen, sehr entgegenkommen. Es gibt auch Angebote Gepäck mit dem Auto zu transportieren u.ä. Unter diesen Umständen und bester professioneller Stallunterkunft der Pferde dürften die höchsten denkbaren Tagesleistungen zu erreichen sein.

Troßbegleitung

Sehr beliebt bei nichtreitenden Lebenspartnern! Auf diese Weise kann man sein Hobby doch irgendwie zusammen gestalten. Bietet die Möglichkeit fast alles dabeizuhaben was nur entfernt benötigt werden könnte, außer dem Stall selbst - je nach Leidensfähigkeit und logistischem Geschick des Troßfahrers. Es muß dazugesagt werden, dass bei dieser Art des Rittes der Troßfahrer eigentlich mehr "Plan" haben muß als der Reiter, besonders wenn er den oder die Reiter tagsüber an allen möglichen Punkten treffen und betreuen will. Wenn dies so weit führt dass Wanderreiter und Pferd nicht mehr unabhängig unterwegs sind, und es große Probleme gibt, wenn der Troßfahrer durch Autopanne, Verfahren o.ä. Zufälligkeiten nicht zur Stelle ist, würde ich dies nicht mehr als Wanderreiten bezeichnen. Trotzdem mag es seinen Nutzen haben: Komfort und erfülltes Sicherheitsbedürfnis ist ja nichts was man grundsätzlich ablehnen sollte. Trotzdem sollte man sich überlegen ob es wirklich nötig ist dass ein Auto quasi nebenherfährt und die Umwelt verpestet damit geritten werden kann. Ich bin der Überzeugung es ist nicht nötig. Wenn Reittourismus umweltfreundlich sein soll, fallen hier die Argumente schwer. Hinzu kommt dass die logistischen Anstrengungen und Unwägbarkeiten keine entspannte Stimmung aufkommen lassen. Es gibt auch keinen Lerneffekt der Beschränkung auf das nötigste, weil auch die unsinnigsten Dinge im Auto mitgeführt werden können. Größere reitende Gruppen mit den notwendigen Lagerutensilien, Futter u.dergl. zu versorgen ist natürlich etwas anderes – hier genügt 1 Fahrzeug für 10 Pferde.

Zumindest erinnert sei noch an die Möglichkeit Wanderreiter mit pferdebespannten Fuhrwerken zu betreuen. Jedoch sind Fahrzeuge mit den gewünschten Zuladungsmöglichkeiten selten. BRAND hat in seinem 1985 erschienen Buch über das Wanderreiten historische Brückenwagen mit Ladefläche beschrieben, die ich aber noch nie benutzt gesehen habe. Häufiger besitzen Kaltblutfreunde Planwagen mit Autoreifen, die außer zu Christi Himmelfahrt meist selten benutzt werden. Jedoch dürften diese Art Fahrzeuge in den meisten Fällen zu massiv und schwerzügig sein um Reitern in hügeligem Gelände zu folgen, selbst wenn die Reitstrecke über befestigte Fahrwege und durch Täler abgekürzt wird. Schon gar nicht kommen alte, ungefederte Leiterwagen in Betracht.

Basislager

Das ist eine von mir geschätzte, entspannende und pferdefreundliche Form des Wanderritts, und auch für Anfänger zu empfehlen, sowie für Leute die z.B. aus Alters- oder Gesundheitsgründen einen gewissen Mindestkomfort verlangen. Man fährt irgendwo hin, z.B. Wanderreitstützpunkt oder reittouristischer Punkt, nimmt dort Zimmer und Pferdeunterkunft, oder schläft im Wohnmobil, Auto oder Hänger, und erkundet von dort aus in Tages-Rundtouren die Umgebung. Man hat den Vorteil alles im Camp dabeizuhaben was man braucht und muß nicht täglich das Auto bewegen. Es gibt allerdings auch hier die Gefahr das unbekannte Gelände falsch einzuschätzen und sein Pferd streckenmäßig zu überfordern. Jedoch ist im Basiscamp die Versorgung sichergestellt, was bei einem unbekannten noch anzusteuernden Quartier nicht gegeben sein muß. Außerdem kann weitgehend auf Gepäck verzichtet werden. Das erlaubt im Regelfall ganz gute Tagesleistungen, und sportives Reiten fast wie daheim.

Eine Variante für Freunde des unabhängigen Reitens ist das Ansteuern von Grillhütten als Basislagern. Die wird man aber in der Regel, außer in sehr abgelegenen Gebieten, täglich wechseln müssen. Außerdem sind peinlichst alle Pferdespuren auszutilgen. Dann kann es aber eine sehr entspannte Art des Urlaubs mit Pferden sein, bei der man trotzdem sehr flexibel ist.

WAHL VON ZEIT UND GANGARTEN

In hügeligem Gelände und auf weichen Wegen erreicht ein typisches Wanderpferd pro Stunde im Schritt 5-6km, im ruhigen Trab 10-12km. Viele Wanderreiter gehen überwiegend Schritt, und mit meinem ersten Wanderreitpferd, einem Isländer, bin ich mit schwerem Gepäck ebenfalls fast nur Schritt gegangen, oft 8-10 Stunden am Tag für Tagesleistungen unter 40km. Ich bin aber weit davon entfernt dass als das Optimale zu bezeichnen. Bei manch größeren Pferden dürfte man bei dem Versuch sowohl den eigenen, als auch den Rücken des Pferdes ruinieren.

Viele andere Wanderreiter, besonders solche im Westernstil, reiten keinen Trab sondern eher Jog, da sich dieser besser aussitzen läßt. Sie kommen damit aber nicht so gut vorwärts (8km/h).

Nun ist aber schon lange bekannt dass der Energieverbrauch des Pferdes je Kilometer, bei Geschwindigkeiten von 10km/h (Trab) gleichhoch ist wie bei 6km/h (Schritt). Der Galopp ist uneffizienter. Wenn also das Pferd stark und konditioniert genug ist Reiter und Gepäck in schnelleren Gangarten zu tragen, sollte dies berücksichtigt werden. Ganz sicher soll das Gepäck und seine Verschnallung Trab und Galopp nicht behindern - im Gegenteil, es ist ein Qualitätsbeweis für die Bepackung wie schnell und lange geritten werden kann ohne dass irgendetwas wackelt, schlägt, den Reiter beim Reiten, oder - ganz schlimm - das Pferd behindert! Wer das noch nicht beherrscht soll schlicht weniger mitnehmen.

Ich pflege mit dem Ziel zu reiten meine Tagesetappen ökonomisch und in kurzer Zeit zu leisten, wobei ich mir erlaube auf schönen Wegen und in schönen Landschaften zu bummeln. Harte Wege versuche ich zu vermeiden wo es eben geht. Ansonsten wird zügig geritten und häufig getrabt, so z.B. auf den meisten Kieswegen. Nicht besonders schnell sondern eher etwas zurückgehalten und am Zügel, als vorwärtsgetrieben. Ab und zu ist auch ein ruhiger Canter angesagt, je nach Laune und Stimmung - auch das Pferd darf seine Meinung hierzu äußern..!
Auf einem Wanderritt gibt es bei mir keinen „leichten Sitz“, denn weder Renntrab von mehr als 18 km/h noch Jagdgalopp von mehr als 25km/h sind angemessene Tempi für Wanderritte. Ich sitze die Gangarten entweder aus, oder - bei höheren Trabtempi und unbequemen Pferden - kontaktnah, und zwar so dass ich das Pferd jederzeit vor dem Schenkel habe. Auch abgekürzten Trab, wie in der Reitbahn, reite ich auf Wanderritten nicht, da die höhere Versammlung und künstliche Haltung das Pferd stärker ermüdet als notwendig. Eine leichte Versammlung lässt das Pferd aber auch auf dem Wanderritt elastisch und ermüdungsfrei laufen.

Idealerweise (ich folge da eher meinem Gefühl als der Uhr) teile ich die Tagesetappe in vier Viertel von je 1,5-2 Std. ein und mache eine kurze Morgen- und Nachmittagspause von 20 Min., sowie eine längere Mittagspause von 1,5-2 Std. bei der ich absattle. Pferde die weniger fit sind sollten mehr Pausen bekommen, eventuell jede Stunde. Während der Pausen sollen die Pferde grasen können, was sie auch eifrig und meist die ganze Zeit tun. Auch wenn in einzeln liegenden Wirtshäusern eingekehrt wird, lasse ich meine Pferde sehr ungern hungrig. Dann spanne ich gern ein Laufseil, oder ein Picket. Hinzukommen oft noch Extrastops und Pausen an Burgen oder anderen Sehenswürdigkeiten. Auf diese Weise reite ich meist um die 7-8 Std. täglich, und leiste dabei je nach Pferd und Geländeschwierigkeit zwischen 40 und 65km. In sehr heißen Sommern habe ich die Mittagsrasten auch schon wesentlich ausgedehnt, oder zwei längere Pausen mit Absatteln gemacht. Man muß ein Gefühl mit dem Pferd, der Landschaft, Witterung und Jahreszeit entwickeln - das ist eigentlich alles...

STRECKENPLANUNG

Deutschland ist, machen wir uns nichts vor, ein dicht zugebautes Land. Siedlungen, Straßenbauten, Schotter und Asphalt nehmen täglich zu. Und nirgendwo wird auf die Bedürfnisse der Geländereiter (bzw. ihrer Pferde) Rücksicht genommen. Es wird daher immer schwieriger gutes Geläuf und landschaftlich reizvolle Streckenführungen zu finden, und sicher ist es in einigen Regionen schon kaum mehr möglich. Wahrscheinlich sind wir die letzte Generation Reiter die überland reiten kann, ohne die Pferde auf schädigendem Geläuf zu verschleißen. Bemühen wir uns darum es so gut zu machen wie möglich, zum Erstaunen unserer Umwelt, und solange es noch geht...

Zur Streckenplanung gibt es verschiedene Methoden. Ich mache zuerst immer eine grobe Sichtung und evtl. Festlegung von Zwischenzielen und Sehenswürdigkeiten nach der Generalkarte 1:200.000, die zumindest Waldgebiete und rudimentäre Topographie erkennen läßt. Dann werden die Karten 1:25.000 beschafft, möglichst die Spezialdrucke mit Wanderwegen. Nach Karten 1:50.000 reite ich nicht mehr gern weil man hier fast nur noch auf Schotter vorwärtskommt. Zur besseren Planung 1:25.000 existieren jetzt aber gut brauchbare CD-Karten für den PC. Außerdem vergleiche ich Gelände und Wege anhand historischer Karten, z.B. Karte des Deutschen Reichs 1:100.000 (-1945) oder Preußische Generalstabskarte 1:80-100.000 etwa um 1850-1880. Diese dienen auch der Bestimmung von Wasserscheiden und Höhenwegen. Diese, sowie alte Ortsverbindungs- und Landwege, soweit „vergessen“ wurde sie als Straßen auszubauen, sind oft die idealen Fernreitwege denen man auch längere Zeit folgen kann. Sind sie befestigt suche ich nach Möglichkeit Parallelwege auf.

Es ist viel effizienter, entspannender und erholsamer diesen Haupt-Höhenzügen oder auch einmal sich anbietenden Talverläufen länger zu folgen als zu versuchen eine direkte Linie zwischen zwei Punkten einzuhalten und nur die notwendigsten Anpassungen an die Topographie zuzulassen. Selbst auf Umwegen von 30% Streckenlänge und mehr ist man oft trotzdem noch schneller. Ich suche den „besten“ Weg anstatt den kürzesten (dieser ist eh’ meist der mit dem Auto...)

Man kommt auch besser voran wenn man die Karte nicht ständig vor der Nase haben, an jeder zweiten Wegkreuzung abbiegen muß, und wieder anderes Geläuf unter den Hufen oder einen zugewachsenen Weg, wo es erst mal nicht weitergeht, vor sich hat. Auch die Pferde tun besser mit wenn sie die Richtung erkennen der sie folgen. Ortschaften durchreite ich dabei recht selten, außer zu einem bestimmten Grund (z.B. einkaufe, Futter besorgen usw). Wenn, dann reite ich bewußt durch die alten Ortskerne anstatt durch die neugebauten Randbezirke, selbst wenn dies kürzer wäre. Aber meist ist der Anblick historischer Häuser erfreulicher, die Straßen sind schmäler, die Autofahrer nehmen mehr Rücksicht, und Pferdeäpfel auf der Straße werden in ländlichem Ambiente nicht von unterbeschäftigten Häuslern zum Problem hochstilisiert.

Neugebaute Straßen sind durch ihre Breite und das hierdurch veranlasste Fahrtempo immer ein Risiko, dem man sich nur so kurz wie möglich aussetzen soll. Breite Straßen verleiten Autofahrer häufig zum Überholen trotz Gegenverkehr ohne seitlichen Abstand einzuhalten. Nur ältere Leute, und viele Berufskraftfahrer wissen noch dass ein Pferd seitlich etwas mehr Platz braucht als ein Radfahrer. Wer ängstlich weit rechts im Rinnstein oder verbotenerweise auf dem Gehsteig reitet provoziert solch Fehlverhalten noch und gefährdet sich damit selbst. Aus diesem Grund reite ich nach Möglichkeit zu zweien nebeneinander, da dies die Autofahrer aufmerksam macht und vom Drängeln abhält.

Führung und Verhalten von Gruppen

Das gewohnheitsmäßige Reiten allein, zu zweit, zu dritt oder zu viert wirft üblicherweise keine besonderen Probleme auf. Es wird umso schwieriger je mehr Reiter dazukommen, je schlechter diese, und ihre Pferde sich kennen, umso weniger häufig sie in Gruppen zusammen reiten, und umso unterschiedlicher ihre Charaktere sind (der Pferde und der Reiter!). Bei den Menschen sind können überdies noch die Motive und Motivationen, emotionale und finanzielle Beziehungen zwischen den Ritteilnehmern eine Rolle spielen und zu Harmonie und Bereitschaft, oder Nörgeln und Differenzen sorgen. Statt eines erholsamen Ritts gibt es dann Enttäuschung und Streß für alle Beteiligten. Im Extremfall werden Pferde sinnlos überfordert oder es geschehen gar Unfälle.

Dies sind keine schicksalhaften Ereignisse sondern in den meisten Fällen durch Planung, Überlegung, Rücksichtnahme und die Beachtung einiger weniger Regeln vermeidbar!

Ich habe auf einem Ponyhof reiten gelernt, wo immer in größeren Gruppen ausgeritten wurde, und habe meinen ersten dreitägigen Gruppenritt 1981 geführt. Mir sind aus dieser Zeit nicht die geringsten Probleme in Erinnerung, obwohl meine einzige Qualifizierung damals eine gewisse Ortskenntnis, und Kartelesevermögen war. Heute hat man, wenn man einen Ritt ausrichtet oder ausschreibt, häufig einen Haufen Schwierigkeiten wenn man es mit Reitern zu tun hat, die Probleme mit der Anerkennung von Regeln haben. Viele von denen reiten schon länger. Einige meinen sie hätten schon alles gelernt was es in der Reiterei zu lernen gibt, oder es hätte mit Freiheit zu tun keine klaren Vereinbarungen einzugehen, oder sich von anderen nichts sagen zu lassen. Doch auch Gruppenführer machen Probleme. Viele sind vorzügliche Pferdeleute aber weigern sich dabei „Führer“ zu sein. Nun mag eine historisch bedingte Ablehnung gegen alles „Führertum“ und autoritäres Tun ja eine berechtigte Rolle spielen. Das schafft das Problem aber nicht aus der Welt, weil nun einmal einer bestimmen muß, wo es langgeht und welche Gangart geritten wird. Das bedeutet daß er (oder sie) eine gewisse Verantwortung trägt – nicht nur für eventuelle jugendliche Teilnehmer (und für diese ganz besonders im haftungsrechtlichen Sinne!) – sondern auch für erwachsene Gruppenmitglieder und selbstverständlich auch für das Wohl der teilnehmenden Pferde. All dies muß er bei den vielen kleinen Entscheidungen, aus denen die Führung eines Rittes besteht, immer berücksichtigen. Ihm muß bewußt sein, daß er nicht so reiten kann wie er es sonst allein tut, sondern auf die schwächeren (Reiter und Pferde) Rücksicht nehmen, und seine Forderungen auf den schwächsten Teilnehmer einzustellen hat. Von daher ist es ganz unabdingbar, daß er mit wachem Auge die anderen Ritteilnehmer beobachtet, um einzuschätzen zu können was er ihnen zutrauen kann. Auch wenn er viel Erfahrung und Beurteilungsvermögen hat sind Irrtümer noch möglich. Doch sollten sie nicht so groß sein daß Menschen oder Pferde zuschaden kommen. Diese – zumindest moralische – Verantwortung nicht anzunehmen hat nichts mit Freiheit oder Toleranz zu tun, sondern ist eigentlich eher Gleichgültigkeit.

Es ist aber, da wir nicht mehr in einem Führerstaat leben, entscheidend wie und von wem diese Führerschaft ausgeübt wird. Wer einen Ritt ausschreibt oder dazu einlädt muß das entscheiden, da beißt die Maus keinen Faden ab. Wer es selber nicht kann oder will, muß einen finden dem er diese Aufgabe delegieren kann: dem Erfahrensten, Ältesten oder Ortskundigsten. Selten oder nie ist es ausreichend daß der Gruppenführer ein brillanter Reiter ist. Im Gegenteil, ein solcher wird die Gruppe häufig überfordern, aus Langeweile oder weil er annimmt daß die anderen ebenso gut sind wie er. Es kann sehr effizient sein die Führung zu teilen. Der eigentliche Gruppenführer und Entscheider führt aus der zweiten Position, oder ganz von hinten. Ein Vorreiter oder Scout führt die Gruppe an, erkundet schwierige Wegverhältnisse zuerst allein und ähnliches. Ein paar der besten Wanderrittführer verfahren so. (Es sei angemerkt daß eine Wildpferdeherde auf ähnliche Art durch Leitstute und Hengst zusammengehalten wird.) Dies ist eine ideale Aufgabe die man an junge und enthusiastische Reiter mit guten und eifrigen – auch etwas zu eifrigen Pferden delegieren kann und diese sehr zufrieden macht. In meinen Augen ist dies die einzige "Schule für Rittführer". Entsprechende Kurse auf dem Trocknen allein, ohne diese konkrete Erfahrung, (oder mit Referenten ohne ein Höchstmaß an praktischer Erfahrung) haben in meinen Augen überhaupt keinen Wert und qualifizieren für nichts!

Der Rittführer führt natürlich nicht wie ein preußischer Offizier auf dem Kasernenhof, sondern durch seine Erfahrung, Ortskenntnis und Vorbereitung auf den konkreten Ritt (Mehrwissen schafft Verantwortung), und weil er es schafft den übrigen Reitern zu vermitteln daß seinen Entscheidungen vertraut werden kann. Keine leichte Aufgabe! Wenn er (oder sie) in der Pause sagt „In 15 Minuten wird abgeritten!“ folgen ihm die Kameraden weil sie einsehen daß noch eine lange Strecke Weg vor ihnen liegt. Einer muß entscheiden, man kann nicht stundenlang über alles diskutieren, sonst kommt man nie an. Wenn man abends im Quartier oder Gasthaus zusammensitzt kann man gemeinsam überlegen ob die eine oder andere Entscheidung richtig war. Besser die zweitbeste Entscheidung getroffen und befolgt (und dann auch nicht groß drüber lamentiert), statt überhaupt keine! Das ist das Prinzip der Rittführung, und jeder erfahrene Ritteilnehmer sollte das einsehen und den gewählten oder vorbestimmten Rittführer unterstützen und es ihm nicht noch schwerer machen. Vernünftige Einwände kann er anbringen, aber wenn entschieden ist, muß er die Entscheidung mittragen oder zumindest schweigen. Wenn er gar nicht einverstanden ist, muß er die Gruppe verlassen. Wer schon notorische Nörgler auf einem Wanderritt erlebte wird mir sofort zustimmen.

Eine Reitergruppe ab etwa 5 Personen ist mehr als eine Gruppe Individuen mit dem gleichen Ziel, irgendwohin zu reiten. Verhält sie sich so, entsteht sehr leicht die Situation daß niemand mehr auf den anderen Rücksicht nimmt, denn jeder ist ja nur für sich selbst verantwortlich. Deshalb versucht (wenn die Reiter nicht sehr eng freundschaftlich verbunden sind) bald jeder nur seine eigenen Interessen durchzusetzen. Jeder Wanderritt mit so einer Gruppe Egoisten muß aber scheitern. Der Rittführer ist derjenige, der Interessenausgleich schafft und schlichtet, der in gewissen Rahmen als ordnende und entscheidende Instanz anerkannt ist, und das Bestreben, ja den Ehrgeiz hat die ganze Gruppe erfolgreich ans Ziel zu bringen.

Nun kann die Führungsrolle nicht einfach eingefordert werden. Mehr Erfahrung, mehr Wissen, mehr Vorbereitung, besseres Beurteilungs- und Entscheidungsvermögen, besseres Zuhörenkönnen, mehr Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse der Mitreiter wie der Pferde qualifizieren zu Führungskompetenz.Natürliche Autorität ist mehr, nämlich eine Sache der Persönlichkeit. Sie verlangt mehr als Wissen und Erfahrung auf einem Gebiet. So jemanden folgen die Mitreiter nicht nur wenn alles gut läuft sondern auch nach 3 Tagen strömendem Regen. So jemanden eifern Jugendliche nach und akzeptieren ihn nicht nur leidlich. Jedoch sind (und waren) solche Menschen selten.

So weit zur Psychologie, nehmen wir ein jetzt ein paar konkrete Beispiele.

Wahl der Gangarten durch den Rittführer

Schritt-, Trab- und Galoppiervermögen sind nicht bei allen Pferden gleich ausgeprägt. Pferde haben von sich aus die Tendenz im kräfteeffizientesten Bereich der jeweiligen Gangart zu laufen, was bei großen und kleinen Pferden zusammen selten in einem gemeinsamen Tempo zusammenfällt. Also muß ein Kompromiß gefunden werden, der aber nicht jenseits der möglichkeiten des langsameren (z.B. kleineren) Pferdes liegt. Also muß der Reiter des schrittschnellsten Pferdes sein Pferd einzügeln, sonst fangen alle anderen an zu traben wenn er vornewegreitet. Die schrittschnellsten Pferde gehören deshalb eher nicht an die Spitze. Natürlich müssen die Reiter der schrittschwächeren Pferde ihren Schritt bis zum bestmöglichen ausgebildet haben, aber es gibt eine physiologische Grenze. Also ist Rücksichtnahme erforderlich. Dasselbe gilt auch im Trab. Galopp sollte auf Wanderritten grundsätzlich vermieden werden. Gegen Canter ist aber grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn es tatsächlich beim Canter bleibt.

Wie die Gangarten verteilt werden hängt neben dem Geläuf von der Fitneß der teilnehmenden Pferde und Reiter ab. Dabei sollte man beachten dass starker Schritt in jedem Fall mehr anstrengt (das Pferd, wie den Reiter) als Wechsel zwischen entspannten Schritt und ruhigem Trab. Ich bevorzuge daher letzteres. Scharfer Trab ist gleichfalls nicht schonend, weder für die Beine noch den Kreislauf. Wenn das Pferd den Canter vorzieht, und von selbst anbietet sollte man ihn nicht vermeiden.

Der Rittführer sollte Gangartenwechsel immer ankündigen. Bei einer Gruppe von 8-10 Personen kann man sich immer umdrehen und fragen „wollen wir 1km traben..?“ Bei größeren Gruppen sind Handzeichen besser. In jedem Fall muß der Gruppe deutlich sein was als nächstes kommt. Auch bremsen sollte man nie unangekündigt (Handzeichen) und Warnungen über Fußgänger, Hindernisse, oder Glasscherben deutlich aussprechen.

Eigentlich muß er sein Pferd immer etwas zurückhalten, weil es meistens nicht das schwächste der Gruppe sein wird. Auf dieses muß er aber Rücksicht nehmen. Er muß deshalb auch darauf achten, dass die anderen ohne größere Abstände folgen. Funktioniert der Verbund gut bekommt der Gruppenführer sehr bald ein gutes Gespür dafür ob das Tempo noch erhöht, oder vermindert werden kann ohne dass die Tuchfühlung abreißt. Wieviel Abstand man einhalten muß zum Vordermann, sollte jeder Reiter wissen: bei fremden Pferden mindestens eine Pferdelänge (so, dass man die Hufe des Vorausreiters sieht). Viele benutzen aber auch den Vordermann als Prellbock weil es bequemer ist als das Pferd ständig zu regulieren. Solches zu unterlassen kann nicht oft genug angemahnt werden, sowohl seitens des Rittführers als auch der Vorreiter.

Ist die Tempowahl unklar weil das Pferd des Rittführers ohnehin ständig zackelt, und von hinten nicht sichtbar ist, ob jetzt Trab gemeint ist oder Schritt, werden die nachfolgenden Reiter abwarten bis sie erkennen was denn nun beabsichtigt ist, um nicht ihrerseits die Pferde grundlos in Unruhe zu bringen. Dann werden sie entweder ziemlich schnell aufreiten, oder den Abstand eher noch vergrößern was beides unerwünscht ist, wenn man eigentlich zusammen reiten will. So ein Gruppenführer wählt besser einen vernünftigen Scout und reitet selbst am Schluß, von wo er ihn dirigieren kann. Dann wird er sehen wie schwer das ist.

Marschordnung

Es hat sich nicht bis zu allen herumgesprochen, aber beim Reiten in Gruppen muß eine gewisse Disziplin herrschen. Je mehr, umso weniger gut sich Pferde und Reiter kennen. Was ich da schon erlebt habe, besonders mit Mitreitern aus der Fraktion der „Reitstall-Reiter“ war teilweise fürchterlich: Völlig hemmungsloses und ungezügeltes Aufreiten, dichtes und unangekündigtes Überholen (an der Grenze zum Über-den-Haufen-Reiten und Plattwalzen mit 700kg Masse), schlechte Manieren wie Beißen und Schlagen (sogar mit vorherigen Stehenbleiben und Auflaufenlassen des „Kontrahenten“!) Manchmal sieht es so aus als ob vor allem das Pferd bestimmt wo’s langgeht und in welchem Tempo.

Nein, es nicht so dass Geländereiten „keine besondere Anforderungen“ ans Reiterliche Können, und den Gehorsam der Pferde stellt. Diesen „Sonntagsreitern“ die den Ruf der Freizeitreiter allgemein verderben (ich behaupte es sind keine!) muß man das ganz klar und deutlich sagen!

Was unbekannte Reiter und deren Fähigkeiten und Sicherheit im Gelände angeht (vor allem ihr „Bedrohungspotential“ Fremden und mir bzw. meinen Pferden gegenüber) bin ich mittlerweile skeptisch bis mißtrauisch gegenüber den meisten. Ich weiß nicht was die Leute beim FN-Reiterpaß lernen – anscheinend entweder das falsche oder von allem zuwenig. Es macht nichts dass dies alles Helmträger sind – wenn ich so reiten würde würde ich mich selbst mit Ganzkörperprotektoren nicht aufs Pferd setzen. Ich ziehe wegen solcher Mitreiter jedenfalls keine an! Bekennende Langstreckenreiter, egal wo sie herkommen und wie sie beritten sind, kann man dagegen „blind“ mitnehmen. Sie verhalten sich vernünftig, egal bei wem sie ihr Reiten gelernt haben. Oft waren die „Lehrer“ ihre einzigen Pferde - viele Tausend KM lang. Gute Leute eben...

Verhalten gegenüber anderen Reitern, unterwegs und im Quartier

Je älter ich werde desto schwerer fällt es mir ein Verhalten wie oben geschildert ohne deutliche Worte hinnehmen. Ich habe aber oft festgestellt dass Reiter aus falsch verstandener Harmonieliebe bei so etwas schweigen. Dafür wird häufig umso mehr hinterher, über die jeweilige Person geredet. Ich finde das nicht fair. Man sollte dem betreffenden Chancen geben, seine Horsemanship weiterzuentwickeln. Wenn jemand sein Pferd so reitet oder behandelt, dass es Schmerzen hat oder psychisch leidet, kann man ruhig den Mund aufmachen. Ansonsten wäre etwas mehr Schweigen bei vielen Reitern und besonders Reiterinnen angebrachter! Die Welt der Reiterei ist sehr vielschichtig. Kaum einer kann sagen, warum er etwas richtig macht. Viel mehr ist Intuition als Wissenschaft. Manches das in „Fachbeiträgen“ als Wissenschaft verkauft oder als „Geheimtip“ in Reiterstuben zugeflüstert wird, hat einen meterlangen Bart und wurde schon vor 100 Jahren ins Reich des Aberglaubens verwiesen. Merkwürdig dass ausgerechnet in der Reiterei sich olle Kamellen so lange halten – leider teilweise auch in der Pferdemedizin! Vielleicht liegt das daran, dass es so wenige rationale und wissenschaftlich vorgebildete Reiter gibt, und viele meinen das Denken abschalten zu können wenn’s ans Pferd geht. Jedenfalls führt das dazu dass ich viel weniger gern über andere urteile als die Mehrzahl der Reiter die ich so kenne. Aber ich frage immer gern wie es ihren Pferden geht. Meinen größten Respekt hatten immer die Pferdeleute, die fast stets gesunde Pferde, und immer dieselben, hatten – über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Dann spricht eigentlich nicht viel dafür dass sie ernsthaft was falsch machten. Merkwürdigerweise sind das nie die Lautesten, oft die Unauffälligsten, auch die Auskunft-Unfreudigsten. Vielleicht deshalb, weil die meisten Antworten auf typische „Anfängerfragen“ beginnen mit „Kommt drauf an...“ und dann immer so ellenlang ausgeholt werden muß...

Es gibt für jeden echten Reiter also sehr wenig Grund sich gegenüber anderen überheblich zu gebärden oder zu äußern, selbst wenn man noch so ein toller Kerl ist, oder meint besser zu reiten als der Rest der Welt. Weder gegenüber anderen Reitern, noch Nichtreitern die man auf einem Wanderritt so trifft. Immer ist offenes, höfliches und freundliches Benehmen gefragt. Vom Wohlwollen der Landbevölkerung ist man doch in entscheidendem Maße abhängig, sei es bei der Quartiersuche, Futterbeschaffung,  Tolerierung des Benutzens von Stoppelfeldern, von Ödlandflächen und Wegrändern. Oder halblegalen Biwaks. Es ist deshalb selbstverständlich dass man ehrlich ist, Wort hält, seinen Dreck wegräumt, keine fremden Gegenstände benutzt ohne zu fragen, und die Einrichtungen des Gastgebers nicht kritisiert oder herumnörgelt, auch wenn vieles bei der Pferdeunterbringung vielleicht nicht optimal ist. Und sich nicht durchschnorrt sondern freundlich und konsequent auf Bezahlung von Leistungen und Annehmlichkeiten besteht. Denn auf einem Wanderritt, wie ich ihn verstehe, gibt es eigentlich überhaupt nicht viel Gelegenheit Geld auszugeben - vor allem aber möchte man ja, vielleicht auch erst nach Jahren, mal wiederkommen können. Nachdem ich 20 Jahre lang Wanderritte gemacht habe, kann ich sagen dass es mir leidtut von vielen der herrlichen Leute die ich kennnengelernt und die mir geholfen, keine Adresse und mich nicht wenigstens im Nachhinein noch angemessen bedankt zu haben. Aber auf das aus vollen Herzen kommende „Danke“ sollten wir nun gar nicht verzichten, auch wenn es in der heutigen Zeit unmodern geworden ist.

Verhalten beim Biwak

Ich bin froh dass im besten derzeit auf dem Markt befindlichen Buch übers Wanderreiten (POSCHARNIGG, Werner: Das weite Land des Wanderreitens. Trekking- Know-How zum Planen und Losreiten, Bempflingen 2000) auch das Biwakieren erwähnt ist. So befinde ich mich zumindest nicht in schlechter Gesellschaft.

Für das Biwak sprechen neben landschaftlichen und romantischen Gründen und dem zum selbstständigen Wanderreiten passenden höheren Freiheitsgrad, wie oben erwähnt, vor allem das Praktische und die gute und risikoarme Pferdeunterbringung und –fütterung. Die „Unbequemlichkeit“ ist eine Frage guter Übernachtungsausrüstung. Übernachtungen in alten Bundeswehrschlafsäcken u.ä. sind nur zu ertragen, wenn Jugend, Idealismus, Gesundheit und Leidensfähigkeit noch sehr groß sind..! Zweckmäßiger orientiert man sich an der Ausrüstung heutiger Alpinisten.

Ich habe sehr selten auf Bauernhöfen mein Pferd guten Gewissens auf fremden Koppeln untergebracht. Sehr oft sind Zäune schadhaft, es gibt scharfe und verletzungsträchtige Fremdkörper, zuwenig Futter, benachbarte andere Weidetiere u.ä. Ein NO-NO ist die Unterbringung mit fremden Pferden (es sei denn, das eigene Reitpferd hätte einen sehr starken, resoluten und abweisenden Charakter, das nicht auf Kennenlernen besteht...). Das Problem ist, wenn man nicht auf Biwakieren eingestellt ist, wird manch schlechte Unterbringung unvermeidbar: wenn es nämlich dunkel wird, das Pferd müde, und man nichts besseres findet!

Bei Biwaks ist das anders, wenn man sich nicht gerade enge Talwiesen die früher einmal Koppeln waren ausgesucht hat, wo es eingewachsenen Zaundraht geben kann. Üblicherweise ist die Unterbringung des Pferdes sehr sicher und überschaubar. Dennoch gibt es ein paar Maßregeln zu beachten, beginnend bei der Platzauswahl.

Man fängt damit an dass man in typisch bescheidener Manier einen Platz wählt dem man schon ansieht dass niemand ihn mehr so richtig schätzt, oder gar bewirtschaftet. Solche gibt es in Deutschland erstaunlicherweise immer noch zu Genüge, vor allem in den Mittelgebirgsregionen, und den Neuen Bundesländern. Natürlich ist damit altes Kulturland gemeint und keine Industriebrache! Wobei Plätze von ehemaligen Schmelzen, Hämmern und Bergwerken oft schwer erkennbar, und auch belastet sein können (Schwermetalle und andere Gifte). Also Futterwiesen und gepflegte Viehweiden sind tabu.

Im Regelfall wählt man entweder ausgelassene hochgelegene Talwiesen (über der ersten Siedlung, mit zweifelsfreiem Wasser) oder Heideflächen auf den Höhen zum Biwak, bei denen ein geeigneter Bach nicht allzuweit entfernt sein sollte. Falls nicht, ist das Pferd im abgekühlten Zustand vorher satt zu tränken. Waldlichtungen eignen sich selten da meist als Wildfütterung verwendet (oder zweckentfremdet). Ich habe aber schon auf großflächigen Waldkreuzungen von unbefestigten Wegen mit reichlich grünem Gras gecampt - aber leider sind Kreuzungen von mehr als einem grasbewachsenem Weg in den deutschen Forsten schon eine Seltenheit von sensationellem Rang..!

Das wichtigste ist also, dass man niemand wirtschaftlich schadet, und Futter fürs Pferd. Das zweitwichtigste ist dass man seine Ruhe hat! Deshalb soll man Plätze meiden die an befestigten Wegen liegen, sondern lieber etwas abseits. Was die unbefestigten Wege angeht, da wird man indianerartige Spurenlesekenntnisse entwickeln, wie alt eventuell vorhandene Reifenspuren sein dürften. Die Leute die einen tatsächlich zufuß erreichen können machen keine Probleme, sind nie feindselig gesonnen oder jedenfalls immer in einem Gespräch zu überzeugen, dass eine einmalige Übernachtung keinen Schaden anrichtet. Auch in Naturschutzgebieten. Ich habe jedenfalls ca. 200 Biwaks in 20 Jahren unter solchen Umständen gemacht, hatte dabei wohl 10 Begegnungen mit Freunden des grünen Sports, ehrenamtlichen Naturschützern, Förstern und Landbesitzern. Nur eine davon, vor ca. 13 Jahren, war unerfreulich: Jemand der sich gar nicht einer der obigen Kategorien zuordnen ließ und vermutlich einfach ein elender Wichtigtuer und Aufschneider war. Ich blieb jedenfalls einfach an meinem Platz sitzen und wartete vergeblich auf die angedrohte Polizei...

Wichtig ist das eherne Prinzip, den Platz wie vorgefunden zu verlassen. Oder sogar möglichst noch besser! Die Harmonie des Platzes und mein Auge beleidigende Dosen, Flaschen, Papier u.ä. versuche ich daher mitzunehmen und entsorge sie ordnungsgemäß, als Ausgleich und Dank an die Natur. Man lärmt nicht, lässt keine Hunde streunen, durchstreift nicht das ganze Gelände wie ein Raubtier auf Beutesuche. Als Lagerplatz verbieten sich vor allem nasse und tiefgründige Böden, sowie Pferde die anstatt zu stehen und zu fressen „unchristlichen Ackerbau“ betreiben - aus Übermut, Mißfallen oder Mangelerscheinungen Bäume abschälen (Zweige fressen ist erlaubt!) oder sich sonst wie unmöglich verhalten. Aber merkwürdigerweise verhalten sich Pferde die zuhause auf der Weide solche Dinge nicht anstellen, auch unterwegs nicht anders. Ein Hinweis dass Kinderstube und gute Erziehung sich auch beim Pferd, und nicht nur im reiterbezogenen Verhalten bemerkbar macht. Das geht übrigens noch viel weiter: Ich sage immer gern „Pferde müssen sich nicht wie Tiger (oder Hyänen) benehmen“. Man kann ihnen durchaus beibringen nicht um jedes bißchen Futter zu kämpfen, oder es den anderen wegfressen zu wollen. Voraussetzung ist immer, es ist genügend da, und die Pferde werden nicht gefängnisartig beengt gehalten. Wenn Pferde wie Gefangene gehalten werden muß man sich nicht wundern dass sie sich dann so benehmen. Das hat aber mit "normalem Verhalten" sehr wenig zu tun...

Laufseil oder Picket ?

Was die Pferdeunterbringung im Biwak angeht, so bin ich entschieden gegen die heute beliebten „Wanderreiterpaddocks“. Die eignen sich viel besser zum Abportionieren auf Kulturgrün in Dorfnähe, wenn solches erlaubt wurde, oder zum Auszäunen unsicherer Flächen auf Bauernkoppeln. Im Biwak auf Ödland haben Zäune nichts zu suchen und würden zurecht Argwohn erregen. Stattdessen verwende ich Laufseile (wenn zwei Bäume in ausreichendem Abstand vorhanden sind mit genügend Futter dazwischen) oder ein Picket-Line (oder Picket). Diese wird nur an einem Baum befestigt, kann zwischen 9 und 25 Meter lang sein, und wird etwa 2m hoch angebracht, damit das Pferd beim Längerziehen des Seils beim Grasen dessen Verlauf erkennen, und vermeiden kann hineinzutreten. Dieses bedarf oft einiger Gewöhnung und Übung, kann aber auch von sensiblen oder ängstlichen Pferden erlernt werden. Manche intelligente und eher stätisch oder stur veranlagte begreifen es sofort und verheddern sich nie. Welche die sich verheddern müssen schon anfangs soviel Vertrauen zum Menschen haben dass sie dann warten, wenn man aufspringt um ihnen zu helfen. Aus diesem Grund müssen Karabiner und Seil von guter Materialqualität sein (nicht aus dem Baumarkt sondern vom Bergsportgeschäft). Die Knoten und das Aufwickeln des Seils gehören zum Wanderreiter-1x1. Ein solches Seil hat aber den Vorteil dass es 4x leichter als ein Paddock ist und trotzdem mehr Fläche zum Grasen lässt. Und ein Seil ist noch zu anderen Zwecken zu verwenden, z.B. um in einer Scheune oder Halle Behelfsabsperrungen für Boxen zu errichten. Auch Zelte werden üblicherweise nicht gern gesehen; außer sie sind klein, unauffällig und gut versteckt. Ich habe jedenfalls aus Gewichtsgründen nie eins mit, sondern schlafe in meinem superweichen Daunenschlafsack, selbstaufblasender Isomatte und Biwaksack aus High-Tech-Gewebe wie in Abrahams Schoß... Tröpfelt es etwas, kann man zusätzlich einen Poncho aufspannen, das geht schnell und unkompliziert. Auf großartige Lagerfeuer wird normalerweise verzichtet, besonders bei Trockenheit und in Waldnähe. Ein Spirituskocher tut’s auch, schneller, müheloser und verdreckt keine Töpfe. Wenn, dann genügt ein kleines um ein bißchen zu grillen und die Abendstimmung zu verschönern. (Einmal hatte ich einen Fahrenden am Feuer zu Gast, der mir erzählte dass man wenn man gezwungen sei draußen zu übernachten, überall - außer bei Waldbrandgefahr - ein 30cm hohes Feuer machen dürfe, und ihn einmal die Polizei besucht und dieses ausgemessen hatte. Ich habe über diese Geschichte herzlich gelacht). Ist schon eine Feuerstelle vorhanden, wird diese verwendet. Ansonsten wird sie nachher so gut wie möglich beseitigt oder abgedeckt, die erkaltete Kohle entfernt.

Hobbeln und andere Parkmöglichkeiten

Davon verschiedene Pferde an ein Seil anzubinden halte ich gar nichts weil das nur Verwicklungen gibt. Jedenfalls nicht wenn sie etwas fressen sollen dabei. Um Pferde kurz anzubinden (ohne zu fressen) ist es brauchbar. Aber, wie gesagt, dazu mache ich eigentlich sehr ungern Pausen.

Das Laufseil zwischen zwei Bäumen, mit dem am Karabiner gleitenden Anbindestrick war lange Jahre meine Lieblingsunterbringung, hat aber zwei Nachteile: Erstens gibt es nicht überall zwei Bäume in passendem Abstand. Zweitens gibt es Pferde die schaffen es in so ziemlich jeden Anbindestrick hineinzutreten, und das kann üble Situationen und kleine hässliche, ausgesprochen schlecht heilende Fesselverletzungen verursachen. Ich habe einmal ein Pferd heimbringen müssen deswegen weil dessen Fesselgelenk nach einer solchen Verletzung dick wurde und lahmte. Üblich ist das nicht aber es kann passieren und ist sehr ärgerlich. Jedenfalls habe ich irgendwann festgestellt, dass die Pferde beim Picket, wenn es lang genug ist, besser lernen nicht hineinzutreten. Manche achten sehr genau darauf immer seitlich vom Seil zu stehen, oder dieses nach Möglichkeit straff zu halten. Deshalb ein dickes, helles Seil verwenden, das auch bei Dunkelheit noch leidlich sichtbar ist. Einige Pferde verheddern sich nie, andere behalten trotz Intelligenz die Neigung zu Panikanfällen lange bei wenn ihr geheiligter Freiraum plötzlich eingeengt wird. Das Pferd muß dann sehr viel Vertrauen zum Menschen haben, damit es wartet bis der ihm zur Hilfe kommt. Manche vermeiden aber auch sich am Seil hinzulegen aus Furcht sich zu verheddern, oder legen sich erst nach einigen Tagen. Das ist aber die gleiche Sorte die sich auch in fremden Ställen ungern legt.

In Büchern zum Thema immer wieder erwähnt wird das Hobbeln. Ich hege den starken Verdacht die wenigsten die es beschreiben haben es wirklich ausprobiert. Erstens ist es noch einengender und eine Zumutung fürs Tier als Laufseil oder Picket, weil hier die Beengung ständig ist. Für edle und freiheitsliebende Pferde ist es eine Quälerei. Dass die Berber oder Beduinen ihre Pferde so halten, oder gehalten haben tut nichts zur Sache. Denn erstens waren sie es vermutlich von klein auf gewöhnt, zweitens war es durch die Not bedingt (Angst vor Diebstahl, keine anderen Unterbringungsmöglichkeiten) und drittens wird es heute selbst in diesen Ländern kaum noch praktiziert, weil man selbst hier erkennt dass es eigentlich tierschutzwidrig ist. In jedem Fall wird das Pferd gehindert sich nach dem anstrengenden Tagesritt körperlich entspannen zu können. Hinzu kommt, dass Hobbles ein Pferd nicht wirklich hindern lange Strecken damit zurückzulegen, wie ich 1986 selbst erlebt habe. Ich suchte einen halben Tag lang mein Pferd das sich über Nacht mit Hobbles im unübersichtlichen Gelände selbstständig gemacht hatte, und spurlos verschwunden war. An den Vorderbeinen gehobbelt kann ein geschicktes Pferd Galopptempi entwickeln dass kein Mensch hinterherkommt. Ich habe ein einziges Mal vor bald 20 Jahren Hobbles wirklich erfolgreich verwendet gesehen um dem sehr selbstbewußten und unabhängigen Islandpony Suana, dem Pony meiner Schwester, ein für allemal das Weglaufen beim Einfangen abzugewöhnen. Suana trug die Hobbles ca. 2 Wochen Tag und Nacht auf der Koppel (natürlich täglich kontrolliert) und war nachher von dieser Unart für immer kuriert. Ich will damit aber nicht sagen dass ich diese Methode für jedes Pferd empfehlen würde. Hier waren die üblichen Mittel, große Geduld, Futter, und viele Helfer alle erfolglos geblieben. Zudem war Suana sehr intelligent und geschickt, um mit den Hobbles klarzukommen.

Pferde frei laufen lassen

R.CLAUS beschreibt das in seinem Buch übers Wanderreiten als eine Haupt-Untugend bei Wanderreitern. Was das Reiten in Gruppen und mit unbekannten Genossen angeht, stimme ich ihm uneingeschränkt zu. Ich gebe aber zu dass auch ich schon fahrlässig war beim Freilaufenlassen meiner Pferde. Pferde lieben die Freiheit, deshalb sind es so großartige Tiere. Vielleicht gefällt es mir deshalb sie „frei“ zu sehen, wider die Vernunft. In Pausen auf längeren anstrengenden Ritten lasse ich meine Pferde manchmal frei grasen, oder halte nur eins fest – aber immer nur 20-30 Minuten damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Ich halte dann Kontakt, spreche mit ihnen, wenn sie nicht ganz dicht bei mir grasen, suche ihren Blick usw.
Vor ca. 7 Jahren ritt ich einmal mit einer Freundin und ihrem arabischen Hengst in den Hintertaunus. Im wunderschönen Wiesbachtal machten wir nach etwa 20 km Pause und ließen die Pferde fressen. Meine Stute Ligeira ließ ich, durch meine hübsche Begleiterin wohl abgelenkt, eine Weile los. Wir mochten wohl eine ¾-Stunde gerastet haben, da kehrte Ligeira, die im Gegensatz zu mir von ihrem – mustergültig braven - Begleiter nicht sonderlich erbaut war, um und machte sich abgesattelt allein auf die Weiterreise.  Zuerst ohne große Eile, war sie von meiner Freundin die ihr rasch nachritt dann nicht mehr einzuholen. Ligeira ist ein sehr selbstsicheres, schnelles und manchmal entschlußfreudiges Pferd! Sie ging 15km allein durchs Gelände in Richtung des Stalls wo sie aufgewachsen war. Da sie niemals Drang dorthin gezeigt hatte suchten wir sie zunächst in einer ganz anderen Richtung. Sie hat auch später nochmal bewiesen, dass 15km im Gelände auch reiterlos nicht großen Überlegens wert für sie sind. Trotz dieses großen Freiheitsdrangs ist sie das vertrauensvollste und treueste Pferd dass man sich vorstellen kann. Ich habe sie auch schon auf Wanderritten nachts nicht angebunden (aber nur in engen Tälern und nach mehreren Tagen Ritt!) und sie ist mir nicht von der Seite gewichen und hat dicht neben mir gelegen. Von solch scheinbar widersprüchlichen Kombinationen aus Freiheitsdrang und Vetrauen habe ich schon öfters gehört. 

Fressen lassen

Schon wieder etwas wo ich zugebe, meinen Pferden gegenüber zu inkonsequent und vielleicht sentimental zu sein. Ja meine Pferde dürfen knabbern wenn sie 2 Std. und länger unterwegs sind. Manchmal ertrotzen sie sich regelrecht ihre Pausen, wenn sie Hunger haben. Das finde ich OK. Wie ein Autor einmal geschrieben hat "Wanderpferde sind alle in der Gewerkschaft". Ein bißchen stimmt das sicher, selbst bei denen die mit größter Freude dabei sind. Irgendwann abends fangen sie an die Wiesen verstohlen anzugucken ob man hier nicht Quartier machen könnte?
Ja sie fressen gern unterwegs, das will ich ihnen gar nicht abgewöhnen. Zumal es nicht so ist dass sie lästig dabei werden (ich habe schon wirklich lästige erlebt). Laufen tun sie nämlich genauso gern, wenn die Pause wieder vorbei ist.
Pferde fressen normalerweise 12-16 Stunden am Tag, immer wieder mit kleinen Pausen. Wenn sie sich nach drei oder mehr Stunden Ritt im Vorbeigehen einen Zweig angeln dann tun sie das nicht aus Böswilligkeit. Einige bemühen sich ja dabei noch nicht mal langsamer zu werden. Dieser Sorte würde ich das Fressen nie verbieten. Aus demselben Grund mache ich eigentlich gar nicht gern Pausen vor Wirtshäusern wenn die Pferde nichts dabei fressen können. Natürlich ist Anbinden und fressen lassen am zu kurzen Strick dabei eine gewaltige Gefahr, und hat schon Chaos und böse Unfälle verursacht. Man bindet ein Pferd daher entweder sicher an, oder läßt es bleiben (reitet weiter und findet entweder in der Nähe eine bessere Anbindestelle, oder macht die Pause woanders).
Zum Thema "Fressen lassen" gehört die Frage WO. Die wichtigsten Giftpflanzen sollte jeder Wanderreiter kennen, und wissen wie sie aussehen. Ob die Pferde an Giftpflanzen gehen oder nicht, hängt vermutlich ab von ihrem Instinkt, ihrer Kenntnis der bestimmten Pflanze, ihrer Wirkung (viele Gifte sind auch Heilmittel, es kommt auf die Dosierung an) und ihrem Hunger. Deshalb ist es sicher nicht verkehrt die Pferde nie ganz hungrig zu reiten, weil sie dann evtl. alles herunterschlingen was sie bekommen. Auch können so leicht Koliken entstehen. Meine eignen Pferde haben ganzjährig Zugang zu Gras, Baumzweigen und allerlei Kräutern, und fressen wahrscheinlich alles, was sie schon kennen und für gut befunden haben. Ich habe aber schon gehört dass sich Pferde vergiftet haben, wenn sie (auch zum Wanderreiten) in neue Klimaregionen mit unbekannter Vegetation verbracht wurden. Deshalb gehört zur Vorbereitung auf den Ritt auch die Kenntnis der lokalen Pflanzenarten und deren Bekömmlichkeit für Pferde.

Hufbeschlag

Heute ist es typischerweise nicht mehr möglich einen Wanderritt von mehr als 4-tägiger Dauer ohne Hufschutz zu machen. Trotzdem sollte man beim Pferd mit dem Beschlagen möglichst spät anfangen und im Training soviel wie möglich unbeschlagen reiten, vor allem (in Regionen mit häufigem Schneefall) über die Wintermonate. Das Wort der Alten vom Beschlag als einem "notwendigen Übel", das man auf ein notwendiges Maß beschränken sollte, gilt weiterhin und in jeder Hinsicht.
Der Hufbeschlag zum Wanderreiten muß vor allem leicht, haltbar und strapazierfähig sein, guten Griff bieten und wenig rutschen. Diese Anforderungen sind teilweise komplementär und es kann immer nur Kompromisse geben. Auch ist jedes Pferd unterschiedlich und verträgt nicht alle Arten Beschlag gleich gut.
Kunststoffe erfüllen die ersten Kriterien sehr gut, sind aber für Pferde ab 500kg und unregelmässigem Hufabrieb, oder solche die schon unbeschlagen schlecht gehen eher ungeeignet. Generell rutschen sie leicht, besonders auf Gras oder Felsboden (am schlimmsten wenn sie feucht sind).
Man muß wissen was für ein Geläuf einen auf dem Wanderritt erwartet, und den Beschlag entsprechend einrichten. Für lange Ritte auf anspruchsvollem Boden zur Sommerzeit, auch um felsige und gefährliche Passagen meistern zu können, sind mir Profileisen am liebsten die im Zehen- und Eckbereich zum Einschlagen von Widiastiften abgeflacht sind. Diese Beschläge sind haltbar, relativ leicht und gut rutschsicher. Deshalb sollte man auf Asphalt mit ihnen nicht traben. Genügt diese Art von Gleitschutz nicht, muss man zu (Einschraub-) Stollen greifen. Mit denen muss auf harten Böden noch vorsichtiger geritten werden. Auf kurzen Ritten in felsige Gegenden habe ich mit Alubeschläge (breite Stege, in der Zehe eingelassener Griff) excellente Erfahrungen gemacht. Jedoch ist die Lebensdauer nur halb so lang wie beim gleichbreiten Eisen-Eisen.
Bezüglich Hufeinlagen gibt es schon immer verschiedene Ansichten unter den Reitern. Heutzutage werden von Distanzreitern viel Kunststoffeinlagen mit Silikonfüllung verwendet, besonders wenn auf steinigem Boden geritten wird. Für den Wanderreiter dürfte dies unnötig sein, da er bei steinigem Boden langsamer reitet. Außerdem ist die Haltbarkeit über Wochen und viele KM fraglich, desgleichen das Gewicht und die Frage der Wärmeabführung, da die Hufsohle nicht mehr atmen kann. Besser dürften da wohl die traditionellen Lederplatten mit Wergfüllung sein, jedoch können sich auch hier Eisen lockern, die Füllung herausfallen, sich Steinchen festsetzen und Huflahmheit verursachen u.v.m. Ein guter Kompromiss scheinen die netzartigen Kunststoffplatten ohne jede Füllung sein. Hinreichend stabil für felsigen Boden sind sie. Ritte bis 700km Länge haben sie bei mir durchgehalten. Bei allen Einlagen ist zu beachten, dass ihre Verwendung aufs absolut notwendige reduziert werden muß, da sie die Hufsohle verweichlichen und auf lange Sicht druckempfindlich machen, was dem Prinzip des Trainings zuwiderläuft. Der Satz "Wenn einmal Platten, dann immer" bringt das auf die knappe Formel.
All diese Sonderbeschläge sind schwieriger herzustellen bzw. anzupassen als gewöhnliche, und nicht jeder Schmied hat das Material auf Lager. Daher ist es gut, sich schon früh mit seinem Schmied über das geplante Vorhaben zu besprechen, zumal er am besten beurteilen dürfte wie das betreffende Pferd zu beschlagen ist. Der angehende Wanderreiter ist übrigens bestens beraten jedes Mal beim Beschlagen seines Pferdes selbst aufzuhalten. Beim Beobachten und den hierbei sich ergebenden Gesprächen gibt es unendlich viel zu lernen. Er sollte ferner das Entfernen von Eisen, das Ersetzen eines Nagels sowie das Neubefestigen eines vorhandenen Eisens in die alten Löcher unter Anleitung üben, da er es früher oder später auf einem Wanderritt brauchen wird, und diese Arbeiten am besten und schnellsten sogleich bei Notwendigkeit verrichtet werden, und nicht erst das Pferd auf drei Hufeisen weiterreiten, bis evtl. ein regulärer Hufschmied gefunden ist.
Er sollte Notbeschlagswerkzeug mitnehmen, um diese Handgriffe ausführen zu können. Ich empfehle die SCHRÄDER-Zange (http://www.wanderreiten-schraeder.de/seiten/produkte/zange.htm) oder die italienische TOT-ONE (kann der Hufschmied besorgen). Ich selbst bin jahrelang mit frischem Beschlag ohne jedes Werkzeug aufgebrochen. Ersteres ist sehr zu empfehlen - letzteres nicht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: irgendein Hammer und irgendeine Zange bekommt man immer geliehen, auch wenn es mit Spezialwerkzeug (auch dem Notbeschlagswerkzeug) wesentlich besser geht. Was man garantiert nirgendwo bekommt sind Hufnägel. Einmal (1996) verlor meine Stute Ligeira nach 320 von 400km ein Vordereisen. Ich musste mir Werkzeug leihen und richtete das verbogene Eisen auf einem Stein. Danach klopfte ich die schon sehr abgelaufenen, durch das Abtreten korkenzieherartig verbogenen Hufnägel gerade (!) und schlug das Eisen wieder auf, unter Verzicht auf die dicke Lederplatte, wodurch ich die erforderliche Freiheit zum Umnieten gewann. Das Eisen hielt zuhause noch 2 Wochen. Wiederholen möchte ich das Prozedere nicht, wenn ich es vermeiden kann. In der abgelegenen Region wo dies passierte hätte mich Herumtelefonieren und Warten auf den Hufschmied sicher einen Reisetag gekostet. Mehr will ich das Thema hier nicht vertiefen sonst müsste ich ein Buch schreiben. Und es sind schon ein paar gute auf dem Markt (z.B. ein neues von Hufschmied Burkhard RAU: Gute Arbeit am Huf).

"Training" zum Wanderreitpferd?

Man kann nicht wanderreiten ohne regelmäßig und viel zu reiten, Punkt! Ansonsten frage ich mich, warum zum Teufel die Leute überhaupt wanderreiten wollen? Sollen sie sich lieber die Gegend rund um ihren Stall anschauen. Da gibt es bestimmt Schönes, was sich nach und nach erkunden lässt und trainieren damit sich und ihr Pferd. Und lernen dabei auch, mit der Karte umzugehen, Strecken einzuschätzen und einzuteilen, das Pferd in Pausen richtig zu betreuen u.v.m. Das ist immer der erste Schritt. Man kann nicht beschließen von heute auf morgen "Wanderreiten" zu wollen. Man kann von heute auf morgen anfangen Fußball oder Tennis zu spielen, aber nur auf niedrigem Niveau. Der Wanderreiter fängt immer damit an seine Gegend auszukundschaften, als "gewöhnlicher" Freizeit- und Geländereiter. Ist diese ausgesprochen unattraktiv, voller Industrie oder Reitverbotsschilder, oder eine Agrarwüste wo jeder Weg asphaltiert ist, hat er es ohnehin schwer und wählt vermutlich eine andere Disziplin. Oder kauft sich einen Hänger und fährt dorthin wo es schöner ist. Wenn ihm das zu mühsam ist, sollte er zu einem seriösen Wanderreitbetrieb gehen, und dort das Wanderreiten auf bereits trainierten fremden Pferden lernen. Das kann sehr schön sein, aber größere Erfüllung und Befriedigung bereitet es, die Herausforderung mit dem eigenen Pferd gemeistert zu haben, das man selbst dahingehend vorbereitet und trainiert hat. Ich habe es selber schon erlebt dass ein Sattel auf Ritten von 2-5 Std. keine Beschwerden, aber nach einem 7-stündigen Wanderritt Druck verursacht hat. Gute Vorbereitung ist keine Garantie, aber unverzichtbar.

Ansonsten: Fernweh ist eine schöne Sache, aber Heimatliebe auch. Deshalb ist das erste Ziel, dass das Pferd einen Tagesritt (4-6 Std. Reitzeit zzgl. Pausen) von etwa 40km, ohne nennenswertes Gepäck, zu einem lohnenswerten Ziel und zurück schafft. Das kann eine wichtige Sehenswürdigkeit sein, ein schöngelegenes Gasthaus, der Stall von Freunden, oder ein Treffen im Freizeitreiterkreis. Wenn ich mich 20 Jahre zurückerinnere, versuchte ich damals all die kleinen Taunusdörfer in einem bestimmten Umkreis zu erreichen oder zu sehen - das waren mindestens dreißig! Ob das jetzt ein bewußtes Ziel war oder nicht - ich habe jedenfalls noch eine alte Übersichtskarte wo sie alle abgehakt sind. Im nachhinein findet man so etwas natürlich eher amüsant...
Ziele setzen ist jedenfalls ganz wichtig, im Training wie beim späteren Wanderritt. Man reitet nicht einfach so los! Man hat immer einen ganz bestimmten Grund, Idee und Plan. Diese können ganz gewöhnlich oder ziemlich ausgefallen sein, das ist völlig egal. Man sollte nur flexibel und aufnahmebereit sein, um seine Ziele bei Bedarf anzupassen. Ich beschließe sehr oft erst während des Rittes, wohin ich reite, oder wie schnell. Je nachdem wie gut das Pferd drauf ist, ich selber, wie Wetter, Geläuf usw. sind. Nur sollte man sich keine zu knappen Zeitvorgaben machen. Das kann ins Auge gehen. Nur weil ich letzte Woche eine Strecke in 2:45 Std. geschafft habe müssen es jetzt nicht 2:35 sein. So denken nur Distanzreiter (aber meist eher die Anfänger, oder die Stümper unter ihnen!) Ich gebe zu das schon ähnlich praktiziert zu haben, und wie gesagt, ganz ohne Ziel (zeitlicher Rahmen) wird man überhaupt nicht weit kommen. Aber immer flexibel und anpassungsbereit. Also wenn das Pferd eine gewisse Kondition hat, wird man keine Verbesserung mehr erzielen ohne es abzuhetzen. Viele meiner schönsten Strecken reite ich immer gleichmäßig, oft auf die Minute genau, ohne auf die Uhr zu sehen. Es ist doch leider so dass Strecken häufiger schlechter werden als besser und demzufolge eher mehr Zeit benötigen (Wegschotterungen, Hindernisse, darob zu suchende Umwege usw). Nicht nach der Uhr zu reiten ist eine der wichtigsten zu beherzigenden Regeln! Es gibt Wanderreiter die lassen deshalb ostentativ die Uhr zuhause. Ich bin anderer Ansicht: Uhr, Pulsmeßgerät, Kleincomputer, Handy, GPS kann man alles auf Wanderritten dabeihaben. Wenn man sich nicht davon abhängig macht! Ladegeräte und Ersatzbatterien nicht vergessen, und wenn sie mehrere kg wiegen hat man übertrieben!
Soviel zum Thema Training allgemein. R.CLAUS schreibt, das Wanderreitpferd müsse ebenso ernsthaft und zeitaufwendig trainiert werden, wie ein Leistungssportler, um dem Pferd gegenüber fair zu sein. Wer davor zurückschreckt, oder zu faul ist, muß entweder in einem Wanderreitbetrieb auf einem fremden Pferd reiten, oder daheimbleiben! Volle Zustimmung!

Trainingskonzepte

Fit für's Wanderreiten wird ein Pferd wenn es regelmäßig, fast täglich geritten wird. Zumindest 4x wöchentlich, und insgesamt mindestens 10-12 Stunden unterm Sattel. Davon wird bei den meisten die Hauptarbeit am Wochenende sein. Für ein erfahrenes und bereits trainiertes Pferd ist das - wenn es sonst genug Bewegung hat - OK, für ein junges und untrainiertes ist es unzureichend.
Keiner komme auf die Idee, "Pferde trainieren sich schon von selbst" auf der Weide oder gar im Auslauf. SO große Weiden hat in Deutschland kein Mensch! Ich habe für 3 Pferde 7ha, also recht viel Platz, und trotzdem stehen meine Pferde hauptsächlich herum, obwohl sie genug Platz zum Rennen haben. Außer wenn sie mich mit den Eimern kommen sehen, rennen sie doch recht selten... es sind Stuten und keine verspielten jungen Wallache (wobei solche typischerweise auch eher Blödsinn anstellen, Zäune kaputtmachen, sich beißen etc. als viel zu laufen). Vermutlich neigen Pferde, so die Umstände es erlauben und ihnen das Futter gebracht wird, wie Menschen zu möglichst vielem Fressen und bequemer aber nicht unbedingt gesunder Lebensweise als "couch potatoe". Wobei es noch temperamentbedingte Unterschiede gibt: die Nervösen fressen weniger, nicht immer zu ihrem Vorteil, und bewegen sich häufiger, aber keineswegs immer und beträchtlich mehr als die Faulen...
Hengste die Stuten zu imponieren haben sind die Ausnahme: sie sind wirklich wesentlich aktiver, neigen zu einem gewissen "Selbsttraining", sind immer um eine gute Haltung bemüht und bei Distanzritten immer konditionspreisverdächtig. Das erklärt ihre Beliebtheit bei trainingsfaulen Reitern.
Um regelmäßig und viel zu reiten, muß man sich selber erst mal in den Hintern treten - das ist der wesentliche Punkt! Also z.B. im Winter um 5.00 aufstehen, im Dunklen bei Frost losreiten, den Sonnenaufgang erleben, dann selber ins Büro fahren und die Pferde in der Vormittagssonne unter den Decken trocknen lassen. Wer dazu nicht die Energie aufbringt der sollte es besser bleiben lassen Wanderreiter werden zu wollen, und lieber Reiterurlaube buchen. Aus Erfahrung kann ich sagen, ein Tag der so beginnt, kann nicht schlecht weitergehen! Oder im Sommer pünktlich Feierabend machen, und abends reiten, wenn Hitze und Fliegen sich verzogen haben.
Das Häufigste aber wird sein, dass man in Frühjahr und Herbst bei schlechtem Wetter unterwegs ist und sich fragt warum man sich das antut. Wer keine gute Antwort hat fällt in ein schwarzes Loch. Ziele setzen! Der Wanderritt in die noch unbekannte Gegend, die Herausforderung, zusammen mit einem lieben Menschen oder guten Freunden - sein Pferd dafür fit zu haben, dass man gut durchhält und für die anderen nicht zum Bremsklotz wird - das lässt einen die mühselige Winterarbeit durchhalten! Und nicht zuletzt: ein gutes Pferd zu haben, das eifrig ist, mitmacht, vorwärts will, sodaß man sich immer entferntere Ziele ausdenken muß.
Das eigene Pferd setzt immer die Meßlatte, ob die Arbeit gut und angemessen ist, ob zu viel, zu wenig oder falsches geschieht. Beobachten wir immer das Pferd, wie es verhält: auf dem Ritt, kurz danach (frißt es? Ist es müde?), 2 Std. danach (angelaufene Beine? Schwellungen in der Sattellage?) und am Tag danach (Normale Ration gefressen? Rückenempfindlich? Unwillige, steife Bewegungen? Lahm?). Nach einem anspruchsvollen, kraftzehrenden Ritt ist am nächsten Tag eher leichte Bewegung angesagt. Nur ein bereits trainiertes Tier verträgt, die Belastung zu verdoppeln. Aber nicht "Ruhetag" auf der Koppel, denn das ist meist die Sorte "aus den Augen, aus dem Sinn". Auch wenn am Sonntag ein anstrengender Ritt auf dem Programm stand, ist Montagmorgen (vor dem Weg zur Arbeit) ein Kontrollbesuch sehr empfehlenswert.
Die "Arbeit" mit dem Pferd (ich verwende das Wort ungern, denn ein großer Reitmeister hat einmal gesagt "wer auf dem Pferd arbeitet, hat auf demselben nichts zu suchen!- und noch weniger zu erhoffen") soll abwechslungsreich und nicht eintönig sein, dem Pferd und dem Menschen zuliebe. Weit entfernt von bloßer Kilometerschrubberei! Also auch mal auf den Reitplatz gymnastizieren, Trailhindernisse üben oder Longieren. Wenn es keinen Reitplatz in der Nähe gibt, dann reitet man eben ein Stückchen dorthin! Intelligente und temperamentvolle Pferde werden bei eintöniger Arbeit aufsässig und überdreht, phlegmatische stumpfen ab, werden immer fauler,"drehen den Schalter" usw. und müssen durch rechtzeitige Abwechslung frisch und bei Laune gehalten werden!
Das zu bemerken erscheint mir umso wichtiger, als immer noch schematische Trainingsanleitungen unters Volk gebracht werden, mit Vorschriften dieserart: 10 Min Trab, 5 Min Schritt - (3x wiederholen), 10 Min Canter, 5 Min Schritt, 10 Min Trab, 15 Min Schritt. Niemand kann auf den heutigen Wegen oder in schwierigem Gelände nach solchen Vorgaben reiten. Wer es versucht, macht sein Pferd blöd im Kopf oder lahm.

Mit wem reiten?

Glücklich kann sich schätzen, wer Stallkameraden auf gleicher Wellenlänge hat, mit denen man Ziele teilt, und gemeinsam angeht. Oder das Hobby mit dem Freund, Freundin, Ehemann usw. teilt. In diesem Fall erübrigt sich die Frage. Ansonsten bleibt, wenn man mit dem eigenen Pferd auf Tour gehen will und sich keinem "professionellen Rittführer" und einer ganzen Horde anschließen mag, fast nur übrig allein zu reiten. Das Erlebnis nur mit dem eigenen Pferd und offen für jeden Menschen den man unterwegs kennenlernt, ist sehr erfüllend, und allemal befriedigender als faule Kompromisse einzugehen. Auf Mitmenschen die den Ritt nicht durch ihre Anwesenheit, ihren Frohsinn und Witz bereichern, kann bestens verzichtet werden.
Ich schließe mich in diesem Punkt POSCHARNIGG's Ansicht vollkommen an, mit keinem Menschen den ich nicht sehr gut kenne, mehrere Tage auf einen Wanderritt gehen zu wollen. "Die Zunge ist ein gefährliches Tier und gehört an die Kandare gelegt". Wanderreiten wird für manchen durch die Anstrengungen, den Mangel an Komfort und Erholung, Frühaufstehen, und mangelhafte Fitneß zur Extrembelastung, die auch an die Psyche geht. Das kann man nur durch Selbstbeherrschung und "Zusammenreißen" meistern, ein Stückweit "preussische Tugenden" also. Das sind viele nicht mehr gewöhnt oder wollen es im "Urlaub" auch nicht haben. Oder es wird zu mühsam durchzuhalten gegenüber Menschen die man nicht schon lange kennt, außerordentlich schätzt, oder denen man schlicht und ergreifend imponieren will um "dazuzugehören". Gute Rittführer schaffen es eine "Aura" um den Ritt - nicht notwendigerweise um sich selbst! - aufzubauen und zu pflegen. Dies ist aber leichter in einer Gruppe von 6-10 Leuten, wo es immer welche gibt die sich ins Zeug legen und mitreißen lassen, als in kleineren Gruppen, wo passive oder negative Menschen viel stärker ins Gewicht fallen, wo man auf jeden einzelnen angewiesen ist und kein Konformitätsdruck wirkt.
Wenn ich mit jemand anders wirklich zusammereiten will, dann fällt es mir leichter zu akzeptieren wenn der einiges anders macht als ich das gewöhnlich tun würde. Vielleicht trabt er hin und wieder auf Asphalt oder etwas ähnliches. Wenn ich nur 6 Individualisten auf einem Ritt dabeihabe, jeder mit seiner eigenen Karte, ohne Bereitschaft sich aufeinander einzustellen, reiten die Leute an der ersten Kreuzung in 6 verschiedene Richtungen auseinander. Kennen Sie das? Wann waren Sie mit Ihrem Mitreiter das letzte Mal über das Geläuf unterschiedlicher Meinung, dass sie sich fast entzweit haben? Sie kennen das gar nicht? - wunderbar, dann hätten Sie diesen Abschnitt nicht zu lesen brauchen.
Aber oft ist nicht alles so harmonisch und ideal im zwischenmenschlichen Bereich. Das ist der Punkt. Reiten Sie selber langsamer wenn schwächere Reiter oder Pferde dabei sind; reiten Sie langsameren Schritt wenn Sie merken dass nicht alle mit Ihrem Pferd mithalten können? Ich hoffe es doch.... aber Rücksichtnahme und Höflichkeit allein sind noch nicht genug. Würden Sie gern mit jemandem Wildfremden zusammen Urlaub machen, nur weil man dasselbe "Verkehrsmittel" benutzt? Wer weiß worüber man sich mit dem unterhalten kann! Es gibt nichts todlangweiligeres als Reiter mit denen man sich nur über Pferde unterhalten kann - und selbst da kann man ja über verschiedene Ansichten in Streit geraten! Es ist ein unbedingtes Muß dass man auf Wanderungen vielseitige Gesprächsthemen hat. Leider ist eine große Zahl Reiter erschreckend einseitig und desinteressiert. Doch gar nicht zu reden sondern zu schweigen irritiert die Leute meist noch mehr. Außerdem möchte man seine Empfindungen ja auch teilen sonst könnte man ja gleich allein reiten. Also um die, die an allem nur zu meckern haben, von denen man nur negatives hört, und um die großen Absicherer, die nichts selbst entscheiden, aber immer jemand anderes die Schuld geben, die ihr Leben in Vollkaskomentalität leben, dazu die gräßlich Komplizierten die für alles im Leben eine Sonderwurst haben wollen, mit denen man sich schon blamiert, wenn sie im Gasthaus aus der Speisekarte bestellen - um all die macht man beim Wanderreiten einen riesigen Bogen. Diese Mentalität ist dem Geist des Wanderreitens entgegengesetzt. Die müssen erstmal allein auf einen Ritt gehen, und ganz von unten beginnen zu lernen. Oder weiter Pauschal-Reiturlaub buchen - sollen sie doch dafür bezahlen andere mit ihren Sonderwünschen zu nerven und nach Unzulänglichkeiten zu suchen! Was ist mit den anderen? Meiner Ansicht nach sind die besten Mitreiter nicht die großen "Schweiger" und in sich gekehrt Meditierenden (wo man sich oft fragt, worüber denken die eigentlich immer nach, oder haben sie überhaupt Gedanken?), nicht die stillen Dulder, noch die trägen Siebenschläfer --  sondern eher die Aktiven, dabei aber gemütlich-humorvollen. Der extrovertierte, bewegungsfreudige und geistig-rege Menschenschlag. Großmütig, vielseitig interessiert, offen - vielleicht sogar idealistisch und romantisch veranlagt. Haben Sie solche Freunde - Glückwunsch! Mit sechs solcher Leute, wo in jedem Gasthaus neu gewetteifert wird wer den anderen die nächste Runde ausgeben darf - soweit es nicht in "Exzessen" ausartet - ist am vergnüglichsten zu reisen und zu reiten...


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