WANDERREITEN - die
andere Krone der Reiterei
Frank Mechelhoff -Wanderrittführer
VFD
..im
Taunus und drum herum...
<-
Link
zum Besten Wanderreitpferd von allen...
VORAUSSETZUNGEN
BEI PFERD UND
REITER
Natürlich sind nicht alle Pferderassen und
-individuen gleich
gut fürs Wanderreiten geeignet, aber das macht nichts! Wenn
sich
aber jemand dafür interessiert, Wanderreiter zu werden, wird er
oder
sie kaum von Null anfangen. Höchstwahrscheinlich hat er bereits
ein
tüchtiges Geländepferd, und in seiner Umgebung alles
interessante
abgeritten, so dass er sich für weiter entfernte Ziele zu
interessieren
beginnt. Das ist der "klassische" Weg wie
man zum Wanderreiten kommt. Es spricht alles dafür mit dem Pferd
anzufangen
dass man bereits hat. Ob das eine Pferd 25, das andere 80km
täglich
bewältigt, ist nicht das entscheidende. Vielleicht ist es eine
Frage der
persönlichen
Zielsetzung oaber nicht der Eignung schlechthin.
Körperbau
Ideal sind alle harmonisch gebauten Pferde
im mittleren Stockmaß von 1,35 bis 1,60. Weder schwere, noch sehr
magere Typen versprechen hohe Ausdauer. Das gut bemuskelte
Mittelmaß
ist am besten geeignet. Es gibt also viele prinzipiell geeignete
Rassen.
Ponies, Warmblüter, Kaltblüter (im Reittyp) wie kleine
Vollblüter.
Vorteilhaft ist ein gut ausgeprägter Widerrist. Er gibt dem Sattel
Halt
und ist meist mit einer guten Schulter verbunden, bietet Ansatzpunkte
für ausgeprägte Muskeln. Eine tiefe muskulöse Brust
deutet auf ein
starkes Herz und gute Lungen hin. Leicht nach außen gedrehte
Ellenbogen, die mindestens zwei Finger Luft zur Gurtlage lassen
bedeuten eine
stabile Vorhand und machen nie Probleme mit Gurtdruck, sollen aber
nicht mit
bodenenger Stellung kombiniert sein. Etwas bodenweite Stellung vorn ist
in
der Kombination eher vorteilhaft und macht trittsicher.
Die hinteren Sprunggelenke sollten nicht zu steil gewinkelt sein, da dies
Spat
begünstigen kann. Allerdings wird das andere Extrem, schwache
Säbelbeine noch viel weniger leisten, auch wenn sie noch so tief
unter
den Körper gestellt und Gewicht tragen. Eine breite Kruppe und
kräftig
bemuskelte Oberschenkel sind empfehlenswert, dürfen dabei nicht
plump
geformt sein oder in der Bewegung schwerfällig wirken. Es ist
besser
das Pferd "steht über viel Boden" als dass die Hufe eng gestellt
sind,
sonst sind Streifverletzungen nicht vermeidbar.
Für
ein Wanderreitpferd ist dies etwas sehr lästiges, und wenn das
Pferd es
nicht im Laufe der Zeit lernt, auch ohne Streifleder Verletzungen zu
vermeiden, dies zu geschwollenen Fesseln oder
ähnlichem Ungemach führt, macht dies das Pferd zum
Wanderreiten
untauglich.
Von der Seite betrachtet, soll die Kruppe sollte nicht gerade, eher
etwas
abfallend sein, weil das die Gewichtsübernahme und Beugung der
Hanken
begünstigt. Hierzu ist es
optimal wenn die Abstände zwischen Hüfthöcker,
Sitzbeinhöcker
und Kniescheibe ein gleichseitiges Dreieck bilden.
Wenn der Widerrist stark und gut ausgeprägt ist, muß der
Rücken
entgegen häufiger Ansicht
nur gerade und straff, aber nicht stark bemuskelt
sein. Pferde mit zu kräftigen Rückenmuskeln neigen eher dazu,
diese
festzuhalten und
unter dem Reiter zu versteifen, zu Verspannungen, unbequemen Gang und
reiterlichen Problemen als leicht bemuskelte, die den Rücken
leichter
hergeben und auch bequemer zu reiten sind. Satteldruck tritt bei ihnen
jedenfalls seltener auf, als bei den "stark" aussehenden, mit breiten
Muskelwülsten versehenen Rücken.
Geschlecht
Dass Hengste höchst unpraktische
Wanderreitpferde sind weil sie immer spezielle Betreuung und
Unterbringung bedürfen
dürfte einleuchten. Dennoch gibt es Reiter die das auf sich
nehmen;
sie werden ihre Gründe haben. Wallache sind ausgeglichenere
Charaktere
und eignen sich für Einsteiger am besten. Jedoch ist nicht zu
leugnen
dass sie in Punkto Biß, Initiative und Ausdauer mit Hengsten oder
Stuten nicht mithalten können. Stuten sind in Bezug auf lineare
Schnelligkeit
und Kraft Hengsten leicht unterlegen, übertreffen diese jedoch an
Ausdauer,
besonders in Extremausdauer (hier sind auch Frauen Männern
überlegen!).
Letzteres ist wichtiger sowohl für Wander- als auch Distanzpferde.
In der Regel sind Stuten mutiger als Wallache und scheuen weniger (und
wenn,
dann meist nicht aus Mißtrauen oder Feigheit, also echten
charakterlichen
Mängeln, sondern eher um ihre Reiter zu prüfen, aus
Überempfindlichkeit
oder um sich ein wenig wichtig zu machen). Stuten gelten
darüberhinaus
als launisch, jedoch hauptsächlich bei Nicht-Stutenreitern. Gut
erzogene Stuten machen ebensowenig Schwierigkeiten, weder
gegenüber dem
Reiter noch anderen Pferden, wie entsprechende Wallache. Stuten im
Training und
Sporteinsatz werden auch nicht ausgeprägt rossig - einige
verlieren
besonders in den Ausdauerdisziplinen zeitweilig fast völlig ihren
Eisprungzyklus
- und sind ebenso konstant leistungsbereit wie Wallache - und
jedenfalls
weit weniger äusseren Einflüssen und Ablenkungen unterlegen
als
Hengste. Bekannt ist dass männliche Reiter häufig besonders
gut
mit Stuten, Reiterinnen dagegen mit Hengsten zurechtkommen, was wohl an
der
harmonischen Verbindung von Gegensätzen liegt.
Gewichtsverhältnis
Reiter und Pferde sollten Größen- und
gewichtsmässig "zusammenpassen". Es ist Fakt dass ein zu kleiner
oder
zu leichter Reiter sein Pferd nicht gut beherrschen kann, und Hilfen
nicht effizient ankommen. Häufig gibt es in solch ungünstigen
Konstellationen sogar massive Rangordnungsprobleme: das Pferd erscheint
oft als der Ranghöhere. Klar dass für einen Wanderritt so
etwas
absolut tödlich ist. Bei grossen Reitern ist es ungünstig,
wenn
deren Oberschenkel so lang sind dass deren Kniee bei schmalen Pferden
abstehen
weil dann die Unterschenkelhilfen das Pferd nicht mehr leicht
erreichen.
Das Ideal ist ein Gewichtsverhältnis von Reiter zu Pferd wie 1:6
unter
der Berücksichtigung dass noch Gepäck mitgenommen wird (sonst
1:5). Jedoch gilt dies nur bis zu einem Stockmass von 1,60 und einem
Gewicht
von 550kg, darüber hinaus sind kleinere Pferde
verhältnismässig
leistungsfähiger. Und natürlich tragen leichte, starkknochige
Pferde mehr als feingliedrige oder solche die nicht nur den Reiter
sondern
selbst noch 50-100kg Übergewicht mit sich herumschleppen
müssen!
"Heavyweights" unter den Reitern (das beginnt bereits bei 80kg) werden
-
je schwerer umso mehr - Probleme bekommen “optimal passende” Pferde zu
finden
und sollten eher mit kleineren vorliebnehmen - müssen diese dann
allerdings
stärker entlasten: mehr zu Fuß gehen, leichteres
Gepäck,
geringeres Tempo und Streckenleistung usw. Der bekannte
Wanderrittführer Herbert Fischer, selbst eher ein "heavyweight",
brachte das einmal auf die nicht ganz ernstgemeinte Sentenz "Über 100kg
im Sattel, das ist nicht Reiten sondern Fleischtransport..!" Das
hindert ein eingespieltes und guttrainiertes Team nicht darin gute
Leistungen zu erbringen. Unzählige Araber haben auf dem schwersten
Ritt
der Welt, dem "Tevis-Cup" (100 Meilen durch die
Sierra Nevada in längstens 24 Stunden), bewiesen 1/3 ihres
Gewichts
schadlos tragen zu können. Ähnliches haben auch Ponies
geschafft.
Das muß schon betont werden, nachdem die 1:6-Gewichtsregel der
Kavallerie
selbst in "Freizeitreiter"-Zeitschriften wieder ausgegraben und als
tierfreundliches Solll hingestellt wurde - nachdem man früher
einmal
wusste welche Typen zu den "Gewichtsträgern" gehören und was
das ist.
Aber nur leichtgewichtige Leute kamen überhaupt zur Kavallerie
(die
reitende Artillerie z.B.
musste schon anders rechnen). Und nicht wie heute Tierschutz sondern
Schnelligkeit und Durchschlagskraft der Attacke waren deren
Begründung.
Heute sind die Kriterien andere. Meine 1,47m große
Fjordaraberstute hat
mehrwöchige Touren mit fast 30% ihres Gewichts belastet, mehrfach
mit
Elan und gesund bewältigt. Jedoch habe ich mich dann mit 40-45 km
täglich und
6-7 Std. Reiten begnügt, während sie ohne Gepäck das
doppelte
leisten kann - und bis zu 7kg Kraftfutter täglich gefüttert.
Natürlich
kann man dann nicht mit einem 1,60-Halbblüter mithalten wollen der
60km mit einem Lächeln zwischen den Zähnen schafft... Wobei
dahingestellt sei wieviel Tage er dieses Lächeln behielte in
schwierigem Gelände wo sich ein Pony einfach hindurchwuselt!
Geländetauglichkeit
Damit ist der nächste Aspekt zum Thema
"Größe bei Wanderpferden" genannt. Kleine Pferde sind viel
geländetauglicher als
große.
Die Alten sagten "das Pferd muß zur
Scholle passen", und das stimmt noch immer (nur die Welt hat sich
seitdem verändert). Für einen Wanderritt durch die
norddeutsche
Tiefebene ist ein Pferd
im Typ des alten Trakehners (heute eher polnischen oder russischen
Warmbluts) wohl noch heute am leistungsfähigsten und geeignetsten.
Mit
einem Isi käme man auf den endlos graden Wegen nicht recht voran.
Ein
größerer oder schwererer Typ würde auch nicht mehr als
60-80km täglich
schaffen, dabei höhere Anforderungen an Futtermenge und
Unterbringungung stellen und seine Leistungen wären unsicherer.
Die interessantesten Reitgebiete Deutschlands sind heute aber die
weniger dicht bebauten Mittelgebirge Süddeutschlands. Das sind
überhaupt keine historischen Reitpferdezuchtgebiete. Hier
sind
die Ponies und Araber im Vorteil, denn die 50-60km täglich die sie
hier
unter besten Bedingungen erreichen werden von keinem
größeren Pferdetyp
überboten, zumal ihre Ansprüche an die Unterbringung
geringer, und sie
selbst
härter und weniger verletzungsanfällig sind. Wer schmale
Bergpfade
begangen hat, umgefallene Bäume, Stege und schmale
Fußgängerbrücken
passieren mußte, wird keinen Zweifel mehr hegen, daß man
mit
einem Pferd von 1,40m und 350kg Gewicht viel besser durchkommt als mit
einem
30cm grösseren fast doppelt so schweren. Ich habe jedenfalls schon
dutzende Engpässe erlebt, wo ich mit dem Pony "eben so" drunter
durchpasste.
Wo ich um gefallene Bäume zu umgehen, an steilen Hängen
ausweichen
musste, kam das Pony trotz geringerer Kraft ebenfalls meist
geschickter,
sicherer und Reiter oder Führer mit weniger "mulmigem Gefühl"
weiter.
Je mehr die Hauptwege geschottert und unbereitbar werden (und die
Belange
der Reiter beim Wegebau und anderen Planungen vergessen werden), desto
mehr
bleibt einem heute gar nichts anderes übrig als immer mehr
Wanderwege
und schmale, eigentlich für Fußgänger gedachte Wege,
Stege,
Durchlässe und Unterführungen zu bereiten, wo immer dies noch
möglich
(und zulässig) ist. Dafür sind kleine Pferde einfach besser.
Sie
zernieren dabei die Wege auch bei weitem nicht so wie große und
schwere
Typen, zumal sie meist nicht so exaltierte Gänge haben und ihre
Füße
leise aufsetzen anstatt sie aufzuknallen. Trifft man einmal
Fußgänger
wo sie einem besser nicht begegnen sollen, kann man sich besser
„kleinmachen“. Ängstliche Menschen haben weniger Angst vor
Kleinpferden
als vor Großen. Kleinpferde machen sympatisch und lassen den
Reisenden
zu Pferd nie „herrenreiterhaft“ wirken.
Außerdem sind die kleinen kompakten Exemplare in fast allen
Rassen
ohnhin die besseren und härteren. Je größer
gezüchtet, desto mehr
Qualitäten des ursprünglichen Typs gehen verloren.
Je alpiner das Gelände desto kleiner muß das Pferd sein
(Haflinger/
Isländer). Neben den meist weicheren Gängen kleinerer Pferd
spricht
dies dafür, sein Pferd keineswegs größer
auszuwählen als notwendig um
das Gewicht bequem tragen zu können. Die eindrucksvolle, nach
"viel
Pferd" aussehende Optik bringt eben nicht besser vorwärts, schon
gar
nicht trägt sie die Last auf lange Sicht gesünder. Wäre
ich 20 kg
leichter würde ich deshalb wohl immer bei den Ponies bleiben.
Psychische
Eigenschaften
Wenn man die Wahl hat, ist ein Pferd mit
aktiv-freundlichem, vorwärtsstrebenden Charakter und Nachteilen im
Exterieur oder der Gewichtsklasse dem körperlich perfekten, aber
passiv
oder trägen weniger leistungsbereitem Exemplar bei weitem
vorzuziehen.
Man sollte zwar nicht zu früh ein
Urteil über ein bestimmtes Pferd sprechen, weil sich dies bei
geeignetem
Training noch erstaunlich verbessern kann. Aber wie beim Menschen, sind
die seelischen Eigenschaften für die Leistungsfähigkeit
entscheidend
-- und Wanderreiten verlangt entschieden mehr Intelligenz, Fleiß,
Lernfähigkeit, Mut, Flexibilität, Ausdauer und geistige
Stärke,
eben das was man gemeinhin "Charakter" nennt, als rein körperliche
Eigenschaften. Außerdem ist der Umgang mit einem mittuenden,
freundlichen
und geistig regen Wesen auch für den Reiter viel erfreulicher als
einem
stumpfen Tier, das zu allen Aktivitäten angetrieben werden
muß
- schon auf kurze Dauer, erst recht über Tage und Wochen. Dies
dürfte
der Grund sein warum viele Wanderreiter hochblütige Pferdetypen
bevorzugen
- trotz manch praktischer Nachteile und erforderlichen
Rücksichten.
Aber was macht das schon aus gegen das Gefühl einen echten Freund
dabeizuhaben?
Das fängt schon beim Führen an! Ein Pferd das nicht eifrig
neben seinem
Reiter herläuft und sich für die Welt intereressiert, das
nicht losgeht
sobald sein Reiter losgeht, sondern immer erst auf den Ruck im Maul
wartet, braucht einen Viehtreiber und keinen Reiter. Solche Exemplare
die immer bestrebt sind vier Beine am Boden zu haben, machen auch Gerte
und Sporn nicht zu einem Kameraden mit dem man gern auf Tour geht. So
richtig es ist, daß ein Pferd auf Anforderung auch mal steht
- viel wichtiger aber ist daß es geht! “Gehlust
ist
die wertvollste Eigenschaft eines lebenden Wesens von der Ameise und
Biene
bis zum Menschen selbst (Monteton)” Wie könnte das
für
Vielseitigkeitspferde anerkannt sein, nicht aber für die
größten
"Geher" in den Pferdedisziplinen gelten? Temperamentvoll aber doch
gehorsam
ist das Ideal - nicht nur des Wanderreitpferdes.

Foto von Wanderrittführer
Wolfgang
Schräder
Erziehung
Verträglichkeit mit anderen Pferden ist für
Wanderreitpferde äußerst wichtig. Auch dominante Tiere, oder
kämpferische Charaktere, die es ja gibt und nicht immer die
schlechtesten sind, sollen, müssen und können zu absoluter
Frömmigkeit
erzogen werden. Ich kenne ebensoviele Wallache, Stuten und sogar
Hengste
die schlagen und dies ist bei Gruppenritten unerträglich und
muß
mit der notwendigen Konsequenz und gegebenenfalls Strenge aberzogen
werden,
wozu leider manche Reiter nicht in der Lage zu sein scheinen. Wenn der
Reiter
niemals züchtigende Strafen in der Öffentlichkeit anwenden
sollte
ist hier die Ausnahme von der Regel. Außerdem muß
er lernen
es besser zu reiten, denn Schlagen ist auch immer Zeichen für
mangelnden
Schenkelgehorsam (ein Pferd vor dem Schenkel kann nicht
ausschlagen).
Für Beißen gilt dasselbe wobei gewisse nicht in die Tat
umgesetzte
Beißdrohungen Teil des natürlichen
Einschüchterungsverhaltens
dominanter Tiere sind und nicht ganz aberzogen werden können.
Erziehung heißt aber nicht Sklavengehorsam, das gilt
besonders
für Hengste, Stuten und hochblütige Pferde. Diese brauchen
wegen ihres
höheren Grads an Aktivität und Intelligenz auch gewisse
Freiheiten, ebenso wie ein intelligenter, aktiver und sensibler
menschlicher
Charakter eher unter bedrückendem Zwang leidet. Ohne Motivation
und
Freiheit keine befriedigende Leistung. Genauso ist es beim Pferd. Das
Gleichgewicht
zwischen Gehorsam und notwendigen Freiheiten zu erhalten ist aber die
Kunst
der Erziehung und verlangt gesunden Menschenverstand und Erfahrung. Der
große preußische Reitmeister v.Krane nannte diese für
den
Geländereiter notwendige Selbständigmachung
des Pferdes von den Hilfen mit "Entwöhnung". D.h. zuerst kommt
die Erziehung, dann geht man einen Schritt zurück und gibt die
notwendige
Freiheit.
Anbinden
und Stehenlassen
Anbinden ist ebenfalls reine
Erziehungssache, und für jedes Wanderreitpferd eine "conditio sine
qua
non". Ich habe aber beobachtet dass viele Reiter aus Furcht ihre Pferde
ungern oder gar
nicht anbinden. Wie sollen sie es da lernen abgebunden zu stehen?
Einfach
indem man die Pferde immer wieder anbindet, auch ohne selber weiter
wegzugehen, zu möglichst vielen Gelegenheiten, wenn möglich
ab
dem Alter von 3-5 Monaten. Wie überall in der Reiterei, versucht
man
Konflikte nicht absichtlich hervorzurufen, indem man die Pferde
zunächst lange an Orten anbindet die sie gar nicht gern verlassen
möchten, z.B. beim Füttern. Es muß quasi in einem
längeren Zeitraum zu
einem erlernten Reflex werden dass man da stehenbleibt wo man
angebunden ist.
Natürlich können solche Reflexe nie 100- sondern immer nur
99%-ig
verankert werden. Deshalb entferne auch ich mich nicht gern wenn mein
Pferd
in einer nicht völlig überschaubaren Umgebung angebunden ist,
also
z.B. ohne Futter und andere Annehmlichkeiten. Aber es stimmt auch nicht
dass
das Risiko umso größer ist je hochblütiger das Pferd
ist.
Hochblütige Pferde wenn sie gehorsam und vertrauensvoll sind
stehen
wie eine Eins selbst wenn sie es vielleicht nicht leiden können
allein
zu bleiben und dieses Mißfallen gegen den als drückend
empfundenen
Zwang vielleicht auch zum Ausdruck bringen (was man diesen kaum
verbieten
kann). Ihre Intelligenz und ihr Vertrauen helfen ihnen aber den Zwang
dennoch
hinzunehmen. Wo das fehlt, wo Mißtrauen
und Ängstlichkeit
dominieren, sind Pferde oft nicht davon abzuhalten Befreiungsversuche
zu
unternehmen - und werden so nie zu brauchbaren Wanderreitpferden.
VORAUSSETZUNGEN
BEIM REITER
Charakterliche Voraussetzungen des Reiters
lasse ich hier mal aus; sie sind ganz ähnlich wie oben fürs
Pferd
beschrieben und entsprechen im übrigen denen die an jeden Reiter
gestellt
werden. Hier sei nur daran erinnert dass Reiter, Ritter, Chevalier,
Kavalier
ursprünglich dasselbe bedeuten. Als Wanderreiter sollten wir uns
bemühen
nicht mit "Herrenreitern" verwechselt zu werden, denn die mag niemand
besonders,
und das hat gute Gründe.
Körperliche
Fitneß
und Ausdauer
Ein Mindestmaß an körperlicher
Leistungsfähigkeit und Frische ist ganz unverzichtbar, das nicht
bei
jedem Reiter, auch solche die sich als körperlich aktiv
bezeichnen,
vorhanden ist. Besonders
auffällig ist dies bei Gruppenritten, wo nach einigen Stunden,
längerem
Traben oder stärkeren Anstrengungen wie Fußmärschen
sich
bei vielen stärkere Ermüdung einstellt, die auf die Stimmung
drückt,
oder einen nachlässigen Sitz zu Pferde zur Folge hat, worunter
dieses
leidet. Nichts ist unsportlicher! Ein Wanderreiter muß zu einem
strammen
mehrere KM langen Fußmarsch neben seinem Pferd her in der Lage
sein,
in voller Ausrüstung, um dieses je nach Bedarf zu entlasten,
selbstverständlich auch bergauf. Keine allzulangen Pausen
dürfen wegen
Ermüdung des Menschen notwendig werden. Dieses muss er/sie mehrere
Tage
hintereinander leisten können, selbst wenn die Unterkünfte
bescheiden
oder sogar etwas primitiv sein sollten und keine perfekte Regeneration
zulassen. Natürlich gilt dies auch bei schlechter Witterung,
Kälte und
Regen!
So zeigt sich dass sehr wenige sportlich untrainierte Reiter, noch dazu
aus einem Bürojob, diese Anforderungen uneingeschränkt
erfüllen können,
ohne dass der zum Ertragen körperlicher Anstrengungen
unabdingbare Frohsinn leidet. Auch Training
im Studio muß hierfür nicht fitter machen. Reduzierung evtl.
vorhandenen Übergewichts, mehrstündiges Reiten (mit
längeren
Trabreprisen), stramme Fußmärsche und Ausgleichssport sind
zur
Erlangung der notwendigen Fitneß nützlich. Laufen (evtl. mit
Pferd an der Hand) 10km im flachen Gelände, oder 2000m Schwimmen
in
1 Std. sind gute Fitneßziele.
Pferdehänger
Man kann auch immer von zuhause aus
losreiten, dann braucht man überhaupt keinen Hänger und auch
kein
Zugfahrzeug. Das ist nicht das schlechteste! Schülern oder
Studenten
bleibt meist ohnhein nichts anderes übrig. Wenn man aber in seiner
Umgebung alles abgeritten hat, kommt mit den Jahren der Wunsch nach
einem eigenen Hänger auf, um lange Anmarschwege durch
möglicherweise
schon lange bekannte oder unattraktive Gegenden abzukürzen. Es
muß
gesagt werden dass mit Benutzung von Hänger und Zugfahrzeug man
meist
einen erheblichen Teil an Flexibilität und Spontanität
einbüßt, was
schon oft dazu geführt hat, dass Reiter seitdem sie so viel
Equipment
haben gar nicht mehr zum Reiten kommen, weil die Umstände um
einmal in
die Gänge zu kommen viel zu groß werden! Denn oft kommen
noch eine
Reihe von Anschaffungen dazu, vordergründig, um das Hobby zu
erleichtern (der Markt bietet ja soviel an!) - aber in Wahrheit wird es
erschwert, weil vielzuviel Zeug zusammengekommen ist was die
Vorbereitung eines Wanderritts kompliziert und in die Länge zieht.
Hier
gilt der Satz, dass weniger mehr sein kann, und die Kunst der
Selbstbeschränkung.
Es ist also an dieser Stelle überflüssig sich lange über
moderne
Ausstattungsdetails des idealen Wanderritt-Pferdetransporters
auszulassen, nur soviel:
- statt eines neuen minderwertigen Billighängers schaue man wenn
das
Geld knapp ist nach guten gebrauchten Markengeräten. Hänger
werden
meist sehr wenig bewegt und halten an sich sehr viel länger als
Autos.
Zudem sind sie mit handwerklichem Geschick gut instandzusetzen. Es gibt
30 Jahre alte Hänger die immer noch sicher ihren Dienst tun. Den
Pferden ist dies egal
- schwere und stabile Hänger sind sicherer. Lieber das Geld
investieren
und ein ordentliches Zugfahrzeug kaufen. Einachshänger sollten
nicht
mehr gekauft werden (zu unsicher). Ein- oder 1,5-Pferdehänger sind
deutlich weniger flexibel im Einsatz, nur unwesentlich leichter von
Gewicht,
und gar nicht leichtzügiger. Überbreite Zweipferdehänger
sind jedoch auch unnötig (und unhandlich). Die älteren
Hängerinnenbreiten
von 1,55-1,65 sind für unsere meist kleineren Wanderreitpferde
voll
ausreichend
- Polyhauben sind für die meist längeren Strecken die
Wanderpferde
bewegt werden unbedingt empfehlenswert. Die Marschtempi auf der
Autobahn
liegen ja doch näher bei 100km/h als bei 80, und bei höherem
Tempo
oder in dichtem Verkehr der ja am Wochenende Standard ist, sind
Planenanhänger unerträglich laut und ein vermeidbarer
Streß für die
transportierten Pferde. Vollpolyhänger sind gleich langlebig und
entgegen gängigen Glaubens reparaturfreundlicher als
Holzhänger
- die Innenausstattung soll hell und freundlich sein
(Innenbeleuchtung), variabel, verletzungshemmend und an allen Kanten
abgerundet. Auf Trennwände kann häufig verzichtet werden.
Wenn nötig,
sind Gummiwände geeigneter und verletzungssicherer.
- es ist unbedingt wichtig dass die Vorder-
und Hinterstangen nicht bloß gepolstert und stabil sind sondern
auch
die richtige Höhe fürs
Pferd
haben. D.h. es muß sich mit der Muskulatur
der Oberschenkel auf diese stützen können wenn es sich auf
diese Art
während der Fahrt ausbalancieren will, demzufolge muß die
Hinterstange
eine Handbreit niedriger sein als der
Sitzbeinhöcker des kleinsten zu transportierenden Pferdes, so
daß es
seinen Schweif bequem über diese
legen kann. Unter gar keinen Umständen dürfen die Stangen so
hoch sein
dass es sich das Kreuz anstossen kann! Hänger werden heute oft
für
Pferde mit Riesen-Stockmaßen gebaut, Freizeitpferde-Besitzer
gucken in
die Röhre! Oft reicht auch der Verstellbereich hierfür nicht
aus. Dann
muß umgebaut werden. Der Zollstock darf nicht vergessen werden
beim
Hängerkauf!
- die Frage der Aufstellung ist viel
diskutiert worden. Ich kann bloß für meine Pferde sprechen. Diese
schätzen keine
Trennwände egal aus welchem Material sondern haben gern soviel
Platz
wie möglich und stellen sich auch gern leicht schräg hin,
sogar wenn
sie zu zweit fahren. Ich habe ihnen daher vom Dorfschmied eine neue,
durchgehende Hinterstange aus Siederrohr anfertigen lassen (mit
Polsterung ca. 12cm dick) um ohne
Trennwand fahren zu können. Trennwände aus Holz halte ich
generell für
ein Verletzungsrisiko und verfehlt. Die "Polsterriegel" die unten in
einer stabilen Gummimatte auslaufen sind wesentlich geeigneter.
- eine „Sattelkammer“ im Hänger ist
durchaus keine unnütze Spielerei.
Auch wenn das Zugfahrzeug noch so groß ist, kann es nur angenehm
sein,
einen zusätzlichen Stauraum für sperrige Gegenstände wie
Wasserkanister, Futter, Grillkohle zu haben. Es ist auch praktisch wenn
zum Übernachten im Hänger ein Feldbett in die Seitenwand
eingehängt
werden kann.
Zug-
und Troßfahrzeug
Hier gilt der lapidare Satz, dass das
größte und hubraumstärkste Zugfahrzeug dass man sich
leisten kann, am
besten ist. Raum kann man kaum genug haben: Meist wird das Fahrzeug ja
auch zum
Versorgen der Pferde, Heranschaffen von Futter und ähnliche
Aufgaben
benötigt. Pickups, Geländewagen, Kleintransporter und -busse
sind
zurecht beliebt. Unter 100PS Leistung wird das Ziehen mühselig,
und
2l Hubraum beim Diesel, 1.6l beim Benziner sind das absolute Minimum.
Dieselfahrzeuge
galten früher als langlebig, was jedoch heutzutage wo aus 2l
Hubraum
selbst beim Diesel 120 und mehr PS herausgeholt werden, nicht mehr
zutrifft. Zwar ist der Verbrauch dieser neuartigen Motoren
unerhört
sparsam (zumindest ohne Hänger) jedoch kosten sie mehr Steuern,
Versicherung und in den Großstädten droht das
Feinstaub-Fahrverbot.
Benziner benötigen wegen ihres schlechteren Drehmoments mehr
Leistung um mit Dieseln mitzuhalten. Schwache und hochgezüchtete
Dieselmotoren neigen oft zu Erhitzung und thermischen Problemen wenn
Hänger
gezogen werden und müssen mit Feingefühl bewegt werden.
Benziner
haben diese Probleme eher selten, fangen dafür im
Hängebetrieb
meist ungezügelt an zu saufen. Heutzutage die wirtschaftlichste
und
langlebigste Lösung dürften großvolumige, auf
Gasbetrieb umgerüstete
Benzinmotoren sein. Nachteil: der Platzbedarf der Gastanks. Klassische
Wohnmobile sind als
Zugfahrzeug
ungeeignet. Meist sind sie zu schwach motorisiert, das Heck ist nicht
auf
die Belastung beim Ziehen konstruiert und der lange hintere
Überhang
(Abstand Hinterrad-Anhängerkupplung) und das Übergewicht auf
der
Hinterachse bringt Unruhe und Unsicherheit ins Fahrwerk. Zudem
fährt
man sich leicht fest. Universell und am sichersten als Zug- und
Troßfahrzeuge
sind schwere Geländewagen, die hier ihre eigentliche
Existenzberechtigung
haben. Zu großer Luxus ist natürlich eher reisehemmend, denn
diese
Fahrzeuge stellt man kaum gerne 4 Tage auf einem abgelegenen
Waldparkplatz
ab um einen Wanderritt durch die Umgebung zu machen. Da würde auch
die
Alarmanlage wenig helfen. Es gilt also wie überall der Grundsatz
einer
gewissen vernünftigen Selbstbeschränkung.
Es wäre gut wenn die von Kleintransportern abgeleiteten,
praktischen
Vans brauchbar wären, zumal es jetzt sogar welche mit Allrad gibt.
Aber leider haben diese nie ausreichend hohe Zuglasten und zu kleine
Motoren.
Vielleicht hat ja einer der Hersteller mal ein Einsehen. Bis dahin sind
wahrscheinlich die SUV (Sport Utility Vehicle) der beste
Kompromiß
zwischen Zugfahrzeugeignung, Betriebskosten und Fahrkomfort.
Ausrüstung
Hier ist nun nicht der Platz für lange Listen
was man zu Pferd
dabeihaben sollte: das hängt von der gewählten Form des
Rittes
ab (weiter unten). Mir ist es aber schon passiert dass ich zwei Tage
lang
gepackt habe, weil ich erst alles zusammensuchen, manches noch
säubern
und reparieren, und einige Teile die fehlten oder defekt waren noch
nachkaufen mußte. Nie wieder! Seitdem bemühe ich mich,
bereits beim
letzten Einpacken auf dem Ritt oder gleich nach Ankunft zuhause trotz
Müdigkeit alles so vorzubereiten dass ich gleich wieder losreiten
könnte. Fast alles ist in 60l-Alu-Kisten verpackt und muß
nur ins Auto
geladen werden und es kann sofort losgehen - wenn's sein muss
Freitagabend gleich nach der Arbeit!
ARTEN
VON WANDERRITTEN
Der
Ritt ins Blaue
Man reitet von zuhause oder einem anderen
Startpunkt einfach mit einem bestimmten Ziel los und wählt die
Etappenorte nach der Länge oder Schwere der Tagesleistung, der
Form von
Pferd und Reiter, dem Wetter, oder Lust und Laune. Man plant keine
Quartiere vor sondern fragt am späten Nachmittag oder frühen
Abend bei
Landwirten, Grundbesitzern, Pferdehaltern o.ä. bis man Unterkunft
bekommt. Diese Art des Wanderreitens ist am flexibelsten und
pferdefreundlichsten, da man keinen festen Plan
einhalten muß. Ausserdem lernt man am meisten. Dies ist deshalb
auch
eine ideale Form für Wanderreitanfänger, jedoch nur noch
solche
mit Erfahrung im selbstständigen Reiten, denen Tagesritte in
unbekanntem
Gelände nach Karte schon gelingen. Jedoch ist diese Art von
Wanderritt
nur für Einzelreiter oder kleine Gruppen, bis max. 4, geeignet.
Größere
Gruppen kann i.A. niemand spontan unterbringen. Dabei ist zu beachten:
Nichts muß im Leben so intensiv vorbereitet werden wie die
Absicht zu
improvisieren. Die Reitstrecken sollten anhand der Karten (1:25.000
oder 1:50.000) grob oder in mehreren Varianten vorgeplant und
abgemessen sein. Welche Ortschaften sich zum Etappenziel in
bäuerlichen
Regionen wohl eignen kann schon vorab überlegt werden, desgleichen
wo
man Futter
bekommen, einkaufen kann usw. Fast immer wird von solchen Plänen
aber
abgewichen werden müssen. Auch ist es mir schon passiert, dass in
strömendem Regen in einem und selbst dem nächsten Dorf kein
Quartier zu
erhalten war. Da braucht man ein gesundes Fell! Außerdem wird man
damit
leben müssen, dass Stall, Weide, Futter, Übernachtungsort
für den
Menschen, Verpflegung usw. sehr unterschiedlich ausfallen, und manchmal
die Erholung nicht so ist, wie sie sein sollte. Mir ist es auch schon
passiert dass in einem ganzen Dorf kein Hafer oder Gerste aufzutreiben
war. Deshalb versuche ich einen eisernen Vorrat getrennt zu besorgen
und mitzuführen. Dessen Beschaffung ist natürlich
zeitaufwendig, und
das zusätzlich getragene Gewicht nicht unerheblich.
Man wird sich vielleicht anfangs wundern dass nicht jeder Pferdefreund
auch Wanderreiter begeistert aufnimmt. Oft fehlt einfach der Platz
für
ein weiteres Pferd! Oder Ponyreiter nehmen keine Großpferdereiter
auf, oder umgekehrt. So etwas gibt es! Am liebsten waren mir immer die
Quartiere
bei Bauern, die im Krieg noch mit Pferden zu tun hatten. Die
wußten
sofort was ein Pferd nach so einem Marsch braucht und wunderten sich
auch
nicht über die Tagesleistungen. So eine Gastlichkeit, Anteilnahme,
unkomplizierte Hilfe und Pferdeverstand zusammen habe ich seitdem nur
noch in Ausnahmefällen erlebt. Leider sind diese einmaligen
Pferdeleute
nun fast alle gestorben
und haben ihr Wissen und ihren Humor mitgenommen. Ausserdem wird man
leicht feststellen dass diejenigen, die selbst nur wenig haben, am
ehesten bereit sind etwas abzugeben und sich Gästen anzunehmen.
Für
manchen wird das überraschend kommen. Die Erfinder der
Gastfreundschaft, die alten Griechen, unterschieden übrigens "den
Fremden" und "den Gast" nicht, sondern bezeichneten ihn mit dem
gleichen Wort (xenos).
Der
Biwakritt
Weil man in manch abgelegenen Dörfern
in Gasthäusern unter der Woche auch abends nichts zu essen bekommt
und auch nicht immer eingeladen wird, habe ich schon immer gern 1-2
Mahlzeiten
dabeigehabt - Brot, Hartwurst usw. ohnehin. Weil aber auch das Pferd
häufig
unbefriedigend untergebracht ist (z.B. abgefressene Kuhweide voller
Fliegen,
stickiger Stall, schlechtes Heu usw.) und man ja meist eher froh ist
überhaupt
etwas zu bekommen, es aber schlecht kritisieren oder ablehnen kann, bin
ich
seitdem gerüstet auch im Freien zu übernachten, zumindest bei
trockenem
Wetter. Dies ist optimal wenn Pferde ohnehin draußen gehalten
werden,
weil keine Umstellung notwendig ist. Gras ist überall einheitlich.
In Gegenden mit intensiver Landwirtschaft oder wo jeder Quadratmeter
Grünland eingezäunt ist, sind Biwaks natürlich
unmöglich. Aber in
den meisten Mittelgebrigsregionen finden sich Ödlandstreifen oder
ausgelassene enge Talwiesen deren Bewirtschaftung sich nicht mehr
lohnt, wo man mit 1-2 Pferden übernacht keine Probleme bekommt,
wenn
man sich richtig verhält und keine Spuren
zurückläßt. Oder gar eine
bequeme Grillhütte! Diese Art Ritt braucht nicht wesentlich mehr
Gepäck, aber mehr Erfahrung, hochwertigste Ausrüstung und
Feingefühl
vom Reiter. Dafür
hat man, weil man in der Lage ist Ortschaften zu meiden, ein ungleich
höheres Naturerlebnis, und kann (auch weil mehr Zeit zum
eigentlichen
Reiten verbleibt) häufig beachtliche Tagesleistungen erreichen.
Vorgeplante
Quartiere
Wie beim Ritt ins Blaue, jedoch mit fest
ausgemachten Quartieren. Heute gibt es eine schon unübersichtliche
Menge an touristischen Angeboten und Listen von Privatunterkünften
für
Wanderreiter.
Hier muß man die Termine vorher ausmachen (die Mitnahme eines
Handys
empfiehlt sich hier). Auch als Planungsgrundlage sind solche Listen
hilfreich.
Jedoch kann man nicht davon ausgehen dass in allen landschaftlich
schönen
Regionen, oder da wo man gerade konkret hinwill, solche Quartiere in
befriedigender Dichte existieren. Außerdem verliert man viel
Flexibilität, und muß möglicherweise mit Gewalt
versuchen ein Ziel zu
erreichen, wenn wie so häufig etwas dazwischengekommen ist. Solch
erzwungene Gewalttouren sind der ärgste Feind der Pferdegesundheit
auf
Wanderritten! Ich halte diese Art des Reitens für Anfänger
deshalb
wenig empfehlenswert. Die Angebote auf touristischer Basis werden aber
dem komfortorientierten
Reiturlauber, der auf großes Gepäck verzichtet, und bereit
ist
für den entsprechenden Service zu bezahlen, sehr entgegenkommen.
Es
gibt auch Angebote Gepäck mit dem Auto zu transportieren u.ä.
Unter
diesen Umständen und bester professioneller Stallunterkunft der
Pferde
dürften die höchsten denkbaren Tagesleistungen zu erreichen
sein.
Troßbegleitung
Sehr beliebt bei nichtreitenden
Lebenspartnern! Auf diese Weise kann man sein Hobby doch irgendwie
zusammen gestalten. Bietet die Möglichkeit fast alles dabeizuhaben
was
nur entfernt benötigt werden könnte, außer dem Stall
selbst - je nach
Leidensfähigkeit und logistischem Geschick des Troßfahrers.
Es muß
dazugesagt
werden, dass bei dieser Art des Rittes der Troßfahrer eigentlich
mehr
"Plan" haben muß als der Reiter, besonders wenn er den oder die
Reiter
tagsüber an allen möglichen Punkten treffen und betreuen
will.
Wenn dies so weit führt dass Wanderreiter und Pferd nicht mehr
unabhängig
unterwegs sind, und es große Probleme gibt, wenn der
Troßfahrer
durch Autopanne, Verfahren o.ä. Zufälligkeiten nicht zur
Stelle
ist, würde ich dies nicht mehr als Wanderreiten bezeichnen.
Trotzdem
mag es seinen Nutzen haben: Komfort und erfülltes
Sicherheitsbedürfnis
ist ja nichts was man grundsätzlich ablehnen sollte. Trotzdem
sollte
man sich überlegen ob es wirklich nötig ist dass ein Auto
quasi
nebenherfährt und die Umwelt verpestet damit geritten werden kann.
Ich
bin der Überzeugung es ist nicht nötig. Wenn Reittourismus
umweltfreundlich
sein soll, fallen hier die Argumente schwer. Hinzu kommt dass die
logistischen
Anstrengungen und Unwägbarkeiten keine entspannte Stimmung
aufkommen
lassen. Es gibt auch keinen Lerneffekt der Beschränkung auf das
nötigste,
weil auch die unsinnigsten Dinge im Auto mitgeführt werden
können.
Größere reitende Gruppen mit den notwendigen
Lagerutensilien,
Futter u.dergl. zu versorgen ist natürlich etwas anderes – hier
genügt
1 Fahrzeug für 10 Pferde.
Zumindest erinnert sei noch an die Möglichkeit
Wanderreiter mit
pferdebespannten Fuhrwerken zu betreuen. Jedoch sind Fahrzeuge mit den
gewünschten Zuladungsmöglichkeiten selten. BRAND hat in
seinem 1985
erschienen Buch über das Wanderreiten historische
Brückenwagen mit
Ladefläche beschrieben, die ich aber noch nie benutzt gesehen
habe.
Häufiger
besitzen Kaltblutfreunde Planwagen mit Autoreifen, die außer zu
Christi
Himmelfahrt meist selten benutzt werden. Jedoch dürften diese Art
Fahrzeuge
in den meisten Fällen zu massiv und schwerzügig sein um
Reitern
in hügeligem Gelände zu folgen, selbst wenn die Reitstrecke
über
befestigte Fahrwege und durch Täler abgekürzt wird. Schon gar
nicht
kommen alte, ungefederte Leiterwagen in Betracht.
Basislager
Das ist eine von mir geschätzte,
entspannende und pferdefreundliche Form des Wanderritts, und auch
für
Anfänger zu empfehlen, sowie für Leute die z.B. aus Alters-
oder
Gesundheitsgründen einen gewissen Mindestkomfort verlangen. Man
fährt
irgendwo hin, z.B. Wanderreitstützpunkt oder reittouristischer
Punkt,
nimmt dort Zimmer und Pferdeunterkunft, oder schläft im Wohnmobil,
Auto
oder Hänger, und erkundet von dort aus in Tages-Rundtouren die
Umgebung. Man hat den
Vorteil alles im Camp dabeizuhaben was man braucht und muß nicht
täglich das Auto bewegen. Es gibt allerdings auch hier die Gefahr
das
unbekannte
Gelände falsch einzuschätzen und sein Pferd
streckenmäßig
zu überfordern. Jedoch ist im Basiscamp die Versorgung
sichergestellt,
was bei einem unbekannten noch anzusteuernden Quartier nicht gegeben
sein
muß. Außerdem kann weitgehend auf Gepäck verzichtet
werden.
Das erlaubt im Regelfall ganz gute Tagesleistungen, und sportives
Reiten
fast wie daheim.
Eine Variante für Freunde des unabhängigen Reitens ist das
Ansteuern
von Grillhütten als Basislagern. Die wird man aber in der Regel,
außer
in sehr abgelegenen Gebieten, täglich wechseln müssen.
Außerdem sind
peinlichst alle Pferdespuren auszutilgen. Dann kann es aber eine sehr
entspannte Art des Urlaubs mit Pferden sein, bei der man trotzdem sehr
flexibel ist.
WAHL
VON ZEIT UND GANGARTEN
In hügeligem Gelände und auf weichen Wegen
erreicht ein typisches Wanderpferd pro Stunde im Schritt 5-6km, im
ruhigen Trab 10-12km. Viele Wanderreiter gehen überwiegend
Schritt,
und mit meinem ersten Wanderreitpferd, einem Isländer, bin ich mit
schwerem
Gepäck ebenfalls fast nur Schritt gegangen, oft 8-10 Stunden am
Tag
für Tagesleistungen unter 40km. Ich bin aber weit davon entfernt
dass
als das Optimale zu bezeichnen. Bei manch größeren Pferden
dürfte
man bei dem Versuch sowohl den eigenen, als auch den Rücken des
Pferdes
ruinieren.
Viele andere Wanderreiter, besonders solche im Westernstil, reiten
keinen Trab sondern eher Jog, da sich dieser besser aussitzen
läßt.
Sie kommen damit aber nicht so gut vorwärts (8km/h).
Nun ist aber schon lange bekannt dass der Energieverbrauch des Pferdes
je Kilometer, bei Geschwindigkeiten von 10km/h (Trab) gleichhoch ist
wie
bei 6km/h (Schritt). Der Galopp ist uneffizienter. Wenn also das Pferd
stark
und konditioniert genug ist Reiter und Gepäck in schnelleren
Gangarten
zu tragen, sollte dies berücksichtigt werden. Ganz sicher soll das
Gepäck und seine Verschnallung Trab und Galopp nicht behindern -
im
Gegenteil,
es ist ein Qualitätsbeweis für die Bepackung wie schnell und
lange
geritten werden kann ohne dass irgendetwas wackelt, schlägt, den
Reiter
beim Reiten, oder - ganz schlimm - das Pferd behindert! Wer das noch
nicht beherrscht soll schlicht weniger mitnehmen.
Ich pflege mit dem Ziel zu reiten meine Tagesetappen ökonomisch
und in
kurzer Zeit zu leisten, wobei ich mir erlaube auf schönen Wegen
und in schönen Landschaften zu bummeln. Harte Wege versuche ich zu
vermeiden wo es eben geht. Ansonsten wird zügig geritten und
häufig
getrabt, so z.B. auf den meisten Kieswegen. Nicht besonders schnell
sondern
eher etwas zurückgehalten und am Zügel, als
vorwärtsgetrieben.
Ab und zu ist auch ein ruhiger Canter angesagt, je nach Laune und
Stimmung
- auch das Pferd darf seine Meinung hierzu äußern..!
Auf einem Wanderritt gibt es bei mir keinen „leichten Sitz“, denn weder
Renntrab von mehr als 18 km/h noch Jagdgalopp von mehr als 25km/h sind
angemessene Tempi für Wanderritte. Ich sitze die Gangarten
entweder
aus, oder -
bei höheren Trabtempi und unbequemen Pferden - kontaktnah, und
zwar
so dass ich das Pferd jederzeit vor dem Schenkel habe. Auch
abgekürzten
Trab, wie in der Reitbahn, reite ich auf Wanderritten nicht, da die
höhere Versammlung und künstliche Haltung das Pferd
stärker ermüdet als
notwendig. Eine leichte Versammlung lässt das Pferd aber auch auf
dem
Wanderritt elastisch und ermüdungsfrei laufen.
Idealerweise (ich folge da eher meinem Gefühl als der Uhr) teile
ich
die Tagesetappe in vier Viertel von je 1,5-2 Std. ein und mache eine
kurze Morgen- und Nachmittagspause von 20 Min., sowie eine längere
Mittagspause von 1,5-2 Std. bei der ich absattle. Pferde die weniger
fit sind sollten
mehr Pausen bekommen, eventuell jede Stunde. Während der Pausen
sollen
die Pferde grasen können, was sie auch eifrig und meist die ganze
Zeit
tun. Auch wenn in einzeln liegenden Wirtshäusern eingekehrt wird,
lasse
ich meine Pferde sehr ungern hungrig. Dann spanne ich gern ein
Laufseil,
oder ein Picket. Hinzukommen oft noch Extrastops und Pausen an Burgen
oder
anderen Sehenswürdigkeiten. Auf diese Weise reite ich meist um die
7-8
Std. täglich, und leiste dabei je nach Pferd und
Geländeschwierigkeit
zwischen 40 und 65km. In sehr heißen Sommern habe ich die
Mittagsrasten
auch schon wesentlich ausgedehnt, oder zwei längere Pausen mit
Absatteln gemacht. Man muß ein Gefühl mit dem Pferd, der
Landschaft,
Witterung und Jahreszeit entwickeln - das ist eigentlich alles...
STRECKENPLANUNG
Deutschland ist, machen wir uns nichts vor,
ein dicht zugebautes Land. Siedlungen, Straßenbauten, Schotter
und
Asphalt
nehmen täglich zu. Und nirgendwo wird auf die Bedürfnisse der
Geländereiter
(bzw. ihrer Pferde) Rücksicht genommen. Es wird daher immer
schwieriger
gutes Geläuf und landschaftlich reizvolle Streckenführungen
zu
finden, und sicher ist es in einigen Regionen schon kaum mehr
möglich.
Wahrscheinlich sind wir die letzte Generation Reiter die überland
reiten kann, ohne die Pferde auf schädigendem Geläuf zu
verschleißen.
Bemühen wir uns darum es so gut zu machen wie möglich, zum
Erstaunen
unserer Umwelt, und solange es noch geht...
Zur Streckenplanung gibt es verschiedene Methoden. Ich mache zuerst
immer eine grobe Sichtung und evtl. Festlegung von Zwischenzielen und
Sehenswürdigkeiten nach der Generalkarte 1:200.000, die zumindest
Waldgebiete und rudimentäre Topographie erkennen läßt.
Dann werden die
Karten 1:25.000 beschafft, möglichst die Spezialdrucke mit
Wanderwegen.
Nach Karten 1:50.000 reite ich nicht mehr gern weil man hier fast nur
noch auf Schotter vorwärtskommt. Zur besseren Planung 1:25.000
existieren jetzt aber gut brauchbare CD-Karten für den PC.
Außerdem
vergleiche ich Gelände und Wege anhand historischer Karten, z.B.
Karte
des Deutschen Reichs 1:100.000 (-1945) oder Preußische
Generalstabskarte 1:80-100.000 etwa um 1850-1880. Diese
dienen auch der Bestimmung von Wasserscheiden und Höhenwegen.
Diese,
sowie alte Ortsverbindungs- und Landwege, soweit „vergessen“ wurde sie
als
Straßen auszubauen, sind oft die idealen Fernreitwege denen man
auch
längere Zeit folgen kann. Sind sie befestigt suche ich nach
Möglichkeit
Parallelwege auf.
Es ist viel effizienter, entspannender und erholsamer diesen
Haupt-Höhenzügen oder auch einmal sich anbietenden
Talverläufen länger
zu folgen als zu versuchen eine direkte Linie zwischen zwei Punkten
einzuhalten und nur die notwendigsten Anpassungen an die Topographie
zuzulassen. Selbst
auf Umwegen von 30% Streckenlänge und mehr ist man oft trotzdem
noch
schneller. Ich suche den „besten“ Weg anstatt den kürzesten
(dieser
ist eh’ meist der mit dem Auto...)
Man kommt auch besser voran wenn man die Karte nicht ständig vor
der
Nase haben, an jeder zweiten Wegkreuzung abbiegen muß, und wieder
anderes Geläuf unter den Hufen oder einen zugewachsenen Weg, wo es
erst mal nicht weitergeht, vor sich hat. Auch die Pferde tun besser mit
wenn
sie die Richtung erkennen der sie folgen. Ortschaften durchreite ich
dabei
recht selten, außer zu einem bestimmten Grund (z.B. einkaufe,
Futter
besorgen usw). Wenn, dann reite ich bewußt durch die alten
Ortskerne
anstatt durch die neugebauten Randbezirke, selbst wenn dies kürzer
wäre.
Aber meist ist der Anblick historischer Häuser erfreulicher, die
Straßen
sind schmäler, die Autofahrer nehmen mehr Rücksicht, und
Pferdeäpfel
auf der Straße werden in ländlichem Ambiente nicht von
unterbeschäftigten
Häuslern zum Problem hochstilisiert.
Neugebaute Straßen sind durch ihre Breite und das hierdurch
veranlasste
Fahrtempo immer ein Risiko, dem man sich nur so kurz wie möglich
aussetzen soll. Breite Straßen verleiten Autofahrer häufig
zum
Überholen trotz Gegenverkehr ohne seitlichen Abstand einzuhalten.
Nur
ältere
Leute, und viele Berufskraftfahrer wissen noch dass ein Pferd seitlich
etwas
mehr Platz braucht als ein Radfahrer. Wer ängstlich weit rechts im
Rinnstein oder verbotenerweise auf dem Gehsteig reitet provoziert solch
Fehlverhalten noch und gefährdet sich damit selbst. Aus diesem
Grund
reite ich nach Möglichkeit zu zweien nebeneinander, da dies die
Autofahrer
aufmerksam macht und vom Drängeln abhält.
Führung und Verhalten von Gruppen
Das gewohnheitsmäßige Reiten allein, zu
zweit, zu dritt oder zu viert wirft üblicherweise keine besonderen
Probleme auf. Es wird umso schwieriger je mehr Reiter dazukommen, je
schlechter diese, und ihre Pferde sich kennen, umso weniger häufig
sie
in Gruppen zusammen reiten, und umso unterschiedlicher ihre Charaktere
sind (der Pferde und der Reiter!). Bei den Menschen sind können
überdies noch die Motive und Motivationen, emotionale und
finanzielle
Beziehungen zwischen
den Ritteilnehmern eine Rolle spielen und zu Harmonie und Bereitschaft,
oder
Nörgeln und Differenzen sorgen. Statt eines erholsamen Ritts gibt
es
dann Enttäuschung und Streß für alle Beteiligten. Im
Extremfall
werden Pferde sinnlos überfordert oder es geschehen gar
Unfälle.
Dies sind keine schicksalhaften Ereignisse sondern in den meisten
Fällen durch Planung, Überlegung, Rücksichtnahme und die
Beachtung
einiger weniger Regeln vermeidbar!
Ich habe auf einem Ponyhof reiten gelernt, wo immer in
größeren Gruppen
ausgeritten wurde, und habe meinen ersten dreitägigen Gruppenritt
1981
geführt. Mir sind aus dieser Zeit nicht die geringsten Probleme in
Erinnerung, obwohl meine einzige Qualifizierung damals eine
gewisse Ortskenntnis, und Kartelesevermögen war. Heute hat
man,
wenn man einen Ritt ausrichtet oder ausschreibt, häufig einen
Haufen
Schwierigkeiten wenn man es mit Reitern zu tun hat, die Probleme mit
der Anerkennung von
Regeln haben. Viele von denen reiten schon länger. Einige meinen
sie
hätten schon alles gelernt was es in der Reiterei zu lernen gibt,
oder
es hätte mit Freiheit zu tun keine klaren Vereinbarungen
einzugehen,
oder sich von anderen nichts sagen zu lassen. Doch auch
Gruppenführer
machen Probleme. Viele sind vorzügliche Pferdeleute aber
weigern
sich dabei „Führer“ zu sein. Nun mag eine historisch bedingte
Ablehnung
gegen alles „Führertum“ und autoritäres Tun ja eine
berechtigte
Rolle spielen. Das schafft das Problem aber nicht aus der Welt, weil
nun
einmal einer bestimmen muß, wo es langgeht und welche Gangart
geritten
wird. Das bedeutet daß er (oder sie) eine gewisse Verantwortung
trägt
– nicht nur für eventuelle jugendliche Teilnehmer (und für
diese
ganz besonders im haftungsrechtlichen Sinne!) – sondern auch
für
erwachsene Gruppenmitglieder und selbstverständlich auch für
das
Wohl der teilnehmenden Pferde. All dies muß er bei den vielen
kleinen
Entscheidungen, aus denen die Führung eines Rittes besteht, immer
berücksichtigen.
Ihm muß bewußt sein, daß er nicht so reiten kann wie
er
es sonst allein tut, sondern auf die schwächeren (Reiter und
Pferde)
Rücksicht nehmen, und seine Forderungen auf den schwächsten
Teilnehmer
einzustellen hat. Von daher ist es ganz unabdingbar, daß er mit
wachem
Auge die anderen Ritteilnehmer beobachtet, um einzuschätzen zu
können
was er ihnen zutrauen kann. Auch wenn er viel Erfahrung und
Beurteilungsvermögen
hat sind Irrtümer noch möglich. Doch sollten sie nicht so
groß
sein daß Menschen oder Pferde zuschaden kommen. Diese – zumindest
moralische
– Verantwortung nicht anzunehmen hat nichts mit Freiheit oder Toleranz
zu
tun, sondern ist eigentlich eher Gleichgültigkeit.
Es ist aber, da wir nicht mehr in einem Führerstaat leben,
entscheidend wie und von wem diese
Führerschaft ausgeübt wird. Wer einen Ritt ausschreibt oder
dazu
einlädt muß das entscheiden, da beißt die Maus keinen
Faden ab. Wer es
selber
nicht kann oder will, muß einen finden dem er diese Aufgabe
delegieren
kann: dem Erfahrensten, Ältesten oder Ortskundigsten. Selten oder
nie
ist es ausreichend daß der Gruppenführer ein brillanter
Reiter
ist. Im Gegenteil, ein solcher wird die Gruppe häufig
überfordern,
aus Langeweile oder weil er annimmt daß die anderen ebenso gut
sind
wie er. Es kann sehr effizient sein die Führung zu teilen. Der
eigentliche
Gruppenführer und Entscheider führt aus der zweiten Position,
oder
ganz von hinten. Ein Vorreiter oder Scout führt die Gruppe an,
erkundet
schwierige Wegverhältnisse zuerst allein und ähnliches. Ein
paar
der besten Wanderrittführer verfahren so. (Es sei angemerkt
daß
eine Wildpferdeherde auf ähnliche Art durch Leitstute und Hengst
zusammengehalten
wird.) Dies ist eine ideale Aufgabe die man an junge und
enthusiastische
Reiter mit guten und eifrigen – auch etwas zu eifrigen Pferden
delegieren
kann und diese sehr zufrieden macht. In meinen Augen ist dies die
einzige
"Schule für Rittführer". Entsprechende Kurse auf dem Trocknen
allein,
ohne diese konkrete Erfahrung, (oder mit Referenten ohne ein
Höchstmaß an
praktischer Erfahrung) haben in meinen Augen überhaupt keinen Wert
und
qualifizieren für nichts!
Der Rittführer führt natürlich nicht wie ein
preußischer Offizier auf
dem Kasernenhof, sondern durch seine Erfahrung, Ortskenntnis und
Vorbereitung auf den konkreten Ritt (Mehrwissen schafft Verantwortung),
und weil er es schafft den übrigen Reitern zu vermitteln daß
seinen Entscheidungen vertraut werden kann. Keine leichte Aufgabe! Wenn
er (oder sie) in der Pause sagt „In 15 Minuten wird abgeritten!“ folgen
ihm die Kameraden weil sie einsehen daß noch eine lange Strecke
Weg
vor ihnen liegt. Einer muß entscheiden, man kann nicht
stundenlang
über alles diskutieren, sonst kommt man nie an. Wenn man abends im
Quartier oder Gasthaus zusammensitzt kann man gemeinsam überlegen
ob
die eine oder andere Entscheidung richtig war. Besser die zweitbeste
Entscheidung
getroffen und befolgt (und dann auch nicht groß drüber
lamentiert),
statt überhaupt keine! Das ist das Prinzip der Rittführung,
und
jeder erfahrene Ritteilnehmer sollte das einsehen und den
gewählten
oder vorbestimmten Rittführer unterstützen und es ihm nicht
noch
schwerer machen. Vernünftige Einwände kann er anbringen, aber
wenn entschieden ist, muß er die Entscheidung mittragen oder
zumindest
schweigen. Wenn er gar nicht einverstanden ist, muß er die Gruppe
verlassen.
Wer schon notorische Nörgler auf einem Wanderritt erlebte wird mir
sofort zustimmen.
Eine Reitergruppe ab etwa 5 Personen ist mehr als eine Gruppe
Individuen mit dem gleichen Ziel, irgendwohin zu reiten.
Verhält
sie sich so,
entsteht sehr leicht die Situation daß niemand mehr auf den
anderen
Rücksicht nimmt, denn jeder ist ja nur für sich selbst
verantwortlich.
Deshalb versucht (wenn die Reiter nicht sehr eng freundschaftlich
verbunden
sind) bald jeder nur seine eigenen Interessen durchzusetzen. Jeder
Wanderritt
mit so einer Gruppe Egoisten muß aber scheitern. Der
Rittführer
ist derjenige, der Interessenausgleich schafft und schlichtet, der in
gewissen Rahmen als ordnende und entscheidende Instanz anerkannt ist,
und das Bestreben, ja den Ehrgeiz hat die ganze Gruppe
erfolgreich ans Ziel zu bringen.
Nun kann die Führungsrolle nicht einfach eingefordert werden. Mehr
Erfahrung, mehr Wissen, mehr Vorbereitung, besseres
Beurteilungs- und Entscheidungsvermögen, besseres
Zuhörenkönnen, mehr Einfühlungsvermögen in
die
Bedürfnisse der Mitreiter wie der Pferde qualifizieren zu Führungskompetenz.Natürliche
Autorität ist mehr, nämlich eine Sache der
Persönlichkeit. Sie
verlangt mehr als Wissen und Erfahrung auf einem Gebiet. So jemanden
folgen die Mitreiter nicht nur wenn alles gut läuft sondern auch
nach
3 Tagen strömendem Regen. So jemanden eifern Jugendliche nach und
akzeptieren ihn nicht nur leidlich. Jedoch sind (und waren) solche
Menschen selten.
So weit zur Psychologie, nehmen wir ein jetzt ein paar konkrete
Beispiele.
Wahl
der Gangarten durch den
Rittführer
Schritt-, Trab- und Galoppiervermögen
sind nicht bei allen Pferden gleich ausgeprägt. Pferde haben von
sich
aus die Tendenz im kräfteeffizientesten Bereich der jeweiligen
Gangart
zu laufen, was bei großen und kleinen Pferden zusammen selten in
einem
gemeinsamen Tempo zusammenfällt. Also muß ein
Kompromiß
gefunden werden, der aber nicht jenseits der möglichkeiten des
langsameren
(z.B. kleineren) Pferdes liegt. Also muß der Reiter des
schrittschnellsten Pferdes sein Pferd einzügeln, sonst fangen alle
anderen an zu traben wenn er vornewegreitet. Die schrittschnellsten
Pferde gehören deshalb eher nicht an die Spitze. Natürlich
müssen die
Reiter der schrittschwächeren Pferde ihren Schritt bis zum
bestmöglichen ausgebildet haben, aber
es gibt eine physiologische Grenze. Also ist Rücksichtnahme
erforderlich. Dasselbe gilt auch im Trab. Galopp sollte auf
Wanderritten grundsätzlich vermieden werden. Gegen Canter ist aber
grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn es tatsächlich beim
Canter
bleibt.
Wie die Gangarten verteilt werden hängt neben dem Geläuf von
der Fitneß der teilnehmenden Pferde und Reiter ab. Dabei sollte
man
beachten dass starker Schritt in jedem Fall mehr anstrengt (das Pferd,
wie
den Reiter) als Wechsel zwischen entspannten Schritt und ruhigem Trab.
Ich
bevorzuge daher letzteres. Scharfer Trab ist gleichfalls nicht
schonend,
weder für die Beine noch den Kreislauf. Wenn das Pferd den Canter
vorzieht,
und von selbst anbietet sollte man ihn nicht vermeiden.
Der Rittführer sollte Gangartenwechsel immer ankündigen. Bei
einer Gruppe von 8-10 Personen kann man sich immer umdrehen und fragen
„wollen
wir 1km traben..?“ Bei größeren Gruppen sind Handzeichen
besser.
In jedem Fall muß der Gruppe deutlich sein was als nächstes
kommt. Auch
bremsen sollte man nie unangekündigt (Handzeichen) und Warnungen
über
Fußgänger, Hindernisse, oder Glasscherben deutlich
aussprechen.
Eigentlich muß er sein Pferd immer etwas zurückhalten, weil
es meistens nicht das schwächste der Gruppe sein wird. Auf dieses
muß
er aber Rücksicht nehmen. Er muß deshalb auch darauf achten,
dass die anderen ohne größere Abstände folgen.
Funktioniert
der Verbund gut bekommt der Gruppenführer sehr bald ein gutes
Gespür
dafür ob das Tempo noch erhöht, oder vermindert werden kann
ohne dass
die Tuchfühlung abreißt. Wieviel Abstand man einhalten
muß zum
Vordermann, sollte jeder Reiter wissen: bei fremden Pferden mindestens
eine Pferdelänge (so, dass man die Hufe des Vorausreiters sieht).
Viele
benutzen aber auch den Vordermann als Prellbock weil es bequemer ist
als
das Pferd ständig zu regulieren. Solches zu unterlassen kann nicht
oft
genug angemahnt werden, sowohl seitens des Rittführers als auch
der
Vorreiter.
Ist die Tempowahl unklar weil das Pferd des Rittführers ohnehin
ständig
zackelt, und von hinten nicht sichtbar ist, ob jetzt Trab gemeint ist
oder Schritt, werden die nachfolgenden Reiter abwarten bis sie erkennen
was denn nun beabsichtigt ist, um nicht ihrerseits die Pferde grundlos
in Unruhe
zu bringen. Dann werden sie entweder ziemlich schnell aufreiten, oder
den
Abstand eher noch vergrößern was beides unerwünscht
ist,
wenn man eigentlich zusammen reiten will. So ein Gruppenführer
wählt
besser einen vernünftigen Scout und reitet selbst am Schluß,
von wo er ihn dirigieren kann. Dann wird er sehen wie schwer das ist.
Marschordnung
Es hat sich nicht bis zu allen
herumgesprochen, aber beim Reiten in Gruppen muß eine gewisse
Disziplin
herrschen.
Je mehr, umso weniger gut sich Pferde und Reiter kennen. Was ich da
schon
erlebt habe, besonders mit Mitreitern aus der Fraktion der
„Reitstall-Reiter“
war teilweise fürchterlich: Völlig hemmungsloses und
ungezügeltes
Aufreiten, dichtes und unangekündigtes Überholen (an der
Grenze zum
Über-den-Haufen-Reiten und Plattwalzen mit 700kg Masse), schlechte
Manieren wie Beißen und Schlagen (sogar mit vorherigen
Stehenbleiben
und Auflaufenlassen des „Kontrahenten“!) Manchmal sieht es so aus als
ob
vor allem das Pferd bestimmt wo’s langgeht und in welchem Tempo.
Nein, es nicht so dass Geländereiten „keine besondere
Anforderungen“ ans Reiterliche Können, und den Gehorsam der Pferde
stellt. Diesen
„Sonntagsreitern“ die den Ruf der Freizeitreiter allgemein verderben
(ich
behaupte es sind keine!) muß man das ganz klar und deutlich
sagen!
Was unbekannte Reiter und deren Fähigkeiten und Sicherheit im
Gelände
angeht (vor allem ihr „Bedrohungspotential“ Fremden und mir bzw. meinen
Pferden gegenüber) bin ich mittlerweile skeptisch bis
mißtrauisch
gegenüber den meisten. Ich weiß nicht was die Leute beim
FN-Reiterpaß
lernen – anscheinend entweder das falsche oder von allem zuwenig. Es
macht
nichts dass dies alles Helmträger sind – wenn ich so reiten
würde
würde ich mich selbst mit Ganzkörperprotektoren nicht aufs
Pferd
setzen. Ich ziehe wegen solcher Mitreiter jedenfalls keine an!
Bekennende
Langstreckenreiter, egal wo sie herkommen und wie sie beritten sind,
kann
man dagegen „blind“ mitnehmen. Sie verhalten sich vernünftig, egal
bei wem sie ihr Reiten gelernt haben. Oft waren die „Lehrer“ ihre
einzigen
Pferde - viele Tausend KM lang. Gute Leute eben...
Verhalten
gegenüber anderen
Reitern, unterwegs und im Quartier
Je älter ich werde desto schwerer fällt es
mir ein Verhalten wie oben geschildert ohne deutliche Worte hinnehmen.
Ich habe aber oft festgestellt dass Reiter aus falsch verstandener
Harmonieliebe bei so etwas schweigen. Dafür wird häufig umso
mehr hinterher, über die jeweilige Person geredet.
Ich
finde das nicht fair. Man sollte dem betreffenden Chancen geben, seine
Horsemanship weiterzuentwickeln. Wenn jemand sein Pferd so reitet oder
behandelt, dass es Schmerzen hat oder psychisch leidet, kann man ruhig
den Mund aufmachen. Ansonsten wäre etwas mehr Schweigen bei vielen
Reitern und besonders Reiterinnen angebrachter! Die Welt der Reiterei
ist sehr vielschichtig.
Kaum einer kann sagen, warum er etwas richtig macht. Viel mehr ist
Intuition
als Wissenschaft. Manches das in „Fachbeiträgen“ als Wissenschaft
verkauft oder als „Geheimtip“ in Reiterstuben zugeflüstert wird,
hat
einen meterlangen Bart und wurde schon vor 100 Jahren ins Reich des
Aberglaubens verwiesen. Merkwürdig dass ausgerechnet in der
Reiterei
sich olle Kamellen so
lange halten – leider teilweise auch in der Pferdemedizin! Vielleicht
liegt
das daran, dass es so wenige rationale und wissenschaftlich
vorgebildete
Reiter gibt, und viele meinen das Denken abschalten zu können
wenn’s
ans Pferd geht. Jedenfalls führt das dazu dass ich viel weniger
gern
über andere urteile als die Mehrzahl der Reiter die ich so kenne.
Aber
ich frage immer gern wie es ihren Pferden geht. Meinen
größten
Respekt hatten immer die Pferdeleute, die fast stets gesunde Pferde,
und immer
dieselben,
hatten – über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Dann spricht
eigentlich
nicht
viel dafür dass sie ernsthaft was falsch machten.
Merkwürdigerweise
sind das nie die Lautesten, oft die Unauffälligsten, auch die
Auskunft-Unfreudigsten. Vielleicht deshalb, weil die meisten Antworten
auf typische „Anfängerfragen“ beginnen mit „Kommt drauf an...“ und
dann
immer so ellenlang ausgeholt werden muß...
Es gibt für jeden echten Reiter also sehr wenig Grund sich
gegenüber
anderen überheblich zu gebärden oder zu äußern,
selbst wenn man noch so
ein toller Kerl ist, oder meint besser zu reiten als der Rest der Welt.
Weder gegenüber anderen Reitern, noch Nichtreitern die man auf
einem
Wanderritt so trifft. Immer ist offenes, höfliches und
freundliches
Benehmen gefragt. Vom Wohlwollen der Landbevölkerung ist man doch
in
entscheidendem Maße abhängig, sei es bei der Quartiersuche,
Futterbeschaffung, Tolerierung des Benutzens von Stoppelfeldern,
von Ödlandflächen und Wegrändern. Oder halblegalen
Biwaks. Es
ist deshalb selbstverständlich dass man ehrlich ist, Wort
hält,
seinen Dreck wegräumt, keine fremden Gegenstände benutzt ohne
zu
fragen, und die Einrichtungen des Gastgebers nicht kritisiert oder
herumnörgelt, auch wenn vieles bei der Pferdeunterbringung
vielleicht
nicht optimal ist. Und sich nicht durchschnorrt sondern freundlich und
konsequent auf Bezahlung von Leistungen und Annehmlichkeiten besteht.
Denn auf einem Wanderritt, wie ich ihn verstehe, gibt es eigentlich
überhaupt nicht viel Gelegenheit Geld auszugeben - vor allem aber
möchte man ja, vielleicht auch erst nach Jahren, mal wiederkommen
können. Nachdem ich 20 Jahre lang Wanderritte gemacht habe, kann
ich
sagen dass es mir leidtut von vielen der herrlichen Leute die ich
kennnengelernt und die mir geholfen, keine
Adresse und mich nicht wenigstens im Nachhinein noch angemessen bedankt
zu haben.
Aber
auf das aus vollen Herzen kommende „Danke“ sollten wir nun gar nicht
verzichten,
auch wenn es in der heutigen Zeit unmodern geworden ist.
Verhalten
beim Biwak
Ich bin froh dass im besten derzeit auf dem
Markt befindlichen Buch übers Wanderreiten (POSCHARNIGG, Werner:
Das
weite Land des Wanderreitens. Trekking- Know-How zum Planen und
Losreiten, Bempflingen 2000) auch das Biwakieren erwähnt ist. So
befinde ich mich zumindest nicht in schlechter Gesellschaft.
Für das Biwak sprechen neben landschaftlichen und romantischen
Gründen
und dem zum selbstständigen Wanderreiten passenden höheren
Freiheitsgrad, wie oben erwähnt, vor allem das Praktische und die
gute
und risikoarme Pferdeunterbringung und –fütterung. Die
„Unbequemlichkeit“ ist eine
Frage guter Übernachtungsausrüstung. Übernachtungen in
alten
Bundeswehrschlafsäcken u.ä. sind nur zu ertragen, wenn
Jugend,
Idealismus, Gesundheit und Leidensfähigkeit noch sehr groß
sind..!
Zweckmäßiger orientiert man sich an der Ausrüstung
heutiger
Alpinisten.
Ich habe sehr selten auf Bauernhöfen mein Pferd guten Gewissens
auf
fremden Koppeln untergebracht. Sehr oft sind Zäune schadhaft, es
gibt
scharfe und verletzungsträchtige Fremdkörper, zuwenig Futter,
benachbarte andere Weidetiere u.ä. Ein NO-NO ist die Unterbringung
mit fremden Pferden (es sei denn, das eigene Reitpferd hätte einen
sehr starken, resoluten und abweisenden Charakter, das nicht auf
Kennenlernen
besteht...). Das Problem ist, wenn man nicht auf Biwakieren eingestellt
ist, wird manch schlechte Unterbringung unvermeidbar: wenn es
nämlich
dunkel wird, das Pferd müde, und man nichts besseres findet!
Bei Biwaks ist das anders, wenn man sich nicht gerade enge Talwiesen
die früher einmal Koppeln waren ausgesucht hat, wo es
eingewachsenen
Zaundraht geben kann. Üblicherweise ist die Unterbringung des
Pferdes
sehr sicher und überschaubar. Dennoch gibt es ein paar
Maßregeln zu
beachten, beginnend bei der Platzauswahl.
Man fängt damit an dass man in typisch bescheidener Manier einen
Platz
wählt dem man schon ansieht dass niemand ihn mehr so richtig
schätzt,
oder gar bewirtschaftet. Solche gibt es in Deutschland
erstaunlicherweise immer noch zu Genüge, vor allem in den
Mittelgebirgsregionen, und den Neuen Bundesländern. Natürlich
ist damit
altes Kulturland gemeint und keine Industriebrache! Wobei Plätze
von
ehemaligen Schmelzen, Hämmern und Bergwerken oft schwer erkennbar,
und
auch belastet sein können
(Schwermetalle und andere Gifte). Also Futterwiesen und gepflegte
Viehweiden
sind tabu.
Im Regelfall wählt man entweder ausgelassene hochgelegene
Talwiesen
(über der ersten Siedlung, mit zweifelsfreiem Wasser) oder
Heideflächen
auf den Höhen zum Biwak, bei denen ein geeigneter Bach nicht
allzuweit
entfernt sein sollte. Falls nicht, ist das Pferd im abgekühlten
Zustand
vorher satt zu tränken. Waldlichtungen eignen sich selten da meist
als Wildfütterung verwendet (oder zweckentfremdet). Ich habe aber
schon
auf großflächigen Waldkreuzungen von unbefestigten Wegen mit
reichlich
grünem Gras gecampt - aber leider sind Kreuzungen von mehr als
einem
grasbewachsenem Weg in den deutschen Forsten schon eine Seltenheit von
sensationellem Rang..!
Das wichtigste ist also, dass man niemand wirtschaftlich schadet, und
Futter fürs Pferd. Das zweitwichtigste ist dass man seine Ruhe
hat!
Deshalb soll man Plätze meiden die an befestigten Wegen liegen,
sondern
lieber etwas abseits. Was die unbefestigten Wege angeht, da wird man
indianerartige Spurenlesekenntnisse entwickeln, wie alt eventuell
vorhandene Reifenspuren sein dürften. Die Leute die einen
tatsächlich
zufuß erreichen können machen keine Probleme, sind nie
feindselig
gesonnen oder jedenfalls immer in einem Gespräch zu
überzeugen, dass
eine einmalige Übernachtung keinen Schaden anrichtet. Auch in
Naturschutzgebieten. Ich habe jedenfalls ca. 200 Biwaks in 20 Jahren
unter solchen Umständen gemacht, hatte
dabei wohl 10 Begegnungen mit Freunden des grünen Sports,
ehrenamtlichen
Naturschützern, Förstern und Landbesitzern. Nur eine davon,
vor
ca. 13 Jahren, war unerfreulich: Jemand der sich gar nicht einer der
obigen
Kategorien zuordnen ließ und vermutlich einfach ein elender
Wichtigtuer
und Aufschneider war. Ich blieb jedenfalls einfach an meinem Platz
sitzen
und wartete vergeblich auf die angedrohte Polizei...
Wichtig ist das eherne Prinzip, den Platz wie vorgefunden zu verlassen.
Oder sogar möglichst noch besser! Die Harmonie des
Platzes und
mein
Auge beleidigende Dosen, Flaschen, Papier u.ä. versuche ich
daher
mitzunehmen und entsorge sie ordnungsgemäß, als Ausgleich
und
Dank an die Natur. Man lärmt nicht, lässt keine Hunde
streunen,
durchstreift nicht das ganze Gelände wie ein Raubtier auf
Beutesuche.
Als Lagerplatz verbieten sich vor allem nasse und
tiefgründige
Böden, sowie Pferde die anstatt zu stehen und zu fressen
„unchristlichen
Ackerbau“ betreiben - aus Übermut, Mißfallen oder
Mangelerscheinungen
Bäume abschälen (Zweige fressen ist erlaubt!) oder sich sonst
wie
unmöglich verhalten. Aber merkwürdigerweise verhalten sich
Pferde
die zuhause auf der Weide solche Dinge nicht anstellen, auch unterwegs
nicht
anders. Ein Hinweis dass Kinderstube und gute Erziehung sich auch beim
Pferd,
und nicht nur im reiterbezogenen Verhalten bemerkbar macht. Das geht
übrigens noch viel weiter: Ich sage immer gern „Pferde müssen
sich nicht wie Tiger (oder Hyänen) benehmen“. Man kann ihnen
durchaus
beibringen nicht um jedes bißchen Futter zu kämpfen, oder es
den
anderen
wegfressen zu wollen. Voraussetzung ist immer, es ist genügend da,
und
die Pferde werden nicht gefängnisartig beengt gehalten. Wenn
Pferde
wie Gefangene gehalten werden muß man sich nicht wundern dass sie
sich
dann so benehmen. Das hat aber mit "normalem Verhalten" sehr wenig zu
tun...
Laufseil oder Picket ?
Was die Pferdeunterbringung im Biwak angeht, so bin ich entschieden
gegen die heute beliebten „Wanderreiterpaddocks“. Die eignen sich viel
besser
zum Abportionieren auf Kulturgrün in Dorfnähe, wenn solches
erlaubt
wurde, oder zum Auszäunen unsicherer Flächen auf
Bauernkoppeln. Im
Biwak auf Ödland haben Zäune nichts zu suchen und würden
zurecht
Argwohn erregen. Stattdessen verwende ich Laufseile (wenn zwei
Bäume in
ausreichendem Abstand vorhanden sind mit genügend Futter
dazwischen)
oder ein Picket-Line (oder Picket). Diese wird nur an einem
Baum
befestigt, kann zwischen 9 und 25 Meter lang sein, und wird etwa 2m
hoch
angebracht, damit das Pferd beim Längerziehen des Seils beim
Grasen
dessen Verlauf erkennen, und vermeiden kann hineinzutreten. Dieses
bedarf
oft einiger Gewöhnung und Übung, kann aber auch von sensiblen
oder ängstlichen Pferden erlernt werden. Manche intelligente und
eher
stätisch oder stur veranlagte begreifen es sofort und verheddern
sich
nie. Welche die sich verheddern müssen schon anfangs soviel
Vertrauen
zum Menschen haben dass sie dann warten, wenn man aufspringt um ihnen
zu
helfen. Aus diesem Grund müssen Karabiner und Seil von guter
Materialqualität
sein (nicht aus dem Baumarkt sondern vom Bergsportgeschäft). Die
Knoten
und das Aufwickeln des Seils gehören zum Wanderreiter-1x1. Ein
solches
Seil hat aber den Vorteil dass es 4x leichter als ein Paddock ist und
trotzdem
mehr Fläche zum Grasen lässt. Und ein Seil ist noch zu
anderen
Zwecken zu verwenden, z.B. um in einer Scheune oder Halle
Behelfsabsperrungen
für Boxen zu errichten. Auch Zelte werden üblicherweise nicht
gern gesehen; außer sie sind klein, unauffällig und gut
versteckt.
Ich habe jedenfalls aus Gewichtsgründen nie eins mit, sondern
schlafe
in meinem superweichen Daunenschlafsack, selbstaufblasender Isomatte
und
Biwaksack aus High-Tech-Gewebe wie in Abrahams Schoß...
Tröpfelt
es etwas, kann man zusätzlich einen Poncho aufspannen, das geht
schnell
und unkompliziert. Auf großartige Lagerfeuer wird normalerweise
verzichtet,
besonders bei Trockenheit und in Waldnähe. Ein Spirituskocher
tut’s
auch, schneller, müheloser und verdreckt keine Töpfe. Wenn,
dann
genügt ein kleines um ein bißchen zu grillen und die
Abendstimmung zu
verschönern. (Einmal hatte ich einen Fahrenden am Feuer zu Gast,
der
mir erzählte dass man wenn man gezwungen sei draußen zu
übernachten,
überall - außer bei Waldbrandgefahr - ein 30cm hohes Feuer
machen
dürfe, und ihn einmal die Polizei besucht und dieses ausgemessen
hatte.
Ich habe über diese Geschichte herzlich gelacht). Ist schon eine
Feuerstelle vorhanden, wird diese verwendet. Ansonsten wird sie nachher
so gut wie möglich beseitigt oder abgedeckt, die erkaltete Kohle
entfernt.
Hobbeln
und andere Parkmöglichkeiten
Davon verschiedene Pferde an ein
Seil anzubinden halte ich gar nichts weil das nur Verwicklungen gibt.
Jedenfalls nicht wenn sie etwas fressen sollen dabei. Um Pferde kurz
anzubinden (ohne zu fressen) ist es brauchbar. Aber, wie gesagt, dazu
mache ich eigentlich sehr ungern Pausen.
Das Laufseil zwischen zwei Bäumen, mit dem am Karabiner gleitenden
Anbindestrick war lange Jahre meine Lieblingsunterbringung, hat aber
zwei Nachteile: Erstens gibt es nicht überall zwei Bäume in
passendem
Abstand. Zweitens gibt es Pferde die schaffen es in so ziemlich jeden
Anbindestrick hineinzutreten, und das kann üble Situationen und
kleine
hässliche, ausgesprochen schlecht heilende Fesselverletzungen
verursachen. Ich habe einmal
ein Pferd heimbringen müssen deswegen weil dessen Fesselgelenk
nach
einer solchen Verletzung dick wurde und lahmte. Üblich ist das
nicht
aber es kann passieren und ist sehr ärgerlich. Jedenfalls habe ich
irgendwann
festgestellt, dass die Pferde beim Picket, wenn es lang genug ist,
besser
lernen nicht hineinzutreten. Manche achten sehr genau darauf immer
seitlich
vom Seil zu stehen, oder dieses nach Möglichkeit straff zu halten.
Deshalb
ein dickes, helles Seil verwenden, das auch bei Dunkelheit noch
leidlich
sichtbar ist. Einige Pferde verheddern sich nie, andere behalten trotz
Intelligenz
die Neigung zu Panikanfällen lange bei wenn ihr geheiligter
Freiraum
plötzlich eingeengt wird. Das Pferd muß dann sehr viel
Vertrauen
zum Menschen haben, damit es wartet bis der ihm zur Hilfe kommt. Manche
vermeiden
aber auch sich am Seil hinzulegen aus Furcht sich zu verheddern, oder
legen
sich erst nach einigen Tagen. Das ist aber die gleiche Sorte die sich
auch
in fremden Ställen ungern legt.
In Büchern zum Thema immer wieder erwähnt wird das Hobbeln.
Ich
hege den starken Verdacht die wenigsten die es beschreiben haben es
wirklich ausprobiert. Erstens ist es noch einengender und eine Zumutung
fürs Tier als Laufseil oder Picket, weil hier die Beengung ständig
ist. Für edle und freiheitsliebende Pferde ist es eine
Quälerei.
Dass die Berber oder Beduinen ihre Pferde so halten, oder gehalten
haben
tut nichts zur Sache. Denn erstens waren sie es vermutlich von klein
auf
gewöhnt, zweitens war es durch die Not bedingt (Angst vor
Diebstahl,
keine anderen Unterbringungsmöglichkeiten) und drittens wird es
heute
selbst in diesen Ländern kaum noch praktiziert, weil man selbst
hier
erkennt dass es eigentlich tierschutzwidrig ist. In jedem Fall wird das
Pferd
gehindert sich nach dem anstrengenden Tagesritt körperlich
entspannen
zu können. Hinzu kommt, dass Hobbles ein Pferd nicht wirklich
hindern
lange Strecken damit zurückzulegen, wie ich 1986 selbst erlebt
habe.
Ich suchte einen halben Tag lang mein Pferd das sich über Nacht
mit
Hobbles im unübersichtlichen Gelände selbstständig
gemacht
hatte, und spurlos verschwunden war. An den Vorderbeinen gehobbelt kann
ein
geschicktes Pferd Galopptempi entwickeln dass kein Mensch
hinterherkommt.
Ich habe ein einziges Mal vor bald 20 Jahren Hobbles wirklich
erfolgreich
verwendet gesehen um dem sehr selbstbewußten und
unabhängigen
Islandpony Suana, dem Pony meiner Schwester, ein für allemal das
Weglaufen
beim Einfangen abzugewöhnen. Suana trug die Hobbles ca. 2 Wochen
Tag
und Nacht auf der Koppel (natürlich täglich kontrolliert) und
war
nachher von dieser Unart für immer kuriert. Ich will damit aber
nicht
sagen dass ich diese Methode für jedes Pferd empfehlen würde.
Hier
waren die üblichen Mittel, große Geduld, Futter, und viele
Helfer
alle erfolglos geblieben. Zudem war Suana sehr intelligent und
geschickt, um mit den Hobbles klarzukommen.
Pferde
frei laufen lassen
R.CLAUS beschreibt das in seinem Buch übers
Wanderreiten als eine Haupt-Untugend bei Wanderreitern. Was das Reiten
in Gruppen und mit unbekannten Genossen angeht, stimme ich ihm
uneingeschränkt zu. Ich gebe aber zu dass auch ich schon
fahrlässig war
beim Freilaufenlassen meiner Pferde. Pferde lieben die Freiheit,
deshalb sind es so großartige Tiere. Vielleicht gefällt es
mir deshalb
sie „frei“ zu sehen, wider
die Vernunft. In Pausen auf längeren anstrengenden Ritten lasse
ich
meine Pferde manchmal frei grasen, oder halte nur eins fest – aber
immer
nur 20-30 Minuten damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Ich halte
dann
Kontakt, spreche mit ihnen, wenn sie nicht ganz dicht bei mir grasen,
suche
ihren Blick usw.
Vor ca. 7 Jahren ritt ich einmal mit einer Freundin und ihrem
arabischen Hengst in den Hintertaunus. Im wunderschönen
Wiesbachtal
machten wir nach etwa 20 km Pause und ließen die Pferde fressen.
Meine
Stute Ligeira ließ ich, durch meine hübsche Begleiterin wohl
abgelenkt,
eine Weile los. Wir mochten wohl eine ¾-Stunde gerastet haben,
da
kehrte Ligeira, die im Gegensatz zu mir von ihrem – mustergültig
braven
-
Begleiter nicht sonderlich erbaut war, um und machte sich abgesattelt
allein
auf die Weiterreise. Zuerst ohne große Eile, war sie von
meiner
Freundin die ihr rasch nachritt dann nicht mehr einzuholen. Ligeira ist
ein sehr selbstsicheres, schnelles und manchmal
entschlußfreudiges
Pferd! Sie ging 15km allein durchs Gelände in Richtung des Stalls
wo
sie aufgewachsen war. Da sie niemals Drang dorthin gezeigt hatte
suchten
wir sie zunächst in einer ganz anderen Richtung. Sie hat auch
später
nochmal bewiesen, dass 15km im Gelände auch reiterlos nicht
großen
Überlegens wert für sie sind. Trotz dieses großen
Freiheitsdrangs
ist sie das vertrauensvollste und treueste Pferd dass man sich
vorstellen
kann. Ich habe sie auch schon auf Wanderritten nachts nicht angebunden
(aber
nur in engen Tälern und nach mehreren Tagen Ritt!) und sie ist mir
nicht von der Seite gewichen und hat dicht neben mir gelegen. Von solch
scheinbar widersprüchlichen Kombinationen aus Freiheitsdrang und
Vetrauen
habe ich schon öfters gehört.
Fressen
lassen
Schon wieder etwas wo ich zugebe, meinen
Pferden gegenüber zu inkonsequent und vielleicht sentimental zu
sein.
Ja meine Pferde dürfen knabbern wenn sie 2 Std. und länger
unterwegs
sind. Manchmal ertrotzen sie sich regelrecht ihre Pausen, wenn sie
Hunger haben. Das finde ich OK. Wie ein Autor einmal geschrieben hat
"Wanderpferde sind alle in der Gewerkschaft". Ein bißchen stimmt
das
sicher, selbst bei denen die mit größter Freude dabei sind.
Irgendwann
abends fangen sie an die Wiesen verstohlen anzugucken ob man hier nicht
Quartier machen könnte?
Ja sie fressen gern unterwegs, das will ich ihnen gar nicht
abgewöhnen.
Zumal es nicht so ist dass sie lästig dabei werden (ich habe schon
wirklich lästige erlebt). Laufen tun sie nämlich genauso
gern,
wenn die Pause wieder vorbei ist.
Pferde fressen normalerweise 12-16 Stunden am Tag, immer wieder mit
kleinen Pausen. Wenn sie sich nach drei oder mehr Stunden Ritt im
Vorbeigehen einen Zweig angeln dann tun sie das nicht aus
Böswilligkeit. Einige bemühen sich ja dabei noch nicht mal
langsamer zu
werden. Dieser Sorte würde ich das Fressen nie verbieten. Aus
demselben
Grund mache ich eigentlich
gar nicht gern Pausen vor Wirtshäusern wenn die Pferde nichts
dabei
fressen können. Natürlich ist Anbinden und fressen lassen am
zu
kurzen Strick dabei eine gewaltige Gefahr, und hat schon Chaos und
böse
Unfälle verursacht. Man bindet ein Pferd daher entweder sicher an,
oder läßt es bleiben (reitet weiter und findet entweder in
der
Nähe eine bessere Anbindestelle, oder macht die Pause woanders).
Zum Thema "Fressen lassen" gehört die Frage WO. Die wichtigsten
Giftpflanzen sollte jeder Wanderreiter kennen, und wissen wie sie
aussehen. Ob die Pferde an Giftpflanzen gehen oder nicht, hängt
vermutlich ab von ihrem Instinkt, ihrer Kenntnis der bestimmten
Pflanze, ihrer Wirkung (viele Gifte sind auch Heilmittel, es kommt auf
die Dosierung an) und ihrem Hunger. Deshalb ist
es sicher nicht verkehrt die Pferde nie ganz hungrig zu reiten, weil
sie
dann evtl. alles herunterschlingen was sie bekommen. Auch können
so
leicht Koliken entstehen. Meine eignen Pferde haben ganzjährig
Zugang
zu Gras, Baumzweigen und allerlei Kräutern, und fressen
wahrscheinlich
alles, was sie schon kennen und für gut befunden haben. Ich habe
aber
schon gehört dass sich Pferde vergiftet haben, wenn sie (auch zum
Wanderreiten) in neue Klimaregionen mit unbekannter Vegetation
verbracht wurden. Deshalb gehört zur Vorbereitung auf den Ritt
auch die
Kenntnis der lokalen
Pflanzenarten und deren Bekömmlichkeit für Pferde.
Hufbeschlag
Heute ist es typischerweise nicht mehr
möglich einen Wanderritt von mehr als 4-tägiger Dauer ohne
Hufschutz zu
machen. Trotzdem sollte man beim Pferd mit dem Beschlagen
möglichst
spät anfangen und im Training soviel wie möglich unbeschlagen
reiten,
vor allem (in Regionen mit häufigem Schneefall) über die
Wintermonate.
Das Wort der Alten vom Beschlag als einem "notwendigen Übel", das
man
auf ein notwendiges Maß beschränken sollte, gilt weiterhin
und in jeder
Hinsicht.
Der Hufbeschlag zum Wanderreiten muß vor allem leicht, haltbar
und
strapazierfähig sein, guten Griff bieten und wenig rutschen. Diese
Anforderungen sind teilweise komplementär und es kann immer nur
Kompromisse
geben. Auch ist jedes Pferd unterschiedlich und verträgt nicht
alle
Arten Beschlag gleich gut.
Kunststoffe erfüllen die ersten Kriterien sehr gut, sind aber
für
Pferde ab 500kg und unregelmässigem Hufabrieb, oder solche die
schon
unbeschlagen schlecht gehen eher ungeeignet. Generell rutschen sie
leicht, besonders auf Gras oder Felsboden (am schlimmsten wenn sie
feucht sind).
Man muß wissen was für ein Geläuf einen auf dem
Wanderritt erwartet,
und den Beschlag entsprechend einrichten. Für lange Ritte
auf anspruchsvollem Boden zur Sommerzeit, auch um felsige und
gefährliche Passagen meistern zu können, sind mir Profileisen
am
liebsten die im Zehen- und Eckbereich zum Einschlagen von Widiastiften
abgeflacht sind.
Diese Beschläge sind haltbar, relativ leicht und gut rutschsicher.
Deshalb sollte man auf Asphalt mit ihnen nicht traben. Genügt
diese
Art von Gleitschutz nicht, muss man zu (Einschraub-) Stollen greifen.
Mit
denen muss auf harten Böden noch vorsichtiger geritten werden. Auf
kurzen
Ritten in felsige Gegenden habe ich mit Alubeschläge (breite
Stege,
in der Zehe eingelassener Griff) excellente Erfahrungen gemacht. Jedoch
ist
die Lebensdauer nur halb so lang wie beim gleichbreiten Eisen-Eisen.
Bezüglich Hufeinlagen gibt es schon immer verschiedene Ansichten
unter
den Reitern. Heutzutage werden von Distanzreitern viel
Kunststoffeinlagen mit Silikonfüllung verwendet, besonders wenn
auf
steinigem Boden geritten wird. Für den Wanderreiter dürfte
dies unnötig
sein, da er bei steinigem Boden langsamer reitet. Außerdem ist
die
Haltbarkeit
über Wochen und viele KM fraglich, desgleichen das Gewicht und die
Frage
der Wärmeabführung, da die Hufsohle nicht mehr atmen kann.
Besser
dürften da wohl die traditionellen Lederplatten mit
Wergfüllung
sein, jedoch können sich auch hier Eisen lockern, die Füllung
herausfallen,
sich Steinchen festsetzen und Huflahmheit verursachen u.v.m. Ein guter
Kompromiss
scheinen die netzartigen Kunststoffplatten ohne jede Füllung sein.
Hinreichend
stabil für felsigen Boden sind sie. Ritte bis 700km Länge
haben
sie bei mir durchgehalten. Bei allen Einlagen ist zu beachten, dass
ihre
Verwendung aufs absolut notwendige reduziert werden muß, da sie
die
Hufsohle verweichlichen und auf lange Sicht druckempfindlich machen,
was
dem Prinzip des Trainings zuwiderläuft. Der Satz "Wenn einmal
Platten,
dann immer" bringt das auf die knappe Formel.
All diese Sonderbeschläge sind schwieriger herzustellen bzw.
anzupassen
als gewöhnliche, und nicht jeder Schmied hat das Material auf
Lager.
Daher ist es gut, sich schon früh mit seinem Schmied über das
geplante Vorhaben zu besprechen, zumal er am besten beurteilen
dürfte
wie das betreffende Pferd zu beschlagen ist. Der angehende Wanderreiter
ist übrigens bestens beraten jedes Mal beim Beschlagen
seines
Pferdes selbst aufzuhalten. Beim Beobachten und den hierbei sich
ergebenden
Gesprächen gibt es unendlich viel zu lernen. Er sollte ferner das
Entfernen
von Eisen, das Ersetzen eines Nagels sowie das Neubefestigen eines
vorhandenen
Eisens in die alten Löcher unter Anleitung üben, da er es
früher
oder später auf einem Wanderritt brauchen wird, und diese Arbeiten
am besten und schnellsten sogleich bei Notwendigkeit verrichtet werden,
und nicht erst das Pferd auf drei Hufeisen weiterreiten, bis evtl. ein
regulärer
Hufschmied gefunden ist.
Er sollte Notbeschlagswerkzeug mitnehmen, um diese Handgriffe
ausführen
zu können. Ich empfehle die SCHRÄDER-Zange (http://www.wanderreiten-schraeder.de/seiten/produkte/zange.htm)
oder die italienische TOT-ONE (kann der Hufschmied besorgen). Ich
selbst
bin jahrelang mit frischem Beschlag ohne jedes Werkzeug aufgebrochen.
Ersteres ist sehr zu empfehlen - letzteres nicht. Aus eigener Erfahrung
kann ich
sagen: irgendein Hammer und irgendeine Zange bekommt man immer
geliehen,
auch wenn es mit Spezialwerkzeug (auch dem Notbeschlagswerkzeug)
wesentlich
besser geht. Was man garantiert nirgendwo bekommt sind Hufnägel.
Einmal (1996) verlor meine Stute Ligeira nach 320 von 400km ein
Vordereisen.
Ich musste mir Werkzeug leihen und richtete das verbogene Eisen auf
einem
Stein. Danach klopfte ich die schon sehr abgelaufenen, durch das
Abtreten
korkenzieherartig verbogenen Hufnägel gerade (!) und schlug das
Eisen
wieder auf, unter Verzicht auf die dicke Lederplatte, wodurch ich die
erforderliche
Freiheit zum Umnieten gewann. Das Eisen hielt zuhause noch 2 Wochen.
Wiederholen
möchte ich das Prozedere nicht, wenn ich es vermeiden kann. In der
abgelegenen
Region wo dies passierte hätte mich Herumtelefonieren und Warten
auf
den Hufschmied sicher einen Reisetag gekostet. Mehr will ich das Thema
hier
nicht vertiefen sonst müsste ich ein Buch schreiben. Und es sind
schon
ein paar gute auf dem Markt (z.B. ein neues von Hufschmied Burkhard
RAU:
Gute Arbeit am Huf).
"Training"
zum Wanderreitpferd?
Man kann nicht wanderreiten ohne regelmäßig
und viel zu reiten, Punkt! Ansonsten frage ich mich, warum zum Teufel
die Leute überhaupt wanderreiten wollen? Sollen sie sich
lieber
die Gegend rund um ihren Stall anschauen. Da gibt es bestimmt
Schönes,
was sich nach und nach erkunden lässt und trainieren damit sich
und
ihr Pferd. Und lernen dabei auch, mit der Karte umzugehen, Strecken
einzuschätzen und einzuteilen, das Pferd in Pausen richtig zu
betreuen
u.v.m. Das ist
immer der erste Schritt. Man kann nicht beschließen von heute auf
morgen "Wanderreiten" zu wollen. Man kann von heute auf morgen anfangen
Fußball
oder Tennis zu spielen, aber nur auf niedrigem Niveau. Der Wanderreiter
fängt
immer damit an seine Gegend auszukundschaften, als "gewöhnlicher"
Freizeit- und Geländereiter. Ist diese ausgesprochen unattraktiv,
voller Industrie oder Reitverbotsschilder, oder eine Agrarwüste wo
jeder Weg asphaltiert ist, hat er es ohnehin schwer und wählt
vermutlich eine andere Disziplin. Oder kauft sich einen Hänger und
fährt dorthin wo es schöner ist. Wenn ihm das zu mühsam
ist, sollte er
zu einem seriösen Wanderreitbetrieb gehen, und dort das
Wanderreiten
auf bereits trainierten fremden Pferden
lernen. Das kann sehr schön sein, aber größere
Erfüllung
und Befriedigung bereitet es, die Herausforderung mit dem eigenen Pferd
gemeistert zu haben, das man selbst dahingehend vorbereitet und
trainiert hat. Ich
habe es selber schon erlebt dass ein Sattel auf Ritten von 2-5 Std.
keine
Beschwerden, aber nach einem 7-stündigen Wanderritt Druck
verursacht
hat. Gute Vorbereitung ist keine Garantie, aber unverzichtbar.
Ansonsten: Fernweh ist eine schöne Sache, aber Heimatliebe auch.
Deshalb ist das erste Ziel, dass das Pferd einen Tagesritt (4-6 Std.
Reitzeit zzgl. Pausen) von etwa 40km, ohne nennenswertes Gepäck,
zu
einem lohnenswerten Ziel und zurück schafft. Das kann eine
wichtige
Sehenswürdigkeit sein, ein schöngelegenes Gasthaus, der Stall
von
Freunden, oder ein
Treffen im Freizeitreiterkreis. Wenn ich mich 20 Jahre
zurückerinnere,
versuchte ich damals all die kleinen Taunusdörfer in einem
bestimmten
Umkreis zu erreichen oder zu sehen - das waren mindestens
dreißig!
Ob das jetzt ein bewußtes Ziel war oder nicht - ich habe
jedenfalls
noch eine alte Übersichtskarte wo sie alle abgehakt sind. Im
nachhinein
findet man so etwas natürlich eher amüsant...
Ziele setzen ist jedenfalls ganz
wichtig, im Training wie beim späteren Wanderritt. Man reitet
nicht
einfach
so los! Man hat immer einen ganz bestimmten Grund, Idee und Plan. Diese
können ganz gewöhnlich oder ziemlich ausgefallen sein, das
ist
völlig egal. Man sollte nur flexibel und aufnahmebereit sein, um
seine
Ziele bei Bedarf anzupassen. Ich beschließe sehr oft erst
während
des Rittes, wohin ich reite, oder wie schnell. Je nachdem wie gut das
Pferd
drauf ist, ich selber, wie Wetter, Geläuf usw. sind. Nur sollte
man
sich keine zu knappen Zeitvorgaben machen. Das kann ins Auge gehen. Nur
weil
ich letzte Woche eine Strecke in 2:45 Std. geschafft habe müssen
es
jetzt nicht 2:35 sein. So denken nur Distanzreiter (aber meist eher die
Anfänger,
oder die Stümper unter ihnen!) Ich gebe zu das schon ähnlich
praktiziert zu haben, und wie gesagt, ganz ohne Ziel (zeitlicher
Rahmen) wird man überhaupt nicht weit kommen. Aber immer flexibel
und
anpassungsbereit. Also wenn das Pferd eine gewisse Kondition hat, wird
man keine Verbesserung mehr erzielen ohne es abzuhetzen. Viele meiner
schönsten Strecken reite ich immer
gleichmäßig, oft auf die Minute genau, ohne auf die Uhr zu
sehen.
Es ist doch leider so dass Strecken häufiger schlechter werden als
besser
und demzufolge eher mehr Zeit benötigen (Wegschotterungen,
Hindernisse,
darob zu suchende Umwege usw). Nicht nach der Uhr zu reiten ist eine
der
wichtigsten zu beherzigenden Regeln! Es gibt Wanderreiter die lassen
deshalb
ostentativ die Uhr zuhause. Ich bin anderer Ansicht: Uhr,
Pulsmeßgerät,
Kleincomputer, Handy, GPS kann man alles auf Wanderritten dabeihaben.
Wenn
man sich nicht davon abhängig macht! Ladegeräte und
Ersatzbatterien
nicht vergessen, und wenn sie mehrere kg wiegen hat man
übertrieben!
Soviel zum Thema Training allgemein. R.CLAUS schreibt, das
Wanderreitpferd müsse ebenso ernsthaft und zeitaufwendig trainiert
werden, wie ein
Leistungssportler, um dem Pferd gegenüber fair zu sein. Wer davor
zurückschreckt,
oder zu faul ist, muß entweder in einem Wanderreitbetrieb auf
einem
fremden Pferd reiten, oder daheimbleiben! Volle Zustimmung!
Trainingskonzepte
Fit für's Wanderreiten wird ein Pferd wenn es
regelmäßig,
fast täglich
geritten wird. Zumindest 4x wöchentlich, und
insgesamt mindestens 10-12 Stunden unterm Sattel. Davon wird bei den
meisten
die Hauptarbeit am Wochenende sein. Für ein erfahrenes und bereits
trainiertes Pferd ist das - wenn es sonst genug Bewegung hat - OK,
für
ein junges und untrainiertes ist es unzureichend.
Keiner komme auf die Idee, "Pferde trainieren sich schon von selbst"
auf der Weide oder gar im Auslauf. SO große Weiden hat in
Deutschland
kein Mensch! Ich habe für 3 Pferde 7ha, also recht viel Platz, und
trotzdem stehen meine Pferde hauptsächlich herum, obwohl sie genug
Platz zum Rennen haben. Außer wenn sie mich mit den Eimern kommen
sehen,
rennen sie doch recht selten... es sind Stuten und keine verspielten
jungen
Wallache (wobei solche typischerweise auch eher Blödsinn
anstellen,
Zäune kaputtmachen, sich beißen etc. als viel zu laufen).
Vermutlich
neigen Pferde, so die Umstände es erlauben und ihnen das Futter
gebracht
wird, wie Menschen zu möglichst vielem Fressen und bequemer aber
nicht
unbedingt gesunder Lebensweise als "couch potatoe". Wobei es noch
temperamentbedingte Unterschiede gibt: die Nervösen fressen
weniger,
nicht immer zu ihrem Vorteil, und bewegen sich häufiger, aber
keineswegs immer und beträchtlich mehr als die Faulen...
Hengste die Stuten zu imponieren haben sind die Ausnahme: sie sind
wirklich wesentlich aktiver, neigen zu einem gewissen "Selbsttraining",
sind immer um eine gute Haltung bemüht und bei Distanzritten immer
konditionspreisverdächtig. Das erklärt ihre Beliebtheit bei
trainingsfaulen Reitern.
Um regelmäßig und viel zu reiten, muß man sich selber
erst mal in den Hintern treten - das ist der wesentliche Punkt!
Also
z.B. im Winter um 5.00 aufstehen, im Dunklen bei Frost losreiten, den
Sonnenaufgang erleben, dann selber ins Büro fahren und die Pferde
in
der Vormittagssonne unter den Decken trocknen lassen. Wer dazu nicht
die Energie aufbringt der sollte es besser bleiben lassen Wanderreiter
werden zu wollen, und lieber Reiterurlaube buchen. Aus Erfahrung kann
ich sagen, ein Tag der so
beginnt, kann nicht schlecht weitergehen! Oder im Sommer pünktlich
Feierabend machen, und abends reiten, wenn Hitze und Fliegen sich
verzogen
haben.
Das Häufigste aber wird sein, dass man in Frühjahr und Herbst
bei
schlechtem Wetter unterwegs ist und sich fragt warum man sich das
antut. Wer keine gute Antwort hat fällt in ein schwarzes Loch.
Ziele
setzen! Der Wanderritt in die noch unbekannte Gegend, die
Herausforderung, zusammen mit einem lieben Menschen oder guten Freunden
- sein Pferd dafür fit zu haben, dass man gut durchhält und
für die
anderen nicht zum
Bremsklotz wird - das lässt einen die mühselige Winterarbeit
durchhalten!
Und nicht zuletzt: ein gutes Pferd zu haben, das eifrig ist, mitmacht,
vorwärts will, sodaß man sich immer entferntere Ziele
ausdenken muß.
Das eigene Pferd setzt immer die Meßlatte, ob die Arbeit gut und
angemessen ist, ob zu viel, zu wenig oder falsches geschieht.
Beobachten
wir immer das Pferd, wie es verhält: auf dem Ritt, kurz danach
(frißt
es? Ist es müde?), 2 Std. danach (angelaufene Beine? Schwellungen
in
der Sattellage?) und am Tag danach (Normale Ration gefressen?
Rückenempfindlich?
Unwillige, steife Bewegungen? Lahm?). Nach einem anspruchsvollen,
kraftzehrenden
Ritt ist am nächsten Tag eher leichte Bewegung angesagt. Nur ein
bereits
trainiertes Tier verträgt, die Belastung zu verdoppeln. Aber nicht
"Ruhetag"
auf der Koppel, denn das ist meist die Sorte "aus den Augen, aus dem
Sinn".
Auch wenn am Sonntag ein anstrengender Ritt auf dem Programm stand, ist
Montagmorgen (vor dem Weg zur Arbeit) ein Kontrollbesuch sehr
empfehlenswert.
Die "Arbeit" mit dem Pferd (ich verwende das Wort ungern, denn ein
großer Reitmeister hat einmal gesagt "wer auf dem Pferd arbeitet,
hat auf demselben nichts zu suchen!- und noch weniger zu erhoffen")
soll abwechslungsreich und nicht eintönig sein, dem Pferd und dem
Menschen zuliebe. Weit entfernt von bloßer Kilometerschrubberei!
Also
auch mal auf den Reitplatz gymnastizieren, Trailhindernisse üben
oder
Longieren. Wenn es keinen Reitplatz in der Nähe gibt, dann reitet
man
eben ein Stückchen dorthin! Intelligente und temperamentvolle
Pferde
werden bei eintöniger Arbeit aufsässig und überdreht,
phlegmatische
stumpfen ab, werden immer fauler,"drehen den Schalter" usw. und
müssen
durch rechtzeitige Abwechslung frisch
und bei Laune gehalten werden!
Das zu bemerken erscheint mir umso wichtiger, als immer noch
schematische Trainingsanleitungen unters Volk gebracht werden, mit
Vorschriften dieserart: 10 Min Trab, 5 Min Schritt - (3x wiederholen),
10 Min Canter, 5 Min Schritt, 10 Min Trab, 15 Min Schritt. Niemand kann
auf den heutigen Wegen oder in
schwierigem Gelände nach solchen Vorgaben reiten. Wer es versucht,
macht
sein Pferd blöd im Kopf oder lahm.
Mit
wem reiten?
Glücklich kann sich schätzen, wer
Stallkameraden auf gleicher Wellenlänge hat, mit denen man Ziele
teilt,
und gemeinsam angeht. Oder das Hobby mit dem Freund, Freundin, Ehemann
usw. teilt. In diesem Fall erübrigt sich die Frage. Ansonsten
bleibt,
wenn man mit dem eigenen Pferd auf Tour gehen will und sich keinem
"professionellen Rittführer" und einer ganzen Horde
anschließen mag,
fast nur übrig allein zu reiten. Das Erlebnis nur mit dem eigenen
Pferd
und offen für jeden Menschen den man unterwegs kennenlernt, ist
sehr
erfüllend, und allemal befriedigender als faule Kompromisse
einzugehen.
Auf Mitmenschen die
den Ritt nicht durch ihre Anwesenheit, ihren Frohsinn und Witz
bereichern, kann bestens verzichtet werden.
Ich schließe mich in diesem Punkt POSCHARNIGG's Ansicht
vollkommen an,
mit keinem Menschen den ich nicht sehr gut kenne, mehrere Tage auf
einen Wanderritt gehen zu wollen. "Die
Zunge ist ein gefährliches Tier
und gehört an die Kandare gelegt". Wanderreiten wird
für manchen
durch
die Anstrengungen, den Mangel an Komfort und Erholung,
Frühaufstehen,
und mangelhafte Fitneß zur Extrembelastung, die auch an die
Psyche
geht. Das kann man nur durch Selbstbeherrschung und
"Zusammenreißen"
meistern, ein Stückweit "preussische Tugenden" also. Das sind
viele
nicht mehr gewöhnt oder wollen es im "Urlaub" auch nicht haben.
Oder
es wird zu mühsam durchzuhalten gegenüber Menschen die man
nicht
schon lange kennt, außerordentlich schätzt, oder denen man
schlicht
und ergreifend imponieren will um "dazuzugehören". Gute
Rittführer
schaffen es eine "Aura" um den Ritt - nicht notwendigerweise um sich
selbst!
- aufzubauen und zu pflegen. Dies ist aber leichter in einer Gruppe von
6-10
Leuten, wo es immer welche gibt die sich ins Zeug legen und
mitreißen
lassen, als in kleineren Gruppen, wo passive oder negative Menschen
viel
stärker ins Gewicht fallen, wo man auf jeden einzelnen angewiesen
ist
und kein Konformitätsdruck wirkt.
Wenn ich mit jemand anders wirklich zusammereiten will, dann
fällt es mir leichter zu akzeptieren wenn der einiges anders macht
als
ich das
gewöhnlich tun würde. Vielleicht trabt er hin und wieder auf
Asphalt
oder etwas ähnliches. Wenn ich nur 6 Individualisten auf einem
Ritt
dabeihabe, jeder mit seiner eigenen Karte, ohne Bereitschaft sich
aufeinander
einzustellen, reiten die Leute an der ersten Kreuzung in 6 verschiedene
Richtungen
auseinander. Kennen Sie das? Wann waren Sie mit Ihrem Mitreiter das
letzte
Mal über das Geläuf unterschiedlicher Meinung, dass sie sich
fast
entzweit haben? Sie kennen das gar nicht? - wunderbar, dann hätten
Sie
diesen Abschnitt nicht zu lesen brauchen.
Aber oft ist nicht
alles so
harmonisch und ideal im zwischenmenschlichen Bereich. Das
ist
der Punkt. Reiten Sie selber langsamer wenn schwächere Reiter oder
Pferde dabei sind; reiten Sie langsameren Schritt wenn Sie merken dass
nicht alle mit Ihrem Pferd mithalten können? Ich hoffe es doch....
aber Rücksichtnahme und Höflichkeit allein sind noch
nicht
genug.
Würden Sie gern mit jemandem Wildfremden zusammen Urlaub
machen, nur weil man dasselbe "Verkehrsmittel" benutzt? Wer weiß
worüber
man sich mit dem unterhalten kann! Es gibt nichts todlangweiligeres als
Reiter
mit denen man sich nur über Pferde unterhalten kann - und selbst
da
kann man ja über verschiedene Ansichten in Streit geraten! Es ist
ein
unbedingtes Muß dass man auf Wanderungen vielseitige
Gesprächsthemen
hat. Leider ist eine große Zahl Reiter erschreckend einseitig und
desinteressiert.
Doch gar nicht zu reden sondern zu schweigen irritiert die Leute meist
noch
mehr. Außerdem möchte man seine Empfindungen ja auch teilen
sonst
könnte man ja gleich allein reiten. Also um die, die an allem nur
zu
meckern haben, von denen man nur negatives hört, und um die
großen
Absicherer, die nichts selbst entscheiden, aber immer jemand anderes
die
Schuld geben, die ihr Leben in Vollkaskomentalität leben, dazu die
gräßlich Komplizierten die für alles im Leben eine
Sonderwurst haben
wollen,
mit denen man sich schon blamiert, wenn sie im Gasthaus aus der
Speisekarte
bestellen - um all die macht man beim Wanderreiten einen riesigen
Bogen.
Diese Mentalität ist dem Geist des Wanderreitens entgegengesetzt.
Die
müssen erstmal allein auf einen Ritt gehen, und ganz von unten
beginnen
zu lernen. Oder weiter Pauschal-Reiturlaub buchen - sollen sie doch
dafür
bezahlen andere mit ihren Sonderwünschen zu nerven und nach
Unzulänglichkeiten
zu suchen! Was ist mit den anderen? Meiner Ansicht nach sind die besten
Mitreiter nicht die großen "Schweiger" und in sich gekehrt
Meditierenden (wo
man sich oft fragt, worüber denken die eigentlich immer nach, oder
haben sie überhaupt Gedanken?), nicht die stillen Dulder, noch die
trägen Siebenschläfer -- sondern eher die Aktiven,
dabei aber
gemütlich-humorvollen. Der extrovertierte, bewegungsfreudige und
geistig-rege Menschenschlag. Großmütig, vielseitig
interessiert, offen
- vielleicht sogar idealistisch und romantisch veranlagt. Haben Sie
solche Freunde - Glückwunsch! Mit sechs solcher Leute, wo in jedem
Gasthaus neu gewetteifert wird wer den anderen die nächste Runde
ausgeben darf - soweit es nicht in "Exzessen" ausartet - ist am
vergnüglichsten zu reisen und zu reiten...
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