taunusreiter TAUNUSREITER
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Juni 2016

Richtig Geländereiten

(Buchprojekt Arbeitstitel)

Geländereiten, aber richtig

Sobald erschienen, können Sie bei Amazon bestellen.

Eine kleine Anzahl werde ich Rezensenten zur Verfügung stellen, d.h. Leuten die gut denken und schreiben können.

Auch wenn Sie taunusreiter.de schon lange kennen, hier werden Sie hier Neues lesen. - Ganz so einfach, meine eigenen Texte zu kopieren, habe ich es mir nicht gemacht. Mit Schrecken stellte ich fest - seit mehr als 10 Jahren denke ich schon über ein Buch nach - wie weitreichend der Stoff leider ist! Sie werden also kein Pamphlet von 100 Seiten mit dickgedruckten Buchstaben in Händen halten, was in 2 Abenden ausgelesen, wie das heute oft der Fall ist; und große bunte Bilder mit denen man so viel Text spart, werden auch nicht drin sein. Es wird ein Buch werden für Leser, falls es die noch gibt, nicht für Bilderbuchgucker (doch, erläuternde Bilder sind schon drin)... - Um ehrlich zu sein, ich hoffe noch inständig, dass es überhaupt alles in ein Buch geht, und ich nicht 2 Bände draus machen muss..!

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Aus dem Inhalt (Abschnitt 8/ Anhang, Reitergeschichten, Episode 2)  -  Eignet sich auch für das Thema : ARABER (IV)

Die Reitbeteiligung  (Wie ich zum Araberpferd kam)

Auf einem langen, etwas mehr als frugal organisierten Distanzritt (100km im Spessart) um das Jahr 1990 herum lernte ich eine Mitreiterin kennen, Ärztin und Züchterin von Vollblutarabern.  Als wir entdeckten, dass ich in der Nähe ihres kleinen Gestüts studierte, erfolgte Einladung auf einen Samstagsritt, die ich verhältnismäßig spät wahrnahm.  Da wurde ich auf eine ihrer (tragenden) Vollblutaraberstuten gesetzt, und wir machten zu viert oder fünft einen herrlichem, heißen Ritt durch den Schönbuch, bei dessen Tempo mir stellenweise die Tränen in die bebrillten Augen stiegen.  Bis dahin war ich etwas über 10 Jahre lang töltende und nicht-töltende Islandponys geritten, und das Gefühl auf einem Vollblüter war etwas ganz neues.

Ich muss mich dann doch nicht ganz dumm angestellt haben, denn dem Ritt folgte eine Einladung auf regelmäßige Bewegung der Zuchtstuten und eines ihrer Hengste.  Es wurde eine „Reitbeteiligung“ daraus, wie ich sie heute noch für das Ideal ansehe, und, falls ich jemals über einen eigenen Stall verfügen sollte, genauso machen würde.  U. und J., die beiden Gestütsbesitzer, waren jüngere am Krankenhaus angestellte Ärzte mit strengen Dienstplänen, deren Freizeit völlig für die Pferde drauf ging, aber dennoch zu knapp war.  Daneben gab es drei bis vier Studenten, zu denen ich gehörte, und H., der ebenfalls mitritt und leicht behindert war, was aber zum Ehrenkodex gehörte ihn nicht spüren zu lassen, und auch sonst ganz normal von ihm zu reden.  Alle Arbeiten wurden geteilt, fälliges in der Runde besprochen.  Vor dem Reiten auszumisten war Ehrensache.  Desgleichen, den Stall zu schmeißen wenn die Besitzer im Urlaub waren (meist Araber anschauen).  Niemand zahlte einen Pfennig fürs reiten.  H. bekam wohl etwas Geld.  Der Stall selbst war gepachtet.  Es war die Zeit, wo ein Araber-Absetzfohlen mindestens 5.000,- DM brachte, eine Jährlingsstute 10.000,-.  Die beiden Hengste waren gefragt und deckten jedes Jahr auch einige fremde Stuten.  Damit ließen sich die Kosten eines kleinen Zuchtbetriebs finanzieren.  Alle vierzehn Tage gab es Freizeitreiter-Reitstunde im Verein; auch die bezahlten die Besitzer für uns.  Und der Kasten Bier stand immer da, für einen ruhigen Plausch nach dem am liebsten gemeinsam gemachten Ritt und der Stallarbeit.  Obwohl man doch offenkundig nicht wirklich „gleich“ war, sah doch alles danach aus.  Es gab keinen Vertrag oder eine einzige aufgeschriebene Regel, nur ungeschriebene.  Wer die einhielt, gehörte dazu, und wer dazugehören wollte, hielt sie ein.  Und wie ich wollte..!

Legendär waren die Ritte am Wochenende mit den Fohlen, meist 2-4 Stunden.  3-4 Stück, die den größten Teil frei mitliefen.  Welches Tempo sie gingen, und durch welche Abwege rechts und links im hügeligen Gelände.  Manchmal sprangen sie kleine Steinmäuerchen, liefen quer durch verwachsene, ausgelassene alte Obst- oder Weingärten.  Ein paarmal überkugelte sich eins, aber sie schienen Knochen wie aus Hartgummi zu haben, und nie tat sich eins ernsthaft weh.  Welches Tempo man reiten musste, um die Fohlen überhaupt in der Nähe ihrer Mütter, und von allzu weiten Ausflügen abzuhalten.  Die Mütter ihrerseits waren froh, die Fohlen endlich aus dem Bauch raus zu haben, und wieder laufen zu dürfen.  Ich verstand, dass dies die Erziehung war, um wirklich harte Pferde zu machen.  Niemand der nur einmal ein Fohlen zieht, würde sich das wagen, U. und J. konnten es.  Einmal traute ich mich sie zu fragen, ob sie denn gar keine Angst habe.  „Nähzeug hab ich dabei!“ war die Antwort der Ärztin.  Ich war einfach baff ob dieser Coolness, wobei ich doch genau sehen konnte, wie sie ihre Pferde liebte, die Fohlen besonders.  Das war die Antwort eines Züchters; ich habe dergleichen selten noch einmal gehört..!

Einmal brachte ich Dscherana, meine Lieblingsstute, nach einem Herbstritt über Stoppeläcker, mit blutig geschundenen Fesselbeugen heim.  Sie war das empfindlichste und feinste Pferd des ganzen Stalls, starb leider bevor sie wirklich alt war.  Sie war doch so freudig galoppiert, und nun tat sie mir leid, und ich schämte mich in Grund und Boden.  Für U. war das nicht mehr als eine Bemerkung wert, dass so etwas im Herbst schon mal passieren könnte, aber nicht sollte.  Offenbar überwog für sie, dass ich mit der Stute gut zurecht kam.  Sie war nur mit ganz weicher Hand zu reiten und etwas schwierig einzufangen, aber zu mir kam sie immer her.  Und doch, in dem Moment dachte ich, meine Reitbeteiligung sei damit zu Ende, und das war glatt meine kleinste Sorge.  Brauche ich hinzufügen, dass es in den 3-4 Jahren, wo ich dort ritt, bei sieben gerittenen Pferden und zahlreichen aufgezogenen Fohlen keinen ernsten Unfall gab, oder ein ernsthaft krankes Pferd?

Was ich sagen will: Ich lernte dort unendlich viel dazu.  Bis heute habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich U. nicht wenigstens einen Absetzer abgekauft habe.  Wir sprachen nie darüber, aber sie hätte mir den Preis reduziert und gestundet, zumal ich als Distanzreiter ja „Werbung“ für ihr Gestüt geritten hätte.  Mir schien es nicht statthaft, bei meiner damaligen finanziellen Lage als Student, ein Pferd auf Raten zu kaufen, wo doch jedem Reiter jeden Monat passieren kann, dass sein Pferd in die Klinik muss, und dann braucht man viel Geld.  Später zog ich weg und verlor sie aus den Augen, U. und J. trennten sich, wie das im Leben oft so geht.  Sie war bestimmt etwas enttäuscht, als ich meine Fjordaraberstute kaufte, im Fundament auch nicht schlecht, natürlich billiger als ihre Fohlen, und, obwohl für mich damals genau das richtige Pferd, für Distanzritte viel weniger geeignet, trotz ihres Löwenherzens.  Nettes Pferd“, sagte sie nur, als ich sie ihr vorstellte, und es war nicht nur so dahingesagt. 

Bis auf den heutigen Tag sind die Stuten, die ich bei ihr ritt, oder das Bild, was in mir von ihnen eingeprägt ist, für mich das Ideal des Arabischen Pferdes, so verschieden die drei voneinander waren. In einem aber glichen sie sich: Sie waren schön und zugleich leistungsfähig.  "Ein Top-Distanzpferd muss auch eine Schau gewinnen können", so waren ihre Worte, auf die damaligen Schauen bezogen stimmte das vielleicht sogar noch, und ich meine, so sollte es auch wieder werden!  Ihre Araber gehörten zu den vom Gebäude her besten ihrer Zeit, so jedenfalls meine unbedeutende Meinung als Reiter.  Und ich meine auch (und das macht mich optimistisch bezogen auf die Zucht an sich), dass es heute mehr dieser Qualität gibt - zahlenmäßig, nicht anteilsmäßig.  Trotzdem, ganz sicher bin ich mir nicht, man kann sie ja nicht nebeneinander stellen; die Pferde von damals gibt es nicht mehr.  In meinem Kopf aber stehen sie mir klar vor Augen:  So muss ein Araber sein.  An ihnen werde ich jeden Araber messen, solange ich lebe, und glaube, dank dieser Bilder, nicht eins der schlechtesten Maße zu haben...


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