taunusreiter TAUNUSREITER
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Update 16. Dezember 2007
 

Wenig bekannte ZITATE zur REITEREI  (Teil 2)

Pferd gezäumt ohne alles
Bild von www.reiterpraxis.de

Zitate-Sammlung zum Thema "Hilfszügel


„Einige Reiter behaupten, daß man durch den Gebrauch dieses Werkzeugs (Stoßzügel/ Martingal) das in die Hand stoßen und Kopfschlagen eines Pferdes verhüten könnte. Es ist unsinnig , ein Pferd durch solche Hilfsmittel in seinen Unarten zu bestärken anstatt es ihm abzugewöhnen. Ein Martingal hat in einem guten Stall nichts zu suchen.
François Robichon de la Guérinière, Ecole de Cavalerie, 1733  (dt. Die Reitschule, o.J., S.14)

„Hilfszügel sind dort (in der Pferdeausbildung) meist faule Knechte, die den Schein geben helfen und andere faule Knechte im Nichtstun unterstützen (..) Hilfszügel geben so leicht den Anstrich eines Fortschrittes und sind deshalb bei den Leuten, denen es nicht um das Sein, sondern um den Schein zu tun ist, so beliebt.
Friedrich von Krane, Anleitung zur Ausbildung der Cavallerie-Remonten, 1870, S.291

„Alle toten Vorrichtungen und Hilfszügel, also solche, die durch Festbinden oder Schnallen eine gleichförmige Wirkung äußern, schaden ohne Ausnahme mehr als sie nützen, da sie sämtlich das Maul des Pferdes verderben, denn die Einwirkungen durch das Gebiß können nur von der lebenden und feinfühlenden Hand des Reiters richtig abgewogen werden.“
Gustav Steinbrecht: Gymnasium des Pferdes, 1886 (1995, S.91)

„Es gibt sogar Reiter, die sich mit Pferderausbildung befassen, und die in ihrer Rat- und Gefühllosigkeit zum feststehenden Ausbindezügel, zum flaschenzugartig wirkenden Schlaufzügel und anderen sinnreichen Konstruktionen von Hilfszügeln greifen, welche Kopf und Hals des Pferdes herunterziehen und so eine Beugehaltung erzwingen, die eben nur eine Zwangshaltung sein kann. Man kann mit solchen Methoden und der nötigen grausamen Ausdauer beste Pferde zerbrechen und ihnen den Lebensmut nehmen.
Udo Bürger: Vollendete Reitkunst, 1959 (1966, S.100)

„Die Ausbindezügel werden immer dann verwendet, wenn das Pferd ohne Reiter gearbeitet wird, oder aber dieser der Führung des Pferdes weitgehend enthoben werden soll“
Alois Podhajsky: Die Klassische Reitkunst (1965), Seite 23

Hilfszügel sind für Hilfsschüler. Die Ausbildung eines Pferdes braucht Zeit und Geduld, aber unter gar keinen Umständen Hilfszügel!
Claus Penquitt: Die Freizeitreiter-Akademie (1993), Seite 54


Natürlich gibt es überall und immer schlaue kleine Mädchen die nichts davon gelesen haben, in ihrer Arroganz sogar nicht einmal deren Namen kennen, es aber trotzdem besser wissen...
Plus die "Reitlehrer" die erst letztes Jahr durch ihre Ex-Freundin zu Reiten gekommen sind, Pferde als Maschinen betrachten (Motorrad-Ersatz), und jetzt durch
"Schnellausbildung" von Pferden Geld verdienen:

Nicht Unwissenheit, das sind die beiden Grundübel der Reiterei!


update 2009

PHILLIPE KARL

"Schon zu Beginn der Ausbildung an der Longe erzwingt der Reiter das Nachgeben im Genick mittels diverser Hilfszügel (Ausbinder, Schlaufzügel, und so weiter), unter Mißachtung des Pferdemauls, das mit speziellen Reithalftern zum Schweigen verdammt ist. Anschließend bemüht er sich vom Sattel aus, die Wirkung dieser Notlösungen durch eine tiefe Handhaltung zu reproduzieren und zu verlängern - wenn nötig wiederum unterstützt durch Hilfszügel. (..) Das ist die katastrophale Bilanz einer von der tief gehaltenen Reiterhand besessenen Art der Dressur. Sie beruht auf einer widernatürlichen Auffassung der Handeinwirkung und folgt zusammen mit dem systematischen Gebrauch von Druckmitteln dem Prinzip der Nötigung. Solche Prinzipien erzeugen unweigerlich autoritäre Methoden und grobe Vorgehensweisen. (...) (S.40)

"Der Reiter, der das Nachgeben im Genick mit Hilfszügeln erzwingt und das Pferdemaul mit speziellen Reithalftern zuschnürt, handelt nicht anders als ein Erzieher, der ein Kind knebelt und am Stuhl festbindet um es zur Ruhe zu zwingen.

"Unter solchen Umständen versteht man auch, warum die Richtlinien der FN sich nur für Pferde mit gutem Gebäude interessieren, die bereits am Zügel stehen (...)

"Und dennoch sind Ausbinder, Schlaufzügel und maulkorbähnliche Reithalfter allgemein gebräuchlich geworden. (...)

"Aus diesem unreflektiertem Grundatz ist eine ganze Lehre hervorgegangen, die inhaltlich dürftig und in ihrer Form autoritär ist" (S.41)

"Der Zügelgehorsam darf nicht aus einem Kampf zwischen dem Genick des Pferdes und den Armen des Reiters ergeben(..) Die erste Aufgabe der Hand ist es, dem Maul in all seinen Bewegungen zu folgen, so dass sie niemals eine bestimmte Haltung erzwingt. Die berühmte ruhige Hand muss also in Bezug auf das Maul ruhig sein, nicht in Bezug auf den Pferderücken.(..) Es ist also nicht die Hand, die sich bemüht, den Kopf des Pferdes zur Unbeweglichkeit zu zwingen [noch viel weniger ist das die Aufgabe toter Instrumente wie Hilfszügel, Anm. FM], sondern der Pferdekopf, der es dem Reiter nach und nach erlaubt, die Hand ruhiger stehen zu lassen. Das Pferd mit ruhiger Hand zu reiten ist ein Ziel, keineswegs jedoch ein Mittel der Ausbildung" (S.72)

Phillipe Karl: Irrwege der modernen Dressur - Die Suche nach einer "klassischen Alternative". Cadmos, Brunsbeck, 2006/2007, ISBN 978-3-86127-413-1 - Hervorhebungen von mir




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