Mein Ponychen
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Ein Pferd wie meine Ligeira hat man als Reiter, wenn man Glück hat, vielleicht einmal im Leben, wenn man selber jung ist.
Ein solches Pferd schafft es, einen zum wirklichen Reiter mit Leib und Seele zu formen. Vorher hat man auf dem Pferd gesessen, hat gestrebt, und geglaubt etwas zu können. Nachher weiß man, dass alles Wissen und Können eitle Einbildung war, dass man nahezu nichts weiß. Wird demütig. Und fängt ganz klein wieder an. Wenn man dies eine Pferd dann nicht mehr reiten kann, wenn es zu alt geworden ist, man es dann pflegt und nur noch gern hat, folgen quälende Jahre, in denen man in seinen Reitererinnerungen lebt, zweifelt, ein so gutes Pferd je wieder bekommen zu können, oder solche Sternstunden des Reitens (zugleich Sternstunden des Lebens) je wieder zu erleben.
Viele geben in dieser Phase das Reiten dann auf. Andere senken ihre Anforderungen, damit sie ihrem aktuellen Pferd gegenüber nicht ungerecht werden. Das zu können ist wichtig. Es bleiben Reiterjahre "auf Sparflamme"... da muss man durch im Leben! - Ich werde immer um Ligeira trauern, wie um einen verlorenen geliebten Menschen. Wenn sie im Paradies nicht an meiner Seite ist, wird sie mir fehlen. Doch -- das ist fast unmöglich, denn ich stelle es mir als großes frohes Reiterlager vor - Musik, Wein, Weiber, Pferde, Gesang, lachende Kinder -- und auch geistige Freuden: Statt der schönen Bücher wird man mit den Autoren von Angesicht zu Angesicht diskutieren können. Ich hoffe, oder besser, ich bin mir so gut wie sicher, sie ist jetzt schon da und wartet auf mich, dort auf den anschließenden immergrünen Wiesen, wo die Zeit bloß ein Staubkorn ist. So wie ich ihr ins Ohr geflüstert habe beim letzten Abschied. Ligeira hat ihre Aufträge doch stets erfüllt...


Nun habe ich das große Glück, wieder ein Pferdchen gefunden zu haben, dass mir die gleichen glücklichen Stunden im Sattel und im täglichen Umgang schenkt, dem ich fühle gerecht werden zu können, von dem ich jetzt schon weiß, dass sie im Paradies ebenso an meiner Seite sein muss. Seit fünf Jahren bereichert sie jetzt meinen Alltag, ist genauso lieb und feinfühlig im Umgang wie meine Ligeira es einst war: Khorsheet, auch genannt das Ponychen. In Wahrheit ist sie eine Vollblutaraberstute. Aber sie macht sich gern klein und unauffällig, und nicht gern groß Aufhebens um sich. Sogar wiehern tut sie eher selten und leise. Sie glaubt, sie hat nicht viel zu sagen. Überhaupt ist Bescheidenheit ihr zweiter Vorname. Obwohl ich nie müde werde ihr zu sagen was für eine Tolle sie ist. Ich muss sie immer ein bißchen herrufen und herausfordern, damit sie sich nicht gar zu klein macht. Und wenn sie dann kleine "Anfälle" kriegt und riesige Buckler macht, freut mich das ungemein.
Ihr Haupt-Wesenszug ist ihre Ruhe. Sie ruht in sich. Selten tut sie etwas unüberlegtes, unvorsichtiges.   "Die Wisal-Pferde sind ruhiger als andere, lauschen oft, und sinnen nach wie intellektuelle Wesen.." schreibt über Pferde wie sie
CARL RASWAN. Das will natürlich nicht heißen, dass sie etwa geduldig wäre, oh nein. Da ist sie ganz arabertypisch. Sie schnickt und schleudert mit dem Kopf, wenn ihr etwas nicht passt, oder viel zu lange dauert. Aber nie wenn Menschen direkt in der Nähe sind, oder beim Reiten. Dafür ist sie viel zu respektvoll und feinfühlig. Selbst Mohrrüben und Brot nimmt sie ganz vorsichtig aus der Hand, und würde nie in Taschen wühlen. Nicht aus Angst vorm Menschen: Beim Bürsten oder Anlegen des Sattelgurts kann sie sehr "direkt" sein, wenn sie sich nicht fein genug angefasst fühlt.
Gekauft habe ich sie auf einer Versteigerung. Zu versteigern gab es einen Hengst und zwei Stuten. Ich kam wegen einer braunen Stute. Die zweite war ein Schimmel, von der gefielen mir schon die Fotos nicht: Schaugalopp mit voll rausgestrecktem Unterhals, Verdacht auf unreitbar. Wie ich mir die Pferde in der Box anschaue, eine Stunde vor der angesetzten Auktion, fällt die Braune gleich auf den ersten Blick raus, Mängel in der Sattellage und im Fundament. Dasselbe gefällt mir bei der Schimmelstute gleich daneben richtig gut. Was für ein Unterschied zwischen den beiden. Kräftige Gelenke und Röhrbeine, abfallende Kruppe, geschlossene Nierenpartie, breite Sattellage, genau wie ich das gern habe. Meine Sättel würden alle passen. Sogar besser als beim Hengst. Dann geh ich in die Box rein (es guckt grad sonst keiner), sie gibt mir richtig lieb die Hufe, freut sich über die freundlichen Worte und mitgebrachten Möhrenstücke. Und was für tolle Hufe sie hat... nix "arabertypische" Zwanghufe. Wie bei einem Pony. Da hat sie gleich Sonderpunkte bei einem Amateurschmied wie mir, beim Reiter in mir sowieso...
Das Pferd ist ein Araber? Ja, eine echte Kuhaylah, die haben ja Pony-Blut, wie MICHAEL SCHÄFER schreibt. Solche Araber habe ich fast nur auf Fotos gesehen, polnische meist und unter 1,50 Stm. Aber diese hat kräftige 1,54 Stm! Und dabei noch einen schönen Kopf, "trotzdem", ist man fast versucht zu sagen. Was würde Uli sagen? "Typvoll" vermutlich. Ja, das ist sie.
In ein paar Minuten ist mir klar: Die kann man kaufen. Die
Farbe, naja, tritt in den Hintergrund. Hat ein gutes Pferd schon jemals eine schlechte Farbe gehabt..? Nein. Und Melanome kann ich zumindest keine feststellen.
Beim Freilaufen gefällt mir ihr lässig-lockerer getragener Galopp. Wohl doch kein Schaupferd. Und dass sie der andern immer voraus läuft.
"Gehlust ist die wertvollste Eigenschaft eines lebenden Wesens, von der Ameise und Biene bis zum Menschen selbst! (Otto v. Monteton)"

Obwohl sie nicht geritten ist, lässt sie sich fein und sensibel handeln. Komisch, viele lernen das in 20 Jahren nicht, was man einigen wenigen gar nicht beibringen muss..! Wenn ein solches Pferd immer gut behandelt ist, wird es nie Schwierigkeiten machen, auch nicht beim Einreiten. Dass sie noch nie im Leben etwas schlimmes erlebt hat, beweist mir der Stallchef, auf die Art wie er sie nach meiner Ersteigerung selbst verlädt, ohne sich darüber auf eine Diskussion einzulassen. Ich bin nachgiebig, denke, lass ihn mal machen, schau Dir an wie er das Pferd immer gehandhabt hat. Und wieder volle Punktzahl. Besser könnte ich das selber nicht, und bin beim Verladen mäkelig und etwas eigen. Sie war sein Liebling, und es tut ihm weh, sie gehen zu lassen. In meinem Händedruck zum Abschied versuche ich ihm zu zeigen dass ich es erkannt habe. Wir verstehen uns wortlos.

Khorsheet

Kluges Pony

Eins der hervorstechenden Merkmale von Khorsheet ist ihre Klugheit, Verlässlichkeit und Vorsicht. Daran könnten sich viele Araber ein Beispiel nehmen. Wo sie steht, da steht sie, und läuft nicht weg. Solange sie etwas zu fressen hat, kann sie stundenlang unangebunden an dem Platz bleiben, den man ihr angewiesen hat. Auf unseren Wanderfahrten bin ich dazu übergegangen sie höchstens noch zur Nacht ans Laufseil anzubinden. Sie scheint zu wissen: Hier soll ich bleiben. Und tut das auch. Auch wenn es vielleicht etwas zu gucken gibt. -- Aber wenn sie geht, dann geht sie. Das heißt, unterm Reiter. So gut sie kann, immer fleißig, immer aus der kräftig schiebenden Hinterhand, relaxed, locker. Erstaunlich, wie stark dies kleine unauffällige Pferdchen ist. Mit welcher Lässigkeit sie steile Hügel hoch stiefelt. Und dabei immer mit der Ruhe. Aber wenn man dabei absteigt und läuft, merkt man was für ein Tempo sie dabei drauf hat, und der eigene Puls ist im Nu bei 180 wenn man sie nicht bremst.
Ein schlaues Pony, die immer gut auf sich aufpasst. Im Gelände ist sie vertrauensvoll und zugleich wachsam. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Bevor ihre Vorderfüße in etwas gefährliches reingelaufen sind, hat der Kopf es eben gerade gesehen, und das ganze Pferd ist zur Seite gehüpft, meist mit einem Schwung der kräftigen Hinterhand, und mitgenommenem Reiter, wenn auch je nach Tempo nicht immer bequem. Das ist dann wieder arabertypisch. Es könnte auch mit dem späten Einreiten zu tun haben.
Während Ligeira, als sie zu mir kam, schrecklich verritten war, war Khorsheet ein unbeschriebenes Blatt. Achtjährige sind keine Babies mehr. Die haben schon ihre eigene Meinung, die muss man überzeugen, die haben auch genug Kraft und Selbstbewusstsein, um sich zu wehren, wenn man sie drangsaliert, und das ist gut so! Deshalb sind ausgewachsene ungerittene Pferde so unbeliebt bei Schnellausbildern!
In jedem Fall: Man muss sie reiten. Schenkel bequem wegstrecken und laufen lassen geht bei ihr nicht gut. Der Kontakt zum Zügel gibt ihr Sicherheit. Sonst kommt sie auf eigene Ideen, um sich das Laufen spannender zu machen, erfindet z.B. Gespenster.
Sie benimmt sich oft wie eine Dreijährige. Spielt manchmal das "wilde Pferd", besonders auf den Lieblingsgaloppstrecken auf dem Heimweg. Dann peitscht plötzlich der Schweif, geht der Kopf runter und die Hufe fliegen weit und hoch. "Ja, schlag ihn tot, den bösen Wolf!". 
Ich freu mich, wenn sie so Lebensfreude zeigt. So wie sie dabei den Rücken streckt, scheint es wirklich gute Gymnastik für sie zu sein. Und wo sie heute zwölf ist, ist es immer noch genauso. Das schöne dabei ist: Sie hört sofort damit auf, wenn man ihr gesagt dass es nun genug ist. Valeria kreischt einmal "Khorsheet!", wenn sie Angst bekommt, und sie steht sofort erschrocken still, weil sie wieder zu sich kommt, und selbst befürchtet das Kind könnte runterfallen.
Überhaupt habe ich noch nie ein Pferd erlebt, das so aufs Wort hört, auch auf so leise gesprochene. "Nicht so schne-ell...", und sie wird wirklich sofort langsamer. Während Ligeira ohne Rücksicht auf eigene Verluste durchs Schlachtfeld gestiefelt wäre, schaut Khorsheet sich genau an, durch welche Dornen der unmögliche Abweg nun wieder gehen soll, und blutig geschundene Beine kommen so gut wie nie vor. Wenn, dann treten sie eher als Handpferd auf, als unterm Sattel.
Sie hat mir noch nie etwas zerrissen oder kaputt gemacht. Kein Halfter, keine Decke, kein einziges Riemchen, nicht mal einen Eimer. Am Bindfaden kann man sie anbinden. Auch wenn sie am langen Seil steht, setzt sie ihre Füße mit Überlegung und bedacht. Dass sie sich verhängt, gehört zu den größten Seltenheiten. Dann gerät sie auch nicht in Panik, sondern überlegt wie sie sich selber raushelfen kann, und wenn es nicht klappt, wartet sie geduldig auf Hilfe. Das habe ich noch bei keinem hochblütigen Pferd so gesehen.
Außerdem frisst sie noch ponyartig. Wenn man unterwegs mit ihr Pause macht, geht der Kopf ins Gras und kommt eine halbe Stunde nicht einmal hoch. Wenn man es nicht besser wüsste, müsste man vermuten sie bekäme zuhause nichts. Das hat große Vorteile. Sie ist mir noch auf keiner Wanderfahrt oder Ritt abgemagert, im Gegenteil. Den Hafer frisst sie dabei wie nach einem gezielten Saisonplan. Zu Anfang der Saison eher wenig, später, wenn sie gut daran gewöhnt ist, und die Tagesstrecken länger werden, auch sehr beachtliche Mengen. Im Gegensatz zu Ligeira, hat sie noch kein einziges Mal ihr Futter verweigert. Sie frißt sogar sehr beachtliche Mengen an Heu und Hafer während der Fahrten im Hänger. Nach dem Motto, besser jetzt im Hänger satt fressen, als nachher zuhause mit Natascha alles zu teilen.
Wildpferdeartig ist dazu noch ihre Vorliebe, aus allen Pfützen unterwegs zu saufen, aber jeden künstlichen Brunnen wie die Pest zu meiden, außer man ist wirklich extrem durstig und es gibt nichts anderes. Und ihre Eigenarten beim Wälzen, erst mal lange Kreise zu ziehen, den Boden mit den Vorderhufen zu prüfen, bevor man sich wirklich zum Wälzen niederlässt.

Leistungspferd?

Es kommt nur selten vor, dass Khorsheet, das kluge Pony, sich selbst so in Rage arbeitet, oder von mir bringen lässt, dass sie sich für ein Rennpferd hält. Das hat viel damit zu tun, dass ich in 4 Jahren noch kein echtes Leistungstraining mit ihr gemacht habe. Ich war bisher immer damit zufrieden wenn sie Tempo 5-6 auf Distanzritten geht, und deswegen reite ich sie einfach so, ohne Hintergedanken, und sie läuft, rein nach KM-Angaben, ein wirklich großes Pensum. Muß ich als bald alter Mann denn noch schneller reiten? Sehe ich dann noch gut aus auf meinem Pferdchen? Will ich nicht mehr Landschaftsgenuß und Freude haben für mein gezahltes Startgeld, oder muss ich schnell durchhuschen, und die Landschaft bloß noch im Vorbeigaloppieren erhaschen? Bloß nicht, nein. Mit den Besten messen werde ich mich mit diesem Pferd nicht können. Aber den anderen zeigen wie man es auch machen kann, sodass es nicht in Stress ausartet, das geht. -- Und dann war da noch eine Art Schwur, den ich mir gegeben habe, ganz zu Anfang. "Wenn Du es schaffen solltest, dieses liebe Pferdchen kaputt zu reiten, hörst Du für immer mit dem Reiten auf, dann war's das!" -- Habe ich mich damit selbst unter Druck gesetzt? Nein. Das ist nur der Anspruch, den ich als Reiter an mein eigenes Tun habe. Wir haben es nicht mit Sportgeräten zu tun, sondern mit lebenden Wesen, die eine Seele haben. Ethische Grundsätze dürfen nicht zum Lippenbekenntnis verkommen. Ich reite ja leider schon viel zu lange, als dass Unerfahrenheit und Nichtwissen noch als Entschuldigung herhalten könnten und vielleicht akzeptabel wären. In meinem Fall wäre es dann Ignoranz. Strafwürdige.
So ist sie kein Hochleistungspferd für mich. Wahrscheinlich auch aus Veranlagung nicht. Valeria wird sie vielleicht einmal schneller reiten können, wenn sie selber leicht bleibt. Im Regelfall kennt Khorsheet das Pony ihre Grenzen, oder weiß für was sie trainiert wurde. Sie ist ein superfeines Freizeitpferd für den anspruchvollsten
Reiter, und sie macht (fast) alles mit. Das ist viel mehr, als 95% der Reiter haben! Der Araber, das Reitpferd der Könige, und König der Reitpferde. Wird der Weg sehr steil, ausgesetzt oder gefährlich, wird sie schon mal noch ruhiger als sonst. "Möchtest Du nicht doch lieber absteigen? Hier fürchte ich mich" scheint sie zu fragen - "Mach ich, mein Mäuschen. Bist doch meine Beste, und möchte nicht, dass Du Dir wehtust". Ein Araber ist kein Englischvollblut, kein Esel und auch kein Shirehorse, aber dazwischen kann es fast alles!
Und was sie alles schon gelaufen ist mit mir in diesen vier Jahren. Wanderritte, Fahrten, Distanzritte, überall hat sie 100% gegeben und erreicht. Mit fast 5.000km hat sie Ligeira, das legendäre Leistungspferd mit den leider nicht so guten Beinen, schon fast eingeholt. Das meiste davon waren unsere schönen Wanderfahrten mit Tagesritten. Das ist ruhig, bequem, und kommt meinem eigenen, steigenden Komfortbedürfnis auch entgegen. Regenbiwaks unter dem Poncho hatte ich eigentlich genügend erlebt. Und auf der anderen Seite, die Luxus-Wanderreitstation mit Kaminzimmer und Schlemmerplatte muß es auch noch nicht sein. Da kriegt das arme Pferdchen ja vielleicht Satteldruck hinterher, obwohl es nur 25km gegangen ist...

Khorsheet

Kleine Geschichtchen

So toll sie ohne Eisen läuft (8 von 12 Monaten im Jahr), eigentlich so gut wie mein Isländer Alex vor 30 Jahren, manchmal sind Hufschuhe schon eine feine Sache. Besonders wenn wir schon viele KM geritten sind, aber ich mit dem Beschlag aus Gründen von Ritt-Planungen noch etwas warten will. Da lagen mal auf einem Reiterflohmarkt vor 10 Jahren diese Swisshorse-Boots herum, wenig gebraucht. Leider für Ligeira und Natascha etwas zu klein, für Alex (damals schon Rentner und kein Beschlagträger mehr) zu groß -- eher für Araber angepasst, das sah ich auf einen Blick. Ich kaufte sie, obwohl kein passendes Pferd da war, trotzdem für 15 Euro, einfach aus Freude aus allem was mit dem Pferdehuf zu tun hat. Stefan Zöller hat sie vor 20 Jahren mir gegenüber in höchsten Tönen gelobt, und auf dessen Wort kann man zählen. Ihre simple, stabile Machart gefiel mir schon immer. Wenn Hufschuhe, dann solche. Und siehe da, 10 Jahre später, Khorsheet mit ihren wunderbar regelmäßig geformten Hufen passen sie wie angegossen. Doch nach etwa 20 Ritten damit geht einer der Fesselriemen an der Schnalle kaputt (wahrscheinlich hatte ich einmal den rechten und linken vertauscht, und die normalerweise außen liegenden Schnallen schlugen gegeneinander). Ich hatte noch nicht verstanden, dass diese Fesselbeugen-Riemen nicht einfach Zierde oder Festhalteriemen für Notfälle sind, denk mir nichts dabei und lasse ich locker. Aber danach beginnt der betreffende Hufschuh alle ca. 10km abzufallen. Ich finde ihn immer recht schnell wieder, bloß an einem Abend nicht. Wir sind vorher durch ein Stück mit Matsch und Pfützen geritten, und im aufkommenden Dunkel muß ich die schmutzige Suche bald abbrechen. 
Bis zuhause sind es noch 5km. Als ich dann vor dem letzten Bergabstück zur Koppel absteige und noch einmal auf alle Hufe schaue, muss ich zwei mal hinschauen, erst dann glaub ich es, und werfe mich fast auf den Boden vor Lachen : Der verloren geglaubte Hufschuh sitzt doch tatsächlich am diagonalen Hinterhuf, sie muss vorne raus und direkt hinten reingeschlüpft sein. Jetzt weiß ich, warum mein Pferd bei meiner Suche mit so einer Engelsgeduld die ganze Zeit neben mir stand... Wenn ich nun noch erzähle, dass mir dasselbe einige Monate später noch einmal passierte (ich dann aber gleich am betreffenden Hinterbein nachgeschaut habe) glaubt mir das wahrscheinlich keiner mehr. Irgendwann später tauschte ich dann tatsächlich die Riemchenschnalle aus, die den Riemen damit wieder sicherte, und seitdem sind die Verluste nicht mehr aufgetreten. Der Riemen ist, obwohl im Normalfall nicht eng an die Fesselbeuge geschnallt und damit fast überflüssig aussehend, doch erforderlich, um das "Halb-Ausziehen" des Hufschuhs zu verhindern und ihn sicher zu halten. Fehlt er, oder schließt nicht sicher, wird der Hufschuh auf saugenden Böden erst locker und geht 1-2 Schritt später verloren.

Distanzritt im Hunsrück, zweiter Tag. Auf dem Weg zum ersten Stop wartet meine Frau mit dem Wassereimer. Ich bin mit einer zügig, aber nicht schnell reitenden Vierergruppe unterwegs, die Spitzenreiterin ist schon ausgerissen. Die anderen Reiter gehen am Eimer vorbei, Khorsheet reite ich an den Eimer heran. Der letzte Weg ging ein ganzes Stück das Tal hoch, der Stop ist in 2km Entfernung, die Sonne scheint bereits kräftig, Wasser ist jetzt nicht schlecht. Ob sie wohl saufen mag wenn die anderen weiter gehen? Khorsheet säuft in langen Zügen den ganzen Eimer leer, als wäre sie schon 40km gegangen, es sind aber erst 20, in aller Ruhe. Die anderen sind längst weitergetrabt. Steht nach dem Saufen noch am langen Zügel da. Prima. Ich hab es auch nicht eilig. Und als ich die Zügel endlich aufnehme, setzt sie sich in gemütlichen Canter und galoppiert ohne besondere Hilfe auf der halben Hinterbacke hinterher. Weiß genau "Die können mir gar nicht weglaufen, die krieg ich wieder", und 500m später haben wir sie auch wieder. Sowas selbstbewusstes!

Schlechte Bekanntschaft mit einem unsichtbaren, mit Forstschleppern (unverantwortlicher Weise) in den Boden eingearbeiteten Drahtgitterzaun erleben wir auf unserer ersten Wanderfahrt mit Zahra. Zahra geht vorne, verhängt sich mit zwei Hufeisen zugleich in einem Drahtgitter, und geht auf der Stelle zu Boden (der ist zum Glück weich). Khorsheet bleibt gleichfalls hängen, nur mit einem Huf, reisst sich - Glückspilz wie immer - das schon etwas ältere Eisen mit einem Schwung los und weicht etwas zurück. Kein bißchen Panik. Ich springe augenblicklich aus dem Sattel, erfasse erst mal gar nicht was los ist, lasse aber mein Pferdchen los, stürze auf Zahra zu (Andrea ist schon auf den Beinen) und helfe sie befreien. Seit diesem Erlebnis markiert Khorsheet, jetzt noch, Jahre später, alle an Wegrändern aufgestapelte Drahtrollen, abgestellte Armierungsgitter u.ä. durch Schnauben und Ausweichen, und ist überzeugt, für unsere Sicherheit zu sorgen. "Die Drahtdinger können sehr gefährlich für Pferde sein, weißt Du das!"

Auf unser ersten Alleinfahrt, in den Pfälzerwald, schwitzte sie auf der Hinfahrt noch im Hänger am ganzen Körper vor Aufregung und Angst. Wir sind 5 Tage unterwegs, und fast jeden Tag verlegen wir unser Lager um 10-15km und fahren ein Stückchen mit dem Hänger, wobei sie immer ohne Zeichen von Unruhe und Widerwillen, tapfer einsteigt. Keinerlei Druck, ruhigstes Verladen, Mohrrüben, Plane hoch, Plane runter - ich unternehm alles, um ihr die Angst zu nehmen. Auf der Rückfahrt schwitzt sie dann nicht mehr und frisst das ganze Heunetz leer. -- Das letzte Lager vor einem ehemaligen kleinen Gutshof, nun längst ohne Landwirtschaft, auf der kleinen Wiese vor dem Haus, wo ich das Gespann hinstellen durfte, in Straßennähe. Nicht ganz optimale Lage, aber sehr schön, der beste Platz in der Umgebung. Ich bin am Morgen noch 3 Stündchen geritten, will jetzt eigentlich heimfahren, aber vorher mich noch von meinem Gastgeber verabschieden und Danke sagen. Die Sonne ist herausgekommen an diesem Sonntag mittag. Khorsheet grast ruhig am Laufseil, ich gehe in den Vierseithof, klingel nach dem Besitzer. Der zeigt mir in der Garage noch seine 60 Jahre alte Citroen Limusine im unrestaurierten Originalzustand, schwarz natürlich, rostfrei, leichte Lackschäden mit dem Pinsel ausgebessert. Dann will er sich das Pferd anschauen. Wir stehen herum und ich erkläre es ihm. Khorsheet grast und lauscht mit den Ohren, scheint zu spüren dass über sie gesprochen wird. Da reiten vier Reiter in 50m Entfernung vorbei. Khorsheet schaut kurz hin und widmet sich dann wieder dem Gras. Da sagt mein Gastgeber, wirklich kein Landwirt oder Pferdekenner: "Das ist auch so etwas, was mir an ihrem Pferd gefällt, neben der praktischen Größe : Man kennt es doch, dass Pferde mit anderen Pferden mitlaufen wollen. Aber Ihres guckt bloß einmal genau hin und bleibt dann ungerührt stehen". Mich hat diese Szene ebenso, oder noch mehr beeindruckt als ihn, und meine Antwort ist "- Die weiß eben genau wo sie hin gehört"

Khorsheet

Ein Pferd mit so wertvollem Charakter darf man nicht glauben, ohne weiteres je wieder finden zu können.  Aus diesem Grund habe ich beschlossen, ein Fohlen aus Khorsheet zu ziehen, damit ich mir nicht später selbst die Schuld geben muss, wenn ich so ein gutes Pferd nie mehr bekommen sollte.  Besonders, wenn ein solches Pferd volle Papiere hat, und sowohl charakterlich, vom Körperbau, und den Reiteigenschaften so famose Qualitäten hat, dass sich eigentlich jeder Züchter danach die Finger lecken müsste! Gebe Gott, dass das Fohlen groß und kräftig wird!

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