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TAUNUSREITER (c) Frank Mechelhoff 2001-2009 - Kopien speichern nur zum privaten Gebrauch zulässig Verwendung der Bilder und Texte in eigenen Websites oder zu geschäftlichen Zwecken ohne meine schriftliche Genehmigung nicht gestattet (Hinweise zum Copyright) Kontakt: taunusreiter yahoo.de Update 23. Dez. 2002 |
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Landschaftsschutz und Artgerechte PferdehaltungÖkologische und landschaftliche AspekteDie Landwirtschaft ist in den deutschen Mittelgebirgen
überall rückläufig, da geringwertige Böden, kleine
Flächen und steile
Standorte sich für moderne intensive Landwirtschaft nicht eignen
(davon
abgesehen dass dies aus Naturschutzgründen nicht generell
erwünscht
wäre). Ohne geregelte Bewirtschaftung nehmen aber zunächst
unerwünschte
und minderwertige Grassorten überhand, werden dann von
Büschen (z.B.
Weißdorn, Brombeeren) von den Ecken her durchwachsen, diese
werden
immer dichter und höher und am Ende ist ein undurchdringliches
Gestrüpp
von Büschen und Pionierbäumen entstanden (Sukzession),
die zum
Schluß nicht mehr per Hand oder mit einfachen Geräten
gepflegt,
sondern nur noch mit schweren Rodungsmaschinen geräumt werden
kann.
Dies kann innerhalb von 30 Jahren geschehen sobald Flächen aus der
Bewirtschaftung
genommen werden. Es erhebt sich die Frage wie diese (je nach Standort
zwangsläufig bedingte) Entwicklung mit akzeptablem Aufwand
aufgehalten
werden kann. Grünland bewirtschaftende Betriebe mit ausreichender
Anzahl
von Schafen oder Rindern (Mutterkühe) sind nur regional begrenzt
vorhanden
(hauptsächlich in den Neuen Bundesländern, Nachfolgebetriebe
der
LPG's). Die Schäfereien haben fast immer viel zu wenig Tiere um
die
Flächen wirklich abzuweiden und die Tiere nicht nur darüber
hinweg
zu treiben, was nur minimale Pflegewirkung zeigt, wozu das
Überangebot
von Flächen (und die Prämienstruktur) aber reizt. Graswerbung
(Heu/
Silo) und Pflegeschnitte mit Maschinen sind unökonomisch für
die
Leistungserbringer und müssen kostenträchtig beauftragt
werden
(Gemeinden, Träger von Naturschutzgebieten usw.). Außerdem
sind
die Flächen für moderne schwere Maschinen fast immer
ungeeignet.
Die Resultate sind Bodenschäden, nachlässige
Durchführung
und/oder ungenügendes Ausmähen der Ecken. Von den Ecken her
droht
aber die Sukzession. Handarbeit wird fast nirgendwo mehr
geleistet
(zu teuer).
Grünlandbewirtschaftung durch PFERDE hat all diese Nachteile nicht, wenn sie richtig gehandhabt wird. Leider ist bei vielen Pferdehaltern das ökologische Grundwissen sehr mangelhaft, vor allem aber die Grösse der Flächen ungenügend im Verhältnis zur Anzahl der Tiere. Häufig wird die in pferdekundlichen Standardwerken empfohlene Haltungsfläche von 1 ha pro Pferd bedeutend unterschritten - in manchen Offenstall- und Paddockhaltungen werden 10x und mehr Tiere pro Flächeneinheit gehalten, mit allen Nachteilen wie sie aus der "Massentierhaltung" auch in anderen Landwirtschaftsbereichen bekannt sind: Fäkalienentsorgung, unerwünschte Emissionen, Zertreten der Böden, als Folge Akzeptanzprobleme durch die Anwohner. Ferner ein erhebliches Maß an Gesundheits- und Verhaltensproblemen der so gehaltenen Pferde (mehr dazu weiter unten). Solche Betriebe sind meist durch Wachstum der Pferdemenge ohne entsprechenden Zugewinn von Flächen entstanden und prägen vielfach das Bild der Öffentlichkeit wie auch der ökologischen Entscheidungsträger. Eine zertrampelte Matschkoppel bewirkt bei vielen das generelle Urteil "Pferde zertreten die Böden". Auch 2 Pferde auf nur 1000-2000 qm können bereits "Massentierhaltung" sein, auch wenn diese Fläche manchen Menschen (besonders aus der Stadt) "groß" erscheinen mag. Für Pferde deren Vorfahren ganze Kontinente in jahreszeitlichen Wanderungen durchquerten ist es ganz und gar nicht groß, und verdient auf keinen Fall die Bezeichnung "artgerecht". In ökologisch orientierter Pferdehaltung treten bleibende Schäden aber nicht auf. Hierzu ist eine wesentliche Erhöhung der üblicherweise empfohlenen Flächengröße geboten, je nach Futterqualität der Extensiv- und Ödlandweiden 2-3 ha pro Pferd. Da Pferde in Gruppen gehalten werden sollten (3-5 Pferde ist die Mindestgröße) sind Betriebsflächen von mindestens 6-15 ha erforderlich, was als eine Art Mindestgröße angesehen werden kann. Das ist für Pferdehalter die nicht aus einem landwirtschaftlichen Umgebung kommen, ohne gute persönliche Kontakte zu Gemeindeämtern, Naturschutzbehörden usw. nicht leicht zu erreichen. Käufe und Pachtverträge sind schwierig abzuschließen da das verwahrloste Land von den Erben derer die es einstmals bewirtschafteten überwiegend als Spekulationsobjekt für Bauland angesehen wird oder der landwirtschaftliche Bodenwert keinen genügenden Anreiz zum Verkauf bietet. Der Aufwand der Einzäunung dieser Flächen
mit Wechselweide (Elektrozaun) ist geländeabhängig und liegt
bei
etwa 4-8 Std. pro Hektar (Auf- und Abbau). Im ganzen ein erheblicher
Mehraufwand
gegenüber der üblichen Pferdehaltung, der nur teilweise
dadurch
ausgeglichen wird dass i.d.R. das Kotabsammeln entfallen kann. Bei sehr
langgezogenen Flächen ist der Zaunbauaufwand bis zu 40%
höher. Kleinere
Flächen als 0,75 ha (3 Morgen) lohnen i.a. den Aufwand nicht, weil
oft
erhebliche Anteile minderwertiges Gras bieten, feucht sind o.ä.,
diese
aber auch mit gepflegt werden sollten, weshalb es sinnvoll ist sie mit
zu beweiden, ggf. zusätzlich zu anderen Arbeiten. Nur
neugepflanzte
Bäume und
Sumpflöcher müssen ausgezäunt werden. Ansonsten ist es
sinnvoll,
bereits dichtgewachsene Hecken als teilweise Einfriedung zu verwenden,
da
die Pferde junge Triebe kurz halten und somit die weitere Ausbreitung
stoppen.
Im Allgemeinen ist eine Beweidungszeit von 2-3 Wochen
zweckmäßig,
ggf. bei entsprechendem Nachwuchs eine zweite Beweidungsphase nach
mindestestens
2 Monaten Ruhepause. Eine einmalige Beweidung pro Jahr von 2-3 Wochen
stoppt
die Sukzession und hat ersichtliche Verbesserungen hinsichtlich
Qualität
und Artenvielfalt des Grasbewuchs in ca. 5 Jahren zur Folge.
Kürzere
Bewirtschaftungszeiten sind nicht lohnend wegen des manuellen
Anfangsaufwands
(wie Absammeln von Müll, Kontrolle auf eingewachsene Drähte
usw.)
und weil die Weide in den ersten Jahren kaum schmackhaftes und
gehaltvolles
Futter bietet. Die beste Pflegewirkung ist je nach Standort und
Jahresklima
unterschiedlich: Auf Ödlandweiden ist dreimalige Beweidung mit
insgesamt
6 Wochen Dauer maximal empfohlen, d.h. ein Verhältnis von
Weidenutzung
zu Ruhe von 1:8-9. Unerwünschte Pflanzen die nicht (oder nur in getrocknetem Zustand) gefressen werden sollte man gleich zu Beginn mit der Sense mähen. Zusätzlich sind Büsche und Bäume zu beschneiden wenn sie sehr ausgewachsen sind. Pferde sollen unter Bäumen stehen und fressen können, die sie als Sonnen- und Regendschutz auch sehr gern aufsuchen (meist lieber als jeden Stall oder künstlichen Witterungsschutz). Für all diese Arbeiten sind die üblichen in Baumärkten erhältlichen Geräte leider weitgehend ungeeignet und zu schwach; "altmodische" Handarbeit ist gefragt, deren Verrichtung außerdem viel umweltfreundlicher ist... Dieser manuelle Pflegeaufwand ist jedenfalls
eindeutig höher als beim einmaligen Mähen mit schweren
Maschinen,
aber in jedem Fall gründlicher, schonender und der Landschaft
angepasster.
Außerdem werden die meisten Landwirte ablehnen solche
Grundstücke
zu befahren teils wegen mangelnder Zugänglichkeit, teils aus
realistischer
Furcht vor Schäden an den immens teuren Maschinen. Diese
Flächen
sind teils nie mit Traktoren befahren worden, teils liegt es mehr als
30
Jahre zurück (mit den damals noch wesentlich kleineren Traktoren).
Wo
sie es doch tun werden nur die leicht zugänglichen und dem
oberflächlichen Betrachter "ins Auge fallenden" Stellen gepflegt,
womit
einige Auftraggeber ja zufrieden zu sein scheinen -- während
routinierte equide Weidepfleger in jedes Gebüsch klettern um an
schmackhafte Halme zu kommen, eine viel
gründlichere und nachhaltigere Methode. Für Winterweiden gelten verschärfte Regeln. Diese sind oft Standweiden in der Zeit zwischen November bis Ende April und benötigen dann 6 Monate Erholungszeit. Im Sommer kann gemäht werden oder das überständige Gras wird stehengelassen und im Laufe des Winters sukzessiv von den Pferden vertilgt, was definitiv Heu einspart. Das Hervorscharren des alten Grases unter dem Schnee geschieht auch bei reichlicher Fütterung. Abwechslung beim Fressen ist naturgemäß für Pferde, ihnen sehr wichtig, und verhütet alle Sorten Untugenden und Freßschäden wie Rindeschälen von Bäumen usw. Die Winterweide muß groß genug sein damit keinerlei Trittschäden in der Fläche auftreten (mind. 0,75ha/ Pferd), wenngleich sie sich an Durchgängen, vor Unterständen/ Offenställen usw. nicht immer vermeiden lassen. Sind die Flächen kleiner, so ist auch die Belastung mit Ausscheidungen der Tiere zu stark um in der Ruhezeit des Sommers wieder ausgeglichen zu werden. Dann droht Phosphat-Überdüngung, Überhandnehmen minderwertiger Pflanzen und Verwurmungsgefahr, und der Kot muß abgelesen werden. Für die sehr extensiv genutzten Sommerweiden ist das unnötig solange keine "Massentierhaltung" betrieben wird. Artgerechte Haltung vom Blickpunkt des Pferdes
Das Pferd entstand in 70 Mio. Jahre dauernder Entwicklung als hochbeweglicher grasfressender Bewohner der Wald- und Grassteppe. Mit dem Huf hat die Natur eine einzigartige Spezialanpassung der reibungsarmen, und daher ökonomischen Bewegung über lange Strecken sowie zur Flucht vor Freßfeinden geschaffen. Das Verdauungssystem ist mit seinem kleinen Magen an die kontinuieriche Aufnahme kleiner Futtermengen angepasst, die auf langen Wanderungen nicht beschweren. Neugeborene Fohlen sind bereits nach wenigen Stunden fähig mit der Herde mitzuwandern. Der Bewegungsmechanismus ist auf Ausruhen im Stehen eingerichtet. "Wer nicht mitkommt, ist verloren" ist die eiserne Regel des Wildpferdelebens. Je nach Gegebenheiten der Umwelt, läuft das Wildpferd zwischen 10 und 80 km täglich. Diese sind in erster Linie bestimmt durch Verfügbarkeit und Nähe von Futterplätzen und Wasser. Der Nutzen der schnellen Flucht ist nur ein Nebenprodukt und wird nur selten benötigt (wie die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Urpferderassen erheblich groß sind). Dennoch gibt es Spezialanpassungen der Blutzusammensetzung, Muskelzellen und Milz hierfür. Bezüglich der Futteransprüche ist das Pferd recht flexibel im Vergleich zu Wiederkäuern da es auch Blätter frißt, aber es setzt energiearmes und zellulosereiches Futter nicht so gut um. Gegenüber anderen Pflanzenfressern ist das Pferd in der Lage Futterstellen aufzusuchen die viel weiter vom Wasser enfernt sind. Nur vom Kamel und manchen Antilopenarten wird das Pferd in dieser Fähigkeit übertroffen. Einen eindrucksvollen Beleg dass auch Abkömmlinge unserer heutigen Pferde in der Lage sind sich in ariden lebensfeindlichen Räumen durchzusetzen liefern die Namibpferde in der gleichnamigen Wüste Südwestafrikas. Die hohe Beweglichkeit geht einher mit Sinnesstärke, Intelligenz, Reaktionsschnelligkeit, Unabhängigkeitsdrang, Herdentrieb und differenziertem Sozialverhalten, die von BLENDINGER, SCHÄFER u.a. beschrieben wurden. Diese noch immer bestehnden Eigenschaften und Eigenarten machen den Umgang mit dem Pferd erheblich anspruchsvoller als mit anderen domestizierten Tierarten. Die Ur-Rassen der Gattung Equus aus denen alle unsere heutigen Pferderassung durch Kreuzung und Reinzucht entstanden sind, sind Spezialanpassungen an die jeweiligen Lebensräume, aus denen die Anforderungen an die heutige Haltung herzuleiten sind: - Urpony ("Typ I" nach SPEED/EBHARDT) - Urkaltblüter/ Waldtyp ("Typ II") - Steppenpferd/ Laufpferd ("Typ III") - Urvollblüter ("Typ IV") Je nachdem welcher "Typ" beim jeweiligen Pferd vorherrscht, sind die Ansprüche an Haltung und Handhabung unterschiedlich (was die gemeinsame Haltung unterschiedlicher Typen unter bestimmten Umständen erschweren kann). Das Pferd ist nicht das Fluchttier oder das Fernwanderwild. Außerdem existieren, wie bei einem intelligenten, durch Lernen und Erfahrung geprägtenTier nicht anders zu erwarten, auch verhaltensmäßig große individuelle Unterschiede und Gewohnheiten. Nichtsdestoweniger ist Bewegung das eigentliche Charakteristikum des Pferdes, das es ohne schädliche Folgen für körperliche und seelische Gesundheit auch unmöglich entbehren kann. Manche dieser Nachteile und Schäden werden dabei erst spät, häufig zu spät sichtbar. Z.B. beeinträchtigt Bewegungsmangel und Boxenstehen die Blutzirkulation in den unteren Gliedmaßen, da die Hufpumpe (das feine Gefäßsystem in der Huflederhaut) nur in Bewegung arbeiten kann. Es ist eminent dass abwechselnde Hochleistung und Stillstehen absolut unphysiologisch und schädlich ist, dagegen Bewegung und Weidegang die Erholung von Muskulatur und Reparatur von Microschäden sehr erleichtern. Somit ist klar dass alle Haltungsweisen bei denen die Pferde nicht täglich für mindestens 8 Std. auf die Weide kommen nicht artgerecht ist, weil die Grundbedürfnisse nach Bewegung und sozialen Kontakten nicht erfüllt sind. Es ist auch nicht geklärt ob die als reiterliches
Problem bekannte "natürliche Schiefe" des Pferdes nicht eigentlich
ein
Problem der Haltung im Stall oder anderweitig eng begrenzten Raums ist,
oder
durch sie wesentlich verstärkt wird - mit der Folge dass es gar
nicht
möglich ist dieses haltungsmässige Problem durch reiterliche
Mittel
auszugleichen. Es stimmt zwar dass auch Weidepferde eine Vorliebe
für
eine bestimmte Seite haben und insofern "schief" sind, aber
ausgeprägte
Asymmetrien bis hin zum Bau der Gliedmaßen und Hufe finden sich
bei
ihnen weniger, als bei Stallpferden. Größe der Weideflächen
Die hohen Anforderungen an die Gesamtgrösse
der Weideflächen wurden im Abschnitt über ökologische
Aspekte
bereits angesprochen. Ist nicht genug Fläche vorhanden, wird bei
jeder
ungünstigen Witterung und Furcht vor Trittschäden die
Bewegung
eingeschränkt, oft tagelang. Der Bewegungsdrang wird immer weiter
aufgestaut
und findet endlich übertriebene Entladungen, häufig mit Folge
von
Bodenschäden und Verletzungen des Tieres selbst bedingt durch die
unkontrollierte
Entladung des Bewegungsdrangs. Es ist aber sicherzustellen (z.B. durch entsprechende
Arbeit) dass die Pferde auf der Weide nicht verfetten. Magere oder (im
Hochsommer)
ausgewachsene und überständige Weiden sorgen ebenfalls
dafür.
Schwerfuttrige Pferde mögen allerdings selten langes Gras und
müssen
zugefüttert werden. Die Futteraufnahme durch Stellen auf
abgefressene
Weiden oder Maulkörbe zu regulieren ist nicht artgerecht und
führt
zu Boden- und Vegetationsschäden, Koliken durch die hervorgerufene
Sandaufnahme,
Frustration und Verhaltensschäden. Welche Einzäunung ?
Je größer die Koppeln sind und umso
mehr Futter die Tiere haben, und je mehr natürliche Abgrenzungen
wie
Wald und Hecken miteinbezogen werden können, desto weniger wichtig
ist
die Frage der Ausführung des Zauns. Als Wechselweide ist
Elektrozaun
mit Stahl- oder Kunststoffpfosten (ggf. Holz-Eckpfosten) zeitsparend
aufzubauen,
zweckmässig und ausreichend sicher. Wo Vandalismus ein Problem ist
müssen
weitere Maßnahmen ergriffen werden und auch die Einzäunung
beschädigungssicherer sein. Jedoch kann keine Einzäunung alle
Fälle
100%-ig abdecken. Weidetiere brechen gerne aus. Dann ist es wichtig zu
wissen das allgemeine Fluchtverhalten, sowie spezielle Vorlieben der
eigenen Pferde zu kennen. Einige
laufen weit und suchen bestimmte Orte auf, einige ziehen es vor
bloß
in der Umgebung etwas Unruhe zu stiften. Im allgemeinen flüchten
Pferde
bergauf und suchen freie Flächen mit guter Übersicht auf.
Selten
verlassen sie bequeme Wege, begeben sie sich in dichten Wald oder in
Täler
und unübersichtliches Gelände. Witterungsschutz
Im Sommer muss auf Sonnenschutz geachtet werden.
Pferde auf Koppeln ohne Bäume oder andere Unterstände
unterzubringen
ist im Hochsommer eine Quälerei für die Tiere. Pferde die die
Wahl
haben suchen bei großer Hitze Wälder und Gehölze auf,
wo
es am kühlsten ist. Hier ist auch die Insektenplage meist
geringer.
Andernfalls wird ein Ort mit leichtem Luftzug aufgesucht. Der häufige Einwand dass die meisten Bremsen
und Mücken sich im Wald aufhalten, ist unrichtig. Sie halten sich
auf
wo die meisten Weidetiere sich befinden, besonders Rinder. Je mehr
Vieh,
desto mehr Insekten. Besondere Haltungsbedingungen für bestimmte Typen
In der Übergangszeit (besonders Oktober)
können Stürme, Regen und überraschende
Kälteeinbrüche
Pferde deren Winterfell noch nicht gewachsen ist (besonders die
"südländischen"
Typen III und IV) stark belasten. Bei deutlichem Zittern benötigen
sie
halbtagsweise Eindeckung (am besten Neuseelanddecken). Meist
ist einige
Tage später das Fell genügend gewachsen. Im Winter macht
dasselbe
Schlechtwetter ihnen nichts mehr aus. Winterhaltung
Im Winterhalbjahr (November - Ende April) benötigen
draußen gehaltene Pferd eine Unterstellmöglichkeit gegen
nasse
Kälte. Insbesondere länger andauernde
Regenwetterperioden
um 0-5 °C zehren sehr an den Reserven des draußen gehaltenen
Pferdes
und werden schnell ungesund wenn kein Unterstand zur Verfügung
steht
der auch aufgesucht wird. Hier kann die gemeinsame Haltung von
Nordlandtypen
(Typ I/ Typ II) mit Südlandpferden (Typ III/ Typ IV) problematisch
werden
wenn erstere die ranghöheren sind, und sie den Stall nicht
aufsuchen
weil ihnen die Kälte weniger ausmacht. Manche sensiblen
Südpferdetypen
stellen sich dann ebenfalls nicht unter obwohl es ihnen ausgesprochen
gut
täte. Unter solchen Umständen ist es angebracht alle Pferde
im
Unterstand oder Offenstall zu füttern, während im Allgemeinen
ein
räumliche Trennung von Fütterungs-, Ruhe-, Unterstell- und
Spielflächen
artgemäß und daher anzustreben ist. Allgemeines zur Fütterung
Es ist möglich das Pferd an allerlei Futtermittel
zu gewöhnen und die Flexibilität des equiden
Verdauungssystems
ist so hoch, daß binnen weniger Tage die Umstellung von einer
Getreidesorte
auf eine andere, oder Heu auf Silage oder Grummet, ohne Koliken
u.ä.
Krankheitszeichen möglich ist. Das heißt aber nicht dass
alle
Futtermittel bei denen das Pferd keine Kolik bekommt auch gesund und
langfristig
unschädlich sind, sondern nur dass in der Natur Umstände
auftreten
können unter denen das Pferd gezwungen ist anderes, als das
gewohnte
und beste Futter aufzunehmen. Auf diese Art entwickelt das Pferd dem
Weide
genügender Größe und Futter-Abwechslung zur
Verfügung
stehen, mit der Zeit eine erhebliche Erfahrung von Gesundem, weniger
Gesundem,
Giftigem und Heilkräutern. Das auf großen Weiden gehaltene
Pferd
therapiert sich so selbst ohne dass sein Besitzer von der Krankheit
überhaupt etwas mitbekommt. (in einer fremden Umgebung kann das
Pferd
nichtsdestotrotz Giftpflanzen in schädlicher Menge aufnehmen denen
es
noch nie begegnet war). Ort der Fütterung
Was den Ort der Fütterung angeht so ist unbedingt sicherzustellen dass alle Pferde eines Bestands ihr Futter ungestört und ohne Angst vor Ranghöheren aufnehmen können. Der Grund warum sich viele Pferde hier so aggressiv verhalten (was oberflächliche Beobachter von Hackordnung u.ä. fürs Pferdeverhalten unrichtigen Begriffen sprechen lässt) ist dass in der Natur ursprünglich keine Situationen vorkommen, in denen das Futter nur für wenige reicht, oder an einem Platz konzentriert ist: entweder alle haben genug Gras, oder alle haben zuwenig. Diesem Umstand ist durch ausreichende Zahl und großzügige Dimensionierung der Futterplätze Rechnung zu tragen. Die auffallende Unruhe, Aggressivität der ranghöheren und die Angst der rangniedrigen müsste genügen die jetzt häufig sichtbaren Systeme der schmalen Freßstände als fehlerhaft zu erkennen. Auch die Ausführung mit Abtrennungen so dass sich benachbarte Pferde keinen Sichtkontakt haben ist nicht artgemäß, da Pferde in der Natur nur fressen wenn sie eine gute Rundumsicht haben und sicher sind dass keine (wirklichen oder befürchteten) Gefahren drohen. Gefressen wird nicht in Angst und Unruhe sondern nur in entspannter Stimmung. Hochraufen zwingen das Pferd (besonders kleinere) zu einer unphysiologischen Fresshaltung und geben zu Rücken- und Augenentzündungen Veranlassung. Bodenfütterung in schmutzigen Ausläufen sorgt für unhygienische Futteraufnahme, Wurminfektionen, Unruhe beim Fressen und Futterverschwendung. Am vorteilhaftesten scheinen bodennahe Tiefraufen zu sein wobei Hineintreten und Festhängen zu verhüten sind. Die naturgemäße Trennung der Lebensbereiche „Fressen“-„Schlafen“-„Spielen“-„Schutzsuchen“-„Koten/Urinieren“ führt dazu dass der Futterplatz normalerweise saubergehalten und nicht verunreinigt wird. Gutes Haltungsmanagement macht sich diese Tatsachen zunutze und zwingt das Pferd nicht dazu auf dem eigenen Klo zu fressen. Das dürfte dem Pferd selbst auch keineswegs angenehm sein, auch wenn es sich dazu nicht äußern kann. Es hat ja nicht die Wahl. Was die computergestützten Fütterungsautomaten mit
Chip-Identifizierung des Pferdes angeht,
so werden diese sicher noch weiter vervollkommnet, preisgünstiger
und
sich noch stärker durchsetzen als heutzutage. Ihre praktischen
Vorteile
(individuelle, häufige Rationszuteilung) sind offenkundig. Zudem
fällt
bei intelligentem Aufbau das Futterneidverhalten weg, das auftritt wenn
der
Mensch mit den Futtereimern kommt. Negativ ist freilich dabei das
Wegfallen
(bzw. Verminderung) dieser positiv besetzten Kommunikationsbeziehung. Wasser und Mineralstoffe
Als Wasserquellen eignen sich sauberes Bach- und
Brunnen- sowie Wasserleitungswasser. Das Wasser sollte möglichst
frisch
und kühl sein. Wasserfässer sind regelmäßig zu
kontrollieren
und sollten nicht zu lange stehen damit das Wasser frisch bleibt. Die
Niederdruckventile
müssen auch großen Durst in verhältnismäßig
kurzer
Zeit stillen, und sind deshalb häufig zu reinigen. Bäche
dürfen nur als
Tränken verwendet werden wenn im Bachoberlauf keine Verschmutzung
durch
Gebäude, Landwirtschaft o.ä. möglich ist, und
außerdem die Pferde die
Bachufer nicht in größeren Bereichen heruntertrampeln und
beschädigen,
oder das Wasser durch Kot verunreinigen. Bei ausreichend großen
Weiden
geschieht dies üblicherweise nicht; die Pferde wählen
von selbst den bestgeeigneten Zugang und halten diesen auch sauber. Paddock- und Auslaufhaltung
Paddocks und Ausläufe sind Orte an denen
viele Pferde kurzfristig untergebracht werden können, und
unterliegen
höheren Anforderungen bezgl. Einzäunung, Reinigung von
Pferdeäpfeln
usw. Von allen Pferden kommen Nordlandponys vom Typ I (Exmoor,
Isländer,
Fjordies) als einzige mit beengten Haltungsverhältnissen in
größeren
Gruppen einigermaßen gut klar, was man aber auf keinen Fall auf
andere
Typen und Südpferde ausdehnen sollte. Hier liegt die ideale
Gruppengröße bei 4-10 Pferden (entsprechend dem
natürlichen
„Pferdefamilienclan“). SCHÄFER et al. haben darauf hingewiesen
dass
insbesondere Typ-III-Pferde kämpferisch und futterneidisch
veranlagt
sind. Demzufolge gehören sie nicht in enge Paddockhaltungen. Aber
auch
Isländer können sich
auf zu engen Raum treten und böse Verletzungen zufügen,
insbesondere
wenn die Herde nicht eng verwandt sondern „zusammengewürfelt“ ist
wie
typischerweise in den Einstellhaltungen. Eine solche
gefängnishofartige
Haltung ist ein nie endender Streß fürs Tier und keineswegs
artgerecht!
Wer die Auffassung vertritt „Wenn es Hunger genug hat, dann wird es
sich
schon durchbeißen!“ müsste selbst seine Mahlzeiten in einer
Arena
zusammen mit Boxer-Typen einnehmen. Bestimmt würde er nach kurzer
Zeit
sich mit dem begnügen was die „Stallones“ und „Tysons“ übrig
ließen! Integration neuer Herdenmitglieder
In der Natur sind Wechsel von Herdengruppen sehr
selten und sollten daher auf das unbedingt notwendige beschränkt
werden.
„Stall-Hopping“ führt zu Bindungslosigkeit und
Verhaltensproblemen. Bemerkungen zu Gesundheit und normalem Pferdeverhalten
Artgerechte Haltung die diesen Namen verdient,
und eine dem Training und den Fähigkeiten des Pferde-Individuums
angepasste
Arbeitsbelastung können Verletzungen nicht ganz, aber Krankheiten
fast
vollständig verhindern. „Gesund wie ein Pferd“ und „Arbeitet wie
ein
Pferd“ waren einmal gängige Redewendungen. Wie weit haben wir uns
heute
hiervon entfernt, sind Wissen, Nachdenken und gesunder Menschenverstand
unter
Pferdehaltern geschwunden? Heute gibt es Einstellställe in denen
(mit
oder ohne Notwendigkeit) Pferde kaum noch bewegt und geritten und nur
noch
betüttelt und verhätschelt werden, bis sie wirklich krank
sind.
Nicht das Notwendige und Gebotene, sondern Gruppenzwang unter
Reitkameraden
bestimmt allzuoft die Handlungen. Aber „jeder hat die Pferde die er
verdient“. |