taunusreiter TAUNUSREITER
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Update 23. Dez. 2002 

Landschaftsschutz und Artgerechte Pferdehaltung

Ökologische und landschaftliche Aspekte

Die Landwirtschaft ist in den deutschen Mittelgebirgen überall rückläufig, da geringwertige Böden, kleine Flächen und steile Standorte sich für moderne intensive Landwirtschaft nicht eignen (davon abgesehen dass dies aus Naturschutzgründen nicht generell erwünscht wäre). Ohne geregelte Bewirtschaftung nehmen aber zunächst unerwünschte und minderwertige Grassorten überhand, werden dann von Büschen (z.B. Weißdorn, Brombeeren) von den Ecken her durchwachsen, diese werden immer dichter und höher und am Ende ist ein undurchdringliches Gestrüpp von Büschen und Pionierbäumen entstanden (Sukzession), die zum Schluß nicht mehr per Hand oder mit einfachen Geräten gepflegt, sondern nur noch mit schweren Rodungsmaschinen geräumt werden kann. Dies kann innerhalb von 30 Jahren geschehen sobald Flächen aus der Bewirtschaftung genommen werden.
In manchen südeuropäischen Regionen in deren unrentablen Ländereien ebenfalls die Landwirtschaft ausgesetzt wurde hat die Sukzession immense Formen angenommen (ital. "macchia"), bis sie durch teils spontan entstehende, teils bewußt gelegte Waldbrände reduziert wird, mit teils verheerenden ökologischen Nebenwirkungen.
Aber auch in Deutschen Mittelgebirgs- und ehemaligen Weinbergslagen sind die gleichen Ansätze zu beobachten. Eine Reihe weiterer Faktoren sind negative Auswirkungen auf das Kleinklima, negativer Erholungswert der unbetretbar und undurchsichtig gewordenen Landschaft sowie biologische Verarmung des monoton gewordenen Ökosystems, gegenüber den frühreren vielfältigen kleinräumigen Nischen. Hinzu kommen andere hässliche Begleiterscheinungen: das unbegangene und sichtbar verwahrloste Land wird leicht mit wilden Müllkippen bedeckt usw.

Es erhebt sich die Frage wie diese (je nach Standort zwangsläufig bedingte) Entwicklung mit akzeptablem Aufwand aufgehalten werden kann. Grünland bewirtschaftende Betriebe mit ausreichender Anzahl von Schafen oder Rindern (Mutterkühe) sind nur regional begrenzt vorhanden (hauptsächlich in den Neuen Bundesländern, Nachfolgebetriebe der LPG's). Die Schäfereien haben fast immer viel zu wenig Tiere um die Flächen wirklich abzuweiden und die Tiere nicht nur darüber hinweg zu treiben, was nur minimale Pflegewirkung zeigt, wozu das Überangebot von Flächen (und die Prämienstruktur) aber reizt. Graswerbung (Heu/ Silo) und Pflegeschnitte mit Maschinen sind unökonomisch für die Leistungserbringer und müssen kostenträchtig beauftragt werden (Gemeinden, Träger von Naturschutzgebieten usw.). Außerdem sind die Flächen für moderne schwere Maschinen fast immer ungeeignet. Die Resultate sind Bodenschäden, nachlässige Durchführung und/oder ungenügendes Ausmähen der Ecken. Von den Ecken her droht aber die Sukzession. Handarbeit wird fast nirgendwo mehr geleistet (zu teuer).

-Islandpferde-

Grünlandbewirtschaftung durch PFERDE hat all diese Nachteile nicht, wenn sie richtig gehandhabt wird. Leider ist bei vielen Pferdehaltern das ökologische Grundwissen sehr mangelhaft, vor allem aber die Grösse der Flächen ungenügend im Verhältnis zur Anzahl der Tiere. Häufig wird die in pferdekundlichen Standardwerken empfohlene Haltungsfläche von 1 ha pro Pferd bedeutend unterschritten - in manchen Offenstall- und Paddockhaltungen werden 10x und mehr Tiere pro Flächeneinheit gehalten, mit allen Nachteilen wie sie aus der "Massentierhaltung" auch in anderen Landwirtschaftsbereichen bekannt sind: Fäkalienentsorgung, unerwünschte Emissionen, Zertreten der Böden, als Folge Akzeptanzprobleme durch die Anwohner. Ferner ein erhebliches Maß an Gesundheits- und Verhaltensproblemen der so gehaltenen Pferde (mehr dazu weiter unten). Solche Betriebe sind meist durch Wachstum der Pferdemenge ohne entsprechenden Zugewinn von Flächen entstanden und prägen vielfach das Bild der Öffentlichkeit wie auch der ökologischen Entscheidungsträger. Eine zertrampelte Matschkoppel bewirkt bei vielen das generelle Urteil "Pferde zertreten die Böden". Auch 2 Pferde auf nur 1000-2000 qm können bereits "Massentierhaltung" sein, auch wenn diese Fläche manchen Menschen (besonders aus der Stadt) "groß" erscheinen mag. Für Pferde deren Vorfahren ganze Kontinente in jahreszeitlichen Wanderungen durchquerten ist es ganz und gar nicht groß, und verdient auf keinen Fall die Bezeichnung "artgerecht".

In ökologisch orientierter Pferdehaltung treten bleibende Schäden aber nicht auf. Hierzu ist eine wesentliche Erhöhung der üblicherweise empfohlenen Flächengröße geboten, je nach Futterqualität der Extensiv- und Ödlandweiden 2-3 ha pro Pferd. Da Pferde in Gruppen gehalten werden sollten (3-5 Pferde ist die Mindestgröße) sind Betriebsflächen von mindestens 6-15 ha erforderlich, was als eine Art Mindestgröße angesehen werden kann. Das ist für Pferdehalter die nicht aus einem landwirtschaftlichen Umgebung kommen, ohne gute persönliche Kontakte zu Gemeindeämtern, Naturschutzbehörden usw. nicht leicht zu erreichen. Käufe und Pachtverträge sind schwierig abzuschließen da das verwahrloste Land von den Erben derer die es einstmals bewirtschafteten überwiegend als Spekulationsobjekt für Bauland angesehen wird oder der landwirtschaftliche Bodenwert keinen genügenden Anreiz zum Verkauf bietet. 

Der Aufwand der Einzäunung dieser Flächen mit Wechselweide (Elektrozaun) ist geländeabhängig und liegt bei etwa 4-8 Std. pro Hektar (Auf- und Abbau). Im ganzen ein erheblicher Mehraufwand gegenüber der üblichen Pferdehaltung, der nur teilweise dadurch ausgeglichen wird dass i.d.R. das Kotabsammeln entfallen kann. Bei sehr langgezogenen Flächen ist der Zaunbauaufwand bis zu 40% höher. Kleinere Flächen als 0,75 ha (3 Morgen) lohnen i.a. den Aufwand nicht, weil oft erhebliche Anteile minderwertiges Gras bieten, feucht sind o.ä., diese aber auch mit gepflegt werden sollten, weshalb es sinnvoll ist sie mit zu beweiden, ggf. zusätzlich zu anderen Arbeiten. Nur neugepflanzte Bäume und Sumpflöcher müssen ausgezäunt werden. Ansonsten ist es sinnvoll, bereits dichtgewachsene Hecken als teilweise Einfriedung zu verwenden, da die Pferde junge Triebe kurz halten und somit die weitere Ausbreitung stoppen. Im Allgemeinen ist eine Beweidungszeit von 2-3 Wochen zweckmäßig, ggf. bei entsprechendem Nachwuchs eine zweite Beweidungsphase nach mindestestens 2 Monaten Ruhepause. Eine einmalige Beweidung pro Jahr von 2-3 Wochen stoppt die Sukzession und hat ersichtliche Verbesserungen hinsichtlich Qualität und Artenvielfalt des Grasbewuchs in ca. 5 Jahren zur Folge. Kürzere Bewirtschaftungszeiten sind nicht lohnend wegen des manuellen Anfangsaufwands (wie Absammeln von Müll, Kontrolle auf eingewachsene Drähte usw.) und weil die Weide in den ersten Jahren kaum schmackhaftes und gehaltvolles Futter bietet. Die beste Pflegewirkung ist je nach Standort und Jahresklima unterschiedlich: Auf Ödlandweiden ist dreimalige Beweidung mit insgesamt 6 Wochen Dauer maximal empfohlen, d.h. ein Verhältnis von Weidenutzung zu Ruhe von 1:8-9.
Am häufigsten wird der Fehler gemacht die Pferde zu früh abzutreiben, noch ehe das Land halbwegs gleichmäßig abgefressen ist. Dieser Fehler, mehrfach wiederholt, führt dazu dass nützliche Futterpflanzen bald völlig verdrängt und verschwunden sind, und das Land gar nicht mehr als Pferdekoppel taugt, auch nicht für die anspruchslosesten Ponys. Dem Land zuliebe soll man die Pferde noch etwas länger stehen lassen. Hochblütige Exemplare oder schlechte Futterverwerter brauchen dann schon mal Zufutter. Es kann sichergestellt werden dass ein solches Weideregime keinerlei Überfettung der Weidetiere oder noch ernstere Erkrankungen wie Kolik, Hufrehe u.dergl. verursacht!

Unerwünschte Pflanzen die nicht (oder nur in getrocknetem Zustand) gefressen werden sollte man gleich zu Beginn mit der Sense mähen. Zusätzlich sind Büsche und Bäume zu beschneiden wenn sie sehr ausgewachsen sind. Pferde sollen unter Bäumen stehen und fressen können, die sie als Sonnen- und Regendschutz auch sehr gern aufsuchen (meist lieber als jeden Stall oder künstlichen Witterungsschutz). Für all diese Arbeiten sind die üblichen in Baumärkten erhältlichen Geräte leider weitgehend ungeeignet und zu schwach; "altmodische" Handarbeit ist gefragt, deren Verrichtung außerdem viel umweltfreundlicher ist...

Dieser manuelle Pflegeaufwand ist jedenfalls eindeutig höher als beim einmaligen Mähen mit schweren Maschinen, aber in jedem Fall gründlicher, schonender und der Landschaft angepasster. Außerdem werden die meisten Landwirte ablehnen solche Grundstücke zu befahren teils wegen mangelnder Zugänglichkeit, teils aus realistischer Furcht vor Schäden an den immens teuren Maschinen. Diese Flächen sind teils nie mit Traktoren befahren worden, teils liegt es mehr als 30 Jahre zurück (mit den damals noch wesentlich kleineren Traktoren). Wo sie es doch tun werden nur die leicht zugänglichen und dem oberflächlichen Betrachter "ins Auge fallenden" Stellen gepflegt, womit einige Auftraggeber ja zufrieden zu sein scheinen -- während routinierte equide Weidepfleger in jedes Gebüsch klettern um an schmackhafte Halme zu kommen, eine viel gründlichere und nachhaltigere Methode. 
Beim o.g. Aufwand kommen noch regelmässige Kontrolle für Zaun und Elektrogerät (1/2 Std./ ha und Woche) hinzu sowie die Wasserversorgung, falls kein Bach vorhanden ist. Im Hinblick auf den Arbeitsaufwand sind Bachlagen für Weide deshalb günstiger, im Hinblick auf die Pferdegesundheit und Vermeiden von Bodenschäden Gipfel- und Hanglagen (besonders Südhänge) jedoch vorteilhafter. Zufahrt zu allen Weiden muß möglich sein ohne dass Schäden an den (oft unbefestigten) Wegen entstehen, auch wenn bei feuchter Witterung diese 2x täglich befahren werden. Rücksichtsvolle Fahrweise und Allradfahrzeuge mit geeigneten Reifen verhüten Schäden in der Grasnarbe auf Wegen und Weiden, die zu Erosionsschäden führen können.

Für Winterweiden gelten verschärfte Regeln. Diese sind oft Standweiden in der Zeit zwischen November bis Ende April und benötigen dann 6 Monate Erholungszeit. Im Sommer kann gemäht werden oder das überständige Gras wird stehengelassen und im Laufe des Winters sukzessiv von den Pferden vertilgt, was definitiv Heu einspart. Das Hervorscharren des alten Grases unter dem Schnee geschieht auch bei reichlicher Fütterung. Abwechslung beim Fressen ist naturgemäß für Pferde, ihnen sehr wichtig, und verhütet alle Sorten Untugenden und Freßschäden wie Rindeschälen von Bäumen usw. Die Winterweide muß groß genug sein damit keinerlei Trittschäden in der Fläche auftreten (mind. 0,75ha/ Pferd), wenngleich sie sich an Durchgängen, vor Unterständen/ Offenställen usw. nicht immer vermeiden lassen. Sind die Flächen kleiner, so ist auch die Belastung mit Ausscheidungen der Tiere zu stark um in der Ruhezeit des Sommers wieder ausgeglichen zu werden. Dann droht Phosphat-Überdüngung, Überhandnehmen minderwertiger Pflanzen und Verwurmungsgefahr, und der Kot muß abgelesen werden. Für die sehr extensiv genutzten Sommerweiden ist das unnötig solange keine "Massentierhaltung" betrieben wird.

Artgerechte Haltung vom Blickpunkt des Pferdes

Das Pferd entstand in 70 Mio. Jahre dauernder Entwicklung als hochbeweglicher grasfressender Bewohner der Wald- und Grassteppe. Mit dem Huf hat die Natur eine einzigartige Spezialanpassung der reibungsarmen, und daher ökonomischen Bewegung über lange Strecken sowie zur Flucht vor Freßfeinden geschaffen. Das Verdauungssystem ist mit seinem kleinen Magen an die kontinuieriche Aufnahme kleiner Futtermengen angepasst, die auf langen Wanderungen nicht beschweren. Neugeborene Fohlen sind bereits nach wenigen Stunden fähig mit der Herde mitzuwandern. Der Bewegungsmechanismus ist auf Ausruhen im Stehen eingerichtet. "Wer nicht mitkommt, ist verloren" ist die eiserne Regel des Wildpferdelebens. Je nach Gegebenheiten der Umwelt, läuft das Wildpferd zwischen 10 und 80 km täglich. Diese sind in erster Linie bestimmt durch Verfügbarkeit und Nähe von Futterplätzen und Wasser. Der Nutzen der schnellen Flucht ist nur ein Nebenprodukt und wird nur selten benötigt (wie die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Urpferderassen erheblich groß sind). Dennoch gibt es Spezialanpassungen der Blutzusammensetzung, Muskelzellen und Milz hierfür.

Bezüglich der Futteransprüche ist das Pferd recht flexibel im Vergleich zu Wiederkäuern da es auch Blätter frißt, aber es setzt energiearmes und zellulosereiches Futter nicht so gut um. Gegenüber anderen Pflanzenfressern ist das Pferd in der Lage Futterstellen aufzusuchen die viel weiter vom Wasser enfernt sind. Nur vom Kamel und manchen Antilopenarten wird das Pferd in dieser Fähigkeit übertroffen. Einen eindrucksvollen Beleg dass auch Abkömmlinge unserer heutigen Pferde in der Lage sind sich in ariden lebensfeindlichen Räumen durchzusetzen liefern die Namibpferde in der gleichnamigen Wüste Südwestafrikas.

Die hohe Beweglichkeit geht einher mit Sinnesstärke, Intelligenz, Reaktionsschnelligkeit, Unabhängigkeitsdrang, Herdentrieb und differenziertem Sozialverhalten, die von BLENDINGER, SCHÄFER u.a. beschrieben wurden. Diese noch immer bestehnden Eigenschaften und Eigenarten machen den Umgang mit dem Pferd erheblich anspruchsvoller als mit anderen domestizierten Tierarten.

Die Ur-Rassen der Gattung Equus aus denen alle unsere heutigen Pferderassung durch Kreuzung und Reinzucht entstanden sind, sind Spezialanpassungen an die jeweiligen Lebensräume, aus denen die Anforderungen an die heutige Haltung herzuleiten sind:

- Urpony ("Typ I" nach SPEED/EBHARDT)
Anpassung für regen- und saisonnal futterreiche Gebiete, gute verfügbarkeit von Wasser, lange futterarme Zeiten im Winter (deshalb Anfressen eine "Speckschicht"). Gesellig (auch größere Herden bildend) und verträglich gegenüber Artgenossen und anderen Tierarten, aber auch ängstlich. Eher standorttreu (kein großer Wanderer)

- Urkaltblüter/ Waldtyp ("Typ II")
Anpassung an Wald- und Sumpfgebiete, Tundra und sehr kalte Winter. Langsam und vorsichtig reagierend (Schrittpferd). Eher Einzelgänger, Verhalten nicht so sozial wie Urpony, nicht so ängstlich, aber sonst ähnlich.

- Steppenpferd/ Laufpferd ("Typ III")
Anpassung an wasser- und regenarme Gebiete mit spärlicher Vegetation das ganze Jahr. Ballastarmer Körperbau, hohe Lauffähigkeit und Springvermögen. Häufig Ramsnase. Verhalten eher unduldsam und kämpferisch. Nur kleine Gruppen bildend. Ansätze von Territorialverhalten.

- Urvollblüter ("Typ IV")
Anpassung an wasserarme Gebiete mit saisonal stark unterschiedlicher Vegetation, hohes Wandervermögen (Bewegungsdrang) und Fluchtfähigkeit, schnellstes Reaktionsvermögen und Intelligenz. Familiäres Sozialverhalten.

Je nachdem welcher "Typ" beim jeweiligen Pferd vorherrscht, sind die Ansprüche an Haltung und Handhabung unterschiedlich (was die gemeinsame Haltung unterschiedlicher Typen unter bestimmten Umständen erschweren kann). Das Pferd ist nicht das Fluchttier oder das Fernwanderwild. Außerdem existieren, wie bei einem intelligenten, durch Lernen und Erfahrung geprägtenTier nicht anders zu erwarten, auch verhaltensmäßig große individuelle Unterschiede und Gewohnheiten.

Nichtsdestoweniger ist Bewegung das eigentliche Charakteristikum des Pferdes, das es ohne schädliche Folgen für körperliche und seelische Gesundheit auch unmöglich entbehren kann. Manche dieser Nachteile und Schäden werden dabei erst spät, häufig zu spät sichtbar. Z.B. beeinträchtigt Bewegungsmangel und Boxenstehen die Blutzirkulation in den unteren Gliedmaßen, da die Hufpumpe (das feine Gefäßsystem in der Huflederhaut) nur in Bewegung arbeiten kann. Es ist eminent dass abwechselnde Hochleistung und Stillstehen absolut unphysiologisch und schädlich ist, dagegen Bewegung und Weidegang die Erholung von Muskulatur und Reparatur von Microschäden sehr erleichtern. Somit ist klar dass alle Haltungsweisen bei denen die Pferde nicht täglich für mindestens 8 Std. auf die Weide kommen nicht artgerecht ist, weil die Grundbedürfnisse nach Bewegung und sozialen Kontakten nicht erfüllt sind.

Es ist auch nicht geklärt ob die als reiterliches Problem bekannte "natürliche Schiefe" des Pferdes nicht eigentlich ein Problem der Haltung im Stall oder anderweitig eng begrenzten Raums ist, oder durch sie wesentlich verstärkt wird - mit der Folge dass es gar nicht möglich ist dieses haltungsmässige Problem durch reiterliche Mittel auszugleichen. Es stimmt zwar dass auch Weidepferde eine Vorliebe für eine bestimmte Seite haben und insofern "schief" sind, aber ausgeprägte Asymmetrien bis hin zum Bau der Gliedmaßen und Hufe finden sich bei ihnen weniger, als bei Stallpferden. 

Größe der Weideflächen

Die hohen Anforderungen an die Gesamtgrösse der Weideflächen wurden im Abschnitt über ökologische Aspekte bereits angesprochen. Ist nicht genug Fläche vorhanden, wird bei jeder ungünstigen Witterung und Furcht vor Trittschäden die Bewegung eingeschränkt, oft tagelang. Der Bewegungsdrang wird immer weiter aufgestaut und findet endlich übertriebene Entladungen, häufig mit Folge von Bodenschäden und Verletzungen des Tieres selbst bedingt durch die unkontrollierte Entladung des Bewegungsdrangs. 
Auch die Einzelkoppeln sollten ausreichend groß sei, da sie mehr sind als Futterfläche. Sie sind auch Schlafplatz, Wegefläche und Spielfläche. Sie als Portionsweide abzuzäunen trägt dem Verhaltensbedürfnis nicht Rechnung. Eine Mindestgröße von 0,2 ha pro Pferd oder 6000 qm ist vorzusehen. Alles was kleiner ist trägt minimalen Bewegungsbedürfnissen nicht Rechnung.

Es ist aber sicherzustellen (z.B. durch entsprechende Arbeit) dass die Pferde auf der Weide nicht verfetten. Magere oder (im Hochsommer) ausgewachsene und überständige Weiden sorgen ebenfalls dafür. Schwerfuttrige Pferde mögen allerdings selten langes Gras und müssen zugefüttert werden. Die Futteraufnahme durch Stellen auf abgefressene Weiden oder Maulkörbe zu regulieren ist nicht artgerecht und führt zu Boden- und Vegetationsschäden, Koliken durch die hervorgerufene Sandaufnahme, Frustration und Verhaltensschäden.

Welche Einzäunung ?

Je größer die Koppeln sind und umso mehr Futter die Tiere haben, und je mehr natürliche Abgrenzungen wie Wald und Hecken miteinbezogen werden können, desto weniger wichtig ist die Frage der Ausführung des Zauns. Als Wechselweide ist Elektrozaun mit Stahl- oder Kunststoffpfosten (ggf. Holz-Eckpfosten) zeitsparend aufzubauen, zweckmässig und ausreichend sicher. Wo Vandalismus ein Problem ist müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden und auch die Einzäunung beschädigungssicherer sein. Jedoch kann keine Einzäunung alle Fälle 100%-ig abdecken. Weidetiere brechen gerne aus. Dann ist es wichtig zu wissen das allgemeine Fluchtverhalten, sowie spezielle Vorlieben der eigenen Pferde zu kennen. Einige laufen weit und suchen bestimmte Orte auf, einige ziehen es vor bloß in der Umgebung etwas Unruhe zu stiften. Im allgemeinen flüchten Pferde bergauf und suchen freie Flächen mit guter Übersicht auf. Selten verlassen sie bequeme Wege, begeben sie sich in dichten Wald oder in Täler und unübersichtliches Gelände.
Der Zaun soll ein "Tabu" sein (das Wort aus dem Polynesischen bedeutet: unberührbar) - was bei Elektrozaun mit ausreichend starken Geräten in der Regel gelingt, wenn die Wartung diszipliniert eingehalten wird. Brechen die Pferde aber trotzdem einmal aus (etwa infolge von Panik) sollte der Zaun keine Verletzungen verursachen, d.h. als der "Klügere" nachgeben und die Pferde durchlassen. Aus diesem Grund sind alle nicht-zerreißenden Elektroseile und Bänder schädlich und haben schon Pferde so stark verletzt dass sie unbrauchbar wurden. Wo Koppeln an stark befahrenen Straßen stehen oder befürchtet wird dass Pferde auf solche laufen, müssen die Zäune natürlich verstärkt (3 Reihen E-Draht), massiver gebaut, und besonders diszipliniert gepflegt und gewartet werden. 
Die Zaunspannung sollte regulierbar, und nur so stark eingestellt sein dass der Zaun Respekt einflößt. Wenn Pferde nach Erhalten eines Schlags nicht Unbehagen und Schreck sondern Angst und schockartige Symptome zeigen ist die Schlagstärke erheblich zu hoch.

Witterungsschutz

Im Sommer muss auf Sonnenschutz geachtet werden. Pferde auf Koppeln ohne Bäume oder andere Unterstände unterzubringen ist im Hochsommer eine Quälerei für die Tiere. Pferde die die Wahl haben suchen bei großer Hitze Wälder und Gehölze auf, wo es am kühlsten ist. Hier ist auch die Insektenplage meist geringer. Andernfalls wird ein Ort mit leichtem Luftzug aufgesucht.
Daraus ergibt sich die Regel, die dicht mit Bäumen bestandenen, höchstgelegensten und windigsten Weiden (auf denen das Gras i.d.R. auch die längste Zeit zum Aufwuchs braucht) möglichst im Hochsommer zu benutzen.

Der häufige Einwand dass die meisten Bremsen und Mücken sich im Wald aufhalten, ist unrichtig. Sie halten sich auf wo die meisten Weidetiere sich befinden, besonders Rinder. Je mehr Vieh, desto mehr Insekten.
Generell gibt es im Mittelgebirge (über 400 m Höhe) viel weniger Insekten als in der Tiefebene. Bei Höhen von 600 m und mehr finden sich kaum noch Kriebelmücken, und nur sehr wenige Pferde entwickeln hier Ekzem oder andere Allergien. Derartige Krankheiten sind deutliches Zeichen dass das Tier vom Menschen in ein Klima verbracht wurde für das die Natur es nicht vorgesehen hat (z.B. Isländer u.ä. Nordlandponys ins mitteldeutsche Tiefland). Hier sind Gesundheitsprobleme vorprogrammiert. Man sollte daher Pferde nicht in vollkommen andere sondern immer nur in ähnliche Klimagebiete, wie im Ursprungsgebiet bringen (z.B. Isländer an die See oder in die Berge).

Besondere Haltungsbedingungen für bestimmte Typen

In der Übergangszeit (besonders Oktober) können Stürme, Regen und überraschende Kälteeinbrüche Pferde deren Winterfell noch nicht gewachsen ist (besonders die "südländischen" Typen III und IV) stark belasten. Bei deutlichem Zittern benötigen sie halbtagsweise Eindeckung (am besten Neuseelanddecken). Meist ist einige Tage später das Fell genügend gewachsen. Im Winter macht dasselbe Schlechtwetter ihnen nichts mehr aus.
Auch das Winterfell ist bei den unterschiedlichen Rassen anders ausgeprägt, und zusätzlich gibt es noch Unterschiede zwischen den Individuen. Das Winterfell der Nordlandponys und Kaltblüter (oder von diesen abgeleiteten Typen) ist durch sein langes Deckhaar und die Schweifhaube besonders regentauglich, jedoch sind nach mehreren Stunden die Pferde ebenfalls durchnässt. Sie schwitzen beim Reiten dann auch sehr stark, sind im Schritt nicht trockenzureiten, zu führen oder selbst abzureiben. Wenn sie nicht trockengeföhnt werden, können sie tagelang nass bleiben, was natürlich sehr schwächend wirkt und Abwehrkraft und Gesundheit stark angreifen kann. Der ständige durchnässte und angegriffene Zustand führt bei einigen zur Fehlanpassung dass sie noch längeres Deckhaar entwickeln, oft 10 cm oder länger, und das Übel sich verschlimmert. Diesen Pferden tut es dann besser wenn sie geschoren werden, und dafür gesorgt wird dass sie nicht bis auf die Haut durchnässen.
Im allgemeinen sagt man den araberartigen Pferden und Vollblütern (Typ IV) ein bessere Kältetoleranz als den Laufpferden vom Typ III nach, was daran liegt dass in ihrer Urheimat sich hohe mit sehr tiefen Temperaturen abwechselten. Die Pferde entwickeln ein sehr dichtes aber kurzes Fell dass bei Kälte aufgestellt wird wodurch sie wie "aufgeplustert" wirken. Außer bei starkem Wind, was dann mit größerer Laufaktivität ausgeglichen wird, ist das eine vorzügliche Isolierung. Araber vertragen auch kurzfristig starken Regen weil es den in der Wüste ebenfalls gibt - aber nicht für Dauer. Es gibt aber Unterschiede in den Individuen die diese Regeln (nicht) bestätigen...

Winterhaltung

Im Winterhalbjahr (November - Ende April) benötigen draußen gehaltene Pferd eine Unterstellmöglichkeit gegen nasse Kälte. Insbesondere länger andauernde Regenwetterperioden um 0-5 °C zehren sehr an den Reserven des draußen gehaltenen Pferdes und werden schnell ungesund wenn kein Unterstand zur Verfügung steht der auch aufgesucht wird. Hier kann die gemeinsame Haltung von Nordlandtypen (Typ I/ Typ II) mit Südlandpferden (Typ III/ Typ IV) problematisch werden wenn erstere die ranghöheren sind, und sie den Stall nicht aufsuchen weil ihnen die Kälte weniger ausmacht. Manche sensiblen Südpferdetypen stellen sich dann ebenfalls nicht unter obwohl es ihnen ausgesprochen gut täte. Unter solchen Umständen ist es angebracht alle Pferde im Unterstand oder Offenstall zu füttern, während im Allgemeinen ein räumliche Trennung von Fütterungs-, Ruhe-, Unterstell- und Spielflächen artgemäß und daher anzustreben ist.
Selbstverständlich ist in der Winterhaltung die Arbeitsbelastung der Witterung und Trocknungsmöglichkeit anzupassen. Dabei ist trockene Kälte das geringste Problem (die Tatsache dass Pferden dies nichts ausmacht erkennt man daran dass sich manche an einem winterkalten sonnigen Tag in den Schatten stellen, wenn ihnen die Sonne zuviel ist). Reiten sollte man in den Morgen- und Vormittagsstunden damit die Pferde unter den Abschwittzdecken trocken werden. Kann man dies nicht einrichten müssen die Pferde zeitweilig eingestallt werden.

Allgemeines zur Fütterung

Es ist möglich das Pferd an allerlei Futtermittel zu gewöhnen und die Flexibilität des equiden Verdauungssystems ist so hoch, daß binnen weniger Tage die Umstellung von einer Getreidesorte auf eine andere, oder Heu auf Silage oder Grummet, ohne Koliken u.ä. Krankheitszeichen möglich ist. Das heißt aber nicht dass alle Futtermittel bei denen das Pferd keine Kolik bekommt auch gesund und langfristig unschädlich sind, sondern nur dass in der Natur Umstände auftreten können unter denen das Pferd gezwungen ist anderes, als das gewohnte und beste Futter aufzunehmen. Auf diese Art entwickelt das Pferd dem Weide genügender Größe und Futter-Abwechslung zur Verfügung stehen, mit der Zeit eine erhebliche Erfahrung von Gesundem, weniger Gesundem, Giftigem und Heilkräutern. Das auf großen Weiden gehaltene Pferd therapiert sich so selbst ohne dass sein Besitzer von der Krankheit überhaupt etwas mitbekommt. (in einer fremden Umgebung kann das Pferd nichtsdestotrotz Giftpflanzen in schädlicher Menge aufnehmen denen es noch nie begegnet war).
Unproblematisch ist alles was sich das Pferd bei freier Auswahl in der gewohnten Umgebung selbst sucht, also Blätter, besondere Kräuter, Wurzeln usw. weil es hier die freie Auswahl hat. Sobald es eingestellt ist, hat es diese Auswahl nicht mehr.
Silage ist kein Pferdefutter (Prof. Helge Böhnel, Göttinger Institut für Tropentierhygiene). In der Natur findet das Pferd keine vergorenen Futtermengen, frisst sie auch nicht, und kann mangels Erfahrung auch nicht zwischen bekömmlich und schädlich unterscheiden. Selbst der Mensch kann unter Zuhilfenahme seines viel besseren Verstands sich bei der Beurteilung von Silage sehr leicht in der Qualität täuschen, während die Beurteilung von Heu, Hafer und anderen Getreidearten relativ unkompliziert möglich ist. Aus diesem Grund sollen alle Futtermittel deren Zusammensetzung unklar sind oder die industriell stark verändert sind, gemieden werden. Müsli-Mischungen, deren Ausgangsprodukte erkennbar sind, sind besser als Pellets die nur gefüttert werden sollten wenn sie von einem Spitzenhersteller stammen und eine Deklaration nicht nur der Inhaltsstoffe sondern der vollständigen Herkunft vorliegt (bei diesen Pellets gibt es allerdings keinen Preisvorteil mehr).
Die Gesamtration (Kraftfutter, Beifutter, Heu bzw. wahrscheinliche Grasmenge) sollte berechnet und ausbalanciert sein. Bekanntlich wirkt zuviel Hafer in mancherlei Hinsicht schädlich, aber auch Gerste kann zu Hufrehe u.ä. führen. Um dies zu verhüten ist die Beschaffung der Futterstoffe in bester Qualität nötig und die Bestandteile der Ration sind gemäß Futtermitteltabellen (DLG) zu gewichten und zu bewerten.

Ort der Fütterung

Was den Ort der Fütterung angeht so ist unbedingt sicherzustellen dass alle Pferde eines Bestands ihr Futter ungestört und ohne Angst vor Ranghöheren aufnehmen können. Der Grund warum sich viele Pferde hier so aggressiv verhalten (was oberflächliche Beobachter von Hackordnung u.ä. fürs Pferdeverhalten unrichtigen Begriffen sprechen lässt) ist dass in der Natur ursprünglich keine Situationen vorkommen, in denen das Futter nur für wenige reicht, oder an einem Platz konzentriert ist: entweder alle haben genug Gras, oder alle haben zuwenig. Diesem Umstand ist durch ausreichende Zahl und großzügige Dimensionierung der Futterplätze Rechnung zu tragen. Die auffallende Unruhe, Aggressivität der ranghöheren und die Angst der rangniedrigen müsste genügen die jetzt häufig sichtbaren Systeme der schmalen Freßstände als fehlerhaft zu erkennen. Auch die Ausführung mit Abtrennungen so dass sich benachbarte Pferde keinen Sichtkontakt haben ist nicht artgemäß, da Pferde in der Natur nur fressen wenn sie eine gute Rundumsicht haben und sicher sind dass keine (wirklichen oder befürchteten) Gefahren drohen. Gefressen wird nicht in Angst und Unruhe sondern nur in entspannter Stimmung.

Hochraufen zwingen das Pferd (besonders kleinere) zu einer unphysiologischen Fresshaltung und geben zu Rücken- und Augenentzündungen Veranlassung. Bodenfütterung in schmutzigen Ausläufen sorgt für unhygienische Futteraufnahme, Wurminfektionen, Unruhe beim Fressen und Futterverschwendung. Am vorteilhaftesten scheinen bodennahe Tiefraufen zu sein wobei Hineintreten und Festhängen zu verhüten sind. Die naturgemäße Trennung der Lebensbereiche „Fressen“-„Schlafen“-„Spielen“-„Schutzsuchen“-„Koten/Urinieren“ führt dazu dass der Futterplatz normalerweise saubergehalten und nicht verunreinigt wird. Gutes Haltungsmanagement macht sich diese Tatsachen zunutze und zwingt das Pferd nicht dazu auf dem eigenen Klo zu fressen. Das dürfte dem Pferd selbst auch keineswegs angenehm sein, auch wenn es sich dazu nicht äußern kann. Es hat ja nicht die Wahl.

Was die computergestützten Fütterungsautomaten mit Chip-Identifizierung des Pferdes angeht, so werden diese sicher noch weiter vervollkommnet, preisgünstiger und sich noch stärker durchsetzen als heutzutage. Ihre praktischen Vorteile (individuelle, häufige Rationszuteilung) sind offenkundig. Zudem fällt bei intelligentem Aufbau das Futterneidverhalten weg, das auftritt wenn der Mensch mit den Futtereimern kommt. Negativ ist freilich dabei das Wegfallen (bzw. Verminderung) dieser positiv besetzten Kommunikationsbeziehung.

Wasser und Mineralstoffe

Als Wasserquellen eignen sich sauberes Bach- und Brunnen- sowie Wasserleitungswasser. Das Wasser sollte möglichst frisch und kühl sein. Wasserfässer sind regelmäßig zu kontrollieren und sollten nicht zu lange stehen damit das Wasser frisch bleibt. Die Niederdruckventile müssen auch großen Durst in verhältnismäßig kurzer Zeit stillen, und sind deshalb häufig zu reinigen. Bäche dürfen nur als Tränken verwendet werden wenn im Bachoberlauf keine Verschmutzung durch Gebäude, Landwirtschaft o.ä. möglich ist, und außerdem die Pferde die Bachufer nicht in größeren Bereichen heruntertrampeln und beschädigen, oder das Wasser durch Kot verunreinigen. Bei ausreichend großen Weiden geschieht dies üblicherweise nicht; die Pferde wählen von selbst den bestgeeigneten Zugang und halten diesen auch sauber.
Daneben müssen Salzlecksteine bereit stehen. Mineralstoffe sind bei größeren Arbeitsbelastung zu substituieren; ansonsten ist auf Gebirgsböden und großen Weideflächen wie hier empfohlen ausreichende Versorgung im Regelfall gewährleistet.
Bei Erdefressen u.ä. sollte an eine Unterversorgung gedacht werden. Jedoch zeigen manche Pferde auch ohne Mangel solche Verhaltensweisen.

Paddock- und Auslaufhaltung

Paddocks und Ausläufe sind Orte an denen viele Pferde kurzfristig untergebracht werden können, und unterliegen höheren Anforderungen bezgl. Einzäunung, Reinigung von Pferdeäpfeln usw. Von allen Pferden kommen Nordlandponys vom Typ I (Exmoor, Isländer, Fjordies) als einzige mit beengten Haltungsverhältnissen in größeren Gruppen einigermaßen gut klar, was man aber auf keinen Fall auf andere Typen und Südpferde ausdehnen sollte. Hier liegt die ideale Gruppengröße bei 4-10 Pferden (entsprechend dem natürlichen „Pferdefamilienclan“). SCHÄFER et al. haben darauf hingewiesen dass insbesondere Typ-III-Pferde kämpferisch und futterneidisch veranlagt sind. Demzufolge gehören sie nicht in enge Paddockhaltungen. Aber auch Isländer können sich auf zu engen Raum treten und böse Verletzungen zufügen, insbesondere wenn die Herde nicht eng verwandt sondern „zusammengewürfelt“ ist wie typischerweise in den Einstellhaltungen. Eine solche gefängnishofartige Haltung ist ein nie endender Streß fürs Tier und keineswegs artgerecht! Wer die Auffassung vertritt „Wenn es Hunger genug hat, dann wird es sich schon durchbeißen!“ müsste selbst seine Mahlzeiten in einer Arena zusammen mit Boxer-Typen einnehmen. Bestimmt würde er nach kurzer Zeit sich mit dem begnügen was die „Stallones“ und „Tysons“ übrig ließen!
Solch schlechte Pferdehaltungen und Massenbetriebe sorgen für eine negative Selektion der aggressivsten und abweisendsten Verhaltensmuster und damit der entsprechenden Charaktere. Freundliche und vertrauensvolle Wesen werden pausenlos traktiert und eingeschüchtert. Das Pferd ist von Natur aus keine Hyäne oder Löwe der um sein Futter kämpfen muss und tut dies normalerweise auch nicht; abweichendes Verhalten ist letztlich Ausdruck einer schweren Störung (ähnlich wie beim Menschen).
Schlechtes Stallmanagement und unzureichende Einrichtungen können Pferde neurotisch und verhaltensgestört machen!
Man sollte sich von der Vorstellung des Pferdes als „Herdentier“ befreien (geselliges oder „Gruppen- und Familientier“ wäre richtiger). Bekanntlich gibt es auch große Unterschiede zwischen einem geselligen und einem "Herdenmenschen"... Je feinfühliger und intelligenter ein Pferd desto mehr liebt und braucht es auch Freiheit, Unabhängigkeit und einen Platz wo es die Nähe der „anderen“ zwar sieht und spürt, aber unbehelligt von ihnen sich entspannen kann.

Integration neuer Herdenmitglieder

In der Natur sind Wechsel von Herdengruppen sehr selten und sollten daher auf das unbedingt notwendige beschränkt werden. „Stall-Hopping“ führt zu Bindungslosigkeit und Verhaltensproblemen.
Dennoch ist es relativ problemlos möglich einzelne Pferde zu integrieren. Dabei nimmt man ein ranghohes Tier vom anderen Geschlecht aus der Gruppe heraus und stellt es (wenn möglich in Sichtweite der anderen) mit dem Neuen für einige Tage zusammen. Das ranghohe Tier muss das Kennenlernen fremder Pferde bereits gewöhnt sein und darf durchaus einen resoluten und bestimmten Charakter haben. Nach kurzer Zeit ist die Rangfolge geklärt. Wenn nach einigen Tagen der Neuling mit dem Ranghohen in die Gruppe gebracht wird, ist der Neuling bereits nicht mehr ganz fremd, hat schon „Stallgeruch“ angenommen (der Begriff entstammt exakt diesem Zusammenhang!) und wird vom Ranghohen gegen allzu starke Angriffe beschützt werden.
Sehr häufig fehlt es Neulingen aber an Anpassungsverhalten, besonders solchen die aus früheren Haltungen schon krankhaft aggressiv oder neurotisch geworden sind, oder nie gelernt haben sich unterzuordnen. Diese werden dann noch lange Zeit von den übrigen Gruppenmitgliedern verfolgt. Mitleidiges Inschutznehmen seitens ihrer Besitzer schadet dem eher und bestärkt sie in ihrem Verhalten. Auch ganze Gruppen zu integrieren (ab 2 Pferden) kann scheitern: Diese schließen sich dann umso enger zusammen und bilden dann „Parallelherden“, oft für längere Zeiträume. Ein Verhalten dass man in freier Wildbahn bei genügend Platz ebenfalls sieht. Von großen Herden können sich auch Gruppen abspalten: Meist gehen junge Wallache oder Hengst – oft mit ihren Stuten - „eigene Wege“ die sich in sehr alten und eingefahrenen Herdenstrukturen schlecht behaupten können. Ein dem Menschen („Wanderjahre“) verwandtes Verhaltensmuster.
Aggressive Reaktionen und Futterneid sind nicht immer zu vermeiden, wo Zusatzfutter vom Menschen verabreicht wird, können aber als unerwünscht getadelt und allmählich verringert werden. Aggression ist aber häufig Ausdruck von Schwäche, Neid, geringem Selbstwertgefühl oder Eifersucht (ähnlich wie beim Menschen). Das Pferd das zu solchem Verhalten neigt muss deshalb trotzdem liebevoll behandelt werden und man muss ihm zeigen dass kein Grund für eifersüchtiges Verhalten vorhanden ist.

Bemerkungen zu Gesundheit und normalem Pferdeverhalten

Artgerechte Haltung die diesen Namen verdient, und eine dem Training und den Fähigkeiten des Pferde-Individuums angepasste Arbeitsbelastung können Verletzungen nicht ganz, aber Krankheiten fast vollständig verhindern. „Gesund wie ein Pferd“ und „Arbeitet wie ein Pferd“ waren einmal gängige Redewendungen. Wie weit haben wir uns heute hiervon entfernt, sind Wissen, Nachdenken und gesunder Menschenverstand unter Pferdehaltern geschwunden? Heute gibt es Einstellställe in denen (mit oder ohne Notwendigkeit) Pferde kaum noch bewegt und geritten und nur noch betüttelt und verhätschelt werden, bis sie wirklich krank sind. Nicht das Notwendige und Gebotene, sondern Gruppenzwang unter Reitkameraden bestimmt allzuoft die Handlungen. Aber „jeder hat die Pferde die er verdient“. 
Der Weg zu gesunden leistungsfähigen Pferden führt über richtige Haltung, Krankheitsvorbeugung, sowie Vorsicht und Überlegung in allen Handhabungen und Arbeitsanforderungen durch den Menschen. Solche Klienten braucht der Tierarzt zwar sehr viele, um davon leben zu können, denn außer zum Impfen wird er fast nur zu seltenen Not- und Unfällen gerufen. Trotzdem freut er sich viel mehr über solche Pferde, denn ihnen kann ja meist noch geholfen werden.

Das Verhalten artgerecht gehaltener Pferde ist absolut ruhig, ausgeglichen und harmoniebestimmt. Wenn sie nicht gerade spielen geschieht selten spektakuläres. Aussenstehenden Beobachtern fällt hauptsächlich auf wie brav die Tiere sind. Dieses Verhalten ist absolut die Norm und nicht durch Futterneid und "Hackordnung" geprägte Unruhe. Wohl kein Psychologe käme auf die Idee an menschlichen Gefängnishäftlingen gemachte Beobachtungen auf das ganze Menschengeschlecht übertragen zu wollen. In der Pferdeverhaltensforschung aber geschieht genau vergleichbares. Deshalb muss man die Pferde artgerecht halten bevor man Aussagen über normales oder abnormales Verhalten machen kann. Es genügt nicht, das Pferd in Ausläufe zu stellen anstatt in vergitterte Boxen, ebenso wie im Gefängnis eine Gruppenzelle noch nicht besser sein muss wie eine Einzelzelle. Ein Großteil der heute in Deutschland gehaltenen Pferde lebt immer noch in - vom Standpunkt des Pferdes aus betrachtet - unzureichenden Haltungsformen.

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