taunusreiter TAUNUSREITER
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Erstellt Dez. 2015 

Spezielles zur Pferdefütterung

Es ist möglich, das Pferd an allerlei Futtermittel zu gewöhnen, und die Flexibilität des equiden Verdauungssystems ist so hoch, daß binnen weniger Tage die Umstellung von einer Getreidesorte auf eine andere, oder Heu auf Silage oder Grummet, ohne Koliken u.ä. Krankheitszeichen möglich ist. Das heißt nicht, dass alle Futtermittel bei denen das Pferd keine Kolik bekommt auch gesund und langfristig unschädlich sind, sondern nur, dass in der Natur Umstände auftreten können, unter denen das Pferd gezwungen ist, anderes, als das gewohnte und bestgeeignete Futter aufzunehmen.

Das bedeutet, umgekehrt wird kein Schuh draus. Z.B. das vielzitierte Beispiel der Fischreste vom Strand auflesenden Islandponies beweist nur, dass es Pferde gibt, die zumindest nich gleich sterben wenn sie Fischreste fressen, weil sie vermutlich keine andere nährstoffreiche Nahrungsquelle finden. Es beweist nicht, dass Pferdefütterung mit Produkten tierischen Ursprungs etwa artgemäß, oder auf Dauer unschädlich wäre : Das Pferd ist von den Zähnen ab, über Magen und Darm ein reiner Pflanzenfresser. - Alle Versuche die z.B. vom Militär angestellt wurden, das Pferd mittelst künstlich hergestellter, konzentrierter Futtermittel zu ernähren - es war den ranghohen Militärs sehr bewußt, wie schwierig es im Kriege werden kann, Nachschub an Heu mitzuschleppen oder zu transportieren, man versuchte also alles mögliche um Ersatzfuttermittel zu testen und einzuführen - scheiterten bereits vor 100 Jahren, selbst wenn diese Futter dieselbe oder noch höhere Mengen an Nährstoffen erhielten, wie die naturgemäßen. Es stellte sich heraus, dass es keine geeignetere und kostengünstigere "Futterkonserve" gab, als das Haferkorn mit seinem naturgemäßen Schutz aus Spelze. Und in der Tat nannten alle fischfressende Ponies erwähnenden Berichte besondere Umstände wie dauernden Rauhfutter- und Grasmangel, Winter und Notzeiten.

Unproblematisch ist hingegen alles, was sich das Pferd bei freier Auswahl in der gewohnten Umgebung selbst sucht, also frische Blätter, besondere Kräuter, Wurzeln usw., weil es hier die freie Auswahl hat. Sobald es eingestallt ist, oder auf einem Beton- und Graspaddock steht, hat es diese Auswahl nicht mehr. Und weil es einen nur kleinen Magen hat, ist es auf dauernden Futternachschub angewiesen, wird also, wie jeder Reiter weiß der einmal länger als zwei bis drei Stunden im Gelände geritten ist, schnell hungrig, und frißt dann, was es findet oder ihm vorgesetzt wird.
Auf diese Art entwickelt das Pferd, dem Weide genügender Größe und Futter-Abwechslung zur Verfügung stehen, mit der Zeit eine erhebliche Erfahrung von Gesundem, weniger Gesundem, Giftigem und Heilkräutern. Das auf großen Weiden gehaltene Pferd therapiert sich so selbst, ohne dass sein Besitzer von der Krankheit überhaupt etwas mitbekommt. In einer fremden Umgebung kann das Pferd nichtsdestotrotz Giftpflanzen in schädlicher Menge aufnehmen denen es noch nie begegnet war.

Silage ist kein Pferdefutter (Prof. Helge Böhnel, Göttinger Institut für Tropentierhygiene). In der Natur findet das Pferd keine vergorenen Futtermengen, frisst sie auch nicht, und kann mangels Erfahrung nicht zwischen bekömmlich und schädlich unterscheiden. Selbst der Mensch, unter Zuhilfenahme seines viel besseren Verstands, kann sich bei der Beurteilung von Silage sehr leicht in der Qualität täuschen, während die Beurteilung von Heu, Hafer und anderen Getreidearten unkompliziert grobsinnlich (Sehen, Riechen, Fühlen, Schmecken) möglich ist. An solche sollten wir Pferdehalter uns daher halten, und vergegenwärtigen dass ein gezahlter kleiner Aufpreis für gute Qualität eines lokal bekannten, vertrauenswürdigen Lieferanten hundertfach günstiger ist, als die Behandlung einer, im Falle von Fütterungsfehlern meist chronischen, Erkrankung!
(Artikel: Silage, das Unfutter, von Susanne Weyrauch)

Aus all diesen Gründen sollen alle Futtermittel, deren Zusammensetzung nicht auf Anhieb klar sind oder die industriell stark verändert sind, gemieden werden. Müsli-Mischungen, deren Ausgangsprodukte deutlich erkennbar sind, sind besser als Pellets die nur gefüttert werden sollten, wenn sie von einem Spitzenhersteller stammen, und eine Deklaration nicht nur der Inhaltsstoffe sondern der vollständigen Herkunft vorliegt (bei diesen Pellets gibt es allerdings keinen Preisvorteil mehr).

Die Gesamtration (=Kraftfutter, Beifutter, Heu bzw. wahrscheinliche Grasmenge) sollte berechnet und ausbalanciert sein. Bekanntlich wirkt zuviel Getreidefutter in mancherlei Hinsicht schädlich. Um dies zu verhüten ist die Beschaffung der Futterstoffe in bester Qualität nötig und die Bestandteile der Ration sind gemäß Futtermitteltabellen (DLG) zu gewichten und zu bewerten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen dass "Verdaulichkeit" nicht wirklich bedeutet, dass die Inhaltsstoffe vom Pferdeorganismus auch tatsächlich, in gesundheitlich nützlicher und Körpersubstanz aufbauender Weise, aufgenommen werden. Vielfach werden sie im Darm wieder abgebaut oder durch die Nieren oder Haut ausgeschieden.

Hafer und Gerste sind die in unseren Breitengraden besten und geeignetsten Getreidefuttermittel, dem folgt der (erst im Dickdarm verdaute, und zu Koliken Veranlassung gebende) Mais mit weitem Abstand.

Ort der Fütterung

Das "Wie und Wo" ist bei der Fütterung ebenso wichtig, wie das "was" und "wieviel". Hierzu habe ich im Aufsatz "Pferdehaltung" einiges geschrieben, was ich immer noch für richtig halte.

Fütterungsmengen

Im Unterschied zu den Wiederkäuern ist das Pferd kein besonders spezialisierter Planzenfresser. Als Wildpferd musste es wohl immer seine größere Beweglichkeit ausspielen, um der Futterkonkurrenz des Wildrindes zu entkommen, und hatte deshalb wohl kaum ein bequemes Leben. Sein Verdauungssystem ist die ältere, und einfachere Konstruktion (obwohl sie, wie jeder Pferdebesitzer weiß, sehr empfindlich ist für Störungen). Es beruht wahrscheinlich nicht auf Zufall, dass die Widerkäuer, evulotionsbiologisch gesehen, die erfolgreichere Tierart sind als die Equiden. Das muß man als Pferdefreund einmal neidlos anerkennen. Hätte der Mensch sich erst ein paar hunderttausend Jahre später entwickelt, hätte er auf dem Planeten Erde vielleicht keine Equiden mehr vorgefunden. In Amerika waren sie zu Beginn historischer Zeit bereits ausgestorben, und nichts spricht dafür dass die Indianer hieran Schuld waren. Um hierfür ursächlich zu sein, waren sie zu der Zeit des Aussterbens der Pferde in Amerika, eben noch über die Behringstraße aus Nordostasien herübergewandert, einfach zu wenig zahlreich.

Fürs heutige Pferd heißt dies letztlich, dass es bezogen auf die Grundlage der Fütterung vor allem unverdorbene Rohfaser braucht, und ansonsten wenig anspruchsvoll ist. Das beste Futter bleibt immer das Gras. Selbst Armeepferde, die im Frieden stets in Ständern untergebracht waren, waren in Manöver- und Kriegszeiten unproblematisch an Gras zu gewöhnen. Dieses vom Pferd gefressene Gras ist schwer zu messen und zu wiegen. Im Winter wächst es nicht viel, aber wo es auf den Winterweiden vorhanden ist, wird man feststellen, dass auch im Dezember noch wenig Heu gefressen wird, außer wenn anhaltender Regen oder Schnee die Pferde zum längeren Aufsuchen überdachter Futterplätze veranlassen.

Ein großes Problem für Pferdebesitzer ist heute oft die Beschaffung von qualitativ hochwertigem Heu. In der Viehwirtschaft wird aus Gründen der Arbeitsersparnis und -technik fast nur noch Silage gemacht, und das versucht man auch auf die Pferdehaltung zu übertragen, insbesondere in den Großbetrieben. Anderswo stellt man den Pferden einfach einen neuen Rundballen mit dem Traktor hin, wenn der alte aufgefressen ist. Für kleinere Pferdegruppen ist aber die Fütterung von Kleinballen, s.g. "Hochdruckballen", immer noch die vorteilhafteste. Im Gegensatz zu Rundballen, mehr noch Silage- oder Heulageballen, verderben sie nicht so schnell wenn wenig Pferde daran fressen, und sind überhaupt meist schon hochwertiger geworben und besser durchgetrocknet. Sie lassen sich auch leichter, zu Fuß nämlich, an entfernte Stellen bringen. Man will ja nicht unbedingt direkt an befahrenen und begangenen Wegen und Straßen füttern. Und mit Traktoren fährt man die Grasnarbe der Weiden im Winter schnell kaputt.

In einem durchschnittlichen Winter, 2013/2014 (mit 50 Schneetagen auf 450m Höhe, aber ohne sehr tiefe Frosttemperaturen) habe ich für 2 Pferde (Arabertyp, etwa 400-450kg Lebendmasse) etwa 65 Kleinballen Heu je Pferd verfüttert, d.h. etwa 1000kg, und bei 5 1/2 Monaten Heufütterungszeit im Durchschnitt 6 kg pro Tag und Pferd. Die Pferde hatten das Heu die ganze Zeit frei zur Verfügung (Ad libitum). Die tatsächliche tägliche Freßmenge, die ich aufgrund meiner Fütterungsmethode genau unter Kontrolle habe (was bei Großballenfütterung nicht so einfach ist) schwankte je nach Witterung stark zwischen 3 und 10kg täglich. Nur in den Monaten Januar und Februar wird fast ausschließlich Heu gefressen. Ab März begibt man sich auf die Pirsch nach den ersten frischen Grashälmchen. Und daneben wird noch an allem geknabbert, was aus dem Schnee herausschaut, solange das Wetter nicht so schlecht ist, dass man auf Ausflüge verzichtet und mehr oder weniger am Unterstand mit der Futterraufe bleibt. Auf Strohfütterung kann ich deshalb verzichten, obwohl ich sie in der Boxen- und Paddockhaltung für nahezu unverzichtbar halte.

Daneben wird aber, zumal die Pferde auch geritten werden (aber etwas kürzer und deutlich weniger intensiv als im Sommer) Hafer gefüttert, 2x täglich und insgesamt etwa 3-4 kg je Pferd. Abhängig von der Arbeitsbelastung und ebenfalls vom Klima (bei anhaltender nasser Kälte oder strengem Frost gibt es mehr). Alles in allem, füttere ich in etwa die Mengen die der typischen Militärration (Spohr, 1912) für "leichte bis mittlere Arbeitbsbelastung" (entsprechend DLG Empfehlungen) entsprechen.

Stroh füttern ?

Wer sein Pferd in der Box oder Sandauslauf überwintern lässt, muss für sinnvolle Beschäftigung des Pferdes durch Fressen sorgen. Wer nun wesentlich mehr Heu füttert (bis zu 10kg/Tag wird hier empfohlen, das halte ich allenfalls für große Warmblüter für richtig), bekommt leicht Probleme mit der Beschaffung einer entsprechend hochwertigen Menge. Außerdem werden die Pferde von zuviel Heu auch zu fett und kurzatmig, fangen leicht an zu husten und sind im Frühjahr nur mühsam wieder aufzutrainieren. Der teilweise Ersatz von gutem Heu durch Futterstroh (besonders Haferstroh) ist hier sehr hilfreich. Das Fressen von Stroh, auch in scheinbar großen Mengen, hat überhaupt keine Nachteile. Strohfresser haben, wie es so schön heißt, "keine Nerven", d.h. gut ernährte Nerven, und gute Strohfresser sind niemals nervös. Stroh macht im Unterschied zu Heu auch niemals fett. Gutes Stroh, und rohfaserreiches Raufutter überhaupt, ist auch für die Erhaltung und Aufbau von Sehnen und Knochen sehr gut, viel besser als die meisten hierfür speziell verkauften Zusatzfuttermittel. Ganz gewiß ist es hochgrad artwidrig und zu psychischen Unarten, Aggressionen, Magengeschwüren u.ä. Veranlassung gebend, Pferde in Boxen- und Paddockhaltung, wie man das häufig sieht, tagsüber hungern zu lassen, insbesondere wenn dann noch auf die Stroheinstreu verzichtet, weil man möglicherweise Probleme mit der Mist-Entsorgung hat!

Eindecken vermeiden

Ich muß noch hinzufügen, dass ich außer bei anhaltend nasskalten Winterstürmen, wenn meine Pferde also ganz jämmerlich zu frieren anfangen, was nur sehr selten vorkommt, sie nicht eindecke (ausgenommen sind sehr alte Pferde, die häufiger, aber auch nicht dauerhaft eingedeckt werden). Dewegen müssen sie auch mehr Wärme produzieren, und brauchen demzufolge auch mehr Futter, als diejenigen die oft eingedeckt sind. Trotzdem fressen meine Pferde nicht mehr, als die genannten Mengen. Ihnen ist dabei herber Frost, wobei es meist auch sonnig und trocken ist, auch wenn sie dann im Futter deutlich stärker zulangen, viel lieber als Temperaturen von 0-5°C mit viel Nässe. Ich glaube aber, dass die Temperaturanpassung der Haut und des Fells beim nicht eingedeckten Pferd auch auf Dauer besser funktioniert, die Talgdrüsen und entsprechenden natürlichen Funktionen weniger verweichlicht werden, als bei denen die im Winter nur mit Decken herumlaufen. Vor 35 Jahren ritten wir die Isländer viel schärfer, als das heute üblich ist, und stellten sie oft mehr oder weniger nass auf die Koppeln. Decken waren unbekannt, und keins der Pferde hustete. Heute reite ich im Winter selbstverständlich so, dass die Pferde fast trocken nach Hause zurückkommen. Ich habe aber Araber mit relativ feinem, gut trocknenden Fell. Mit Isländern könnte das schwierig werden. Hustende Pferde sind fast immer eingedeckt. Da kann man nun fragen, was zuerst da war, die Decke oder der Husten. Wenn meine eigenen Pferde mal husteten, was zum Glück selten vorkam, hat ihnen nie geholfen wenn ich sie eingedeckte, und auch die Medikamente nur sehr wenig. Wirklich geholfen hat dann immer erst die Frühjahrssonne, Wärme, freie Bewegung und vorsichtiges Reiten.

Liegen die Pferde auch ohne Stroh?

Spätestens, sobald man Pferde auch zu Leistungen heranzieht, möchte man sie so halten, dass sie sich nach der Anstrengung auch optimal erholen können. Ich habe gefunden, dass das Liegeverhalten erwachsener Pferde hochgradig von individuellen Vorlieben und Eigenheiten geprägt ist und auch vom Lebensalter abhängt. Pferde im Wachstum legen sich noch relativ häufig hin, Fohlen liegen sehr viel. Die meisten echten, ausgewachsenen Leistungspferde gehören einem Typ an, der vergleichsweise wenig liegt und wenig Liegezeit benötigt, jedenfalls solange es nicht zu alt und auf den Beinen noch gesund ist. Diese Pferde neigen auch dazu, sich eher bei gutem, trockenem Wetter hinzulegen als bei Nässe, oder bei Nässe kürzer zu liegen. Trockenes Stroh motiviert sie vielleicht kurfristig zum hinlegen und wälzen, aber nicht unbedingt zum liegenbleiben.
Pferde auf genügend großen Winterweiden suchen sich meist die geeignetsten und trockensten Plätze aus, gern auch unter Bäumen, um sich dort regelmäßig hinzulegen. Insbesondere in den sonnigen Vormittagsstunden (in der Nacht wird vorwiegend gefressen). Meistens legen sie sich aber auch in nasses Gras, wenn auch vielleicht nicht so lange. In frisch gefallenen Schnee legen sich fast alle Pferde gern, wenngleich sie wegen der aufsteigenden Bodenkälte hier meist weniger lang ruhen als auf Stroh, das als Bodenisolierung besser ist, falls dick genug eingestreut. Ich finde fast täglich Spuren an meinen Pferden, die ein Hinlegen bezeugen. Sie ziehen sich auch das Heu aus der Tiefraufe heraus, um es vom Boden zu fressen und sich damit im Unterstand ein "Bett" zu bauen.
Wo sich Pferde im allgemeinen am wenigsten gern hinlegen, sind die eigenen Exkremente und auf feuchten Stallboden ohne Stroh, besonders wenn dieser noch aus Beton besteht. Deswegen halte ich Gummimatten im Stall für ebenso fehlerhaft und auf lange Sicht gesundheitsschädlich, wie die in früheren Jahrhunderten oft aus Sparsamkeit praktizierte tägliche Herausnahme der Einstreu. Es gibt Untersuchungen die klar belegt haben, dass die Liegezeiten der Pferde auf Stroh statistisch relevant messbar länger sind wie in einstreulosen Ställen.

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