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TAUNUSREITER (c) Frank Mechelhoff 2005 - Kopien speichern nur zum privaten Gebrauch zulässig Verwendung der Bilder und Texten in eigenen Websites oder zu geschäftlichen Zwecken ohne meine schriftliche Genehmigung nicht gestattet (Hinweise zum Copyright) Neu 10. Dez. 2006 update Aug. 2011 |
![]() Der Armeesattel 25 Unter Wanderreitern hat der Armeesattel, auch bekannt als Deutscher Militärsattel, noch immer einen hervorragenden Ruf. Der Sattel vereinigt gute Passform fürs Pferd und und große Auflagefläche mit der Möglichkeit viel Gepäck mitzunehmen, bei für einen stabilen und großen Sattel halbwegs geringem Gewicht (9,5kg ohne Zubehör). Nicht nur der Sattel hat den Ruf des "Unzerstörbaren"; es gilt auch dass es fast unmöglich ist, dass ein Pferd mit einem korrekt verpassten Armeesattel Satteldruck bekommt. (Beides stimmt nur, wenn man auch vernünftigen Gebrauch zugrunde legt) Andererseits sagt man dem Armeesattel besonders heute nach, einen geradezu brutal harten Sitz zu haben. Mit diesem Ruf ist er aber keineswegs in schlechter Gesellschaft, da andere hervorragende Sättel, wie beispielsweise der Malibaud Wander- oder Triple-T Trailsattel ebenfalls als "hart" gelten. Man kann in Hinsicht auf das Ziel des Militärs der größtmöglichen Schonung des "Pferdematerials" (in Friedenszeiten!) kein Versäumnis oder Fehler der Sattel-Entwickler unterstellen: Schließlich sollten die Leute weich sitzen lernen um den Pferden nicht im Rücken herumzufallen, und dies gelang am besten mit einen entsprechend unnachgiebigen (gleichwohl anatomisch gut ausgeformten) Sattel - nebst entsprechendem Reitunterricht. Diese Sättel standen niemals in den Auslagen von Reitsportgeschäften und mussten durch besondere Weichheit dem Hintern der potentiellen Kunden schmeicheln, auf dass dieser seine Kreditkarte zückte - sie wurden Rekrut und Pferd im wahrsten Sinne des Wortes "verpasst" - von jemand der es besser wußte! Reiter die den Armeesattel kennen und schätzen werden daher seine besondere Härte entweder ganz in Abrede stellen, oder einschränken: "hart, aber gesund". Zur Geschichte Seit der Kaiserzeit (ca. 1890) bis 1945 gab es für die deutschen berittenen Truppen (Kavallerie, Artillerie und wer sonst Pferde nutzte, auch Polizei) einen einheitlichen Sattel - vorher gab es in den einzelnen deutschen Ländern die unterschiedlichsten Modelle. Produziert wurde der Armeesattel von Sattlereien im ganzen Deutschen Reich nach den einheitlichen Heeres-Vorgaben, sodass die Bestandteile austauschbar waren. Jeder Sattel wurde einzeln geprüft und abgenommen. Qualität war oberstes Gebot. Allerdings durften Offiziere immer eigene Sättel, wie auch eigene Pferde benutzen (so sie sich denn welche leisten konnten). Die meisten dieser Offizierssättel sind Sonderanfertigungen, sehen den Militärsätteln ähnlich, sind häufig etwas feiner und edler, auch nicht so robust und weniger auf "Schwertransport" ausgerichtet, aber auch nicht auf größte Auflagefläche. Die Offiziere der Kavallerie waren auch ausnehmend kleine, leichte und sportliche Leute, und ritten (wenn überhaupt) mit nur wenig Gepäck. Und auf Patroullie ritt man keine längere Strecken Schritt, sondern ging zur Schonung der Pferde zu Fuß, oder joggte nebenher...
Die vorderen Packtaschenringe (das ist bekannt) verursachen oft Beschwerden, besonders bei langbeinigen Reitern oder/und zu kurzen Bügeln oder Reiten mit Knieschluß. Manche Vorbesitzer haben sie dann abgesägt, was aber im Sinne des Reitens mit Gepäck (wie auch der historischen Originalität) als sehr ungünstig betrachtet werden muß. Des weiteren kann die ungenügend abgedeckte Steigbügelschnalle Beschwerden am Oberschenkel verursachen. Hier empfiehlt sich entweder eine andere Führung der Bügelriemen (Schnalle nach unten/ außen) oder die Abdeckung des Sitzes mit einem Schafsfell. Die Größe des Sitzes ist vorteilhaft auch für größere und schwerere Reiter. Kleine Reiter vermissen oft das Fehlen eines tiefsten Sitzpunkts. Der Sitz im Militärsattel ist wenig "stützend". Man muß auch klar sagen dass sich dieser Sattel für das Reiten in der Bahn und Gymnastizierung nicht wirklich gut eignet, da er den Reiter relativ hoch über das Pferd setzt - wenn auch in geringerem Maß als bei den Militärsattelmodellen manch anderer Länder und seinen Vorgänger, dem Bocksattel - und auch die Oberschenkel bedingt durch die dicke Polsterung nicht nah am Pferd sind. Besonders bei großen Reitern entfernen sich dadurch auch die Knie (und die Unterschenkel) etwas weit vom Pferd, was dann prompte Hilfen etwas erschwert, und wenig "klassisch" aussieht... Es ist eben ein typischer Geländereitsattel.
Worauf ist beim Kauf sonst zu achten ? Ansonsten sollte der Sattel bei der Besichtigung zerlegt werden, so sind Schäden (gar nicht mal selten: Brüche des Baums unter den stählernen Verstärkungen) gut sichtbar. Der Sattelbaum aus Buchenholz wurde mit Leinwand umleimt - diese sollte so vollständig wie möglich vorhanden sein da sie Wurmschäden verhindert - und grau gestrichen. Oberflächlicher Rost wird fast überall vorhanden sein, ist aber unschädlich. Rostfreier Stahl war damals noch nicht als Werkstoff im allgemeinen Gebrauch. Polster und Sattelblätter sind oft im schlechten Zustand aber verhältnismässig einfach neu anzufertigen für Leute die mit Leder umgehen können. Mir gelang es vor einigen Jahren in einem Geschäft für Sattlereibedarf einen Leinenstoff aufzutreiben der den Original-Sattelkissen genau entsprach. Ein lange nicht zerlegter Sattel ist meist in schlechtem Zustand; zur vollständigen Pflege ist die Zerlegung geradezu unerlässlich. Das Sitzleder sollte einwandfrei sein, da es durch seinen komplizierten Aufbau heute quasi nicht neu herzustellen ist. Sehen die äußeren Sitzpolster sehr flach aus und steht das Mittelstück heraus, ist dieser Sattel eine Qual zu sitzen. Der Sitz sollte "rund" ausschauen. Kleine Nahtschäden sind unerheblich da die handgenähten Nähte selten weiter ausreissen. Auch Flicken oder kleinere Löcher in den Trachtenpolstern (Leinenstoff) sind nicht weiter tragisch. Manche alten Militärsättel wurden von gutmeinenden Sattlern viel zu stark nachgepolstert, dass die Kissen sehr "gestopft" wirken und der Reiter im Sitz hoch über das Pferd kommt. Zuviel Polsterung zu entfernen ist aber kein Problem. Richtiger ist es wenn sich die Polster leicht eindrücken lassen. So ist auch die Auflagefläche am größten, weshalb man diese Form der Polsterung ja auch gewählt hatte... ![]() Bild eines zerlegten Sattels (M-25) in gutem Zustand (vermutlich kurz nach dem Einfetten aufgenommen; das Leder erscheint etwas zu weich, besonders erkennbar an den Trachtenkissen), die Gurtungsriemen sind oder entsprechen dem Original (erkennbar an den Schweinsnähten), Originalgurt (frühes Modell) und vermutlich auch Bügel. Alle Befestigungen scheinen vorhanden. Die Lederfarbe deutet auf guten, vielleicht sogar etwas zu guten Pflegezustand hin. Im Original ist die Sattelfarbe hell- bzw. rotbraun. Sättel die heute heller sind als der oben abgebildete sind entweder sehr seltene hervorragende Stücke oder das Leder ist zu trocken. Fast schwarze Sättel sind meistens zu stark geölt worden und ebenfalls nicht zu empfehlen. Sattelgurte und Bügelriemen sollte man gut überprüfen bevor man sie nach 60 Jahren noch benutzt! Zur Pflege des Sattels Wenn der Sattel jahrzehntelang nicht benutzt wurde, kann man sehr hartes oder wellig gewordenes Leder versuchen in warmem Wasser (Badewanne) wieder weich zu machen und die Kapillare im Leder zu öffnen. Noch bevor er wieder gänzlich austrocknet muß dem Leder mit hochwertigen Lederfett (möglichst mit Bienenwachs) Nahrung gegeben werden. Als Oberflächenauftrag empfiehlt sich ein hartes wachsartiges Lederfett das man im Bergsportgeschäft (für Bergstiefel) bekommt, und gut einreibt (am besten leicht erwärmen). Dieses gibt es in kleinen Döschen, und es ist absolute Pflicht diese auf mehrtägigen Ritten in ungünstiger Witterung dabei zu haben, um damit auch nassgewordenes Leder wieder zu schützen. Öl macht das Leder weicher, aber altes Leder wird dabei meistens zu weich und brüchig. Außerdem dunkelt die Farbe ab. Fachleute sprechen vom "Verbrennen" des Leders durch zu starken Ölauftrag. Ölen ist daher nur in Ausnahmefällen angesagt. Auch Fett darf nur in dünnen Schichten, und nicht zu oft aufgetragen werden, da es ebenfalls ölige Bestandteile erhält. Im allgemeinen ist es nicht nötig einen Militärsattel jedes Jahr komplett neu zu fetten. Auch ein Lammfellüberzug verlängert die Wartungsintervalle. Leider kann auch die beste Pflege nicht bewirken dass ein Sattel aus dem Naturstoff Leder ewig hält, und gebrauchen wollen wir den Sattel ja auch. Demgegenüber kann schlechte oder fehlende Pflege die Lebensdauer auch des robustesten Sattels sehr verkürzen, und das wollen wir nicht. Welcher Sattel für welches Pferd ?
Kurzrückige Pferde, wie es viele Araber sind, haben mit Militärsätteln (wie auch anderen Trachtensätteln) häufig ein Problem. Wobei dieses aber auch manchmal nur ein Abscheuern der Haarspitzen im Nierenbereich im Winterfell ist, manchmal auch nur bei längerem Reiten, was man durch Ändern der Polsterung, Verwendung anderer Satteldecken, Annähen einer Wachsdecke o.ä. in den Griff bekommen kann. Pferde mit wiegendem Hüftschwung (=viel Rückenbewegung) neigen dazu, Pferde mit straffen Gängen mit im Lauf eher gerade gehaltenem Rücken (wie sie für Vollblutpferde, und überhaupt Pferde mit kurzem Rücken eher charakteristisch ist) widerum eher nicht. Es kommt also auf das individuelle Pferd an. Allgemeines zum Sattelbaum Der Sattelbaum aus Buchenholz ist stahlverstärkt, wobei die Verstärkungen durchgenietet sind, was eine Reperatur erschwert. Wie alle Holzbäume sind sie nicht gefeit vor Brüchen (bei grober Gewalteinwirkung) und Wurmschäden. Verglichen mit dem Stahlfederbaum eines modernen Englischen Reitsattels ist die "Federwirkung" gering, aber größer als beim gänzlich starren Westernsattel. In den Baum ist eine Rohhaut feucht eingespannt, die die Grundlage des Sitzes bildet und im Laufe der Zeit sehr straff geworden ist. Diese darf nicht geölt, und normalerweise auch nicht gefettet werden - bei einer gepflegten Sitz-Unterseite bekommt sie genügend "Fett weg". Die Rohhaut zu reparieren ist recht schwierig, aber trotzdem meistens besser als den Baum total zu zerlegen um eine neue einzuspannen (zumal das dem alten Buchenholz heute vielleicht schlecht bekommen dürfte) Der Mantelsackträger war beim Vorgänger-Sattelmodell des Kaiserreichs noch sehr viel größer und löffelartig geformt, was ein Überschnallen eines (schmalen) Mantelsacks über diesen Träger erlaubte um damit das Rückgrat des Pferdes freizuhalten und Luftdurchtritt durch den (entsprechend "eingekammerten" Woilach) von vorn nach hinten zu ermöglichen - auch wenn ein hoher Mantelsack das Aufsteigen erschwert. Mit dem kurzen Mantelsackträger des Modell-25 war das nur noch eingeschränkt möglich. Die richtige Satteldecke Die richtige Satteldecke zum Armeesattel ist der schon vorerwähnte Woilach; das ist eine schwere Vielzweck-Militärdecke aus 100% reiner Schurwolle (bei Kauf darauf achten dass wirklich keine Syntetik mitverarbeitet wurde). Diese Decke wird sechsfach gefaltet - und zwar gemäß HDV nach dem folgend abgebildeten Schema: ![]() abgebildet in: Joachim Brand, Wanderreiten, BLV (1985) Wahrscheinlich haben aber auch andere Benutzer als ich festgestellt dass man den Woilach anders als in Schritt 3 dargestellt, ineinander sondern auch zieharmonikaartig falten kann, um damit leichter Falten ausstreichen zu können, ohne damit verbundene Nachteile. Der Woilach kommt bei mir so aufs Pferd dass die hautnähere Knickfalte der unteren vier Lagen zur Pferdenase hin zeigt, und die hautfernere zum Schweifende. Vorteile des Woilachs sind u.a. die Möglichkeit die Trageseite häufig zu wechseln, die leichtere Trocknungsmöglichkeit unterwegs ausgefaltet in der Sonne (verglichen mit dicken Sattelpads), vor allem aber die Dicke und Hautfreundlichkeit der Polsterung und eine gewisse Verschiebbarkeit der Lagen untereinander im Bewegungsablauf. Außerdem ist er auf Wanderritten noch prima als Abschwitz- oder Regendecke oder zu anderen Zwecken im Wanderreiterlager, als Sitz- oder Schlafsackunterlage etc. zu gebrauchen. In der Summe seiner positiven Eigenschaften ist der Woilach jedenfalls unschlagbar und es ist nicht zu erwarten dass besseres erfunden wird. Und das beste: Während ich in den 1980'er Jahren große Probleme hatte Wolldecken in ausreichender Größe und Materialqualität zu finden, sind Woilachs die unseren Anforderungen entsprechen, in Army-Shops heute wieder erfreulicherweise zu mässigen Preisen weitgehend problemlos erhältlich; sowohl von der Bundeswehr wie von anderen Armeen. Packtaschen und Gepäck Der Armeesattel wurde klassischerweise mit Vorderpacktaschen und Mantelsack geritten, Hinterpacktaschen gab es zunächst gar keine. Das mutet vom heutigen Stand merkwürdig an, war aber militärstrategisch begründet. Der Gedanke dahinter war, möglichst die Vorhand mit dem unvermeidlichen Gepäck zu belasten um der Hinterhand genügend Freiheit zum Untersetzen zu geben, mit dem Ziel auch das vollbepackte Pferd in der im Galopp gerittenen Attacke nicht durch zu weit hinten befestigtes Gepäck zu verlangsamen. Diese Denkweise, geprägt von längst vergangenen kavalleristischen Kampfszenarien -- nach der Erfindung der modernen Artillerie, besonders des Maschinengewehrs entsprach die Reiterattacke über offenes Feld kollektivem Selbstmord, wie die Schlacht von Balaklava in aller Deutlichkeit gezeigt hatte; erst recht hätte sie niemand, außer im Manöver, mit vollem Gepäck verlangt -- kam nur langsam in Ablösung. Aber man stelle sich vor: Noch 1890 verordnete Kaiser Wilhelm II. der Deutschen Kavallerie die Lanze (!) als Bewaffnung.
![]() Packordnung der Packtasche 34: abgebildet im: Der Reibert - Ausgabe für den Schützen der Infantriekompanie (mot.) 1940, gefunden von "Nebelwerfer" in http://www.militaria-fundforum.de Trotz dieser Erkenntnisse wurden die Vorderpacktaschen bis zum letzten Modell (Packtasche 34) immer größer. Die Aufteilung des Raums nach Dienstvorschrift war zweigeteilt: Links Pferdegepäck samt Ersatzhufeisen - auch die Armeehufeisen waren selbstverständlich speziell durchdacht und nicht die gewöhnlichen - Rechts Reitergepäck. Im Krieg wurde davon selbstverständlich häufig abgewichen, und oft wurden die großen Vorderpacktaschen auch hinten verschnallt. Ohne den speziellen Aufsatz zur Befestigung am Sattelkopf (s.g. Überwurf) waren und sind die Packtaschen 34 nicht sinnvoll und ohne Flattern zu befestigen. Mit dem Überwurf und entsprechenden Sicherungsriemen lassen sich immerhin etwa (brutto) 3,5kg Gepäck auf jeder Seite verstauen. Sinnvollerweise wird für bessere Stabilität in schnellen Gangarten zusätzlich noch eine Zeltplane, Poncho, oder Futtersack mit aufgeschnallt. Damit ist dann die laut Dienst-Reitvorschrift (HDV 12) beidhändige Zügelführung mit tiefer Hand nahezu unmöglich - ich vermute daher diejenigen Soldaten die den Zügel nicht mehr zum Festhalten brauchten, hoffentlich die Mehrheit, sind wie die meisten heutigen Wanderreiter überwiegend einhändig geritten. Alternative Bepackung Ich habe selbst jahrelang die vorderen Packtaschen an meinem frühen Armeesattel (Modell-15 Größe 1) hinten verwendet, und vorne nur leichte Taschen mitgenommen (bei einem kleineren Pferd). Wegen des relativ geringen Gewichts, der Befestigung weit oben und dem Zusammenpacken mit der Mantelsackrolle sehr stabil in allen Gangarten, auch ohne die sonst obligatorischen Verbindungsriemen zum Sattelgurt sowie Bauchriemen (Mehrpunktaufhängung; vgl. oberstes Bild) Interessanterweise gab es aber auch gegen Kriegsende Halterungen für Packtaschen 34 für hinten und sogar spezielle (kleinere) Taschen, wobei deren stabile Befestigung (1-Punkt-Aufhängung) mir eher fragwürdig und unerprobt erscheint... ![]() Kein schönes Bild für Freunde stilechter Militaria-Sammlungen, wohl aber für Wanderreiter: Die Steigbügel sind nicht Original - die Steigbügelriemen (Fa. Winz) von einer Firma die auch heute noch Armeesättel und Zubehör fertigt, enstprechen qualitativ dem Original. Der Schnurengurt ist eine extra-breite Version wie sie gegen Kriegsende auch üblich waren. Die Steigbügelschnalle nach unten-außen gerückt wo sie nicht drückt und der Bügelriemen unters Blatt - diese Verschnallung war auch im Kriege schon üblich. Die Feldflasche ist amerikanisch, die Vordertaschen schweizerisch, die Decke (Woilach) aus 100% Schurwolle ein Kanadischer: kleiner als der Deutsche Originalwoilach, aber von ebenfalls guter Qualität und in der gezeigten Bepackung ebenso 6-fach gefaltet zu verwenden. Und die angeschnallte Tasse berührt selbstverständlich in keiner Gangart den Pferderücken. Fazit Die hervorragende Eignung des Deutschen Armeesattels zum Wanderreiten ist seit den 1970'er Jahren unter Fachleuten weithin unumstritten, und er ist sozusagen die Meßlatte für alle seither hergestellten Wanderreitsättel - auch wenn das Sattlergewerbe das nicht offen ausspricht in Zeiten da selbst die Gebrauchtpreise dieser Sättel auf einen nie gekannten Tiefstand gefallen sind. In Deutschland produziert ihn eine einzige Sattlerei (Fa. Winz/ WITEX in Nettetal) bis heute. Die Firma Prestige bezog sich bei der Entwicklung des ersten kommerziellen Wanderreitsattels mit Gepäcksystem ausdrücklich auf dieses Vorbild. Len Brown, Erfinder des flexiblen Sattelbaums (Orthoflex), beschrieb in einem Artikel über einen von ihm gemachten Ritt quer durch die USA den Deutschen Militärsattel als einen der besten (und den amerikanischen McClellan Cavalry Saddle als einen der schlechtesten!) Sättel. Auf VFD-Sternritten der 80'er und 90'er Jahre mit Tierarzt-Eingangskontrollen hatten die mit Militärsätteln bestückten Pferde regelmäßig die wenigsten Befunde mit Rückendruck, was den bekannten Wanderrittführer Herbert Fischer dazu veranlasste diesen Satteltyp ausdrücklich zu empfehlen. Seitdem hat sich einiges am Markt getan, wird viel Neues umworben und getestet, aber noch immer liegen ungezählte Militärsättel in den Sattelkammern professioneller Wanderreitbetriebe. Insbesondere für Ritte mit schwerem Gepäck gibt es noch heute kaum Alternativen - und in Bezug auf Paßform sind es einzig (bei viel höherem Preis) maßgefertigte Sättel. ![]() So geht man mit dem Armeesattel stilgerecht auf Tour: Original Vorderpacktaschen (aus geprägtem Leder, Kriegsproduktion) am Überwurf befestigt. Hinterpacktaschen waren hier nicht nötig. Die Gewichtsverteilung ist bloß minimal vorderlastig. ![]() Woher stammt mein Sattel? -- Herstellerkürzel Auf von der Wehrmacht in den dreissiger und vierziger Jahren abgenommenen Sätteln gibt es - üblicherweise - keine Herstellerstempel, wie auf privat gekauften Sätteln. Stattdessen wurde zusammen mit dem Abnahmestempel des WaA (Waffenamt) ein Herstellerkürzel mit drei Kleinbuchstaben eingeprägt. Auch Satteltaschen und alle möglichen anderen Ausrüstungsteile wurden so gestempelt; bei Statteltaschen scheinen zivile Herstellerstempel aber weithin üblich zu sein.
(Auszug aus einer Liste von 8.500 Herstellerkürzeln, mit Hinweisen auf Sattlerwaren -- gefunden von "Reiter" im Militaria-Fundforum) Literatur:
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