Taunusreiter
TAUNUSREITER
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10. Juni 2002
                                                                                     update Juni 2016

AUSRÜSTUNG UND BEPACKUNG ZUM WANDERREITEN

Die "Goldenen Regeln" der Wanderritt-Bepackung:

Ligeira am Stirnberg (1996)
Bild: Mein liebstes Pferd, meine liebste (leichte) Bepackung, und in meiner Lieblings-Landschaft.
Der Ritt ging über zehn Tage (davon acht Biwaks). Im Hintergrund Dörfchen Birx, wo wir eine Stunde später Kraftfutter für die Nacht kauften.

AUSRÜSTUNGSLISTE WANDERREITEN

Die folgende Liste ist eine individuelle Empfehlung. Sie ist für Leute die nicht nur von Hotel zu Hotel oder Reiterhof zu Reiterhof, sondern naturnah wanderreiten wollen ("Hotel der tausend Sterne"-Ritt), oder um da improvisieren zu können wo keine reittouristisch ausgearbeiteten Routen existieren - oder man von diesen unabhängig reiten will. Vom Umfang her ist sie für Strecken ab 4 Tagen Dauer - wer kürzer unterwegs ist wird auf manches verzichten können. Der Stil ist deutsch bzw. kontinentaleuropäisch - den hiesigen Verhältnissen entsprechend. Es ist auch nicht alles auf meinem Mist gewachsen, sondern ich habe viel von anderen erfahrenen Reitern übernommen.

Diese Ausrüstung ist von mir lang erprobt und in den letzten zwei Jahrzehnten im wesentlichen unverändert. Als Sattel ist jeder dem Pferd passende Wanderreitsattel mit großer Auflagefläche und stabilen Gepäckanbringungs-Vorrichtungen ebenfalls geeignet (Dressur- und Sportsättel demzufolge nicht). Als Einkaufsquellen dieser Ausrüstung kommen in der Qualitätsreihenfolge in erster Linie qualifizierte Bergsportausrüster, zweitens Army-Shops, und erst in dritter Linie Reitsportgeschäfte in Betracht. Rom wurde nicht über Nacht erbaut, und genausowenig kann die passende Ausrüstung zum Wanderreiten an einem Stück zusammengekauft werden.

Gute Ausrüstung ist kein Selbstzweck. Sie hilft dem Reiter zu leisten, wofür er sich und sein Pferd vorbereitet hat, und trägt damit zum Ritterfolg bei. Schlechte Ausrüstung begrenzt oder vermiest das Leistungsvermögen, oder führt zum Mißerfolg des Rittes. Meine Liste umfasst das wirklich unbedingt nötigste, was so gut wie jeden Tag gebraucht wird. Und ist zugleich sowenig, dass man morgens im Biwak in 1 1/2 - 2 Stunden mit füttern, frühstücken und packen bis zum losreiten fertig wird. Was man an mitgenommenem Gepäck auf einem Ritt nicht braucht wird beim nächsten Mal zuhause gelassen (das gilt nicht für Erste Hilfe und Hufbeschlagwerkzeug). 

Als Wanderreiter oder Wanderreiterin sollte man sich auch, spätestens beim zweiten oder dritten Ritt, um einen gewissen Stil bemühen. Stil drückt ein gewisses Bemühen um Ernsthaftigkeit und Überlegung im Handeln aus, im Gegensatz zu Beliebigkeit. Der Begriff meint folglich keine Reitweise, sondern eher die Vermeidung eines Anscheins von einem Gammler zu Pferd. Als Beispiel nenne ich Müllsäcke, die definitiv nicht auf's Pferd gehören...

Ausrüstungsliste   (Rhöntour August 2000):

1- Deutscher Militärsattel/ Armeesattel Modell 25 Gr.1

2- Zeltplane 2,20m x 1,60m (Bundeswehrponcho) als Mantelsack gerollt; Inhalt:
3- Daunenschlafsack 1000g Gewicht, bis -5°C, Bezug leichte Fallschirmseide (Marke TheNorthFace)
4- Isomatte Therm-A-Rest Ultralite, dünne zusammenrollbare Schaum-/Luftmatratze
5- Biwaksack ganz aus Goretex-Nylon verstärkt in waldgrün (tarnfarben)
6- Ersatzwäsche: 1 T-Shirt, 1 Muskelshirt, Badehose, kl.Handtuch, Wollsocken, 2 Unterhosen
7- Faserpelz-Pulli für Schlechtwetter und abends

Durchmesser des Mantelsacks am Pferd 18 cm, Länge 1m, mit 5 Leder-Schnallriemen (2,5 cm breit) hinter dem Sitz befestigt (4kg Gewicht).

Hinten am Sattel:
8- Faltgrill Edelstahl (Markill) in Lederfutteral
9- Albtasse (Stahltasse 0,3l) an Alukarabiner
10- Naturschwamm an Alukarabiner

11- Original-Packtaschen zum Militärsattel (umgerüstet um hinten verwendet werden zu können), Inhalt:
12- Kochgeschirr Stahl/Alu mit Spiritusbrenner, Kaffeekessel, 2 kleinen Töpfen und Teller/Pfanne (Trangia) in Nylonsäckchen. Der beste Kocher für Wanderreiter. Mitverpackt kl. Topfschwämmchen u. Geschirrtuch. Da klappert nichts.
13- Brennstoffflasche Spiritus 1l (leichter PE-Kunststoff, aber die "knitterfreie" Variante) - reicht für ca. 14 Tage. Spiritus ist sicherer und einfacher in der Handhabung als Benzin und leichter zu beschaffen als Gas. Bei Winterkälte gibt es geeignetere und vor allem leistungsstärkere Brennstoffe. Für kurze Ritte habe ich eine 0.5l-Flasche.
14- Zwei Mahlzeiten (Eintopf, Nudeln u.a. dehydrierte Fertiggerichte)
15- Frischfleisch, Käse und Obst je nach Kaufgelegenheit, bzw. Bedarf, zum abendlichen Verbrauch
16- 500g Vollkornbrot in Plastikbox
17- 100g Salz fürs Pferd
18- Salamiwurst
19- Cappuccino-Pulver (Alublechdose) oder Instant-Kaffee
20- Kulturbeutel mit Rasierzeug, Spiegel, Bioseife, Heftpfaster u. Zeckenzange
21- Putzzeug fürs Pferd: Bürste und Gummistriegel

In der Hufeisenvortasche:
22- Feuerzeug
23- Zeltleinen (5x3m)
24- Lederfett mit Bienenwachs zur Schuh- und Sattelpflege bei Regenwetter
25- Mückenmittel für Pferd und Reiter
26- Zinksalbe
27- Sonnenmilch
28- Mini-Taschenlampe (Maglite)
29- Reparaturset: Nähahle, Bändchen Forellenfaden, Nieten

Gewicht 7,5kg

Gepäck von
        hinten
Bild: Bepackung von hinten. Der Mantelsack berührt das Pferd nicht. Woilach (diente hier auch als Schlafsackunterlage) und darunter liegendes Kodelpad

30- Schweizer Vorderpacktaschen ,  schmal. Inhalt:

31- Futterschüssel aus gewebeverstärkter Polyesterplane, faltbar
32- Gerba für 4l Wasser aus Polyester, gefaltet (Ortlieb)
33- Wehrmachts-Eßbesteck in Futteral mit 4 Gewürzdöschen
34- Landjäger (Hartwürste) und 2 Schokoriegel o.a. Brotzeit
35- Kräuterbutter und Streichwurst bzw. Marmelade in PE-Schraubdosen

Gewicht 3kg

Vorne am Sattel:
36- 15m undehnbares Bergseil (Reepschnur) 11mm Durchmesser mit großem Alu-Sicherungskarabiner zum Übernacht-Anbinden des Pferdes (Als Laufseil verwendet besser 20m vorsehen)
37- US-Army 1l-Wasserflasche, Kunststoff im Nylonfutteral. Schwingfrei zu befestigen
38- Sigg-Aluflasche 0,75l grün eloxiert für edlere Getränke (z.B. spanischen Sherry)
39- Not-Hufbeschlagwerkzeug mit 15 Ersatznägeln in Lederetui
40- 1 Paar angepasste Ersatzeisen (nur wenn Beschlag oder Pferd beim Start diesbezüglich zweifelhaft sind! Besser mit unverbrauchtem Beschlag starten, unbedingt zu den Hauptritten der Saison, und darauf verzichten)
41- Futtersack aus Polyesterplane mit Kompressionsriemen für bis 6-8kg Getreide.  (Mit dem selber hergestellten Teil bin ich nicht völlig zufrieden. Die Wehrmacht hatte anscheinend einen besseren - den suche ich!)
42- Zweiter Regenponcho (Bundeswehr), auch als Abdeckung für Sattel u. Ausrüstung oder Zeltplane
43- leichte ungefütterte Regen- und Windjacke (Goretex o.ä.)
44- Regenchaps (Nylon)
Befestigung der vorderen Packstücke mit 2 ledernen Schnallriemen (Vorderpacktaschen) und 3 Nylonriemen 2cm breit

Gesamtgewicht Ausrüstung ohne Futter, Sattel u. Decke: 18kg

Gewicht Sattel mit Camarguebügeln, Bügelriemen u. Schnurengurt: 9,5kg (Reiter: 80kg)

45- Satteldecke: Woilach Bundeswehr ca. 2,40m x 1,80m, grün, Reine Schurwolle. 6-fach gefaltet. Trockengewicht 3,5kg
46- Zaumzeug: Spanisches Zaumzeug mit handgenähtem Stirnriemen (ohne Wisch) und kurzer S-Kandare mit beweglichen Schenkeln. Zügel Leder, einteilig, schmal, mit kl. Messing-Karabinern
47- Parelli-Halfter grün (dünnes Baumwollmix-Seil) oder Woll-Halsriemen (beides nur für 100% anbindesichere Pferde!)

Mittelschweres Gepäck
          (Natascha)
Bild: Bepackung in der etwas schwereren Variante

Persönliche Ausstattung:
48- Wanderstiefel (Meindl oder HanWag), aus starkem Leder, möglichst zwiegenäht, mit Wachsfett wasserabweisend imprägniert, kein Goretex
49- Cord-Reithose mit Vollederbesatz (Pikeur Sekur): strapazierfähig, schmutzunempfindlich, trocknet schnell wenn naßgeworden
50- Kopfbedeckung, unbedingt erforderlich bei starkem Sonnenschein: ich mag helle Schirmmützen, die man auch als Tränkgefäß verwenden kann, für von Pferden unerreichbare Wasserquellen. Im Frühjahr/ Herbst eher allwettertaugliche Hüte
51- Linealkompaß mit Rosette und Visiereinrichtung (Silva Type 54) in Ledertasche (Gürtel); falls man ohne GPS reitet.
52- Finnenmesser Dreilagenstahl, Glattschliff, mit gummiertem Griff (am Gürtel)
53- ggf. abisolierte kleine Knipex-Zange (Zaunpetze)
54- Hüfttasche, Inhalt: Karten (in Plastikbeutel), GPS-SmartPhone mit Ersatzakku und Solarpanel, zugleich Telefon + Reisetagebuch, Analog- oder Digicam (Leica/Bessa-R oder SONY Nex) Kartenmarkierstift (Gewicht 1,5kg).
55- Kartentasche aus Polyester-Klarsichthülle, robust, mit Kordel
56 - ErsteHilfe Päckchen (für Rittführer obgligatorisch)

Hufbeschlag:
57- Profileisen bzw. 3/4-Profileisen (St. Croix Eventer o. Kerckhardt BR bzw. PB) ggf. mit Hartmetallstiften (Gleitschutz) rundum
58- (ggf.) vorne: Luvexplatten (Netzplatten) ohne Einlage

alternativ: Ausrüstung Armeesattel mit Original-Bepackung

Beim Packen
Bild aus 2015: Bepackung am Malibaud Sattel, der nur für leichte Reiter gut ist, und zu dem es ausgezeichnete Packtaschen zu kaufen gibt. Die Bepackung ist rücklastig, allerdings ging der Ritt nur 3 Tage, und auf diesem Pferd mit sehr starker Lende, das hier schon seinen Reitzaum auf hat. Ein guter Schweifriemen ist ein sehr nützliches, unter Umständen notwendiges Zubehör. Auch dieser Packsack ("zivile" anfängerfreundliche Variante) berührt nicht den Pferderücken



© Frank Mechelhoff   (Wanderrittführer VFD)