Ligeira, das beste Pferd der Welt...
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Ligeira

LIGEIRA ist eine Fjord-Araber-Mischlingsstute und hat von beiden Elternteilen nur die besten Eigenschaften mitbekommen.
Ihre schöne Farbe und ihre Pony-Gesundheit hat sie vom Fjordi, und wohl auch ihre zurückhaltende - fast schüchterne - und freundliche Art. Zu Menschen und vor allem zu anderen Pferden. Sie frisst am liebsten ganz dicht neben ihren Freunden und würde sich niemals ums Futter streiten. Das wäre völlig unter ihrer Würde. Warum auch, es ist ja genug da für alle. Wenn jemand unfreundlich zu ihr wird ohne Grund, das kann sie gar nicht verstehen, und manchmal schüttelt sie dann sogar den Kopf.
Ihren Ehrgeiz beim Laufen und ihren Mut, den hat sie vom Araber. Als Reitpferd war sie stets sehr temperamentvoll. Fast alle sagten zu mir, verkauf das Pferd, sie ist unreitbar. Aber sie hatten unrecht. Es dauerte 5 Jahre bis sie am langen Zügel galoppieren konnte ohne dabei schneller zu werden. Am besten konnte man sie mit langsameren Pferden reiten, die von sich aus hinten blieben. Da war sie immer rücksichtsvoll, wie das ihre Art ist. Aber wenn jemand dabei war der auch gern zügig ging, dann wollte sie immer am liebsten Rennen laufen, was ihr natürlich nie gestattet war, da sie sich sonst verausgabt hätte. Nur auf Distanzrennen da durfte sie nach Belieben traben und galoppieren, und nie war sie so ruhig und lieb wie wenn es zu einem Rennen ging. Sie allzusehr zurückhalten, das durfte man sie nicht, sonst konnte sie wie eine Tigerin kämpfen und man bekam einen unglaublichen Streß im Sattel - wie ich das noch bei keinem Pferd erlebt habe, und ich habe etliche Vollblüter geritten. Unter drei Stunden das war kein ernstzunehmender Ausritt für sie. Am liebsten lief sie 80km - ihre schnellste Zeit auf der Grastälerpassage 1997, 4:38 Std. für 82km. Aber längere Strecken und Zweitagesritte gingen auch. Insgesamt kamen wir in 7 Jahren auf 1272km in der Wertung. Sie wäre mein Traumpferd für einen Hundertmeiler gewesen, und sie hätte das Herz dazu gehabt. 1994 gewannen wir die 110km Vogelsbergdepesche in knapp über 9 Stunden, bei schrecklicher Hitze. Ligeira hat Hitze nie etwas ausgemacht, sie ist ein wahres Wüstenpferd und stellt sich viel seltener in den Schatten als die anderen. Auch bei größter Hitze pflegt sie nur 1x am Tag trinken zu gehen, wenn sie richtig Durst hat, damit es ihr auch gut schmeckt. Auf diesem Ritt war sie abends noch so locker und so gut drauf, da hätten es nochmal 50km mehr sein können in der Abendkühle - der Ritt war jedoch gegen Abend zuende. Wir ritten mit einer Gruppe von 4 Reitern die wir kurz zuvor noch eingeholt hatten, und sie lauerte noch bis zum Ziel auf ein Zeichen von mir um durchzustarten und die anderen abzuhängen. Es genügte mir vollauf, zu wissen dass wir es gekonnt hätten - und die anderen wussten es wohl auch...
Wir haben auch viele schöne Wanderritte zusammen gemacht, den letzten im Jahr 2000. Wir haben uns so gut verstanden dass ich sie oft über Nacht im Biwak noch nicht mal angebunden hab und sie hat sich dicht neben mir zum Schlafen hingelegt.
Sie ist das mutigste Pferd der Welt. Auch wenn sie wegen ihrer Sensibilität vor Dingen erschrecken kann die sie plötzlich sieht und nicht erwartet hat, hat sie vor Dingen die allen anderen Pferden Furcht einflössen, niemals Angst. Ich bin mir ihr auf Wanderritten schmale Pfade an Abgründen entlang geritten wo ich selbst fast Angst bekam. Aber sie lief einfach weiter, die Ohren gespitzt, aufmerksam - und so selbstsicher dass ich dachte "also, gut wenn Du weißt was Du tust, dann muß ich Dir wohl dieses Mal vertrauen.. und wenn es schief geht dann sterben wir wenigstens zusammen"...
Wie seelisch nah Mensch und Pferd einander kommen können, das hat sie mir gezeigt...  ihr sage ich oft Danke, hier ist der Platz es anderen zu bezeugen... um es zu erleben musste ich vorher über 12 Jahre intensiv reiten. Von ganzem Herzen wünsche ich jedem Reiter und jeder Reiterin guten Willens, wurscht-egal welcher Disziplin, so etwas auch nur einmal im Leben zu erfahren wie sich das anfühlt. Verglichen damit zählt jeder Sporterfolg wirklich nichts. Auch hat sie mich gelehrt dass Elite und Adel eine innere Eigenschaft ist, keine äusserliche. Vor allem ist sie nicht mit Rasse gleichzusetzen, und das Maß auf der Welt dass sie messen könnte, wurde trotz aller wichtigen und richtigen Bestrebungen der Menschen niemals gefunden, und kann niemals erfunden werden. "Indem wir reiten, setzen wir das liebste was wir auf der Welt haben, aufs Spiel.." - sagte mir einmal eine Distanzreiterin die, wie ich finde, gut nachgedacht hat. Noch eine Polarität - nicht auflösbar. Mit aller Fürsorge und planerischem Vorgehen nicht, die man lernen, und immer anwenden muss.
Ligeira hat einen Oberschenkelbrand vom hessischen Ponyzuchtverband, aber ihre Papiere müssen bei einem ihrer Vorbesitzer, einem Pferdehändler aus Wehrheim, abhanden gekommen sein. Gezüchtet wurde sie bei Herrn Kleinschmidt bei Rod an der Weil und ich bin sicher dass sie mindestens ein Fohlen hatte. Ich weiß nichts über Ligeiras Mutter oder Vater und - leider - auch nichts über dieses Fohlen... Vielleicht findet sich ja jemand der mir was dazu sagen kann. 2004 habe ich selber versucht sie decken zu lassen von dem einzigen Hengst, mit dem sie jemals auf Distanzritten "geflirtet" hatte und der ihr auch ein bißchen ähnlich ist, dem Araber-Trakahner Karino. Leider war es schon zu spät, sie hat nicht mehr aufgenommen.
Ich wollte deswegen so gern ein Fohlen von ihr haben weil sie unter schwerer Arthrose leidet. Schon ganz zu Anfang (1992) wußte ich dass sie an dem Bein etwas hat, was manchmal sichtbar wurde wenn sie sehr stark belastet wurde. Es verschwand aber immer innerhalb von 2 Tagen, und so bin ich sie so geritten wie ich wußte dass es möglichst nicht auftritt - zügig und lang, aber nie ganz schnell, obwohl sie doch so furchtbar gern rennen wollte. Trotzdem passierte es 4x dass wir im Ziel oder bei Nachuntersuchungen am nächsten Tag ausschieden. Ich wusste also dass da etwas war, aber seit 2003 ist das Karpalgelenk nun verdickt, in seiner Beweglichkeit beschränkt, und Ligeira nicht mehr reitbar. Traben kann sie nicht mehr gut, und hinlegen geht nur noch auf einer Seite, aber oft galoppiert sie noch mit dem halbsteifen Gelenk auf der Koppel, fast wie in alten Tagen, und zeigt mir dass sie noch Freude am Leben hat.
Jeden Tag macht sie mir eine Freude, allein dadurch dass sie da ist und ihre liebe Art... eigentlich glaube ich nicht daran dass ich so ein tolles Pferd nochmal bekommen werde in meinem Reiterleben. Ja, ich nehme bereits langsam Abschied von ihr - man darf ja nicht zu sehr festhalten. Wenn ich sie werde einschläfern müssen, werde ich vermutlich eine Woche lang nichts als weinen, und das hat sie auch verdient... Aber vielleicht werden sich in der nächsten Welt unsere Seelen, gleich in welcher Form, wiederfinden...



Gleich geht's los...! (Gräfendorf/ Fränkische Saale, 7. Sept.'96 - Start zu einem zehntägigen Biwakritt ins Thüringische... am Fuße der RHÖN)

F
alls Dir einer sagt es gäbe etwas perfekteres auf der Welt, als mit so einem Pferd auf einen Wanderritt zu gehen, so glaub ihm kein Wort...
Bestimmt hat er oder sie es bloß noch nicht erlebt..!.

Aufbruch

Bilder von Ligeira aus 2007

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