Khorsheet, die Feine...
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Khorsheet
 
So langsam komme ich in das Alter, um die Wahrheit des Sprichworts zu erkennen, das da lautet:

An einem edlen Pferd schätzt man nicht so sehr die Leistungsfähigkeit, wie den Charakter !

Leistungsfähig, das ist sie. Khorsheet überrascht mich immer wieder mit ihrer Stärke, in welcher Manier sie mit mir im Sattel steile Berge hinaufstiefelt, oder auf Distanzritten z.B. bei großer Hitze bis kurz vor den Stop im lässigen Canter noch an einigen Reitern vorbeizieht, und dann kommt sie in den Stopp, steckt die Nase tief ins Gras, hat sofort Puls 60, und die anderen pumpen und keuchen trotz übergeschütteten Wassers, was sie alles nicht nötig hat. Oder wenn sie auf Wanderritten auch in der achten Stunde Reiten noch "Zug" hat, selbst wenn plötzlich alles voller zugewachsener Wege ist. Auf dem Albritt von Ina Baader trug sie mich drei Tage, je 65-70km, wurde jeden Tag besser, und gab mir das schöne Gefühl dabei, die beiden anderen Tage auch jeweils die volle Strecke hätte gehen zu können. Sie ist nie die schnellste, eher von der unauffälligen, aber sehr konstanten Sorte, bewahrt immer tadellose Haltung und macht sich überall Freunde. Leistungsmäßig bin ich noch nie an ihre Grenze gestoßen, und hab mir eigentlich auch vorgenommen diese nicht auszutesten.

Sechs Jahre ist sie jetzt bei uns, und in der Zeit über 5000 km auf unseren schönen Fahrten, auf Wander- und Distanzritten gelaufen. Fürs Heizen von Kilometern auf Distanzritten ist sie mir zu schade. Wir gehen nur auf wenige ausgesuchte Ritte mit bestem Geläuf (das sind meist die Kartenritte, die die Araberverbände leider nicht als Leistungsprüfung anerkennen). Besonderes "Training" braucht sie dafür nicht. Zwischen Tempo 5 und Tempo 6, schön abwechslungsreich, mit viel Canter, aber auch viel führen wenn es bergab geht, das ist unser Tempo. Mit einem leichten Reiter könnte sie wohl viel schneller. Wären die Wege überall und immer so wie auf der "Grastäler", bräuchte sie das ganze Jahr über keine Eisen, obwohl sie meist über 250km im Monat geritten wird.

Aber charakterlich ist sie einfach einmalig. Khorsheet ist im täglichen Umgang das liebste, feinfühligste und respektvollste Pferd. Jeder der Gelegenheit hatte, nur einen Tag mit uns zu reiten, hat es mir bestätigt: "Sie ist etwas ganz Besonderes". Sozial und völlig aggressionslos gegen andere. Ihren Namen "Sonne" trägt sie zu recht, denn sie strahlt selbst an trüben Tagen Glück und Freude aus. Sie hat das Selbstbewusstsein und die innere Ruhe einer wahren Königin, und dabei ist (wie man das von einer wahrhaften Königin auch erwartet) Bescheidenheit ihr zweiter Vorname. Beim Reiten ist sie das feinste und gehorsamste Pferd, und schafft es doch, dass Valeria sich als tolle Reiterin fühlen und wilde Geschichten von ihren Bucklern erzählen kann, obwohl das "wilde Pferd" doch eigentlich kreuzbrav ist.

Wenn wir irgendwo unterwegs sind, kann man sie überall am losen Strick fressen lassen. Sie liebt es, unterwegs zu sein, ist absolut unkompliziert, bleibt einfach da, wo man sie stehen lässt, und läuft nicht weg. Sie ist wahrhaft treu. Fressen ist ihre Lieblingsbeschäftigung. Wenn man beim Reiten Pause macht, kann es sein dass der Kopf ins Gras geht und eine halbe Stunde nicht hoch kommt. Das habe ich bei noch keinem Araber so bemerkt, und hat nur gute Seiten. Sie ist mir noch auf keinem längeren Ritt abgemagert, im Gegenteil habe ich immer den Eindruck dass sie mit mehr Bauch nach Hause kommt als sie vorher hatte, und am zweiten Tag nach dem Ritt bekommt sie wieder ihre normale Ration. Deswegen heißt sie auch "das Pony". Aber sonst ist sie ganz vollblütig. Sie wartet nicht gerne, und Geduld ist auch nicht ihre Stärke. Wie eine Königin möchte sie auch gern behandelt werden. Und in schwierigem Gelände bringt sie sich nie in Gefahr, dank ihrer Ruhe, Vorsicht und Überlegung.

Mit acht Jahren ersteigerte ich sie ungeritten. Nach einem halben Jahr Handpferdetraining begann ich sie anzureiten. Unerwarteterweise erwiesen sich ihre bis dahin kaum geforderten Hufe als hart wie Feuerstein. Beim Anreiten machte sie nicht die mindesten Probleme, davon abgesehen dass sie etwas guckig war und die ersten 3 Monate kein Gebiss tragen wollte. Von Anfang an lief sie, egal ob mit oder ohne Reiter, in wunderbar lockerer Selbsthaltung, immer leicht am Zügel und gut am Schenkel. Wie dankbar sie war endlich richtig beschäftigt zu werden, und für die Weidehaltung!

Vollblutaraber reite ich nun seit 1991. Pferde in dieser hohen Qualität waren damals selten, klein, zwischen 1.47m und maximal 1.52m, meist polnischer oder polnisch-spanischer Abstammung. Khorsheet hat ehrliche 1.54m ohne Eisen, und viel Fundament. "Nicht so gakelig wie die meisten Araber" (Jürgen Zell). Sie hat keine "Ecken", alles an ihr ist rund. Für Stuten dieser Qualität hätte man damals hohe fünfstellige Beträge bezahlt, wahrscheinlich nur auf den Auktionen von Janow Podlaski bekommen, und diese Zuchtqualität dann schwerlich auf Ritten "aufs Spiel gesetzt". Khorsheet ist von amerikanischer (Distanz-) Abstammung, aus einer Crabbet- (Kuheilan) Linie. Für sie noch Papiere zu erhalten, 10 Jahre nach dem Import "in utero", war eine Abenteuergeschichte für sich, und gelang nur dank der DNA-Nachweise ihrer Eltern.

Nachdem ich sie ungefähr drei Jahre hatte, wurde mir klar, was für einen Glücksgriff ich mit ihr getan habe, und sie genau die Sorte Pferd ist, die man auch (wenn überhaupt) als alter Mann noch gut reiten kann und reiten möchte -- und dass ich ein solches Pferd, wenn sie mal alt sein wird, vermutlich für alles Geld der Welt nie mehr finden werde, es sei denn: ich züchte mindestens ein Fohlen mit ihr. So kam es dann zur Fohlenpause 2016 (in der sie "nur" 2200km geritten wurde, nicht gerechnet die drei Wanderfahrten mit 660km im tragenden Zustand 2015). Mit ihrem Charakter hat sie sich auch, wenig überraschend, als tolle Mutter erwiesen, und ihrem Fohlen Cimia all ihre guten Eigenschaften vererbt, insbesondere ihre Ruhe, Klugheit und Verfressenheit...

Khorsheet

Kleine Geschichtchen

So toll sie ohne Eisen läuft (8 von 12 Monaten im Jahr), eigentlich so gut wie mein Isländer Alex vor 30 Jahren, manchmal sind Hufschuhe schon eine feine Sache. Besonders wenn wir schon viele KM geritten sind, aber ich mit dem Beschlag aus Gründen von Ritt-Planungen noch etwas warten will. Da lagen mal auf einem Reiterflohmarkt vor 10 Jahren diese Swisshorse-Boots herum, wenig gebraucht. Leider für Ligeira und Natascha etwas zu klein, für Alex (damals schon Rentner und kein Beschlagträger mehr) zu groß -- eher für Araber angepasst, das sah ich auf einen Blick. Ich kaufte sie, obwohl kein passendes Pferd da war, trotzdem für 15 Euro, einfach aus Freude aus allem was mit dem Pferdehuf zu tun hat. Stefan Zöller hat sie vor 20 Jahren mir gegenüber in höchsten Tönen gelobt, und auf dessen Wort kann man zählen. Ihre simple, stabile Machart gefiel mir schon immer. Wenn Hufschuhe, dann solche. Und siehe da, 10 Jahre später, Khorsheet mit ihren wunderbar regelmäßig geformten Hufen passen sie wie angegossen. Doch nach etwa 20 Ritten damit geht einer der Fesselriemen an der Schnalle kaputt (wahrscheinlich hatte ich einmal den rechten und linken vertauscht, und die normalerweise außen liegenden Schnallen schlugen gegeneinander). Ich hatte noch nicht verstanden, dass diese Fesselbeugen-Riemen nicht einfach Zierde oder Festhalteriemen für Notfälle sind, denk mir nichts dabei und lasse ich locker. Aber danach beginnt der betreffende Hufschuh alle ca. 10km abzufallen. Ich finde ihn immer recht schnell wieder, bloß an einem Abend nicht. Wir sind vorher durch ein Stück mit Matsch und Pfützen geritten, und im aufkommenden Dunkel muß ich die schmutzige Suche bald abbrechen. 
Bis zuhause sind es noch 5km. Als ich dann vor dem letzten Bergabstück zur Koppel absteige und noch einmal auf alle Hufe schaue, muss ich zwei mal hinschauen, erst dann glaub ich es, und werfe mich fast auf den Boden vor Lachen : Der verloren geglaubte Hufschuh sitzt doch tatsächlich am diagonalen Hinterhuf, sie muss vorne raus und direkt hinten reingeschlüpft sein. Jetzt weiß ich, warum mein Pferd bei meiner Suche mit so einer Engelsgeduld die ganze Zeit neben mir stand... Wenn ich nun noch erzähle, dass mir dasselbe einige Monate später noch einmal passierte (ich dann aber gleich am betreffenden Hinterbein nachgeschaut habe) glaubt mir das wahrscheinlich keiner mehr. Irgendwann später tauschte ich dann tatsächlich die Riemchenschnalle aus, die den Riemen damit wieder sicherte, und seitdem sind die Verluste nicht mehr aufgetreten. Der Riemen ist, obwohl im Normalfall nicht eng an die Fesselbeuge geschnallt und damit fast überflüssig aussehend, doch erforderlich, um das "Halb-Ausziehen" des Hufschuhs zu verhindern und ihn sicher zu halten. Fehlt er, oder schließt nicht sicher, wird der Hufschuh auf saugenden Böden erst locker und geht 1-2 Schritt später verloren.

Distanzritt im Hunsrück, zweiter Tag. Auf dem Weg zum ersten Stop wartet meine Frau mit dem Wassereimer. Ich bin mit einer zügig, aber nicht schnell reitenden Vierergruppe unterwegs, die Spitzenreiterin ist schon ausgerissen. Die anderen Reiter gehen am Eimer vorbei, Khorsheet reite ich an den Eimer heran. Der letzte Weg ging ein ganzes Stück das Tal hoch, der Stop ist in 2km Entfernung, die Sonne scheint bereits kräftig, Wasser ist jetzt nicht schlecht. Ob sie wohl saufen mag wenn die anderen weiter gehen? Khorsheet säuft in langen Zügen den ganzen Eimer leer, als wäre sie schon 40km gegangen, es sind aber erst 20, in aller Ruhe. Die anderen sind längst weitergetrabt. Steht nach dem Saufen noch am langen Zügel da. Prima. Ich hab es auch nicht eilig. Und als ich die Zügel endlich aufnehme, setzt sie sich in gemütlichen Canter und galoppiert ohne besondere Hilfe auf der halben Hinterbacke hinterher. Weiß genau "Die können mir gar nicht weglaufen, die krieg ich wieder", und 500m später haben wir sie auch wieder. Sowas selbstbewusstes!

Schlechte Bekanntschaft mit einem unsichtbaren, mit Forstschleppern (unverantwortlicher Weise) in den Boden eingearbeiteten Drahtgitterzaun erleben wir auf unserer ersten Wanderfahrt mit Zahra. Zahra geht vorne, verhängt sich mit zwei Hufeisen zugleich in einem Drahtgitter, und geht auf der Stelle zu Boden (der ist zum Glück weich). Khorsheet bleibt gleichfalls hängen, nur mit einem Huf, reisst sich - Glückspilz wie immer - das schon etwas ältere Eisen mit einem Schwung los und weicht etwas zurück. Kein bißchen Panik. Ich springe augenblicklich aus dem Sattel, erfasse erst mal gar nicht was los ist, lasse aber mein Pferdchen los, stürze auf Zahra zu (Andrea ist schon auf den Beinen) und helfe sie befreien. Seit diesem Erlebnis markiert Khorsheet, jetzt noch, Jahre später, alle an Wegrändern aufgestapelte Drahtrollen, abgestellte Armierungsgitter u.ä. durch Schnauben und Ausweichen, und ist überzeugt, für unsere Sicherheit zu sorgen. "Die Drahtdinger können sehr gefährlich für Pferde sein, weißt Du das!"

Auf unser ersten Alleinfahrt, in den Pfälzerwald, schwitzte sie auf der Hinfahrt noch im Hänger am ganzen Körper vor Aufregung und Angst. Wir sind 5 Tage unterwegs, und fast jeden Tag verlegen wir unser Lager um 10-15km und fahren ein Stückchen mit dem Hänger, wobei sie immer ohne Zeichen von Unruhe und Widerwillen, tapfer einsteigt. Keinerlei Druck, ruhigstes Verladen, Mohrrüben, Plane hoch, Plane runter - ich unternehm alles, um ihr die Angst zu nehmen. Auf der Rückfahrt schwitzt sie dann nicht mehr und frisst das ganze Heunetz leer. -- Das letzte Lager vor einem ehemaligen kleinen Gutshof, nun längst ohne Landwirtschaft, auf der kleinen Wiese vor dem Haus, wo ich das Gespann hinstellen durfte, in Straßennähe. Nicht ganz optimale Lage, aber sehr schön, der beste Platz in der Umgebung. Ich bin am Morgen noch 3 Stündchen geritten, will jetzt eigentlich heimfahren, aber vorher mich noch von meinem Gastgeber verabschieden und Danke sagen. Die Sonne ist herausgekommen an diesem Sonntag mittag. Khorsheet grast ruhig am Laufseil, ich gehe in den Vierseithof, klingel nach dem Besitzer. Der zeigt mir in der Garage noch seine 60 Jahre alte Citroen Limusine im unrestaurierten Originalzustand, schwarz natürlich, rostfrei, leichte Lackschäden mit dem Pinsel ausgebessert. Dann will er sich das Pferd anschauen. Wir stehen herum und ich erkläre es ihm. Khorsheet grast und lauscht mit den Ohren, scheint zu spüren dass über sie gesprochen wird. Da reiten vier Reiter in 50m Entfernung vorbei. Khorsheet schaut kurz hin und widmet sich dann wieder dem Gras. Da sagt mein Gastgeber, wirklich kein Landwirt oder Pferdekenner: "Das ist auch so etwas, was mir an ihrem Pferd gefällt, neben der praktischen Größe : Man kennt es doch, dass Pferde mit anderen Pferden mitlaufen wollen. Aber Ihres guckt bloß einmal genau hin und bleibt dann ungerührt stehen". Mich hat diese Szene ebenso, oder noch mehr beeindruckt als ihn, und meine Antwort ist "- Die weiß eben genau wo sie hin gehört"

Khorsheet

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