taunusreiter TAUNUSREITER
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Neu 
April 2013   (Ergänzt JAN/FEB 2016)

- Fortsetzung von "Der unbeschlagene Huf" -

"Grundregel fürs Training ist, das Pferd immer soviel zu reiten, dass vom Huf niemals etwas abgenommen werden muss, aber auch kein künstlicher Hufschutz notwendig wird" (Jörg Dietz, 1992 auf einem Seminar für Distanzreiter)

Der Hufbeschlag - ein notwendiges Übel?

Warum ein Übel? Weil auch ein handwerklich gut gemachter Beschlag - um von den schlechten nicht reden zu müssen - nicht immer frei von unerwünschten Neben- und Folgewirkungen ist. Weshalb es ratsam ist, das Pferd bloss dann zu beschlagen, wenn es wirklich notwendig wird -- und den Beschlag wieder auszusetzen und barfuß zu reiten, sobald die Notwendigkeit zum Beschlag, auch für bloß kurze Zeit, weggefallen ist.

Warum notwendig? Weil die natürliche Schutzwirkung des Hufs gegen Abrieb durch harte Wege und Straßen oft nicht ausreichend ist, was es dann erforderlich macht die Hufe zusätzlich zu schützen.

Woran liegt das?
An einigen, nicht an allen Punkten kann der Reiter/Besitzer etwas tun.

Das Wort vom Hufbeschlag als "notwendigem Übel" hat kein esoterischer Hufbeschwörer und Beschlagshasser neuerer Zeit erfunden, der seine Pferde nur betüddelt und noch nie ernsthaft geritten hat, und daher noch nie in die Notwendigkeit kam sein Pferd beschlagen zu müssen. Es war der preußische Artillerie-Oberst Peter Spohr in seinem Buch von der "Bein- und Hufpflege" (erschienen 1883-1921 in 9 Auflagen, seinerzeit also so etwas wie ein Bestseller und noch heute bekannt). Jemand der, als die Kanonen des Militärs noch mit Pferden bewegt werden musste, keinerlei Illusionen hegen konnte, dass Hufbeschlag jemals vollkommen entbehrlich werden könnte - der aber auch schrieb "dem Luxus, die Hufeisen mit 3 Nägeln pro Huf zu befestigen (pro Huf - nicht pro Schenkel!!) habe ich in Friedenszeiten auch eine Weile gehuldigt".  Die so beschlagenen Pferde waren Militärpferde, die er als Offizier im Dienst ritt, und die dem Staat gehörten, wohlgemerkt.

Und er schreibt "In der Winterperiode (während der in der "guten alten Zeit" vor dem 1. Weltkrieg weder harte Geländeübungen stattfanden, die Pferde standen im Winterfell, noch Kriege geführt wurden), und auch sonst wenn sich die Möglichkeit bietet, sollten alle Dienstpferde barfuß gehen"

Und weiter schreibt er über den Hufbeschlag (1912): "Der Hufbeschlag schadet nun umso mehr, je mehr er die Elastizität der Hornkapsel beschränkt, also je starrer das Material des Beschlages ist, je mehr Nägel zu seiner Befestigung erforderlich sind, und umso weiter sich diese nach hinten, nach den Fersen des Hufes erstrecken, wo die natürliche Ausdehnung des letzteren [Hufmechanismus] am größten ist. Der wesentlichste Fortschritt würde sein, wenn anstelle des jetzt zum Beschlag gebräuchlichen Eisens ein gleich haltbarer, billiger, aber dem Hufhorn selbst an Elastizität gleichstehender Stoff gesetzt werden könnte. Solange ein solcher nicht gefunden ist, muss die möglichste Verringerung der Abmessungen des Eisens und der Zahl der zur Befestigung dienenden Nägel angestrebt werden".

Und heute, zwanzig Jahre nachdem man die von Spohr sehnlichst gewünschten alternativen Materialien für den Beschlag er- bzw. gefunden hat? Lassen einige Reiter ihre Pferde immer noch das ganze Jahr über mit Eisen beschlagen, obwohl sie weniger gehen müssen als die Kriegspferde Preußens im Training - schon gar nicht auf harten Straßen mit Kiesbelag Kanonen zu ziehen haben, sondern auf luxeriös weichem Wald- oder gar Hallenboden geritten werden können.

Hufmechanismus
Abb: Lehrbild zum Hufmechanismus. Blankgescheuerte Tragflächen bei frisch abgenommenen Eisen (zweiter Hufbeschlag für Khorsheet, 9-jährig). Die Stute (Vollblutaraber) war im Stall aufgewachsen und mit 8 Jahren noch ungeritten. Dass ihre Hufe irgendeine Belastung vertragen würden, war nicht ernsthaft zu erwarten. Dem entgegengesetzt erwiesen sie sich aber als hart wie Stein. Nach 820km und 1x umbeschlagen  (1x 4 Wochen, 1x 6 Wochen) haben diese Eisen ihren Dienst ehrbar getan und sind nun reif fürs Alteisen. Man schaue das Tragbild der Hufe mal genau an (die durch die Hufe hinterlassenen Spuren sind 1-2mm tief): Will da irgendwer noch behaupten, der Hufmechanismus werde durch Eisenbeschlag grundsätzlich blockiert?? Rechts auf dem Eimerdeckel liegen alle zur Befestigung verwendeten Hufnägel (bitte zählen). Das Pferd ging im Berichtsjahr 3.600km, davon 39%  mit Eisen, den Rest barfuß, nämlich über 36 von 52 Wochen, wobei ab und zu Hufschuhe angelegt wurden.
Was bedeutet das, und widerspricht es nicht den oben aufgestellten Grundregeln? Nein. Es zeigt, dass bei deren voller Gültigkeit ein durch viel Barfußgehen bestens gehaltener Huf durch 1-2 rücksichtsvolle Beschläge im Jahr, zu den Höhepunkten der Saison, keinen Schaden nehmen wird.

Im Grundsatz bin ich ebenfalls der Meinung, dass ein Pferd, das immer nur soviel geritten wird, wie sein unbeschlagener Huf zulässt, kaum jemals in seinem Bewegungsapparat geschädigt werden kann*). Ja, die Leistungsfähigkeit des Hufs ist ein Maß für die Leistungsfähigkeit des Pferdes insgesamt - und gegebenenfalls auch seiner übertriebenen Nutzung oder Überforderung!

Ein Pferd mit nicht überforderten Hufen kann man im Winter bei Schnee barfuß auf harten und befestigten Wegen im Galopp trainieren. Dabei ist der Schnee das elastischste und beste Geläuf für den Bewegungsapparat, und seine Kälte bietet einen hervorragender Reiz für die Durchblutung desselben. Sobald die Wege im Frühjahr aber trockener werden, muss man als Reiter mehr und mehr unbefestigtes Geläuf suchen, und sich überlegen, bis wann er noch ohne Hufschutz weiterreiten kann. Auch ich teile die Skepsis Spohr's, der in 60 Jahren Beobachtung als Offizier bloß ein einziges Militärdienstpferd fand, dass auch bei andauernden Märschen auf harten Chausseen (heutigen befestigten Feld- und Fahrwegen entsprechend) immer barfuß gehen konnte.

Bei den heutigen Freizeitpferden, auf den wichtigsten Wanderritten der Saison, lässt sich die Benutzung harter Wegabschnitte (im Schritt) ebenfalls nicht völlig vermeiden. Das heisst aber umgekehrt, 8-10 von 12 Monaten im Jahr sollte es eigentlich ohne Beschlag gehen, wobei Hufschuhe ja auch noch eine Alternative sind (ich bin in den letzten 1 1/2 Jahren Fan der Swiss Horse Boots geworden). Es müssten, zumindest bei Pferden die sich auf den Hinterhufen stärker ablaufen (was ja ein gutes Zeichen ist, für ein Pferd das sich gut "trägt") auch solche für hinten vorhanden sein, was wohl nur selten der Fall ist.

Barfuß, Eisen, Hufschuhe, Plastikplatten? Eine Frage des "Entweder, oder"?

In der verbliebenen "Hochsaison" (3-4 Monate) genügen mir persönlich 1-2 Hufbeschläge mit griffigen Profileisen, von denen einer mit etwas Glück noch umbeschlagen werden kann. Immer folgt auf eine Beschlagsperiode der "Hochsaison" eine mehr oder weniger lange, oder kurze Barfußperiode. Das heisst, aufgrund der in dieser Phasen hohen KM-Leistung (800km in der Beschlagperiode von 5-6 Wochen sind die Regel), ist mir für diesen Beschlag dann Eisen doch das besser durchhaltende, geeignetste Material. Obwohl man Plastikplatten, wenn man bloß 500-600km in der Beschlagperiode reitet und 6-7 Nägel zur Befestigung verwendet, gut hernehmen kann. Ich habe aber festgestellt dass der Hufmechanismus am besten auf Eisen funktioniert, und die Pferde damit freier, d.h. rücksichtsloser laufen.

Die genannten Eisen befestige ich für die o.g. Belastung nicht mit 3 Nägeln je Eisen, wie Spohr in seiner Phase der "Liebhaberei", aber auch nicht mit 7, wie er für den "Kriegsfall" empfiehlt (um kein Eisen, Pferd oder gar Mann zu verlieren), sondern mit nur 4-5. Ich würde aber nicht 4-5 Eisenbeschläge im Jahr aufschlagen wegen irgendwelcher organisierter Veranstaltungen auf hartem, hufverschleissenden Geläuf. Da wäre mir das Risiko zu groß, dass hierdurch auch die Sehnen und Gelenke meines Pferdes angegriffen werden...

Ich habe jedoch auch noch ein älteres Pferd, welches nicht soviel geht. Für dieses ist Kunststoffbeschlag die beste Wahl.

Bloß Leute die nichts von der Sache verstehen, oder ein "Teilwissen" haben - auf allen Gebieten den Pferden viel schädlicher als bloßes Nichtwissen! - machen aus dem Hufschutz eine Glaubensfrage, auf die es bloß eine Antwort gibt. Besonders die "Extreme" sind fürs Pferd stets gesundheitsschädlich, also sowohl dauerhaftes Barfußgehen für Pferde die im Gelände viele Kilometer gehen, als auch das Pferd jahraus-jahrein 11-12 Monate im Jahr beschlagen zu lassen.

Die Grenzen unbeschlagenen Reitens

Die Grenzen des Barfußreitens sind jedenfalls dort erreicht, wo ich als Reiter spüre (oder eben auch nicht spüre), dass die Gänge an Qualität nachlassen und kürzer werden, das Pferd beginnt eine Schonhaltung einzunehmen. Wer jetzt nicht Hufschuhe drauf macht oder beschlägt, erlebt als nächstes, wie sich Rücken- und Hinterhandmuskulatur abbauen. Oder besser gesagt, erlebt es nicht, sondern wird mit dem Ergebnis konfrontiert. Und dann werden viele Monate korrekten Reitens nötig sein, um sie wieder aufzutrainieren. Da ein solcher Fehler oft zu Saisonbeginn auftritt, heisst das, dass man sich damit gleich das ganze Jahr verdorben hat. Einige Pferde sind früh an diesem Punkt, andere, die echten Kämpfer, laufen auch mit abgenutzten Hufen noch eine ganze Weile tapfer unbeeindruckt weiter. Aber auch die kommen an den Punkt, wo der Reiter erkennen muss, ab jetzt geht es nur mit Hufschutz weiter. Mehr als 250km pro Monat kann fast kein Pferd dauerhaft ohne Hufschutz gehen, selbst wenn man sich als Reiter noch soviel Mühe gibt sich nur die besten Wege auszusuchen. Ich bin immer froh und stolz wenn mich mein Reitpferd Nr.1 die Wintersaison von November bis April die ganze Zeit ohne Beschlag getragen hat.

Mein Reitpferd Nr.2, jetzt schon über 20 Jahre, mit einer überstandenen Hufrehe und gebliebener Empfindlichkeit für Huflederhautentzündungen, braucht dagegen fast im ganzen Jahr Beschlag um komfortabel und schmerzfrei zu laufen. Ohne Beschlag bewegt es sich selbst auf der Koppel langsam und vorsichtig. Hier ist der Beschlag unverzichtbarer Beitrag zum Wohlbefinden des Tieres, Voraussetzung das Pferd weiterhin regelmäßig zu bewegen und dem körperlichen Abbau (der ansonsten schnell einsetzen würde), wie auch Bewegungsmangelkrankheiten vorzubeugen. Ohne Beschlag ist mit diesem Pferd wirklich gar nichts anzufangen. Mit geeignetem Beschlag ist es als Wanderreitpferd sehr leistungsfähig, d.h. kann im Team mit dem Reitpferd Nr.1, abwechselnd geritten, 45-60km täglich, in allen Gangarten, gehen.

Manchmal, weil der Abbau von Gangqualität sich schleichend vollzieht, oder bei manchen ist dies Gespür, wann man zum Hufschutz greifen muss, anscheinend auch nicht vorhanden. Ich habe viele "Barfußpferde" gesehen mit weit heruntergerittenen Hufen und Gängen, ohne jede Rücken- und Hinterhandmuskulatur, aber Besitzern die stolz verkündeten "der braucht nie Eisen!", und einige von ihnen gingen sogar Wettkämpfe. Auf Distanzritten fliegen solche Pferde heutzutage meistens am ersten, spätestens zweiten Stop raus. Wenn, wie oft in solchen Fällen, zu kurzen Gängen dann auch noch zu kurze Trachten und zu flache Stellung kommen, hat das Pferd bald ein ernstes Problem mit den Sehnen und ist durch die Ignoranz des Reiters auf dem besten Weg in Richtung Metzger!

Kalt- oder Warmbeschlag - eine Glaubens- oder doch eher Könnensfrage?

Wohl jeder, der selbst wenig handwerksaffin ist, ist mißtrauisch, wenn nicht schon gegen das Nageln mit Hufnägeln selbst, dann gewiss gegenüber dem "Aufbrennen" glühender Eisen - und jeder, mit dem Selbstbeschlagen seiner Pferde anfängt, beginnt mit Kaltbeschlag. Das ist okay so, denn man beginnt mit dem leichteren und soll sich zum schwereren steigern. Mich motivierten 1990 die damals neuen Sagimex-Kunststoffplatten zum Selbstbeschlag für Distanzritte - kein Schmied wollte diesen "Mistkram" damals anrühren - später ersetzt durch Platten aus besseren Material und mit besserer Form und Profilierung.
Kunststoffplatten und Alubeschläge lassen sich nicht warm anpassen, das ist Fakt. - Auch mit der besten (und langwierigen) manuellen Bearbeitung kann eine Passform und Genauigkeit nicht erreicht werden, wie mit dem in roter Hitze bearbeiteten und in brauner Hitze aufgepassten Eisen. Das ist ebenso Fakt.
Soweit es Präzision und Haltbarkeit betrifft, ist und bleibt Heissbeschlag die erste Wahl. Auch sehr gute leichte Fabrikhufeisen, wie die von mir jetzt favorisierten St.Croix Eventer - in der Form wie alte handgeschmiedete englische Jagdpferdeeisen: die besten Hufeisen für Geländpferde, so griffig dass Vidiastifte kaum mehr erforderlich sind - müssen, selbst bei Pferden mit allerbesten und regelmäßigsten Hufformen, noch angepasst werden; insbesondere sind die Schenkelenden oft zu enge, was das Hineinklemmen von Steinen begünstigt. Diese ordentlich zu weiten, ist nur mit roter Hitze vernünftig möglich. Und ob eine dem Auge nach plan geraspelte Auflagefläche wirklich plan ist, vermag nur die Prüfung durch das mit brauner Hitze aufgelegte Eisen zu zeigen.
Natürlich kann man sich mit "weniger" zufrieden geben, soweit die reiterlichen Ansprüche nicht so hoch sind, und die Pferdegesundheit dadurch nicht kompromittiert wird. Auch ich praktiziere aus Gründen der Zeitersparnis das Umbeschlagen (kaltes Wiederauflegen noch gebrauchsfähiger Eisen, die schon einmal warm angepasst wurden), aber eben nur für kurze Perioden mit geringerer KM-Leistung, beispielsweise im Herbst, wenn bei uns die Wege auch schon feuchter sind und man nicht auf den guten Gleitschutz neuer, scharfer Eisen auf hartem trockenem Boden angewiesen ist. Wo man sich insgesamt, wie in vielen Gegenden der berittenen Welt, wo eine hufschmiedeliche Handwerkstradition fehlt, mit Kaltbeschlag begnügt, werden eben mehr oder weniger die Hufe der Form der Beschläge angepasst, anstatt umgekehrt, wie es sein sollte.
Mein erster Schmied, Meister Guckes in Oberems, der meine Pferde bis 1995 mit Eisen beschlug und sein Handwerk noch bei der Wehrmacht erlernt hatte, kannte das gar nicht: Er hatte nur eine Größe grob vorgefertigter Hufeisen für alle Pferde seines Kundenstammes (auch Ponys und Kaltblüter), die er für vorne oder hinten individuell ausformte und passend kürzte, inklusive herausgeschmiedeter Aufzüge. Am Amboß war er ein echter Künstler. Er war ein kleiner und wenig kräftig wirkender Mann, aber als echter Schmied beherrschte er das Feuer und konnte es sich leisten Muskelkraft zu sparen. Plus Hin- und Rückritt zur Schmiede von je 3/4 Std., dauerte der Beschlag bis zu 2 Stunden, wobei mir nie langweilig wurde. Gern gab mir der Meister Auskunft zu all meinen Fragen zum Beschlag. Seine Liebe und Geduld mit Pferden bleiben für mich ebenfalls beispielhaft.
Dass man Hufeisen nicht rotglühend "aufbrennen" darf, bis sie passend sind, setze ich hier einmal voraus. Das wurde schon vor 100 Jahren abgelehnt, verurteilt, und Schmiedelehrlingen anders beigebracht. Aber: Das Auflegen eines Eisens mit brauner oder schwarzer Hitze schadet einem gesunden Huf durchaus nicht, und selbst Pferde mit eingetretener chronischer Hufbeinrotation zeigen rechtzeitig an wenn sie das heisse Eisen zu spüren beginnen, während sie das kalte Bearbeiten/Beraspeln häufig zulange dulden bis die Sohle schon zu dünn ist. Bei jungen oder Heissbeschlag-ungewohnten Pferden ist es ja generell so, dass man sie beim 1. und 2. Mal beruhigen, beschmeicheln und ablenken muss. Das hat nichts zu sagen. Dass das warme Auflegen ihnen nicht schadet, erkennt man daran, dass jedes richtig behandelte Pferd beim 3. Warmbeschlag die Prozedur duldet ohne Widerwillen anzuzeigen und kein Helfer mehr notwendig ist. Es ist freilich nützlich und insbesondere beim Beschlagen in trockener Hitze erforderlich, die Hufe nach bzw. evtl. auch vor dem Warm-Anpassen kurz in einen Wassereimer zu stellen, denn selbstverständlich entzieht das Brennen ihnen Feuchtigkeit, die dann rasch wieder zugeführt werden muss.
Dass das warme Anpassen mit anschliessener Feinbearbeitung mit der Hufraspel die präziseste Form der Huf- und Beschlag-Anpassung ist, verrät Hufschmied und Reiter der beherzte Gang des Pferdes, mit dem es auf seinen neuen Eisen aus der Schmiede herausmarschiert!
- Wer dagegen die Ansicht vertritt, ein Pferd müsse sich mit dem neuen Beschlag erst "einlaufen", hat etwas grundlegendes falsch verstanden!

Hufbeschlag
Sommer : 11.Hufbeschlag von Khorsheet nach 17.000km (als Reit- und Handpferd), St.Croix Eventer Gr.1. Man beachte die Ausprägung des Strahls, beim Araberpferd!
(Die Teilbilder sind nicht maßstäblich; Vorder- und Hinterhufe sind jeweils gleich groß: Vo. Gr.1, hi. Gr. 0)

Das Eisen - ein "starres" Material am lebendigen Huf?

In den ersten 5 Jahren meines Reiterlebens ritt ich mein Pony ausschliesslich barfuß, bei KM-Leistungen von schon damals bis zu 3.000km pro Jahr. Es war ein wirklich ganz harter Barfußgänger. Hartgeschotterte Wege waren damals noch selten, oder vermeidbar. Dennoch kamen wir bei einem Wanderitt von 290km in 8 Tagen an den Punkt, wo ich mir sagte: Beim nächsten Ritt ab dieser Länge brauche ich Hufschutz. Beim damaligen teuren Dollar und schlechten Bezugsmöglichkeiten waren amerikanische Easyboots nicht zu bekommen, und ein Versuch mit Hufschuhen von Dallmer endete als Fiasko.
Meine Reitkameraden am Hof, die alle barfuß ritten (im Monat vielleicht 100-180km), prognostizierten mir den raschen Tod meines Ponies, wenn ich damit zum Hufschmied gehen würde. Ein lebendiges Wesen mit Hufnägeln zu malträtieren - das kann ja nicht gut gehen. Nun denn - es ging gut, und nicht bloß dieses eine Mal. Das Pony blieb bis zum hohen Alter gesund und leistungsfähig. - Es wurde aber immer bloß beschlagen, wenn es "nötig" war.

Wenn ich mir die "Argumente" von Hufbeschlagsgegnern, angefangen bei Hiltrud Strasser, anschaue, sind es heute noch dieselben wie die meiner  wohlmeinenden, handwerksfernen Hofkameraden von damals. Wenige von ihnen hatten einiges vom Huf verstanden. Vom Stahl hatte niemand auch nur die geringste Ahnung.
Auch der Pferdehuf ist nur dem ersten Anschein nach ein starres und totes Gebilde.
Nur wer noch nie mit Eisen gearbeitet hat, und dessen Verformbarkeit unter großen Kräften nicht kennt, kann dies in Unkenntnis als "starres" Material bezeichnen.
Das gilt auch vom stählernen Hufnagel. Wäre er unnachgiebig, könnte er die Ausweitung der Hufkapsel beim schnellen Auffussen nicht mitmachen und würde brechen, das Eisen im Nu abfallen. In Wahrheit muss er sich hochflexibel verhalten, jedoch ist dessen immerwährende Bewegung bei jedem Schritt und Sprung dem menschlichen Auge entzogen. Die alten, handgeschmiedeten Hufnägel brachen häufig; die neuen, maschinengefertigtem aus speziellem Stahl kaum noch. Jeder Hufschmied wird die aus diesem Grund die flexibelste, kleinst- und feinstmögliche Nägelgröße aus den langen Katalogen der Beschlaghersteller heraussuchen, deren keine Wünsche offen lassende Auswahlmöglichkeit wunderbar ist. "Kann ich hier noch Vierer nehmen oder brauche ich schon Fünfer?"

Zweifellos ist das Eisen weniger flexibel und härter als der Huf. Aber wiederum auch nicht soviel härter, dass der Hufmechanismus auf dem Eisen nicht "arbeiten", es eindrücken kann (wie das Bild der frisch abgenommenen Eisen oben belegt).
Wie jeder Reiter weiß, wachsen die Hufe unter dem Eisen länger. Wäre es nicht so, müsste man nicht, wie bei Pferden mit gut wachsenden Hufen, die Eisen nach 5 Wochen schon wieder abnehmen, sondern könnte "ewig" weiterreiten bis die Eisen komplett verschlissen sind. Wenn man die Eisen aber zu lange liegen lässt, werden die Hufe nicht gleichmäßig länger, sondern die Zehe wächst stärker, und Eckstreben und Trachten wetzen sich auf den Eisen stärker ab als die Zehe. Im Ergebnis deformiert sich die Hufform, die Hufstellung wird flacher: Hufrolle und Sehnen sind in Gefahr!
Diese Erscheinungen sind nicht dem Beschlag anzulasten, auch nicht dem Schmied, sondern allein der Nachlässigkeit oder falscher Sparsamkeit des Reiters. Sie können prinzipiell beim Beschlag mit Kunststoff ebenso auftreten, allerdings arbeiten sich hier die Eckstreben häufig stärker ins Material des Beschlags ein, was den Hufmechanismus auch nicht gerade befördert. Immerhin sind sie bei abgenommenem Beschlag oft noch vorhanden.

Jeder Reiter
der sein Pferd beschlagen lässt, sollte daher

Hufeisenformer
Hufeisenformer : Vielleicht die Alternative zur Gas-Esse, und die einzig gute Lösung für Alu-Eisen?

Das "Vernageln"

Jedes Beschlagen mit Nägeln birgt das Risiko der Vernagelung. Das warme Aufpassen des zuvor rotglühend gerichteten Eisens und die Kontrolle der weißen Linie ist der beste Schutz gegen Vernageln. Das Nageln kann beim warmen Beschlag daher präziser vor sich gehen, und Vernageln kommt beim Kaltbeschlag infolgedessen öfters vor, als beim Warmbeschlag. Die 2-3 Mal, wo ich bei etwa 3000 gesetzen Nägeln eins meiner Pferde vernagelt habe, kamen alle beim Kaltbeschlag vor (mit Plastikplatten).
Man unterscheidet direkte und indirekte Vernagelung. Die direkte Vernagelung, also das Nageln "ins Leben" (die Huflederhaut) ist die unproblematischere von beiden, auch wenn sie zunächst etwas dramatischer wirkt. Sie führt zu einer sofortigen, kurzen Schmerzreaktion des Pferdes (Wegzucken), und geringfügigen Blutaustritt aus dem Nagelkanal. Der Hufschmied wird die Wunde ein wenig bluten lassen, am besten den Huf dabei weiter aufhalten lassen, damit kein Schmutz vom Boden eindringt, erforderlichenfalls ein mildes(!) Desinfektionsmittel einbringen - versicherungstechnisch wohl oft nötig, sonst aber kaum, denn der Nagel kam ja hoffentlich aus der sauberen Schachtel und war brandneu. Nach wenigen Minuten wird die Blutung von selbst zum Stillstand kommen. Der Schmied wird nun das Nagelloch frei lassen oder einen neuen Nagel flacher ansetzen. Das Pferd muss danach in jedem Fall auf sauberen Boden stehen, damit die zunächst saubere Wunde nicht verunreinigt wird. Ist der Besitzer beim Beschlag nicht anwesend, muss er ihn über die eingetretene Vernagelung in Kenntnis setzen, damit der nun einen Eiltermin mit dem Tierarzt ausmachen kann, falls das Tier nicht tetanus-geimpft ist. - Ich habe aber noch nie erlebt oder davon gehört, dass eine direkte Vernagelung Lahmheiten oder andere Schäden verursacht hat.
Mehr muss man sich vor der indirekten Vernagelung hüten, bei der der Nagel zu dicht an der Huflederhaut vorbeiführt, diese aber nicht direkt getroffen hat, und einige Tage nach dem Beschlag Pulsation am Fesselkopf, Entzündung mit Lahmheit hervorruft. Eine solche Vernagelung ist dem Pferd fast immer schon beim Nageln spürbar, und zeigt dies dem Schmied durch Wegzucken mit dem Huf etc. an. Bei einem ansonsten ruhigem Pferd wird der Schmied das Zeichen beachten, auch hier den Nagel entfernen und einen neuen, etwas flacheren setzen.
Ist die Lahmheit bereits eingetreten, wird das Pferd den schmerzenden Nagel bei direktem Beklopfen mit dem Hammer etc. anzeigen. Auch hier ist die Fähigkeit des Reiters, einen Nagel zu entfernen, nützlich, damit die Entzündung nicht fortschreitet und das Pferd den Schmerz nicht länger aushalten muss als notwendig, bis Hufschmied oder Tierarzt vor Ort ist. Wird der betreffende Nagel schnell entfernt, und der Huf anschliessend im Wassereimer gut gekühlt, ggf. das Bein danach 2-3x 4-6 Std. feucht einbandagiert, sind in der Regel keine weiteren Maßnahmen erforderlich und das Pferd kann 2 Tage danach oft schon wieder geritten werden. Der Nagel wird nicht ersetzt.
Generell lässt aus der Höhe, wo der Nagel aus der Hufwand austritt, die Gefahr für indirekte Vernagelung sich nicht beurteilen. Hoch angesetzte Nägel sind, zumindest bei Pferden mit ordentlichem Hufwachstum, zu niedrig heraustretenden "Angstnägeln" immer vorzuziehen, denn letztere halten das Eisen schlecht, führen zu verlorenen Beschlägen und in der Folge damit zu weiteren, unnötigen Löchern im Huf, und sind erst recht abzulehnen.
Anders als der Laie vielleicht glaubt, hält auch nicht der "Niet" den Nagel in der Hufwand oder das Eisen am Huf. Ein auf "altdeutsche Art" aufwendig gemachter Niet kann, falls das Eisen doch einmal abreisst, die halbe Hufwand mitreissen, was sehr unschön ist. Ich niete daher nicht, sondern clinche nur mit der Krokodilszange, was die Hufwand bei Beschlagverlusten besser mitmacht. Das mache ich bereits seit 1991 so, als man solche Zangen nur auf amerikanischen Ständen der Equitana und nicht im deutschen Handel bekam. Nachher wird nur mit dem Hämmerchen ein bisschen glattgeklopft, damit die Hufwand ringsherum glatt, und keine Nagelspitze Anlass für Streifverletzungen ist.

Unterlegplatten und Einlagen - ja oder nein?

Bei Pferden, die noch keine angegriffenen Beine haben, würde ich zu stoßdämpfenden Platten als Zwischenlage auch nicht raten.
Platten haben alle den Nachteil, dass sich zwischen ihnen und dem Huf Steinchen festklemmen, dass sie die schnelle Wärme- und Feuchtigkeitsabfuhr der Hufsohle behindern - welche umso wichtiger ist, je schneller und länger das Pferd geritten wird! - und diese, nämlich die Sohle, auf Dauer verweichlichen, anstatt abzuhärten, des weiteren aber das Eisen generell schneller locker wird und leichter verloren geht, was auch eine Folge des unnötigen, an dieser Stelle sehr schlecht plazierten Gewichts ist, wozu ja häufig noch eine Silikonfüllung kommt. Dieses bei jedem Schritt zu bewegende Mehrgewicht belastet überdies Muskeln und Sehnen stärker. Nicht dass das Pferd, das sich bei uns schon an so viel, auch unsinnige Dinge gewöhnen muss, sich nicht auch noch hieran gewöhnen könnte, aber: Würde ein Marathonläufer etwa mit dick gepolsterten Laufschuhen, die soviel wiegen wie sein eigener Fuß, etwa schneller oder besser laufen als mit möglichst leichten (oder gar barfuß)? Nein, die besten Laufschuhe sind heutzutage wundersam leicht. Genau wie man bei Pferden, die weit zu gehen haben, die leichtestmöglichen Beschläge verwendet. Jedes unnötige Gewicht am Huf ist prinzipiell von Übel. Will ich Platten/Einlagen, muss ich deren Gewicht am Beschlag sparen, z.B. Alu anstatt Eisen verwenden, mit halbierter KM-Lebensdauer.
Gegen all diese Nachteile steht als einziges der Vorteil, auch auf Schotter und Fels rücksichtslos reiten zu können. Wozu braucht man das? Jeder mag das halten wie es will, aber mir ist er das nicht wert.

Wozu sollten die Platten gut sein, bzw. was sollen sie besser können als der Pferdehuf selbst? - Der Gedanke, dass man sein Pferd gegen hartes Felsgestein u.ä. beschützen muss, ist ja sehr hübsch und kein wohlmeinender Tierfreund wird sich dem entziehen können. Aber er ist nicht zuende gedacht, weil err nicht berücksichtigt, dass es fast kein besseres Material gibt, um Stöße oder Schläge zu brechen, als das gesunde Hufhorn selbst. Denn dafür hat die Natur den Huf ja immerhin eingerichtet. Wird nicht auch in der Wildnis ein Pferd auf den vielen tausend KM ab und zu mal mit dem Huf hart auf einen Fels anschlagen den es übersehen hat? Sicherlich. Und genau wie das Reitpferd mit guten Hufen, wird es dann, fast immer ohne zu lahmen, weiterlaufen - nur die Stelle im äußerlichen Horngewebe, die den Schlag aushalten musste, ist zerstört und wird herausbrechen, wobei der Schaden oft erst nach Tagen sichtbar wird. Die empfindliche Huflederhaut oder das Hufbein haben nichts abbekommen, die beschädigte Stelle kann langsam herunterwachsen und verschwindet mit der Zeit spurlos. Dasselbe gilt auch von der Hufsohle - wenn sie nicht vom Schmied ausgewirkt wurde! **)

Verlorene Eisen - unabwendbares Schicksal?

Gute Hufsubstanz, passende Hufeisen, dazu größenmäßig passende Hufnägel, ein guter, nach physiologischen Grundsätzen beschlagender Hufschmied, und vernünftiges Reiten auf dem richtigen Geläuf, und nicht zuletzt, rechtzeitiger Beschlagwechsel, bewirken gemeinsam, dass Hufeisen kaum verloren gehen. Ist auch nur einer dieser Faktoren mangelhaft, können einem die Eisen jederzeit fortfliegen.

Meine Vollbluraraberin Khorsheet, die ich nun als jüngstes Pferd mit Eisen beschlage, hat von 48 Hufeisen in 5 Jahren nur eins davon in der 6. Woche verloren, ein hinteres, auf der Koppel, das mit über 800km schon sehr verbraucht war, und mir erst auffiel als ich die Beschläge abnahm. Sie verbraucht die hinteren Eisen immer sichtlich stärker als die vorderen, was bei Pferden die "auf der Vorhand" gehen, umgekehrt ist. Auch früher habe ich in den seltenen - ich erinnere mich an insgesamt drei - Fällen von Eisenverlusten diese eigentlich immer gegen Ende ihrer natürlichen Lebensdauer verloren, wo man natürlich keinen Distanz- oder Wanderritt mehr ansetzen sollte. Andererseits ist es auch nicht pferdegerecht, unnötig oft zu beschlagen. Hufschmiede, die selber Reiter sind, sind besonders der Versuchung ausgesetzt, es innerhalb des Beschlagintervalls "noch mal zu probieren". Sie haben ja im Ernstfall ein Eisen schnell ersetzt. Sie sollten aber berücksichtigen, dass auf die Hufe ihrer Pferde von interessierten Reitern (Nicht-Schmiede) besonders kritisch geguckt wird. Da ist oft der Spruch nicht weit vom "Schuster" der die schlechtesten Schuhe hat...

Ganz falsch ist es, und bei längerer Verfolgung des Grundsatzes sehr oft mit langfristig schädlichen Folgen für die Pferdegesundheit, die Eisen im Trachtenbereich zu kurz legen zu lassen, in der Befürchtung dass das Pferd vorne hinein- und sich das Eisen heruntertritt. Besser ist es, Vorsorge zu treffen dass der Vorderhuf gut abrollen kann (leichte Zehenrichtung), und die Hinterhufzehe etwas gekürzt, das Hintereisen ggf. etwas zurückgelegt wird. Macht man das alles richtig, muss man auch nicht zuviel Angst haben, wenn das Pferd mal "schmiedet" (d.h. mit der Zehe der hinteren Eisen im Trab gegen die Zehe des Vordereisens klappert). Das ist bei Pferden mit kurzem Rücken, langen Beinen und schwungvollem Gang manchmal schwer zu vermeiden, schadet aber, wenn es nur gelegentlich passiert und nicht überhand nimmt, überhaupt nicht. Dem würde abhelfen, die Zehenrichtung vorne extrem stark zu machen, dies ist aber schlecht für den Huf.

Früher war es die Regel, dass ein Schmied verlorene Eisen als Kundenservice kostenlos wieder aufnagelte, wofür es nach dem oben geschriebenen eigentlich kaum Veranlassung gibt. Vor allem führt dies zur falschen Motivation der Schmiede, um solches, ihren ganzen Arbeitsplan durcheinander bringendes Wiederaufschlagen zu vermeiden, die Eisen generell zu kurz zu machen, zum Schaden von Trachten, Strahl und Hufrollengegend. Ein vernünftiger Schmied wird seinen Kunden immer erklären, warum er solches Zu-Kurz-Legen der Eisen nicht macht, auch sonst bei der Arbeit allerlei nützliche Hinweise zum Huf und der Haltbarkeit des Eisens bei vernünftigem Gebrauch geben. Umgekehrt wird ein Pferdebesitzer den Schmied nicht zu kurzen Hufeisen nötigen, wenn ihm die langfristige Gesundheit seines Pferdes wichtig ist.

Abgenommene Hufeisen mit einseitig starkem Verschleiß geben immer sehr beachtenswerte Hinweise für die Zurichtung des Hufs oder nächsten Beschlag, deshalb sollten sie aufgehoben und dem Schmied beim nächsten Beschlag vorgezeigt werden.

Ein Wort zu Haltbarkeit und Hufmechanismus bei unterschiedlichen Arten von Hufbeschlägen

Unter sonst gleichen Bedingungen (d.h. gleiches oder gleichartiges Pferd, gleiche Belastung, gleiche Wege) kommt bezüglich der guten Haltbarkeit an qualitativ erster Stelle der Heißbeschlag (heiß gerichtete Eisen). Damit meine ich sowohl die Dauerhaltbarkeit innerhalb der Beschlagperiode (hohe KM-Lebensdauer), wie die Sicherheit gegen Beschlagverluste. Mein erstes Pferd ließ ich für Wanderritte ab einiger Dauer immer eigens beschlagen - sonst ging es immer barfuß! - und habe von diesen Eisen kein einziges verloren, ritt auch die ersten 10 Jahre auf Wanderritten immer ohne jedes Werkzeug. ***)
Der Kaltbeschlag mit Eisen folgt - das wird kaum ein Schmied, der beides macht, abstreiten - mit deutlichem Abstand an zweiter Stelle. An dritter Stelle (mit wenig Abstand) kommt in meinen Augen der Beschlag mit Kunststoff. Von diesen verlor ich soviele, dass die meisten die entsprechenden Versuche eingestellt hätten. Die Gründe liegen in erster Linie in einem weniger präzis möglichen Anpassen an den Huf, dem nicht so präzise möglichen Nageln, und natürlich dem stärkeren "Ansaugen" und Losruckmoment auf weichem Boden, was Nägel und damit auch Hufwand belastet. Unter den Plastiks halten meines Erachtens die Beschlagtypen am besten, die leicht und im Längsbereich wenig flexibel (ggf. stahlverstärkt) sind - falls es diese sich tendenziell ausschließenden Eigenschaften gemeinsam an einem Produkt überhaupt gibt.
Besonders hinsichtlich der Hufnägel sind die Kunststoffbeschläge am anspruchsvollsten. Diese erfordern stärkere, z.T. deutlich dickere, stärker auf Zug stärker belastbare Nägel, was ich bezüglich des Hufmechanismus als durchaus kritisch beurteile. Nicht bloß weil sich der Huf auf dem harten Eisen leichter bewegt, arbeitet daher der Hufmechanismus auf diesen natürlicher als auf Plastiks. Das Eisen wird im Laufe der Tragezeit auch nicht so weit verformt, dass die Bewegung des Hufs auf ihm eingeschränkt ist (was beim Plastikbeschlag sehr oft der Fall ist). Bezogen auf Spohr's alte Forderung nach einem Eisen-Ersatz sind die heutigen Plastiks aus PU-Kunststoff oft noch zu weich, bzw. zu elastisch. Nebenbei, aus diesem Grund sind innen stärker verformte Eisen für den Wiederbeschlag zu verwerfen, auch wenn ihre Stärke noch ausreichend erscheint.
Ich kann den Hufmechanismus auf Eisen durch konvexe Richtung derselben sogar verstärken, im Extremfall so weit dass der Huf bei jedem Schritt auf dem Eisen "knirscht". Natürlich ist es dann übertrieben, unnatürlich und im Regelfall unerwünscht, aber "es geht" und bereitet einem Pferd mit gutem Huf nicht sichtbare Schmerzen.
Um meine Kritik einzuordnen: Ich halte die Kunststoffbeschläge für einen großen Gewinn für die Pferdewelt und würde mit ihnen nicht seit 25 Jahren beschlagen, wenn ich sie für schädlich hielte. Für sehr viele Pferde sind sie die bessere Lösung als das traditionelle Eisen, das seine Stärken eher im Bereich heutiger Hochleistungspferde hat (Vielseitigkeit, schwere Springen, Distanz- und lange Wanderritte). Ich sehe im Ganzen aber sehr wenig Veranlassung für den Glauben manch heutiger Pferdebesitzer, mit dem Kunststoffbeschlag "etwas besseres" oder pferdeschonenderers zu haben. Auch im Gelände nicht - der Kunststoffbeschlag mag auf harten Wegen und Asphaltstraßen seine Vorteile haben, aber kaum auf dem, was traditionell gutes Reitgeläuf ist -- Besonders dann nicht, wenn der Pferdebesitzer den Hauptfehler, nämlich dauerhaftes Beschlagen, ohne ausreichend Pausen mit Barfuß-Gehen beim Kunststoffbeschlag genauso macht!

Gleitschutz - soviel wie möglich, oder so wenig wie nötig?

Zu meinem letzten Hufbeschlagsthema für heute, dem Gleitschutz. Auch hier gibt es sehr viele pauschale Aussagen bzw. Meinungen, die wenig weiter führen.
Wohl dem Pferd, das von sich aus über eine gute Ausbalancierung verfügt und kaum in Gefahr gerät, hinzufallen, wenn es mal ausrutscht, auch nicht mit Reiter. Leider sind nicht alle Pferde so, und auch dies eine kann bei einem, eventuell erforderlichen Ausfallschritt sich eine schmerzhafte Zerrung zufügen. Bei den meisten Pferden wirkt zuviel Gleitschutz indessen schädlicher (nämlich auf die Gelenke) als zuwenig oder fehlender, was leider, wie alle schweren Fehler die mit Pferden gemacht werden, oft spät, für das betreffende Pferd meist zu spät, hervortritt.
Früher mussten Zugpferde mit Stollen beschlagen werden, um im Zug ihre Kraft auf den Boden und die überschweren Wagen vom Fleck bringen zu können. Heute gibt es, außer im alpinen Bereich, für Stollen kaum noch Anwendungsfälle, die ihre möglichen gesundheitlichen Risiken und Nachteile rechtfertigen. Beim Militär gab es übrigens nur Schraubstollen, vier pro Huf, und das aus gutem Grund. Da hatte der Reiter mehr zu schrauben als der Kraftmelder. Das will aber heute wohl niemand mehr.
Ich entsinne mich des phänomenalen Grip eines Experimentalbeschlags aus Alu mit Stahl-Zehengriffen im z.T. lebensgefährlichen Gelände an den Hängen des Mittelrheintals auf einem Ritt 1995. Diese Beschläge krallten sich richtiggehend im Fels fest, und sahen nach 400km so aus, wie meine Eisen nach 800 oder 1000. Ob ich hier mit Eisen mit je 4 Vidiastiften (vorne und in den Schenkeln) so weit gekommen wäre, bezweifel ich noch heute. Dass man sich bzw. sein Pferd mit glatten Eisen ohne Gleitschutz auf nassen Holzbrücken, oder Flussfähren mit eisernen Rampen, einer Gefahr aussetzt dürfte nicht allen bekannt sein.
Jahrelang bin ich Anhänger der Vidiastifte gewesen (vorzugsweise 4 pro Eisen), aber die Stifte gehen leicht verloren, und sind in manchen Situationen (Asphaltstraßen!) und bei empfindlichen Pferden bereits genau das bisschen zuviel des Gleitschutzes. Reitpferd Nr.2 geht nach einer Hufrehe mit Eisen und Stiften heute nicht mehr gut, hat sich einen leicht gleitenden Gang angewöhnt, zu dem Plastikplatten heute besser passen, mit denen sie früher nur schlecht lief. Plastikbeschläge sind typisch für miserablen Gleitschutz; ich halte auch wenig davon sie mit Stollen zu pimpen. Sie hat, wie früher mein Pony, ein sehr gutes "Gespür" wann es mit dem Grip der Platten schlagartig zuende geht, und bewegt sich sehr sicher. Meine alte Ligeira konnte ich nur im Frühjahr und im nassen Herbst mit Plastikbeschlägen reiten, auf hartem trockenem Boden und wenn sie gut trainiert war, wäre der Beschlag lebensgefährlich für uns beide geworden. Khorsheet, ihre Nachfolgerin als Reitpferd Nr.1 ist im Prinzip sehr geschickt auf den Beinen, lässt sich von anderem aber gern ablenken, und ich tue reiterlich einiges dafür, sie weiter zu schulen. Unmöglich ist es aber, fehlenden Gleitschutz allein durch vorsichtiges Reiten ausgleichen zu können.
Seitdem ich sie das erste Mal sah, bin ich Freund der Profileisen (Faure), die von sich auch guten Gleitschutz mitbringen. Mittlerweile halte ich die St. Croix Eventer für noch besser. Diese Eisen scheinen, zumindest solange sie halbwegs neu sind, kaum zusätzlichen Gleitschutz zu benötigen. Oder reite ich nur nicht mehr so wildes Gelände wie früher?
Ich bin beim Thema Gleitschutz also der Ansicht "Soviel wie nötig - für das spezielle Pferd und den speziellen Anwendungsfall - aber nicht mehr als nötig". Wer auch immer mit dieser Aussage etwas anfangen kann... :-)

Weiter mit dem Thema (Update Sep. 2014)


Anmerkungen

*) sofern die Hufwinkelung genau beobachtet und verfolgt wird (Hufwinkelmesser). Diese darf nicht flacher werden, was bei manchen Pferden auch vorkommt, wenn zuviel zulange Trab geritten wird. Besonders groß, nämlich über die Hälfte, ist der Anteil zu flach stehender Pferde aber bei den dauerhaft beschlagenen. Das wirkt vielfach schädlich (und zwar umso mehr, je mehr das Pferd geht). Der oft noch empfohlene Zehenwinkel von 45-50°, abgeschrieben aus Büchern wo bei uns noch das schwere Warmblutpferd die Regel war, selten wirklich nachgemessen, ist mindestens für moderne, hochblütige Sportpferde zu flach, auf jeden Fall für Araber und Vollblüter. Besser wären hier 50-53° (vorne) und 2-5° steiler hinten.
Wobei ich damit nicht ausgedrückt haben will, dass man ein erwachsenes Pferd, dessen Hufstellung leicht suboptimal ist, also etwa 48° beträgt, obwohl dessen Fesselstand eine 5° steilere Stellung nahelegt, ad hoc oder auch nur binnen kurzem umstellen kann oder sollte, schon gar nicht mit Beschlagkeilen und dergleichen, was gar nichts nutzt sondern fast immer schadet. Sondern man kann zufrieden sein, wenn man es mit mäßigem Korrekturraspeln 1-2° pro Jahr korrigieren kann. Wobei ein zu langes Barfußgehenlassen, bis keine Zehenwand mehr da ist zum wegkorrigieren, hier eher kontraindiziert ist.
Ist die Hufstellung indes nicht bloß "suboptimal", sondern deutlich ersichtlich zu flach, also 45° und darunter, sind solche Feinheitserwägungen unangebracht. Dann gilt es sofort zu handeln um akute Schäden zu vermeiden. Dann muss die Zehe weg, soweit wie möglich.

**) wenn Zwischensohlen, d.h. bei angeschlagenen Beinen, habe ich Netzplatten ohne jede Unterlage am geeignetsten gefunden. Jedoch müssen kleine Steinchen u.a. nach jedem Ritt herausgespült werden. Heutzutage würde ich aber für diese Fälle vermutlich auf die neueren Kunststoffbeschläge mit Eisenkern zurückgreifen, mit denen mir noch die Erfahrungen fehlen (als Plastikbeschläge verwende ich noch die Marathons). Vermutlich wird man diese Pferde ja auch keine 800km in 5-6 Wochen reiten.


***) -- 10 Jahre später verlor ich beim Nachfolgerpferd auf einem Wanderritt tatsächlich mal eins der kostbaren Eisen. Wir waren zwar schon auf dem Heimweg, hatten aber noch gut 100km Strecke vor uns. Das Wiederaufschlagen gelang mit einigem Extra-Aufwand. Der Beschlag war, um ehrlich zu sein, schon beim Start nicht mehr ganz taufrisch gewesen, aber ich hatte darauf vertraut dass "wie immer" nichts schiefgehen würde. Hinzu kam noch, dass ich mit ungewohnten Lederplatten beschlagen hatte, um die Dämpfung zu verbessern, was aber auch die Eisen schneller lockert. Seit diesem Ritt nehme ich auf alle längeren Ritte Werkzeug mit - zumindest solange die Eisen nicht ganz neu sind.

 

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