taunusreiter TAUNUSREITER
(c) Frank Mechelhoff 2015 - Kopien speichern nur zum privaten Gebrauch zulässig
Siehe Copyright-und Kontakt-Hinweise


Neu 29.7.2015       Update Dezember 2016

 


Nicht Rotkäppchen lügt, sondern der NABU
Bild: Riss eines gesunden Fohlens. La Bresse/ Vogesen, 14.12.2016

Wolf, Wald und Mensch

Da sagen reihenweise Kitas ihre Waldwochen ab wegen möglicher Gefährdungen durch zuvor gesichtete Wölfe.

Da laufen Wölfe über abgeerntete Getreidefelder, umkreisen Traktoren, sitzen am hellichten Tag in Dreiseitgehöften und Ortschaften, lassen sich nicht stören oder vertreiben. Jagen darf man sie nicht, sie stehen unter Naturschutz, sind angeblich selten und vom Aussterben bedroht. Da wird behauptet die Wölfe seien angeboren menschenscheu, und wenn dann jeden Tag Berichte und Bilder auftauchen die das Gegenteil belegen wird dies Panikmache genannt.

Da verschwindet eine Fünfjährige spurlos und wie vom Erdboden verschluckt beim Feuerholzholen für ein Kinderfest in einem Freizeitheim, das innerhalb eines riesigen Waldgebiets liegt, und nur über eine 3km lange Stichstraße abseits von jedwedem Durchgangsverkehr zu erreichen ist. Ein Ort der sicherer kaum denkbar wäre. Wären da nicht die zuvor gesichteten Wölfe. Nur kaum jemand will den eigentlich naheliegendsten Tatverdächtigen nennen. Er genießt Unschuldsvermutung in einem Ausmaß, wie sie selten menschlichen Tatverdächtigen in einem Strafprozess zuteil wird. Stattdessen wirft man den Eltern vor (die von der Wolfssichtung nichts erfuhren) wie man ein Kind im Wald allein spielen lassen könne!

Da kommen staatlich beauftragte Genlabors monatelang mit dem Überprüfen von Nutztier-Rissen durch Wölfe nicht nach, weil es soviele sind -- die Halter warten derweil auf Entschädigungszahlungen -- und gleichzeitig äußern hochrangige Vertreter von Naturschutzverbänden öffentlich, dass es in Deutschland Platz für noch viel mehr Wölfe gäbe. Da unterscheidet man nicht zwischen Wölfen und Mischlingen, sondern stellt alle unter denselben Schutz (obwohl die Hybriden als besonders gefährlich gelten). Da fragt man sich langsam: Gibt es gewisse Stellen, die die Absicht haben, den Bürger systematisch einzuschüchtern, damit er sich nicht mehr vor die Tür, in die Natur begibt, das letzte bisschen Freiheit das ihm noch verblieben ist, mit dem Wolf als Mittel?

Das Allgemeine Betretungsrecht des Waldes zu Erholungszwecken (§14 BWaldG), zu dem es Entsprechungen für die gesamte übrigen Natur gibt, feiert in diesen Tagen in Deutschland seinen 40. Geburtstag. Es stammt noch aus der Regierungszeit Willy Brandts. Es beinhaltet als Selbstverständlichkeit, den Wald ohne Angst betreten zu können, denn anders ist Erholung nicht denkbar. Gefahren drohten damals im Wald nur durch herabfallende Äste. Ob man z.B. im Sturm auf eigene Gefahr den Wald betrat, blieb jedem selbst überlassen. Seinerzeit war ein großer Fortschritt, dass Großgrundbesitzer die Natur für die Erholungssuchenden nicht mehr einzäunen durften, und nicht mehr nur Dichter und Denker, sondern auch die arbeitende Bevölkerung sich im Wald erholen konnte. Doch manchen privaten Waldbesitzern ist das bis heute ein Dorn im Auge. Man könnte den Wald viel besser vermarkten, wenn man ihn für sich hätte. Der Grundsatz "Eigentum verpflichtet" gilt doch auch sonst nirgends mehr...

Heute stellen diejenigen, die den Wolf am meisten willkommen heißen, überall in der Natur Zäune auf und erlassen Betretungsverbote. Vorgeblich zum Naturschutz. Die Freizeitgesellschaft ist zum Feind der Naturschutzindustrie geworden, und rechtfertigt Existenz und Stellen. Ganz harmlose Leute die nicht mehr als 2km rund um die Wanderparkplätze laufen, und - anders als vor 20 Jahren - kaum noch gedankenlos Abfall zurücklassen, nutzen die Natur angeblich ab. Dabei trifft man 5km weiter tief im Wald weniger Menschen an, als es in den letzten 500 Jahren dort gegeben hat. Manche Waldgebiete werden regelrecht unbetretbar weil die letzten Pfade zuwachsen, und Wandervereine keine Helfer mehr finden die Wanderwege frei zu halten. Außer sie verlaufen auf den Schotterpisten der Forststraßen. Die Alten sterben, die Jungen interessiert es nicht mehr oder ist es zu mühsam. Die Natur hatte in Deutschland, da wo sie nicht zugebaut wird, noch nie soviel Ruhe wie gegenwärtig. Und der Wald kann sich ungehindert ausbreiten wie noch nie.

Geht es nun mit dem Wolf ein Stück weiter? Vordergründig tut man so, als sei der Wolf harmlos, und schreckt auch vor den plattesten, abstossendsten Propagandamitteln nicht zurück, die an ähnliche Maßnahmen im NS- und SED-Staat erinnern (und wie damals, als "Aufklärung" etikettiert werden): Schon die Kindergartenkinder versucht man zu indoktrinieren, Wölfe seien eigentlich lieb. Rotkäppchen lügt - obwohl niemand behauptet hat dass es mehr als ein Märchen sei. Doch die Absage der Waldwochen hinterlässt Angst und Unsicherheit. Was stimmt denn nun, müssen sich selbst Fünfjährige fragen. Vielleicht wird man den kleinen Kindern das Märchen vom Rotkäppchen aber bald wieder erzählen, zumindest auf dem Land. Aus demselben Grund wie vor 250 Jahren: Um die Kinder davon abzuschrecken, in den Wald zu laufen und Opfer des Wolfs zu werden.

Bei dem erklärten politischen Willen, deutsche Wälder wieder zu Wolfsland zu machen, spielt dann anscheinend gar keine Rolle, ob die Wölfe "echt" sind, oder ob es sich um Vermischungen mit anderen Arten der Canidae (taxonomische Familie der Hunde) handelt, d.h. um Hybriden. In Disneyland fragt ja auch keiner danach ob die Märchenschlösser aus Stein oder Plastik sind, das wollen die Besucher ebenso wenig genau wissen, wie naive Naturfreunde, ob die so hübschen Wölfe wirklich echt sind. Es bedarf aber eigentlich kaum großer Denkkraft, Wissenschaftlern recht zu geben die darauf hinweisen, dass sich Wölfe im dichtbesiedelten Mitteleuropa gar nicht anders vermehren können als durch Kreuzungen mit entlaufenen Hunden - davon abgesehen dass auch die eingewanderten Wölfe schon Mischlinge sind, und vielfach Wolfshunde ausgesetzt wurden oder entlaufen sind. Die neben dem direkten Abschuß andere mögliche Art der Ausrottung des echten Wolfes ist deren Vermischung mit anderen "Hunden" (zu dessen zoologischer Familie der Wolf ja dazugehört). Das Ergebnis ist dasselbe: Nachher gibt es keine echten Wölfe mehr. Es ist also gar nicht möglich, den Wolf in Mitteleuropa zu schützen, weil seine Vermischung mit Hunden nicht verhindert werden kann. - Und um in Disneyland-Manier bloße Hybriden zu schützen, richten sie doch etwas zu hohe gesellschaftliche Schäden und Kosten an. Für den die Naturschutzverbände, die dem Schutz das Wort reden, weder aufkommen wollen noch können.

Einblick in einen Schäferkarren (in einem britischen
          Freiluftmuseum)
Unnötige Dinge waren in traditionellen Schäferhütten nie zu finden. Und nichts was den Diebstahl lohnte.
Die Flinte in Griffweite über der Schlafstätte war das wertvollste Gut des Schäfers - und gewiss nicht dem Schutz vor menschlichen Räubern vonnöten...
(Foto Simon Burchell, Rural Life Centre in Tilford, Surrey, UK)

Der Wolf und seine Symbolik
Valerius Geist : Plädoyer für den "echten" Wolf [Studie 2016]
Zurück zur ersten Seite