Wir nehmen den schönsten Weg...Orientierung mit Karte und KompaßMit Karte und Kompaß im GeländeDie Sonne scheint in unseren Breitengraden nicht immer - und selbst wenn, ist sie bestenfalls für die grobe Orientierung geeignet. Auch Mondschein, Moos an den Bäumen, alte Kirchen usw. stellen sich nicht mit der gewollten Zuverlässigkeit ein. Neben der guten Karte ist daher der Kompaß das Hilfsmittel zur Orientierung im unbekannten Gelände Moooment! Sie möchten zuerst
mal wissen, wie man sich mit der Karte allein orientiert,
bevor Sie
was über Karte und Kompaß erfahren?? Das
ist absolut sinnvoll. Klicken
Sie
bitte
hier! Der Gebrauch des Kompaß Der Wanderreiter will möglichst wenig mit technischen
Dingen zu
tun
haben, er - oder sie – sucht das Naturerlebnis, die Kameradschaft unter
Gleichgesinnten, die Herausforderung, das Reiterlebnis usw. Der Wanderreiterkompaß
In der hiesigen Landschaft wird der Kompaß immer
zusammen mit
der Karte benutzt, da wir auf den Wegen zu reiten haben. Wir brauchen
daher einen Kompaß, der die Kartenarbeit unterstützt. Die
wichtigsten
Anforderungen sind: Die wichtigsten Handgriffe
A) Bestimmung der Marschrichtung aus der Karte Die folgende Situation kennt wohl jeder: Man will in
eine bestimmte
Richtung reiten, ist sich aber unsicher über den richtigen Weg
(etwa an
einer Kreuzung mit vielen Abzweigungen).
(1) Den Kompaß mit der Anlegekante bzw. dem
Richtungspfeil parallel zum gewünschten Kurs auf die Karte legen
(3) Den Kompaß von der Karte nehmen und in
Bauchhöhe am ausgestreckten Arm drehen, bis die Kompassnadel sich
am
Nordindex „N“ des Drehrings eingespielt hat. Der große
Richtungspfeil
weist nun vom Reiter weg in die gewünschte Richtung. B) Überprüfung der Marschrichtung Die gleiche Vorgehensweise bei Unsicherheit, ob man noch auf
dem
richtigen Weg ist. Man mißt den „Sollkurs“ auf der Karte aus (wie
A, 1.
und 2. Schritt) und hält dann den Kompaß in die gerittene
Richtung.
Pendelt sich die Kompassnadel nicht am eingestellten Nordpfeil (Index
„N“) ein, stimmt der Weg nicht. C) einen Weg auf der Karte indentifizieren Der „umgekehrte Weg“ von A, Schrit 3 zu Schritt2. Der
Kompaß
wird, mit
dem Kurspfeil vom Reiter weg, in die gewünschte Richtung gehalten
und
der Drehring dabei gedreht, bis die Kompassnadel und der Index „N“ am
Nordpfeil übereinstimmen. Jetzt wird der Kompaß auf die
Karte gelegt
(wobei der Nordpfeil und „N“ wieder auf Karten-Nord weisen müsen).
Der
ausgemessene Weg liegt nun irgendwo auf der Karte, parallel zur
Kompaß-Anlegekante. D) Anpeilen unbekannter Punkte im Gelände Dies ist selten notwendig, kann aber ganz nett sein,
wenn man etwa
wissen möchte, was für einen Berg man da irgendwo in der
Ferne sieht. Kompaßgebrauch an einem Beispiel An einem praktischen Wanderreiter-Beispiel werden
Vorgehensweise und Notwendigkeit sofort klar.
Ich will die „Alte Straße“ zwischen Nausis und Tann, einem nordhessischen Höhenweg, bereiten (Punkte 1-2-3 auf der Karte). Die Strecke führt ca. 15 Kilometer durch Wald, deutliche Geländemarken wie Straßenübergänge, Berge, markante Kreuzungen o.ä. gibt es kaum. Die Schwierigkeit besteht darin, nicht vom Haupt-Höhenweg abzukommen (etwa in Richtung Beenhausen) – und dann gibt es noch das Problem, nach 9 Kilometern am Gebrannten Kopf (Punkt 2) die richtige Abzweigung zu finden. Westlich von Emmerichsrode führt der Weg ein ganzes Stück nach Süden, dann südöstlicher. Ich stelle den Kompaß auf dem erwarteten Kurs ein und behalte im Auge, ob der gerittene Weg diesem Kurs auch folgt. Wenn ich mich Punkt 2 nähere, stelle ich den Kompaß auf die neue erwartete Marschrichtung nach Tann ein – etwa Ost bis Nordost. Den ersten Abzweig mit diesem Kurs reite ich. Finde ich keine Abzweigung und komme stattdessen wieder nach Süden ab, dann bin ich an der richtigen Stelle bereits vorbeigeritten (auf Punkt 4 zu). Nun kann ich beispielsweise den erstbesten Weg nach Osten nehmen, damit ich wenigstens in der Nähe der richtigen Stelle herauskomme. Hier zeigt sich der Nutzen des Kompaß: Selbst wenn man sich einmal verreitet kommt man bei entsprechender Aufmerksamkeit nur wenig ab, vielleicht 200 oder 500 Meter – reitet aber nie total in die falsche Richtung. Der Laie hat vielleicht keine Vorstellung davon, daß auch der größte „Orientierungs-Crack“ nur nach der Methode „Trial&Error“ und nicht etwa nach einem im Kopf eingebauten Kompaß arbeitet... Im obigen Beispiel, dem dichtbewaldeten Nordhessen, kann der „Irrtum“ ohne Kompaß leicht 10 Kilometer betragen. Da es ein Gesetz ist, dass solche Fehler immer bei Ermüdung, spät nachmittags, unter Zeitdruck, bei Schlechtwetter, oder anderen unerfreulichen Bedingungen auftreten, sind die Folgen solch harrscher Verritte leicht vorstellbar. Gut zu wissen daß es ein Werkzeug gibt sie auf das unvermeidliche Maß zu minimieren. Worauf noch zu achten istA) DeklinationDas ist die Nadelabweichung von magnetisch zu geographisch Nord, auch Mißweisung genannt. Diese ist überall in der Welt verschieden und auch im Laufe der Zeit veränderlich. In Deutschland liegt sie derzeit um 1° und kann daher für unsere Zwecke vernachlässigt werden – nicht jedoch in vielen anderen Ländern. Hier wäre ein Kompaß mit einstellbarer Mißweisungskorrektur praktisch. In seriösen Karten ist die durchschnittliche Mißweisung für das Kartengebiet verzeichnet.B) Nadelabweichung durch Metall und ElektrizitätVon größeren Metallgegenständen (Geländern, Brücken o.ä.) ist beim Messen 15 Meter Abstand zu halten, noch mehr bei allen Arten von Starkstromleitungen, Transformatorenhäusern und dergl. Nur (teure) Spezialkompasse sind für Verwendung aus dem Auto geeignet. Die Einflüsse des Fahrzeugs und des Magnetfeldes der Lichtmaschine müssen dabei aufwendig per Hand kompensiert werden, und trotzdem wird keine so hohe Genauigkeit erreicht wie beim unbeeinflussten Handkompaß des Wanderers oder Reiters. Bereits eine Uhr, Kette o.ä. am Handgelenk, der Hand in der der Kompaß liegt, kann die Kompaßnadel ablenken.C) BehandlungEin guter Kompaß ist robust, wird aber als Präzisionsgerät dennoch sorgfältig behandelt – Fallenlassen, Beförderung zusammen mit harten oder krümeligen Gegenständen sind zu vermeiden. Kleine Kompasse trägt man am besten um den Hals, etwas größere in ledernen Gürtelhalftern neben dem Messer. Ein fluidgedämpfter Kompaß soll nie im prallen Sonnenlicht liegengelassen werden, da sich bei Erwärmung hässliche Lustbläschen im Gehäuse bilden, die das Einpendeln der Nadel verzögern können. Die Kompaßrose nicht ölen.GPS als Alternative?GPS (Global Positioning System) kann für den Wanderreiter hilfreich sein, insbesondere solche mit vor dem Ritt einprogrammierbaren, oder vom PC einlesbarer Wegpunkten. Unter günstigen Umständen kann dieses Hilfsmittel das Verfolgen der geplanten Strecke vereinfachen. Jedoch auch bei sehr dichter Setzung der Wegpunkte (mehr als 75 sind selten möglich) kann GPS nie die Karte ersetzen, da es keine Wegalternativen anbietet wenn die geplante Route aus irgendwelchen Gründen nicht gängig ist, da es selber keine Karten genügender Präzision bereitstellt oder einlesen lässt. Dadurch sind auch keine Geländeschwierigkeiten, Steigungen usw. erkenn- und planbar.(stimmt aktuell -2009- nicht mehr!)Zur Richtungsbestimmung bietet GPS verleichbare Menüfunktionen, ist aber weniger reaktionsschnell und genau als ein guter und vergleichsweise viel billigerer Kompaß. Zudem funktioniert ein Kompaß unter allen oben genannten Einsatzbedingungen verlässlich und tadellos – ohne Batterie, auch in tiefstem Wald oder durch hohe Berge abgeschirmten Gelände, wo GPS Probleme mit dem Satellitenempfang machen. Diese Satelliten gehören dem US-Militär, das sich das Recht vorbehält, jederzeit aus politischen oder militärischen Gründen Signale abzuschalten, zu stören oder zu verändern, worauf in GPS-Bedienungsanleitungen auch hingewiesen wird. Aus all diesen Gründen ist es wenig ratsam, seine Orientierung und damit evtl. das Wohl und Wehe einer ganzen Reitergruppe mit Pferden vom GPS oder anderen „Hitech“-Hilfsmitteln abhängig zu machen. Als einziger unbestreitbarer Vorteil spricht für GPS, daß die entsprechenden UTM-Koordinaten im Notfall zum Herbeirufen von Rettungshubschrauber u.ä. bereits gängiger sind als die auf den topographischen Karten aufgedruckten Gauß-Krüger-Gitter. Jedoch sind durch kundiges Personal Umrechnungen schnell möglich. GPS mag als Ergänzung somit nützlich sein – erforderlich ist es nicht. Jeder kompaßkundige Mensch wird nach kurzem Studium der Bedienungsanleitung GPS benutzen können – wer nur das GPS kennt, kommt mit Kompaß allein noch lange nicht weiter... Fortsetzung der Artikelserie: Neuer Artikel (Dezember 2009) zum Thema GPS Literatur für Reiter die es noch genauer wissen möchten: Brand, Joachim: Wanderreiten. Rittplanung, Ausrüstung, Training, 1985 /S. 90-98) Diacont, Kerstin: Wanderreiten, aber richtig. Richtlinien für Wanderreiter, 1988 (S. 42-58) Linke, W.: Orientierung mit Karte und Kompaß, 1987. Thöne, K., Kaufmann, E.: Karte und Kompaß, 4. Aufl. 1989 (erstmals veröffentlicht in FS 5/91; neu überarbeitet) Autor und copyright Frank Mechelhoff |