GPS
für
Geländereiter
-
Alternative zur Karte ?
Neue Bewertung eines "alten" Themas
Die technische
Weiterentwicklung im Sektor der GPS Geräte
und zugehörigen digitalen Karten zwingt uns die Thematik immer
wieder neu zu bewerten. Kann das GPS für den Geländereiter
die Karte ersetzen?

Vor ein paar Jahren schrieb ich, GPS könne die
Papierkarte nicht ersetzen da man auf die Geräte keine
topografische Karten laden könnte (oder überhaupt Karten in
ähnlicher Qualität). Das stimmt mittlerweile so generell
nicht mehr.
Karten des Masstabs 1:25.000 im Bildformat (bestgeeignet hier .png)
stehen zur Verfügung und können zum Privatgebrauch
heruntergeladen oder als DVD gekauft werden, sowohl für PDA's
unter Windows Mobile (Magic Maps etc.) wie für Garmin Geräte.
Karten eines
Flächen-Bundeslandes nehmen selbst als Grafikdateien nicht mehr
als 1,5GB
Speicher weg. Seit kurzem ist dies für PDAs kein Problem mehr
(günstige SD oder Micro-SD Karten).
PDA's sind
multifunktionale "All in One" Geräte : GPS, Schreib- und
Diktiergerät, Datenbank, Musikplayer mit Kopfhöreranschluss,
häufig sind auch eine (billige) Digicam und Mobiltelefon mit
eingebaut. Es fällt schwer diesen
Geräten keine große Zukunft zu prognostizieren. Sie sind bei
Mobilfunkanbietern häufig bei einem Vertragsabschluß
günstig erhältlich.
Für
Kartendarstellung und Navigation wird Software benötigt (es gibt
verschiedene
Hersteller). Einige der Orientierungsprogramme können sowohl
Karten im
Bildformat anzeigen und bearbeiten (soweit sie im richtigen Format
kalibriert sind) als auch vektorielle Karten, die - wenigstens im
Prinzip - weniger Speicher benötigen und besser skalierbar
(grössenänderbar) sind.
Wichtig bei diesen Geräten für den Zweck GPS ist ein genügend großes Display :
4" Bildschirmdiagonale ist noch reichlich klein für
Navigationszwecke, größere sind aber kaum zu bekommen. Die
höchsten jetzt erhältlichen Auflösungen von 640x480 dpi
sind
für GPS Zwecke ausreichend - noch höhere sind unnütz bei
so kleinen Displays. Häufig mangelt es noch an
leistungsstarken Prozessoren zur Grafikberechnung. Ein Manko ist
außerdem, dass die Geräte nicht wasserdicht sind,
müssen also
häufig in Gummihüllen oder Plastikgehäusen transportiert
werden, in denen die
Sichtbarkeit der Displays, und die Bedienbarkeit der Geräte stark
eingeschränkt ist. Oder man kauft abgedichtete Gehäuse (s.g.
Rugged PDA's, RPDA's), die aber nicht unerheblich teurer sind.
Weil die Geräte mit den großen Displays eigentlich pausenlos
mit dem Bildaufbau beschäftigt sind, ist der Batterieverbrauch
entsprechend hoch (manchmal unter 5 Std. Laufzeit), abhängig von
der eingestellten Displayhelligkeit.

Screenshot von Magic Maps (Rasterkarte)
Die Screenshots
sind alle vom PC - so groß bekommt man die Bilder leider nicht
auf's GPS Gerät!
GARMIN, Markt- und
Qualitätsführer bei den traditionellen, ausschliesslichen
GPS-Geräten setzt voll auf
die Vektorgrafik und will diese nicht mit anderen Herstellern
teillen, oder für diese verfügbar machen. Noch immer sind die
Preise hier am höchsten, obwohl GARMIN "nur" GPS und keinerlei
Zusatzfunktionen wie bei den PDA's bieten. Dafür aber ein stabiles
Betriebssystem: Abstürze kommen in der Regel nicht vor. Die
Displays sind ebenfalls noch immer recht klein (3"
Diagonale, 400x240 dpi Auflösung). Vorteilhaft für den
Einsatz im Gelände ist jeodch die
robuste regenwasserdichte Ausführung
der
GARMIN
Geräte.
Was mir an den topografischen GARMIN-Karten (TK25) gar nicht
gefällt ist die mangelhafte Unterscheidbarkeit befestigter
und unbefestigter Wege. Das empfinde ich als sehr verwirrend und
ungünstig für Planungszwecke. Die neueren
Kartenversionen (TK 2.0 und 3.0) sehen der amtlichen topografischen
(Papier- oder digitalen-) Karte nun zwar sehr ähnlich - wohl als
Reaktion auf entsprechende Kritik der Benutzer - reichen in bezug auf
Informationsdichte an diese aber trotzdem nicht heran.

Screenshot von der GARMIN Kartendemo Website
(Vektorkarte)
Zuverlässigkeit der
Geräte
Die Stabilität der GPS-Anwendungen auf den PDA's ist
derzeit häufig noch unbefriedigend.
Kritisch sind insbesondere noch die PDAs mit Windows Mobile Betriebssystem,
besonders ältere Versionen wie WM5. Manche der bei PDAs so
beliebten Softwarepakete (Add's) für andere Zwecke vertragen sich
nicht oder ausgesprochen schlecht mit GPS Software, die sehr
tiefgreifend in die Systemfunktionen eingreift und damit auch
störanfällig ist - was zu Einfrieren, Abstürzen oder
allgemein langsamer Performance führt. Wer nicht ausgesprochene
Freude am "Basteln" hat wird mit einem GARMIN glücklicher, wo man
sich um all diese Themen nicht kümmern muss sondern nur ggf. neue
Karten kauft und in das Gerät lädt.
Unabhängigkeit der
Karten
GARMIN Geräte funktionieren nur mit GARMIN- oder anderen
Karten im .img Format. OpenSource Alternativen sind vorhanden
(OpenStreetMap) und teils schon recht gut aber teilweise auch noch sehr
lücken- und fehlerhaft
Windows PDA's können je nach GPS Software sogar mit selbst
eingescannten Karten betrieben werden, soweit diese korrekt kalibriert
wurden. Bei der Kalibrierung gibt es Tendenzen zur Vereinheitlichung
der Standards, bzw. Hilfsprogramme zur Umrechung von
Kalibrierungsdaten, teilweise sogar für grössere Datenmengen
in Batchverarbeitung. Dennoch bleibt die Kalibrierung selbstgescannter
und heruntergeladener Karte eine häufig noch sehr mühselige
Angelegenheit. Es ist auch zu beachten dass die wenigsten Karten im
Rohzustand Wanderweginformationen bereitstellen, wie sie auf den
Papierkarten fast Standard sind.
Download von Karten
Wenn man nicht ganze Länder oder Bundesländer im
Maßstab 1:25.000 braucht lassen sich viele Karten auch im
Internet bei den Landesvermessungsämtern, oder freie Karten von OpenStreetMaps herunterladen. Bei
OSM sind insbesondere die Karten für Wanderer (mit
Wanderwegmarkierungen) und Radfahrer (mit detaillierten
Höhenschichtenmodell) zu nennen.
In den letzten Jahren hat sich hier einiges getan und insbesondere ein
Standard für Karten und Kalibrierungsinformationen zum
Einzelkarten-Download und zur Darstellung auf Webseiten entwickelt,
nämlich WMS (Web Map
Service), der für Vektor- und Grafikkarten gleichermaßen
verwendbar ist. Selbst historische Karten werden über WMS von
bestimmten Diensten angeboten.

Kartenausschnitt eines WMS Providers
Laufzeit der Akkus/ Batterien
Die Betriebszeit bei eingeschaltetem GPS liegt bei GARMIN
Geräten bei 12-16 Std., dann müssen die Akkus ersetzt oder
aufgeladen werden. GARMIN Geräte haben die längste Laufzeit
und funktionieren häufig mit normalen (AA-) Akkus. Wer ein
Ladegerät mitnimmt und nur in Quartieren mit Steckdosen
nächtigt hat mit ihnen kaum ein Problem.
PDAs haben einen wesentlich größeren Stromverbrauch und sind
meist nach 3-6 Std. alle. D.h. hier reicht es oft meist noch nicht mal
für einen Tagesritt. Beim Akkuwechsel wird auch der Track
unterbrochen, das Gerät muss neu gestartet werden. Kleinere
Solarladegeräte bringen nicht genügend Leistung um einen PDA
wieder aufzuladen. Solarzellen auf flexiblen Trägern (wie aus dem
Bootsbau bekannt) gibt es auch in kleinen Größen, sind evtl.
sogar an der Bekleidung oder Packtaschen außen anzubringen. Mit
ihnen experimentiert habe ich aber auch noch nicht. Eventuell ist das
Gewicht einer solchen Ausrüstung geringer als einem ganzen Pack
Papierkarten für einen längeren Ritt...

OpenStreetMap Karte (Hiking with Relief): Einer der beiden
eingetragenen Reitverbotswege stimmt, der andere (von Merzhausen nach
Süden) ist falsch: dort steht weder ein Schild noch existiert ein
Verbot!
Track-Aufzeichnungsfunktion
Selbst wenn man die Orientierungsfunktion von GPS Geräten
nicht nutzt kann es sinnvoll sein sie eingeschaltet mitzunehmen,
nämlich zur Aufzeichnung der gerittenen Strecke, neudeutsch:
Track. So kann man (wenn die Aufzeichnung einigermaßen
präzise und ohne große Abweichungen vonstatten ging) relativ
bequem die Streckenlänge, Höhendiagramm usw. ermitteln. Und
dann später in GPS Portalen wie www.gpsies.com auszuwerten, als
Trainingstagebuch zu verwalten oder einfach mit anderen Reitern zu
teilen.
Anforderungen an PDA Karten
Karten für PDA sollen viel Inhalt auf kleinem Raum bieten
und
kontraststark darstellbar sein, selbst auf matten sonnenbeschienenden
Displays. Die ersten nach dem neuen digitalen Datenmodell erstellten
TK25 ohne Auflösung der Einzelgebäude mit den vielen
weggelassenen
Detailinformationen sind hierfür kaum brauchbar. Die
Landesvermessungsämter scheinen aber bereits zum Rückmarsch
geblasen zu
haben: vielfach wurde wieder zur Einzelhausdarstellung und zum
detailreichen Kartenbild zurückgekehrt obwohl diese Karten
deutlich
mehr Speicher fressen. Aber Speicher ist billig geworden dieser Tage.
Auf den PDA's selbst können Karten verschiedener
Maßstäbe hinterlegt
werden zum Groß- und Kleinzoomen der Karten - von der
Generalkarte
1:200.000 bis zur TK25. Damit wird trotz der kleinen Bildschirme die
Navigation übersichtlicher, und die alte Streitfrage "welches ist
die
beste Karte, TK25 oder TK50" löst sich in Wohlgefallen auf.
Routingfähigkeit
Routingfähigkeit ist die automatische Führung des
Geräts zu einem vorher eingestellten Ziel (Wegberechnung), wie aus
den Geräten für Autonavigation bekannt, mit Ansage bwz.
Anzeigen von Abbiegungen. Dies ist prinzipiell nur mit
Vektorgrafikkarten möglich - nicht mit Bildgrafikkarten. Routingprogramme gleichen
üblicherweise auch leichte "Unkorrektheiten" in der
Positionsbestimmung aus (rechnen z.B. bei Tunneldurchfahrten noch eine
Weile in der zuletzt festgestellten Geschwindigkeit weiter) - GPS
Programme mit Bildgrafikkarten können diese Intelligenz nicht
aufbringen weil es ihnen prinzipiell "egal ist" ob man auf der
Straße oder dem Weg ist oder bloß "dicht daneben".
Sich im Wald anhand der vektorisierten topografischen Karte von der
Routingsoftware leiten zu lassen (wie mit GARMIN und
TopoDeutschland 3.0 möglich) mutet sehr komfortabel an - was
macht man wenn der in der Karte ausgewiesene Weg gesperrt ist oder es
ihn nicht mehr gibt?
Planungs- und Umplanungsfähigkeit
Es zeigt sich, dass die besten Papierkarten zugleich auch die
geeignetsten, ergonomischsten GPS Karten sind.
Was mit der Papierkarte unterwegs ein leichtes ist - Auffalten
und überlegen wie man auf andere Weise zum Ziel kommt - ist
mit Handheld-GPS Geräten unterwegs nur eingeschränkt
möglich. Die Bildschirme sind hierfür zu klein. Wenn man auf
einen kleineren Maßstab zoomt um eine bessere Übersicht zu
erhalten fehlen in dieser Ansicht die wichtigsten reitbaren Wege. Dazu
bräuchte man ein ca. DIN A5 großen Tablet PC, vorzugsweise
flach, leichtgewichtig, spritzwasserdicht und robust. Im Prinzip gibt
es auch diese Geräte bereits, sie sind bloß verboten teuer,
und mit ihrer Akkulaufzeit sieht es auch nicht blendend aus.
Warten wir ab was diese Geräte in ein paar Jahren kosten. Vor 4
Jahren hätte ich auch die PDA-Geräte die es heute gibt nicht
für möglich (oder bezahlbar) gehalten.
Und nun nochmal die
Frage
:
Können
die digitalen Karten die Papierkarten ersetzen ?
Ich will es nicht mehr ganz ausschliessen - drücke mich
aber vorerst um ein klares JA oder NEIN.
Eines muss man jedenfalls
bedenken: Man kann Orientierung mit
dem GPS nicht lernen.
Für Leute die es können
ist es eine nette
Spielerei. Sie sind ja nicht drauf
angewiesen. Ebenso wie die Navigation im Auto wenn man sich
eigentlich auskennt. Um es zu lernen kommt man um die Papierkarte nicht
herum - nach wie vor. Für denjenigen der drauf angewiesen ist, die
Navigation ohne Gerät aber nicht beherrscht, oder wenn das
Gerät ausfällt, und dann kein "backup" dabeihat, ist es
keinerlei Spaß. es kann sogar bitter ernst werden.
Andererseits gab es schon immer nur relativ wenige Reiter die
wirklich gut mit
der Karte umgehen können, d.h. auch im Trab und Galopp ihren Weg
finden können. Ich meine mir ein entsprecheden Urteil erlauben zu
können aus langjähriger Erfahrung auf langen Distanzritten
nach Karte und nationalen Wanderreiter-Wetkämpfen. Heutzutage
beschäftigen sich viele nur noch mit den elektronischen Gimmicks
ohne die "basics" mit Karte und Kompaß gelernt zu haben. Die
Folgen
sind absehbar: das allgemeine Kartenlesenkönnen, die Orientierung
mit
verhältnismäßig einfachen Mitteln wird künftig
bei den meisten noch weiter abnehmen -- wie jetzt schon bei Autofahrern
zu beobachten
die ohne Navi keine 100km mehr kommen... Positiv sehe ich
allerdings, dass viele durch das Gerät vielleicht auch
bestärkt werden neue Wege einzuschlagen und auszuprobieren, in die
man sich ohne Hilfe vielleicht hinein traut -- und vielleicht eine neue
Welt
entdecken, oder zumindest ihre nähere Umgebung besser
kennenlernen...

Die schönsten zuletzt verfügbaren, nach
handgezeichneten Vorlagen gedruckten Karten stammten vom LVA Bayern: Karte vom
Nordspessart, Blatt 5823 Burgsinn,
Ausgabe
1994
(noch ohne ATKIS). Zugleich für den Wander- und
Geländereiter die beste und
übersichtlichste Karte! Lebt
digitalisiert weiter in MagicMaps V2
Hessen. Karten dieses
Detailreichtums, Präzisionsgrads und dieser Übersichtlichkeit
waren, sind und bleiben das Ziel!
Wichtige Links zum Thema:
Hier lade ich meine gerittenen (gefahrenen) Routen : http://www.gpsies.com
Touratech : http://www.ttqv.de/
Ozi Explorer : http://www.oziexplorer.com/
Glopus : http://www.glopus.de/
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"Welche Koordinaten hat denn dieser Standort?" : http://sdsnetz.de/glopus/
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