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Neu 20. Dezember 2009
               update 6. Juni 2010

GPS für Geländereiter - Alternative zur Karte ?

Neue Bewertung eines "alten" Themas

Die technische Weiterentwicklung im Sektor der GPS Geräte und zugehörigen digitalen Karten zwingt uns die Thematik immer wieder neu zu bewerten. Kann das GPS für den Geländereiter die Karte ersetzen?

Glopus

Vor ein paar Jahren schrieb ich, GPS könne die Papierkarte nicht ersetzen da man auf die Geräte keine topografische Karten laden könnte (oder überhaupt Karten in ähnlicher Qualität). Das stimmt mittlerweile so generell nicht mehr. Karten des Masstabs 1:25.000 im Bildformat (bestgeeignet hier .png) stehen zur Verfügung und können zum Privatgebrauch heruntergeladen oder als DVD gekauft werden, sowohl für PDA's unter Windows Mobile (Magic Maps etc.) wie für Garmin Geräte. Karten eines Flächen-Bundeslandes nehmen selbst als Grafikdateien nicht mehr als 1,5GB Speicher weg. Seit kurzem ist dies für PDAs kein Problem mehr (günstige SD oder Micro-SD Karten).

PDA's sind multifunktionale "All in One" Geräte : GPS, Schreib- und Diktiergerät, Datenbank, Musikplayer mit Kopfhöreranschluss, häufig sind auch eine (billige) Digicam und Mobiltelefon mit eingebaut. Es fällt schwer diesen Geräten keine große Zukunft zu prognostizieren. Sie sind bei Mobilfunkanbietern häufig bei einem Vertragsabschluß günstig erhältlich.
Für Kartendarstellung und Navigation wird Software benötigt (es gibt verschiedene Hersteller). Einige der Orientierungsprogramme können sowohl Karten im Bildformat anzeigen und bearbeiten (soweit sie im richtigen Format kalibriert sind) als auch vektorielle Karten, die - wenigstens im Prinzip - weniger Speicher benötigen und besser skalierbar (grössenänderbar) sind.
Wichtig bei diesen Geräten für den Zweck GPS ist ein genügend großes Display : 4" Bildschirmdiagonale ist noch reichlich klein für Navigationszwecke, größere sind aber kaum zu bekommen. Die höchsten jetzt erhältlichen Auflösungen von 640x480 dpi sind für GPS Zwecke ausreichend - noch höhere sind unnütz bei so kleinen Displays. Häufig mangelt es noch an leistungsstarken Prozessoren zur Grafikberechnung. Ein Manko ist außerdem, dass die Geräte nicht wasserdicht sind, müssen also häufig in Gummihüllen oder Plastikgehäusen transportiert werden, in denen die Sichtbarkeit der Displays, und die Bedienbarkeit der Geräte stark eingeschränkt ist. Oder man kauft abgedichtete Gehäuse (s.g. Rugged PDA's, RPDA's), die aber nicht unerheblich teurer sind.
Weil die Geräte mit den großen Displays eigentlich pausenlos mit dem Bildaufbau beschäftigt sind, ist der Batterieverbrauch entsprechend hoch (manchmal unter 5 Std. Laufzeit), abhängig von der eingestellten Displayhelligkeit.

Magic Maps
Screenshot von Magic Maps (Rasterkarte)

Die Screenshots sind alle vom PC - so groß bekommt man die Bilder leider nicht auf's GPS Gerät!

GARMIN, Markt- und Qualitätsführer bei den traditionellen, ausschliesslichen GPS-Geräten setzt voll auf die Vektorgrafik und will diese nicht mit anderen Herstellern teillen, oder für diese verfügbar machen. Noch immer sind die Preise hier am höchsten, obwohl GARMIN "nur" GPS und keinerlei Zusatzfunktionen wie bei den PDA's bieten. Dafür aber ein stabiles Betriebssystem: Abstürze kommen in der Regel nicht vor. Die Displays sind ebenfalls noch immer recht klein (3" Diagonale, 400x240 dpi Auflösung). Vorteilhaft für den Einsatz im Gelände ist jeodch die robuste regenwasserdichte Ausführung der GARMIN Geräte.
Was mir an den topografischen GARMIN-Karten (TK25) gar nicht gefällt ist die mangelhafte Unterscheidbarkeit  befestigter und unbefestigter Wege. Das empfinde  ich als sehr verwirrend und ungünstig für Planungszwecke. Die neueren  Kartenversionen (TK 2.0 und 3.0) sehen der amtlichen topografischen (Papier- oder digitalen-) Karte nun zwar sehr ähnlich - wohl als Reaktion auf entsprechende Kritik der Benutzer - reichen in bezug auf Informationsdichte an diese aber trotzdem nicht heran.

Screenshot
Screenshot von der GARMIN Kartendemo Website (Vektorkarte)

Zuverlässigkeit der Geräte

Die Stabilität der GPS-Anwendungen auf den PDA's ist derzeit häufig noch unbefriedigend.
Kritisch sind insbesondere noch die PDAs mit Windows Mobile Betriebssystem, besonders ältere Versionen wie WM5. Manche der bei PDAs so beliebten Softwarepakete (Add's) für andere Zwecke vertragen sich nicht oder ausgesprochen schlecht mit GPS Software, die sehr tiefgreifend in die Systemfunktionen eingreift und damit auch störanfällig ist - was zu Einfrieren, Abstürzen oder allgemein langsamer Performance führt. Wer nicht ausgesprochene Freude am "Basteln" hat wird mit einem GARMIN glücklicher, wo man sich um all diese Themen nicht kümmern muss sondern nur ggf. neue Karten kauft und in das Gerät lädt.

Unabhängigkeit der Karten

GARMIN Geräte funktionieren nur mit GARMIN- oder anderen Karten im .img Format. OpenSource Alternativen sind vorhanden (OpenStreetMap) und teils schon recht gut aber teilweise auch noch sehr lücken- und fehlerhaft
Windows PDA's können je nach GPS Software sogar mit selbst eingescannten Karten betrieben werden, soweit diese korrekt kalibriert wurden. Bei der Kalibrierung gibt es Tendenzen zur Vereinheitlichung der Standards, bzw. Hilfsprogramme zur Umrechung von Kalibrierungsdaten, teilweise sogar für grössere Datenmengen in Batchverarbeitung. Dennoch bleibt die Kalibrierung selbstgescannter und heruntergeladener Karte eine häufig noch sehr mühselige Angelegenheit. Es ist auch zu beachten dass die wenigsten Karten im Rohzustand Wanderweginformationen bereitstellen, wie sie auf den Papierkarten fast Standard sind.

Download von Karten

Wenn man nicht ganze Länder oder Bundesländer im Maßstab 1:25.000 braucht lassen sich viele Karten auch im Internet bei den Landesvermessungsämtern, oder freie Karten von OpenStreetMaps herunterladen. Bei OSM sind insbesondere die Karten für Wanderer (mit Wanderwegmarkierungen) und Radfahrer (mit detaillierten Höhenschichtenmodell) zu nennen.
In den letzten Jahren hat sich hier einiges getan und insbesondere ein Standard für Karten und Kalibrierungsinformationen zum Einzelkarten-Download und zur Darstellung auf Webseiten entwickelt, nämlich WMS (Web Map Service), der für Vektor- und Grafikkarten gleichermaßen verwendbar ist. Selbst historische Karten werden über WMS von bestimmten Diensten angeboten.

WMS Screenshot
Kartenausschnitt eines WMS Providers

Laufzeit der Akkus/ Batterien

Die Betriebszeit bei eingeschaltetem GPS liegt bei GARMIN Geräten bei 12-16 Std., dann müssen die Akkus ersetzt oder aufgeladen werden. GARMIN Geräte haben die längste Laufzeit und funktionieren häufig mit normalen (AA-) Akkus. Wer ein Ladegerät mitnimmt und nur in Quartieren mit Steckdosen nächtigt hat mit ihnen kaum ein Problem.
PDAs haben einen wesentlich größeren Stromverbrauch und sind meist nach 3-6 Std. alle. D.h. hier reicht es oft meist noch nicht mal für einen Tagesritt. Beim Akkuwechsel wird auch der Track unterbrochen, das Gerät muss neu gestartet werden. Kleinere Solarladegeräte bringen nicht genügend Leistung um einen PDA wieder aufzuladen. Solarzellen auf flexiblen Trägern (wie aus dem Bootsbau bekannt) gibt es auch in kleinen Größen, sind evtl. sogar an der Bekleidung oder Packtaschen außen anzubringen. Mit ihnen experimentiert habe ich aber auch noch nicht. Eventuell ist das Gewicht einer solchen Ausrüstung geringer als einem ganzen Pack Papierkarten für einen längeren Ritt...

OSM Hiker
OpenStreetMap Karte (Hiking with Relief): Einer der beiden eingetragenen Reitverbotswege stimmt, der andere (von Merzhausen nach Süden) ist falsch: dort steht weder ein Schild noch existiert ein Verbot!

Track-Aufzeichnungsfunktion

Selbst wenn man die Orientierungsfunktion von GPS Geräten nicht nutzt kann es sinnvoll sein sie eingeschaltet mitzunehmen, nämlich zur Aufzeichnung der gerittenen Strecke, neudeutsch: Track. So kann man (wenn die Aufzeichnung einigermaßen präzise und ohne große Abweichungen vonstatten ging) relativ bequem die Streckenlänge, Höhendiagramm usw. ermitteln. Und dann später in GPS Portalen wie www.gpsies.com auszuwerten, als Trainingstagebuch zu verwalten oder einfach mit anderen Reitern zu teilen.

Anforderungen an PDA Karten

Karten für PDA sollen viel Inhalt auf kleinem Raum bieten und kontraststark darstellbar sein, selbst auf matten sonnenbeschienenden Displays. Die ersten nach dem neuen digitalen Datenmodell erstellten TK25 ohne Auflösung der Einzelgebäude mit den vielen weggelassenen Detailinformationen sind hierfür kaum brauchbar. Die Landesvermessungsämter scheinen aber bereits zum Rückmarsch geblasen zu haben: vielfach wurde wieder zur Einzelhausdarstellung und zum detailreichen Kartenbild zurückgekehrt obwohl diese Karten deutlich mehr Speicher fressen. Aber Speicher ist billig geworden dieser Tage. Auf den PDA's selbst können Karten verschiedener Maßstäbe hinterlegt werden zum Groß- und Kleinzoomen der Karten - von der Generalkarte 1:200.000 bis zur TK25. Damit wird trotz der kleinen Bildschirme die Navigation übersichtlicher, und die alte Streitfrage "welches ist die beste Karte, TK25 oder TK50" löst sich in Wohlgefallen auf.

Routingfähigkeit

Routingfähigkeit ist die automatische Führung des Geräts zu einem vorher eingestellten Ziel (Wegberechnung), wie aus den Geräten für Autonavigation bekannt, mit Ansage bwz. Anzeigen von Abbiegungen. Dies ist prinzipiell nur mit Vektorgrafikkarten möglich - nicht mit Bildgrafikkarten. Routingprogramme gleichen üblicherweise auch leichte "Unkorrektheiten" in der Positionsbestimmung aus (rechnen z.B. bei Tunneldurchfahrten noch eine Weile in der zuletzt festgestellten Geschwindigkeit weiter) - GPS Programme mit Bildgrafikkarten können diese Intelligenz nicht aufbringen weil es ihnen prinzipiell "egal ist" ob man auf der Straße oder dem Weg ist oder bloß "dicht daneben".
Sich im Wald anhand der vektorisierten topografischen Karte von der Routingsoftware leiten zu lassen (wie mit GARMIN und  TopoDeutschland 3.0 möglich) mutet  sehr komfortabel an - was macht man wenn der in der Karte ausgewiesene Weg gesperrt ist oder es ihn nicht mehr gibt?

Planungs- und Umplanungsfähigkeit

Es zeigt sich, dass die besten Papierkarten zugleich auch die geeignetsten, ergonomischsten GPS Karten sind.
Was mit der Papierkarte unterwegs ein leichtes ist - Auffalten und überlegen wie man auf andere Weise zum Ziel kommt - ist mit  Handheld-GPS Geräten unterwegs nur eingeschränkt möglich. Die Bildschirme sind hierfür zu klein. Wenn man auf einen kleineren Maßstab zoomt um eine bessere Übersicht zu erhalten fehlen in dieser Ansicht die wichtigsten reitbaren Wege. Dazu bräuchte man ein ca. DIN A5 großen Tablet PC, vorzugsweise flach, leichtgewichtig, spritzwasserdicht und robust. Im Prinzip gibt es auch diese Geräte bereits, sie sind bloß verboten teuer, und mit ihrer Akkulaufzeit sieht es auch nicht blendend aus. Warten wir ab was diese Geräte in ein paar Jahren kosten. Vor 4 Jahren hätte ich auch die PDA-Geräte die es heute gibt nicht für möglich (oder bezahlbar) gehalten.

Und nun nochmal die Frage : Können die digitalen Karten die Papierkarten ersetzen ?

Ich will es nicht mehr ganz ausschliessen - drücke mich aber vorerst um ein klares JA oder NEIN.
Eines muss man jedenfalls bedenken: Man kann Orientierung mit dem GPS nicht lernen. Für Leute die es können ist es eine nette Spielerei. Sie sind ja nicht drauf angewiesen. Ebenso wie die Navigation im Auto wenn man sich eigentlich auskennt. Um es zu lernen kommt man um die Papierkarte nicht herum - nach wie vor. Für denjenigen der drauf angewiesen ist, die Navigation ohne Gerät aber nicht beherrscht, oder wenn das Gerät ausfällt, und dann kein "backup" dabeihat, ist es keinerlei Spaß. es kann sogar bitter ernst werden.

Andererseits gab es schon immer nur relativ wenige Reiter die wirklich gut mit der Karte umgehen können, d.h. auch im Trab und Galopp ihren Weg finden können. Ich meine mir ein entsprecheden Urteil erlauben zu können aus langjähriger Erfahrung auf langen Distanzritten nach Karte und nationalen Wanderreiter-Wetkämpfen. Heutzutage beschäftigen sich viele nur noch mit den elektronischen Gimmicks ohne die "basics" mit Karte und Kompaß gelernt zu haben. Die Folgen sind absehbar: das allgemeine Kartenlesenkönnen, die Orientierung mit verhältnismäßig einfachen Mitteln wird künftig bei den meisten noch weiter abnehmen -- wie jetzt schon bei Autofahrern zu beobachten die ohne Navi  keine 100km mehr kommen... Positiv sehe ich allerdings, dass viele durch das Gerät vielleicht auch bestärkt werden neue Wege einzuschlagen und auszuprobieren, in die man sich ohne Hilfe vielleicht hinein traut -- und vielleicht eine neue Welt entdecken, oder zumindest ihre nähere Umgebung besser kennenlernen...

SS Spessart
Die schönsten zuletzt verfügbaren, nach handgezeichneten Vorlagen gedruckten Karten stammten vom LVA Bayern:  Karte vom Nordspessart, Blatt 5823 Burgsinn, Ausgabe 1994 (noch ohne ATKIS). Zugleich für den Wander- und Geländereiter die beste und übersichtlichste Karte! Lebt digitalisiert weiter in MagicMaps V2 Hessen. Karten dieses Detailreichtums, Präzisionsgrads und dieser Übersichtlichkeit waren, sind und bleiben das Ziel!

Wichtige Links zum Thema:

Hier lade ich meine gerittenen (gefahrenen) Routen : http://www.gpsies.com
Touratech : http://www.ttqv.de/
Ozi Explorer : http://www.oziexplorer.com/
Glopus : http://www.glopus.de/
Glopus Forum : http://forum.pocketnavigation.de/forum96-glopus/
Cachewolf : http://www.cachewolf.de
TrekBuddy/ Mobile Atlas Creator : http://trekbuddyatlasc.sourceforge.net/
"Welche Koordinaten hat denn dieser Standort?" : http://sdsnetz.de/glopus/


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