taunusreiter TAUNUSREITER
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Neu 20. Dezember 2009
               update Jan. 2015

GPS für Geländereiter - Alternative zur Karte ?

Neue Bewertung eines "alten" Themas

Die technische Weiterentwicklung im Sektor der GPS Geräte und zugehörigen digitalen Karten zwingt uns die Thematik immer wieder neu zu bewerten. Kann das GPS für den Geländereiter die Karte ersetzen?

Vor ein paar Jahren schrieb ich an dieser Stelle einmal, GPS werde die Papierkarte nicht ersetzen können, da man auf die Geräte keine topografische Karten laden könnte - oder überhaupt Karten in ähnlicher Qualität. Das stimmt mittlerweile so nicht mehr. 

Karten des Maßstabs 1:25.000 existieren sowohl im Bildformat (.jpg oder bestgeeignet hier .png) als auch im Vektorformat (*.img) und können heruntergeladen oder als DVD gekauft werden - für  Smartphones wie für Garmin Geräte. Karten eines Flächen-Bundeslandes, selbst als Grafikdateien, nehmen nicht mehr als 1,5GB Speicher weg -- kein Problem mehr bei günstigen und allverfügbaren (Micro-)SD Karten.

Zu den größten Herausforderungen des "Reitens nach Karte" zählt seit jeher die Königsdisziplin des Distanzreitens in der Tradition der militärischen Meldereiterei, wo man seinen Weg selbst im Trab und Galopp finden muss, jede Unterbrechung Zeit im Wettkampf kostet und daher höchst unerwünscht und zu vermeiden ist : Die unmarkierten Distanzritte. Hier können sich Mittel in ihrer Brauchbarkeit ebenso wie ihrer Unbrauchbarkeit beweisen. Und hier sieht man seit Jahren Reiter die auf moderne Technik setzen und auf Papierkarten verzichten - freilich nicht alle!
Dieser Text soll eine kleine Orientierungshilfe geben was heute mit GPS Technik am Pferd alles möglich ist, und wie vielschichtig das Thema ist.
GPS ist nicht etwa nur ein Synonym für Gerätetypen einer bestimmten Herstellerfirma.
Ebenso wie der routinierte Umgang mit der Karte, erfordert diese Technik vom Benutzer spezielles Know-How. "Einschalten und losreiten" genügt oder gelingt in den seltensten Fällen.
Zunächst ist einmal ein bißchen Begriffserklärung angebracht - ich werde versuchen das möglichst wenig trocken zu machen.

Screenshot

Spezielle Begriffe die mit GPS zusammenhängen -- Was ist eine Route, was ist ein Track, was ist der Unterschied zwischen diesen?

Die Route ist das Ergebnis einer Streckenplanung.

Eine Route beschreibt den genauen Weg, den ich reiten will (oder laufen, radfahren, autofahren). Eine Route ausarbeiten kann ich auf Papierkarten, oder am PC mit Hilfe entsprechender Routenplanungs-Tools (z.B. MagicMaps oder auf gpsies.com)
Für Kartenprogramme muß man in den meisten Fällen die Route von Wegabzweig zu Wegabzweig selbst zusammenklicken (es sei denn, man benutzt die Funktion "Wegen folgen" bei gpsies). Die meisten Karten für Kartenprogramme sind nämlich Grafikdarstellungen und keine Vektorkarten. Diese benötigen zwar mehr Speicherplatz, haben dafür aber andere Vorteile.
Gängige Dateiformate für Routendarstellungen sind .gpx (Garmin), .kml (Google Earth), .ikt (MagicMaps), es gibt aber auch viele andere. Sie sind oft nicht kompatibel, können aber auf Plattformen wie gpsies hochgeladen und in ein für das eigene Gerät/App passende umgewandelt werden.
Die einzelnen Punkte einer Route nennt man Wegpunkte oder Waypoints (WPs).

Route, Track, WaypointsBildquelle: Wikipedia

Viele GPS-Geräte, besonders ältere, können aufgrund unzulänglichen Speichers nur mit einer geringen Zahl von Waypoints umgehen. Eine Wegführung über längere Strecken ist so nicht möglich. Aus dieser Zeit stammt noch die Definition einer "Route (im engeren Sinne)" als Anreihung von Abbiegungs-/ Richtungsänderungspunkten. Hierfür sind weniger Wegpunkte (mit Längen- und Breitenangaben) dafür aber Abbiegebefehle zusätzlich erforderlich. Eine solche Route eignet sich z.B. als Roadbook mit akustischen Ansagen ohne Karte - allerdings (eben wie ein Roadbook) nur solange man die Route nicht verliert, sich verfährt oder verreitet. Geschieht einem das, gibt es nur den Weg auf die Route zurück. Umplanen (wenn z.B. ein Weg sich als unpassierbar erweist) ist damit gänzlich unmöglich. Ich nenne diesen - bei den heutigen Geräten : Spezialfall - eine Abbiege-Route.

Jeder der schon einmal Routenplanung anhand einer (oder mehrerer) ausgefalteten Papierkarte gemacht hat, wird sofort erkennen, dass aufgrund der Kleinheit der typischen GPS-Displays diese Geräte hierfür nur mit den größten Schwierigkeiten geeignet sind...

Nun zum nächsten:

Ein Track ist ein durch ein GPS-Gerät abgemessener Weg.

Wenn ich eine Strecke reite (oder laufe oder fahre), das GPS-Tracking (oder -Logging) auf meinem Gerät vor dem Losgehen ein- und nach Abschluß wieder ausschalte, dann ist das Ergebnis keine Route sondern ein Track.
Ein Track unterscheidet sich deutlich von einer Route, und zwar auch (und in erster Linie) qualitativ :
Ein sorgfältige vorbereite Route ist - wenn es keine Abbiege-Route ist - so genau, wie das nach der verwendeten Kartengrundlage irgend möglich ist. Tracks sind dagegen immer mit Meß-Ungenauigkeiten der gemachten GPS-Poistionsbestimmungen behaftet. Diese betragen auch bei guten Bedingungen je Punkt 5-50m, bei schlechten Bedingungen oder unzureichender Bedienung des Geräts oft erheblich mehr.
Ein auf der Karte im Zoomlevel 17 angezeigter Track sieht aus, als wäre ein Betrunkener die Strecke gelaufen und hätte sich häufig nach rechts und links in den Wald verirrt. Das liegt an, teils unvermeidbaren, Unzulänglichkeiten der GPS Messung, und führt dazu, dass der Track fast immer länger ist als die tatsächliche Strecke, oft in sehr erheblichem Umfang. Wenn zwischendurch das Logging ausgesetzt hat, der Track also "Löcher" hat (was ebenfalls vorkommt), kann er allerdings auch einmal kürzer sein. Ein unkorrigierter Track gibt die gerittene Strecke also nur ungenau wieder.

Die Qualität des Tracks kann man in Kartenplanungsprogrammen oder auf GPS-Portalen wie gpsies beurteilen und auch korrigieren. Manchmal ist es auch nötig, Tracks zusammenzuführen, weil man z.B. beim Gerät Batterien oder Akkus wechseln und neu starten musste, oder das Gerät während einer längeren Pause zum Stromsparen ausgeschaltet war. Unkorrigierte und offensichtlich fehlerbehaftete Tracks nennt man auch "Roh-Tracks", solche die man qualitativ überarbeitet hat und die somit reitbuch- und dokumentationsfähig sind, korrigierte Tracks. Betrachtet man deren einzelne Wegpunkte genau auf einer Karte, lassen sie sich von Routen recht gut unterscheiden.

Die Tatsache, dass viele moderne Geräte oder GPS Portale Routen und Tracks teils im gleichen Dateiformat und ohne größere Unterscheidung speichern, trägt dazu bei dass Routen und Tracks heutzutage oft zusammengeworfen und die Unterschied nicht mehr verstanden werden.

Auch wenn einen das vielleicht "freut", viele KM geritten zu sein, oder man damit angeben kann, sollte man sich doch nicht der Illusion hingeben, dass ein Track jemals genauer sein könnte als die zugehörige Route. Schon teilweise in den 1850'er, spätestens 1900'er Jahren hatten topographische Karten eine Präzision erreicht, die eine Genauigkeit der Routenabmessung ermöglicht, die sich von heutigen nur im Bereichen von 1% unterscheidet, und im Bereich nicht perfekter technischer Reproduktion (ursprünglicher Druck, Scan, Verzeichnung, Projektionsfehler etc.) untergeht.

Frage dazu: Karten sind doch flach. Muss ich die Berge bei der Streckenlänge nicht mit berücksichtigen?

Diese Frage stellen sich fast alle Sportler, die im Mittelgebirge trainieren.
Hierzu ein kleines Modell zur Darstellung von Wegen in der Ebene und am Berg. Die Berechnung der jeweiligen Längen ergibt sich, wie unschwer zu erkennen ist, aus dem Satz des Pythagoras (dazu auch diesen Hinweis)

Steigung
Wie man sieht: Bei 15% Durchschnitts-Steigung (ob Auf- oder Abstiege ist hierbei egal) einer Strecke steigert sich die tatsächliche Streckenlänge je KM Wegstrecke lediglich um 11,19 m oder 1,12% 
- 15% wie im Bild zur Veranschaulichung gewählt, sind in der Realität allerdings barbarisch viel, und lassen kein flüssiges Reiten mehr zu.
Meine eigenen typischen Mittelgebirgsritte haben 3-7% kummulierte Auf- und Abstiege; Distanzritte mit 4% gelten vielfach schon als "schwer"


Bei geringeren Steigungen, d.h. realistischeren, flacheren Winkeln sind es noch weniger, entsprechend folgender Tabelle:

Steigung (kumm.) in % der Streckenlänge
Streckenlänge erhöht sich um  ..%

---
Steigung (kumm.) in % der Streckenlänge Streckenlänge erhöht sich um  ..%
10 (überaus schwer)
0,5
|
5
0,12
9
0,4
| 4 (mittelschwer)
0,08
8
0,32
| 3
0,04
7 (schwer)
0,24
| 2 (leicht)
0,02
6
0,18
| 1
~0,0

Die durch Steigungen zu ermittelnden "Zuschläge" sind somit viel kleiner, als viele glauben.
Wer die kommulierten Steigungen (=Steigungs- plus Gefällmeter), die man in Routenportalen wie gpsies ausrechnen lassen kann, als Ganzes zur Strecke hinzuaddiert, tut des Guten schon deutlich zuviel, auch wenn sich die Gesamtlängen damit in den wenigsten Fällen signifikant erhöhen.
Und bestimmte Leute, die ihre Leistungen (oder die ihrer Pferde) gern ein bißchen übertreiben, aber von Mathematik nicht viel verstehen, wollen noch größere "Berg-Zuschläge" hinzuaddieren..!
Anstatt also solche "Zuschläge" zu erheben oder auf nicht nachvollziehbare Art in die Streckenlänge hineinzurechnen, soll man einfach die Höhenmeter prozentual oder in Summe zusätzlich angeben, wobei es zur Exaktheit beiträgt die Information mitzuliefern:

Wem das nicht gefällt, möge bitte beachten, dass der Meter seit seiner Erfindung als Längenmaß dient, nie für einen anderen Zweck (beispielsweise des Messens der Schwierigkeit einer Strecke) gedacht war, hierfür niemals dienen kann und wird. Länge und Schwierigkeit lassen sich grundsätzlich nicht miteinander verrechnen. Hierfür werden weitere, zusätzliche Indikatoren benötigt, die es auch bereits gibt. Mir persönlich genügt hierbei die Angabe der, möglich genau ermittelten, Steigungs- plus Gefällemetern.

Dazu Hinweis 1: Bei gpsies ist nach dem Upload des Tracks die Funktion "Höhendaten nicht korrekt? - neu berechnen" zu klicken
Dazu Hinweis 2 : Auch die so korrigierten (verringerten) Höhenmeter können noch "übertrieben"/falsch sein weil das gängige STM3-Höhenmodell sehr grob ist, die Wege im Gebirge viel flacher verlaufen, und häufig deshalb kurvig sind, um Steigungen zu vermeiden, was in den gängigen Höhenmodellen aber verfälscht wiedergegeben wird.


Frage: Wie funktioniert GPS eigentlich, und wie genau ist es?

GPS ist ein satellitengestütztes Positionserfassungssystem, das den US-amerikanischen Militärbehörden gehört (und nicht etwa der Firma Garmin). Die auf nicht-geostationären Umlaufbahnen um die Erde kreisenden Satelliten senden feine Zeit- und Positionssignale, aus deren Abstand mit GPS-Empfängern ausgestattete Geräte (GPS-Geräte, Smartphones,...) ihre Position berechnen können.
Die Genauigkeit der Positionsberechnung ist einerseits abhängig von der Qualität des Satellitenempfangs - Grundregel: je mehr Satelliten empfangen werden desto besser - wie auch der Signalstreuung durch den Betreiber der Satelliten, die nicht so präzis ist, wie technisch möglich wäre. Eine Genauigkeit besser als die bereitgestellten 5-50m kann mit den am Markt befindlichen Geräten nicht erzielt werden (außer GIS- Geräten im deutlich vierstelligen Eurobereich)
Zudem kann das US Militär als Eigentümer des Systems die Signale jederzeit verändern/manipulieren oder sogar aussetzen, und hat dies auch schon gemacht.
Dies macht es erforderlich, auf allen Ritten wo der Verlust der Orientierung zu Gefahren für Pferde oder Menschen führen kann (z.B. bei Alpenüberquerungen abseits bekannter Wege) Karten als "Backup" mitzuführen. Jedenfalls solange das geplante Europäische Satellitenorientierungssystem nicht einsatzfähig ist, oder das eigene Gerät die alternativen Systeme zu GPS nicht zusätzlich empfangen kann.

Des weiteren ist nicht jeder in ein Gerät integrierte GPS Empfänger immer sofort einsatzbereit. Bei Geräten deren GPS Empfänger nicht häufig benutzt wird, muss erst die ungefähre Position der Satelliten geladen werden (s.g. "Quickfix"), was auf Smartphones häufig nicht automatisch geschieht sondern durch eine Hilfs-App angestossen werden muss - bei "Nur-GPS-Geräten" meist automatisch. Ohne Quickfix kann die Positionsbestimmung mehrere Viertelstunden lang dauern, "mit" dauert sie gewöhnlich 1-2 Minuten. Das Gerät sollte sich dabei unter freiem Himmel befinden und in seiner Position wenig gedreht werden. Ab einer Empfangszahl von 3-4 Satelliten ist der GPS-Empfang in der Regel möglich, ab 6 recht zuverlässig, mehr als 10-11 sind in der Regel nicht möglich und bringen auch keine Genauigkeits-Vorteile mehr.

Anders als bei früheren Geräten liefert die neuere Empfänger-Generation (seit ca. 2011/2012) auch in dichtem Laubwald ganz brauchbare Signale.

Nicht wirklich mit "GPS" zu tun haben Geräte oder Apps die mit Mobiltelefonortung arbeiten. Diese ist wesentlich ungenauer und setzt dementsprechend Empfang durch mehrere Mobilfunkmasten voraus, was im Gelände nur in seltenen Fällen gegeben ist. Ein ähnliches Problem in solchen Situationen entsteht, wenn der Positionsempfang zwar über GPS, aber der Kartenempfang über die Mobilfunkschnittstelle (Daten-Flatrate) erforderlich ist (siehe weiter unten unter "Online-Karten").

Routingfähigkeit

Routingfähigkeit nennt man die automatische Führung des Geräts zu einem vorher eingestellten Ziel (Wegberechnung), wie aus den Geräten für Autonavigation bekannt, mit Ansage bwz. Anzeigen von Abbiegungen. Dies ist technisch bedingt nur mit Vektorgrafikkarten möglich - nicht mit Bildgrafikkarten. Routingprogramme gleichen üblicherweise auch leichte "Unkorrektheiten" in der Positionsbestimmung aus, rechnen also z.B. bei Tunneldurchfahrten noch eine Weile in der zuletzt festgestellten Geschwindigkeit weiter, und nehmen auch an (meist vernünftigerweise) dass man nicht, wie die ungenaue GPS-Messung angibt, dicht neben, sondern tatsächlich auf der Straße fährt - GPS Programme mit Bildgrafikkarten können diese Intelligenz nicht aufbringen weil es ihnen prinzipiell "egal ist" ob der Bildschirm an der Stelle des Positionskreuzes einen Weg oder einen Wald anzeigt.

Sich im Wald anhand der vektorisierten topografischen Karte von der Routingsoftware leiten zu lassen (wie mit GARMIN und  TopoDeutschland 3.0 möglich) mutet in der Tat sehr komfortabel an - nur, was macht man, wenn der in der Karte ausgewiesene Weg gesperrt ist oder es ihn nicht mehr gibt?
Im Prinzip halte ich Routingfähigkeit bei einem Outdoor-Kartenprogramm für entbehrlich und will diese Eigenschaft hier auch nicht weiter vertiefen.

Wofür soll man sich entscheiden?  Reines GPS Gerät, GPS-Smartphone oder Tablet?

GPS-Smartphone?

Smartphones sind multifunktionale "All in One" Geräte : Mobiltelefon, Schreib- und Diktiergerät, Datenbank, Musikplayer mit Kopfhöreranschluss, Digicam, Webbrowser und Videoplayer. Bei den besseren ist auch ein GPS eingebaut - und deren Meßgenauigkeit ist, bei den neueren Geräten qualitativ absolut vergleichbar mit den GPS-Empfängern der reinen GPS-Geräte wie Garmin. Vermutlich stecken in allen Geräten die gleichen Empfänger drin (außer den speziellen Profi-Vermessungsgeräten).
Für Kartendarstellung und Navigation wird spezielle Software benötigt, s.g. App's. Und zwar GPS-Kartenprogramme (Straßen-Navigationsprogramme sind hier falsch). Mittlerweile ist deren Anzahl bereits unübersichtlich. Die App's funktionieren nur auf einer bestimmten Plattform (also App's für Android nicht für Windows-Smartphones oder iPhones)
Einige der Orientierungsprogramme können beides darstellen: Karten im Bildformat als auch vektorielle Karten, die - wenigstens im Prinzip - weniger Speicher benötigen und besser skalierbar (grössenänderbar) sind.
Wichtig bei den, für den Zweck GPS verwendbare Geräte ist ein genügend großes Display: 4" Bildschirmdiagonale ist für Navigations- und Planungszwecke gerade noch brauchbar. Auflösungen von 480x800 Pixeln (200 dpi) sind für GPS Zwecke schon recht gut - auf 4" Displays wegen der großen Punktdichte aber nur mit guten Augen auch gut erkennbar. Häufig mangelt es noch an leistungsstarken Prozessoren zur flüssigen, nicht-stockenden Grafikberechnung.
Ein wichtiges Manko ist, dass die meisten Smartphones nicht wasserdicht und nicht sonderlich stoßgeschützt sind. Man kann sie in Gummihüllen oder Plastikgehäusen transportieren - in denen die Sichtbarkeit der Displays, und die Bedienbarkeit der Geräte dann stark eingeschränkt ist, was nicht praxisgerecht ist. Ich trage meins in einem selbstgemachten Holster aus Sattelleder am Gürtel. Regnet es, habe ich die Jacke drüber, und nehme es immer nur kurz raus. Sie halten mehr Regen aus, als man zunächst glaubt. Allerdings spielen viele Bildschirme verrückt wenn zuviel Wassertröpfchen drauf sind. Qualitativ hochwertige Geräte haben glatte Aussenseiten, Metallgehäuse und kratzerunempfindliche Glasdisplays, und sind nicht mehr so staubempfindlich wie die älteren Exemplare. Wenn sie herunterfallen, bekommen die Glasdisplays aber meist hässliche Sprünge.
Alternativ kann man abgedichtete "rugged" Gehäuse kaufen, "Baustellen"-geeignet, die aber um einiges teurer sind (aufgrund weit niedrigerer Stückzahlen). Oftmals wird mit den Angaben (IP67 sollte es mindestens sein) auch E
tikettenschwindel betrieben. Die wirklichen GIS-tauglichen "Profi" Geräte liegen preislich in ganz anderen Sphären (obwohl deren technische Leistungsdaten sich von High End Smartphones kaum wirklich unterscheiden) - hier kann man aber erwarten, dass man bekommt, was man bezahlt.
Zu den Tablets, die eine Abwandlung der Smartphones sind, komme ich weiter unten

Welche Größe?

Ich halte die Smartphones mit rd. 4" Bildschirmen für die geeignetsten um sie zu Pferd mitzunehmen. Man will sie in einer Hand halten und bedienen können, auch mal eine kurze Weile festhalten während man reitet und evtl. die nächste Abzweigung sucht. Mit den größeren Geräten wird das schon recht umständlich, weil man sie zwischen Handkante und ersten Fingergliedern schlecht festklemmen kann wenn man nicht extrem lange Finger hat. Eine gewisse Kantigkeit der Form (aber nicht so scharf dass es zu Hautabschürfungen kommt) erleichtert das sichere Halten. Mir ist meins auf etlichen tausend KM eigentlich noch nie runtergefallen. Übertrieben flache Formen sehen nur chic aus und eignen sich für die denen Design über alles geht, sind in der Handhabung eher nachteilig. Die "Knochen-Form" traditioneller GPS Geräte ist die an sich ergonomischste, geht allerdings auf Kosten der Bildschirmgröße.

Screenshot
Screenshot von der GARMIN Kartendemo Website (Vektorkarte)

Befestigung am Sattel?

Von allen bislang gesehenen Ideen der Befestigung am Sattel halte ich nichts. Das dauernde Herunterschauen zum Sattel bringt eine gekrümmte und damit schlechte Reithaltung. Außerdem ist die Entfernung zum sicheren Erkennen der Displays oft noch zu groß. Hohe Halter sind unzweckmäßig wenn unter umgefallenen Bäumen durchgeführt, oder ein Stück durch verbuschtes Gelände oder mit tiefhängenden Zweigen geritten werden muss. Und ein zusätzliches Sicherheitsrisiko im Fall eines Sturzes ist damit immer gegeben.
Wenn Halter als erforderlich betrachtet werden, scheint das Gerät als solches zu groß oder zu unhandlich zu sein.

Reines GPS-Gerät?

GARMIN, Markt- und Qualitätsführer bei den "traditionellen", ausschliesslichen GPS-Geräten setzt voll auf die Vektorgrafik und exklusiv zu nutzende (auf andere Geräteklassen nicht portierbare) Karten. Noch immer sind die Preise hier am höchsten, obwohl Garmin "nur" GPS und keinerlei Smartphone-Zusatzfunktionen bieten. Dafür aber ein stabiles Betriebssystem: Abstürze kommen in der Regel nicht vor. Die Displays sind allerdings viel kleiner und weniger hochauflösend als bei den Smartphones (3" Diagonale, 400x240 Auflösung). Das macht die Geräte für die Streckenplanung ungeeignet, weil viel weniger Gelände sich auf einem Bildschirm darstellen lässt. Auch von Garmin gibt es neuerdings Geräte in der beliebten Smartphone-Form mit größerem 4" Display (480x272 Auflösung), was immerhin schon ein Fortschritt ist.
Vorteilhaft für den Einsatz im Gelände ist die generell robuste und regenwasserdichte (IPX7) Ausführung der GARMIN Geräte.
Das technische Handling der neueren Gerätegeneration mit Micro-SD-Kartenschacht hat sich sehr verbessert; auch hier kam der Druck vom Smartphone-Markt: SD-Karte mit der Topo Deutschland drauf einlegen, einschalten, fertig. Man muss nicht mehr mühsam Kartenausschnitte vom PC auf das Gerät herüberladen etc. Der Preis der Karten ist für das Gebotene absolut okay, besonders im Bundle mit einem neuen Gerät.
Was mir an den topografischen GARMIN-Karten dagegen nicht gefällt, ist die mangelhafte Unterscheidbarkeit  befestigter und unbefestigter Wege. Es gibt zuwenig Wegeklassen. Das empfinde ich als verwirrend und ungünstig. Die neueren  Kartenversionen sehen der amtlichen topografischen (Papier- oder digitalen-) Karte nun zwar sehr ähnlich - wohl als Reaktion auf entsprechende Kritik der Benutzer - reichen in bezug auf Informationsdichte und Differenzierung an diese aber nicht heran. Je nach Region sind die OSM Karten auch bereits besser, was durch entsprechenden Druck der Kunden auch schon dazu geführt hat dass sich GARMIN gegenüber fremden (nämlich OSM) Karten nicht mehr so ausschliessend zeigt. Umgekehrt gilt aber, dass Garmin Karten sich nur auf Garmin Geräten verwenden lassen.
Weil die Qualität der, universeller zu verwendenden GPS-Smartphones und deren App's in den letzten 4-5 Jahren aber so zugenommen hat, hat es Garmin am Markt zunehmend schwer. Innovationen müssen her. Die Geräte in Smartphone Formm, und die mit Pulsmessung, deuten die Richtung an wo es weitergeht. Vielleicht erleben wir noch Garmin Geräte mit denen man auch telefonieren kann.

Magic Maps
Screenshot von Magic Maps (Rasterkarte)
Die Screenshots sind alle vom PC - so groß bekommt man die Bilder leider nicht auf's GPS Gerät - höchstens aufs GPS Smartphone!

Nächste Frage: Online- oder Offline-Karten?

Weiter beim Thema Karten. Manche Smartphone App's verwenden nur Online-Karten, benötigen also pausenlos eine Internetverbindung, um diese nachzuladen (und wegen der Kosten, eine mobile Flatrate). Ist die Mobilfunkverbindung weg oder schlecht, habe ich auch keine Karte mehr (und meist auch keinen aktuellen Standort). Offline-Karten heißt, ich habe die Karten auf der Speicherkarte meines Smartphone dabei. Muss sie aber vorher, d.h. zuhause vor dem Ritt, herunterladen. Vorteil ist (je nach App) dass ich mir die Karten aussuchen kann.
Offline ist hier also ausnahmsweise einmal besser als "online"...

Unabhängigkeit der Karten

GARMIN Geräte funktionieren nur mit GARMIN- oder anderen Karten im .img (Vektor-) Format. OpenSource Alternativen sind vorhanden (OpenStreetMap) und teils qualitativ schon recht gut, aber teilweise auch noch sehr lücken- und fehlerhaft
Smartphones können je nach GPS App selbst mit selbst eingescannten Karten betrieben werden, soweit diese korrekt kalibriert (d.h. georeferenziert) wurden. Hierbei geht es im Wesentlichen darum, die Eckdaten (LON/LAT) der Karte sowie deren Projektion dem Computer mitzuteilen. Bei der Kalibrierung gibt es Tendenzen zur Vereinheitlichung der Standards, bzw. Hilfsprogramme zur Umrechung von Kalibrierungsdaten, teilweise sogar für grössere Datenmengen in Batchverarbeitung. Dennoch bleibt die Kalibrierung selbstgescannter und heruntergeladener Karte eine häufig noch sehr mühselige Angelegenheit.
Es ist auch zu beachten dass die wenigsten Karten im Rohzustand Wanderweginformationen bereitstellen, wie sie heute auf Papierkarten fast Standard sind. Bei Wanderweginformationen handelt es sich im Prinzip um Streckendaten (GPX o.ä.) die von den Wanderclubs, aber auch von Plattformen wie LONVIA herunter geladen werden können.

Download von Karten

Wenn man nicht gleich ganze Länder oder Bundesländer im Maßstab 1:25.000 braucht, lassen sich viele Karten auch im Internet bei den Landesvermessungsämtern, oder freie Karten von OpenStreetMap (OSM) herunterladen. Bei OSM sind insbesondere die Karten für Wanderer (mit Wanderwegmarkierungen) und Radfahrer (mit detaillierten Höhenschichtenmodell) zu nennen.
In den letzten Jahren hat sich hier einiges getan, und insbesondere ein Standard für Karten und Kalibrierungsinformationen zum Einzelkarten-Download und zur Darstellung auf Webseiten entwickelt, nämlich WMS (Web Map Service), der für Vektor- und Grafikkarten gleichermaßen verwendbar ist. Selbst historische Karten werden über WMS von bestimmten Diensten angeboten, z.B. dem Landesvermessungsamt Bayern. Die meisten Landesvermessungsämter drücken sich aber darum, Karten kostenlos zum Download anzubieten, oder verstecken diese Angebote bestmöglich, weil man die Karten lieber als Papierausgabe verkauft.

WMS Screenshot
Kartenausschnitt eines WMS Providers

Laufzeit der Akkus/ Batterien

Die Betriebszeit bei eingeschaltetem GPS liegt bei GARMIN Geräten bei 12-16 Std., dann müssen die Akkus ersetzt oder aufgeladen werden. Diese Geräte haben längere Laufzeiten als GPS-Smartphones, und funktionieren häufig mit handelsüblichen (Mignon-/AA-) Akkus. Wer ein Ladegerät mitnimmt und nur in Quartieren mit Steckdosen nächtigt hat mit ihnen kaum ein Problem.
GPS-Smartphones haben, wie schon die älteren GPS-PDA's, einen wesentlich größeren Stromverbrauch und sind oft nach 3-8 Std. alle, d.h. hier reicht es oft nicht für einen Tagesritt. Beim Akkuwechsel wird der Track unterbrochen (man kann sie später wieder zusammenfügen), das Gerät muss neu gestartet werden. Das ist nicht das Problem, sondern eher, dass die Akkus bei den neueren Geräten oft nicht mehr herausnehmbar und wechselbar sind.
Es kann also erforderlich sein, den Akku unterwegs von Pufferbatterien nachzuladen. Kleinere, billige Solarladegeräte die man überall kaufen kann, sind Schrott und bringen bei weitem nicht genügend Leistung um ein Smartphone wieder aufzuladen oder auch nur betriebsbereit zu halten. Solarzellen auf flexiblen Trägern (wie aus dem Bootsbau bekannt) gibt es in allen Größen, wären evtl. sogar geeignet um an der Bekleidung oder Packtaschen angebracht zu werden. Sie sind bedingt brauchbar, teuer und störanfällig (Steckerverbindungen), und liefern nur sehr wenig Strom. Die zum Laden verwendete USB-Buchse des Smartphones ist bei einigen Geräten eine wahre Sollbruchstelle. Die neueren Steckertypen mit Verriegelungshäkchen wie USB Micro-B sind ein deutlicher Fortschritt gegenüber älteren PDA Ladesteckern. Trotzdem verringert das Reiten mit eingestecktem USB-Kabel die Lebensdauer von Geräten und Kabeln drastisch und sollte vermieden werden. Größere Akkus einzubauen, geht nur bei den Geräten wo man als Benutzer selber an den Akku herankommt. Leider sind auch fast alle Akkus, die man am freien Markt bekommt, qualitativ wesentlich mieser als die Erstausstattung der Geräte, sonst würde man nicht mit "Originalqualität" Werbung machen (was leider nie stimmt).

Zuverlässigkeit der Geräte

Auf Smartphones kann man das GPS leider nicht einfach per Knopfdruck einschalten und dann funktioniert alles von alleine.
Man muss App's installieren, die benötigten Karten hochladen, etwas damit herumspielen bis man seine Ansichten so hat, wie man sie sich wünscht, und nicht zuviel Akku verbraucht wird, und jedes Mal, wenn man losreitet, die GPS Anwendung auf dem Smartphone und das Logging starten. Stürzt das Smartphone unterwegs ab, muss man die Anwendung neu starten.
Es erfordert einen gewissen Aufwand bis so ein System im Zusammenspiel aller Komponenten befriedigend läuft. Und hat man es am Laufen, ist es einfacher sich mit gewissen Unzulänglichkeiten des Systems abzuwinden, als ein neues einzurichten, dessen Unzulänglichkeiten sich dann erst später erweisen werden. Die Stabilität älterer PDA's - insbesondere mit alten Windows Mobile Betriebssystemen bis WM5 war ziemlich schlecht. Manche der bei PDAs und Smartphones so beliebten Softwarepakete (App's) für andere Zwecke vertragen sich nicht oder schlecht mit GPS Software, die sehr tiefgreifend in die Systemfunktionen eingreift und damit auch störanfällig ist - Einfrieren, Abstürze oder allgemein langsame Performance können die Folge sein. In "Experten" Foren wird dann empfohlen das Gerät auf Werkseinstellung zurückzusetzen (hardreset) und danach darf das Herumbasteln am Gerät dann von neuem beginnen. Manche empfehlen einen hardreset jede Woche.
Persönliches Fazit: ich habe selbst noch kein Hardreset an meinem Smartphone durchgeführt - mein Auto bekommt auch kein "Hardreset" wenn mal etwas spinnt - nur einmal habe ich das ROM mit Betriebssystem auf eine stabilere Version aktualisiert. Und das hat dann dauerhaft geholfen. Außerdem soll man nicht ständig neue App's installieren die man eh nicht braucht.
Wer nicht ein bisschen technisches Interesse an den Geräten hat, wird mit einem Garmin vermutlich glücklicher, bei dem man sich um all diese Themen nicht kümmern muss sondern nur ggf. neue Karten kauft, und in das Gerät lädt.
Wer die Fähigkeiten seines Smartphones nutzen möchte, hat aber ein wirklich universelles Gerät zur Verfügung. Ich nutze es sogar als Beleuchtung, wenn ich mal unvorhergesehen im dunklen durchs Dorf reiten muss, da meins zwei leistungsstarke LED's hat...

weiter mit GPS für Reiter (2): Meine Lösung. Was sind POIs und wie verwendet man sie? GPS-Logging. Spezielle Anforderungen an GPS Karten. OpenStreetMap (OSM). Tablet oder Smartpone? Kann das GPS die Karte ersetzen?

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