taunusreiter TAUNUSREITER
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Neu 20. Dezember 2009
               update Nov. 2016

GPS für Geländereiter - Alternative zur Karte ? (II.)

- Fortsetzung zu (I) -

GPS-Apps und Geräte

Wass muss meine GPS-App können?

  • Position und Karte anzeigen (beliebige Karten)
  • Routen anzeigen (z.B. geplante Strecken)
  • POIS anzeigen (d.h. Wanderreitstationen, Gasthäuser, Grillhütten, Stops auf dem Distanzritt, Bankautomaten,...etc. auf oder nahe der Strecke)
  • Gerittenen Track speichern
  • Import- und Exportfunktionen für die obigen Aufgaben (filetransfer über WLAN, Telefonverbindung oder USB)

Im Alltagsgebrauch benutze ich ein günstiges Android-Smartphone mit ca. 4.5" Display, weil man die beim Reiten noch gut in der Hand halten, und mit einer Hand bedienen kann. Wenn ich nicht auf die Karte schauen muss, stecke ich es in eine (aus Leder selbstgefertigte) Gürteltasche, worin es auch leidlich nässegeschützt ist. Die GPS App meiner Wahl heisst LOCUS (gibt es nur für Android). Locus kann auch Autonavigation, was recht nett ist, wenn man z.B. einen Punkt mit dem Auto ansteuern muss, den man als POI bereits gespeichert hat, und dazu nicht den Ort in  "Tomtom", Google-Maps o.ä. erneut finden muss.
Bezüglich der Karten setzt Locus auf den Datenbankstandard sqlite, und auf Karten im Grafikformat (also *.PNG oder *.JPG). Ich habe selbst meine historischen Karten in dieses Format "mit Hausmitteln" konvertiert. Für deren Georeferenzierung gibt es Tools für den PC. Ich benutze Glopus Map Manager (GMM). Grob vereinfacht gesagt, lässt sich jede Karte, die als rechteckiger Scan vorliegt, durch Angabe der Koordinaten der vier Eckpunkte als Kartenquelle nutzbar machen. Mehrere Bundesländer als Grafikkarten im Maßstab 1:25.000 passen mühelos auf eine 32GB Speicherkarte und haben dabei den Vorteil eines klareren Kartenbilds und vollständigerer Objektdarstellung gegenüber den Garmin-Karten.
Die Karten sind für den geplanten Ritt vorher selber herunterzuladen oder umzuformatieren, wie man das früher mit Auswählen, Kaufen und Sortieren der Papierkarten ebenfalls gemacht hat. Es kann im Einzelfall nützlich sein, auf den Satellitenbildern einzelner Gegenden nochmals ganz genau hinzugucken. Dazu benutze ich unterwegs die Mobile-Version von GoogleMaps. Nur hierfür ist dann eine mobile Internetverbindung erforderlich. Ansonsten nicht.


Screenshot Glopus

Das dritte Element meiner Streckenplanungen ist die GPS Plattform www.gpsies.com. Hier kann man, mit dem dort hinterlegten Kartenmaterial, Strecken planen sowie vom Smartphone bzw. GPS-Gerät hoch- und herunterladen, Formate konvertieren u.v.m.

Die benutzten Apps "kommen und gehen", aber Streckendateien und POI's (das sind: Sammlungen wichtiger Punkte) bleiben bestehen -- und müssen demzufolge gepflegt werden. Eins der sinnvollsten Programme dazu ist RouteConverter. Von Vorteil ist auch, wenn solche Dateien mit einem simplen Texteditor gelesen oder verändert werden können (typisch im Format *.ASC oder *.TXT). Die häufig verwendeten *.XML- oder *.GPX-Formate sind nicht so gut "menschenlesbar".

Für jede POI-"Kategorie" kann man eine eigene Datei anlegen. Jede Kategorie kann mit speziellen Symbolen/Icons in der Karte gekennzeichnet werden, und es wird auch übersichtlicher. Solange man aber nicht zuviele Punkte hat, kann man auch alles in eine Datei packen, und über die Beschreibungsfelder unterscheiden. Die Unübersichtlichkeit der Zuordnung kommt irgendwann von alleine...

Track, Route, und jetzt auch noch POI's? 

Hier hebt man seine "Geheimtipps" auf, die man nicht auf Facebook veröffentlicht sehen will, damit der Platz nicht bald überlaufen ist. Mit wachsender Erfahrung nehmen sie an Umfang zu. Als Wander- oder Geländereiter sollte man alle wichtigen Ortsinformationen in POI-Dateien ablegen, in einem möglichst geräteunabhängigem Format, denn man will sie auch nach einem irgendwann anstehenden Wechsel der Geräteklasse oder der App weiterverwenden. POI's die ich konkret anreiten möchte, kann man in der App auch in eine "Zielliste" packen, wo dann die Entfernung (allerdings nur in Luftlinie) angezeigt wird.

Track-Aufzeichnungsfunktion

Selbst wenn man die Orientierungsfunktion von GPS Geräten nicht nutzt, kann es sinnvoll sein, sie eingeschaltet mitzunehmen, nämlich zur Aufzeichnung der gerittenen Strecke, neudeutsch: Track. So kann man (wenn die Aufzeichnung einigermaßen präzise und ohne große Abweichungen vonstatten ging) relativ bequem Streckenlänge, Höhendiagramm usw. ermitteln. Und dann später in GPS Portalen wie www.gpsies.com auswerten, als Reitbuch/Tagebuch verwalten oder mit anderen Reitern auf einfache Weise teilen. Ich rädele schon seit vielen Jahren keine Karten mehr mit dem Messrädchen ab. Das macht jetzt gpssies für mich, und glättet dabei auch allzu grobe Unzulänglichkeiten, die mit jeder Kategorie GPS-Sensoren manchmal vorkommen. Mit einer gewissen Befriedigung habe ich feststellen können, dass meine eigenen, schon Jahre alten, abgerädelten Streckenangaben sowohl im Reitbuch wie für meinen Distanzritt bloss Abweichungen von knapp 5% enthielten sofern der Track entsprechend genau genug war - während der schon damals gehegte Verdacht von Hochstapelei bei KM-Angaben gewisser Distanzritte sich im nachhinein durch Nachmessen bestätigt hat.

Selbst ohne GPS-Track oder sogar eigenes GPS-Gerät lässt sich mit der gpsies-Funktion "Wegen folgen" auf den sehr detaillierten OSM- oder Google Maps Karten, Sat-Bildern ein GPS-Track erzeugen, den man anderen zuschicken und teilen kann. Dies geht von jedem PC mit Internetanschluss aus -- und zwar schneller als die Strecke mit dem Stift in eine Papierkarte einzutragen, geschweige denn sie hinterher mit dem Kartenrädchen noch zusätzlich abzumessen..!

Anforderungen an Smartphone-/PDA Karten

Karten für Smartphone/ PDA sollen viel Inhalt auf kleinem Raum bieten und kontraststark darstellbar sein, selbst auf matten sonnenbeschienenden Displays. Die ersten nach dem neuen digitalen Datenmodell erstellten TK25 ohne Auflösung der Einzelgebäude mit vielen weggelassenen Detailinformationen (die man noch in teilweise im Handel befindlichen Magic Maps Versionen findet) waren hierfür kaum brauchbar. Die Landesvermessungsämter scheinen aber bereits zum Rückmarsch geblasen zu haben: Vielfach wurde wieder zur Einzelhausdarstellung und zum detailreichen Kartenbild zurückgekehrt, obwohl diese Karten deutlich mehr Speicher fressen. Aber Speicher ist sehr billig geworden dieser Tage. Auf den Smartphones können selbst (je nach "App") Karten verschiedener Maßstäbe hinterlegt werden zum Groß- und Kleinzoomen der Karten - von der Generalkarte 1:200.000 bis zur TK25. Damit wird trotz der kleinen Bildschirme die Navigation übersichtlicher, und die alte Streitfrage "welches ist die beste Karte, TK25 oder TK50" löst sich in Wohlgefallen auf: Man kann beide dabei haben, und sogar noch mehr!

Screenshot: Preußische Generalstabskarte 1:86.400 von 1828 auf dem Smartphone, gescannt, entzerrt und kalibriert
(hier noch in meiner Karten-App für Windows Mobile Geräte mit dem Namen GLOPUS, die ich seit 2008 nutze bzw. genutzt habe)


Gute Karten-Apps beherrschen alternative Kartenansichten. Bei mir sind häufig eingeschaltet:
  • Kartenansicht 1: Openstreetmap
  • Kartenansicht 2: Topografische Karte (aus MagicMaps)
  • Kartenansicht 3: Historische Karte Karte mit Altstraßen, selbst abphotografiert oder gescannt und mittels Glopus Map Manager, einem Zusatz-Tool für den Windows PC kalibriert bzw. georeferenziert
Preußische Generalstabskarte 1828

Planungs- und Umplanungsfähigkeit

Es hat sich erwiesen, dass die besten Papierkarten zugleich auch die übersichtlichsten, bedienerfreundlichsten, ergonomischsten GPS Karten sind.
Was mit der Papierkarte unterwegs ein leichtes ist - groß auffalten und überlegen wie man auf eine bestimmte Weise zum Ziel kommt - ist mit  Handheld-GPS Geräten und selbst vielen Smartphones unterwegs kaum möglich. Die Bildschirme sind zu klein. Wenn man auf einen kleineren Maßstab zoomt um eine bessere Übersicht zu erhalten, fehlen in dieser Ansicht die wichtigsten reitbaren Wege. Hier können die GPS-Tablets (s.unten) punkten.

OpenStreetMap (OSM)

In vielen Regionen ist OpenStreetMap heute schon die bessere topographische Karte. In anderen Regionen arbeiten viele fleissige Mapper daran, dass sie es wird. OpenStreetMap Karten leben von der Mitarbeit vieler Freiwilliger, die mit der konventionellen Karten nicht zufrieden sind und noch bessere (oder billigere) wollen. Diese freiwilligen Kartografen nennen sich selbst Mapper. Naturgemäß stellen die Fußgänger und Radfahrer die meisten Mapper, aber auch wir Reiter sind aufgerufen an dieser kostenlosen Karte für alle mitzuarbeiten, damit auch wir etwas davon haben, und die vielen unbefestigten Wege, die außer Reitern kaum einer benutzt oder noch kennt, auf den Karten nicht vergessen werden. Denn wenn sie auf den Karten vergessen werden, das zeigt die langjährige Erfahrung, dann verschwinden sie auch bald in der Realität. Nur Wege, die dokumentiert sind, kann man auf lange Sicht auch als bereitbare Wege erhalten und gegen unberechtigte Sperrungen verteidigen..!

An OSM mitzuarbeiten ist einfacher als viele vielleicht denken. Man braucht hierzu nicht wirklich Karten- oder Computerexperte sein (Stichwort: Potlatch2 als Karteneditor, erfordert keine Installation).

Die Vorteile von OpenStreetMap liegen auf der Hand: Viele Augen sehen mehr als zwei. Die Bearbeitungszeit der amtlichen topographischen Karte dauert einfach zu lange, denn viele Landesvermessungsämter haben umstrukturiert und viel Personal abgebaut. Auch stehen heute qualitativ hochwertige Satellitenbilder zur Verfügung, nach denen das Grundmapping erfolgen kann. Das übrige ist "Fleißarbeit". Ich schaue nach längeren Tagesritten immer mal wieder bei gpsies auf die OSM-Karte: Sind alle gerittenen Wege in OSM drin? Mittlerweile kommt es nicht mehr oft vor, dass ich einen Weg nachtragen muss. Falls doch, kostet mich das keine 5 Minuten.
Und richtig Spaß macht es, bei OSM zu mappen in Gegenden wo man vielleicht schon mal im Urlaub geritten ist, oder demnächst hin will, aber noch vieles "weiß" ist...
Spezialanwendungen wie die "Wanderreitkarte" sind übrigens nichts anderes als eine spezielle Form der Aufbereitung (Rendering) der OSM Daten. Man kann aber auch bestens nach den durch die "normalen" OSM Kartenrenderern wie Hike&Bike oder der Open Topo Map erzeugten Karten reiten, diese sind sogar häufig übersichtlicher.

Wanderreitkarte
Wanderreitkarte (Zoom Level 15, ausschnittsverkleinert). Ein reiterspezifischer Renderer für OSM Daten

Tablet oder "Riesen-Smartphone" : Die Lösung der Zukunft?

Tablet-PC's haben im wesentlichen die gleichen Funktionen wie Smartphones (also Telefonie, WLAN, Office und andere Apps) aber größere Displays (7-8", 10" und noch größere) und höhere Auflösung.
Haben Sie schon mal jemand mit einem 8 Zoll Tablet am Ohr telefonieren sehen? Sah lustig aus, oder? - Für diese Art Geräte haben Reiter und andere Outdoorsportler wesentlich sinnvollere Anwendungsformen : Die kleineren unter ihnen mit GPS eignen sich nämlich, wenn entsprechende App's und Karten aufgespielt sind, auch sehr gut für die Orientierung im Gelände inklusive Routenplanung. Da man Tablets nicht mehr wie Smartphones in einer Hand halten kann, und man als Reiter ja schliesslich eine Hand für den Zügel braucht, liegt es nahe diese Gerätekategorie wieder wie die alten Kartentaschen um den Hals gehängt zu tragen. Dafür dürfen sie natürlich nicht zu schwer sein (nicht mehr als 300-400g), und auch sonst recht robust, stoß- und spritzwassergeschützt, wenn möglich sogar wasserdicht. Solche Geräte gibt es schon, und zum Teil sind sie nicht einmal teurer als hochwertige Smartphones oder "Nur-GPS" Geräte. Die Displays müssten zur Benutzung im sommerlichen Feld noch heller werden. Und es fehlen bei allen Modellen durchgängig Befestigungsösen für Trageriemchen!
Diese Gerätekategorie und die zugehörigen Apps stellen ebenfalls gewisse Anforderungen an ihren Benutzer, da man mit ihnen, genausowenig wie mit dem Smartphone, nicht einfach losreiten kann nachdem man sie ausgepackt und eingeschaltet hat. Auch die WLAN Adapter müssen erst mal passend zum eigenen Hausnetz eingerichtet werden usw. - wem das ein Buch mit sieben Siegeln ist, der kauft besser ein "Nur-GPS-Gerät".
Mit den Tablets etabliert sich aber noch stärker als beim Smartphone Android als leistungsstarkes, bedienerfreundliches, für Endanwendungen offenes Betriebssystem.
Noch höher als beim Smartphone sind beim Tablet-PC die Anforderungen an System-Apps: Die Regelung der Beleuchtung ist meist mangelhaft - Ein richtig gutes Display im sonnendurchfluteten sommerlichen Weizenfeld wäre mit gleicher Leistung im dichten Buchenwald als Lampe gut brauchbar, aber zum Draufschauen eine Belästigung. Automatische Ruhefunktion, wenn man das Gerät herunternimmt, unter Weiterzeichnung der GPS-Tracks, und Anschalten beim Wieder-Hochnehmen, würden dem Benutzer Vorteile beim schnellen Zugriff bringen und Batterieleistung einsparen.
Auch die Karten-Apps müssen sich weiterentwickeln, und tun das auch. Schneller Kartenwechsel zwischen verschiedenen Quellen, Online- und Offline-Karten, Importmöglichkeit von WMS Karten und anderen Kartenquellen, Automatische Einbindung von POIs, batterieschonende Arbeitsweise, Bedienerfreundlichkeit anstatt Featuritis.
Man will mit diesen Geräten ja auch einen ganzen Ritt planen und umplanen können, womöglich mehrtägig. Die derzeit "besten" Android-Karten-Apps sind in meinen Augen Locus und (mit Abstrichen) Maverick. Diese beiden sind leistungsstark, durch viele Kartenquellen erweiterbar, gut einstellbar, und trotzdem auch für den Nicht-Computerxperten und interessierten Anfänger, der sich hereinarbeitet, noch verständlich. OruxMaps ist auch gut, aber eher für die Verspielten und Experten. Die "Pro"-Versionen sämtlicher guten Kartenprogramme kosten ein paar Euro, zum testen gibt es freie Versionen. Jedes dieser Programme benötigt einiges an Einrichtungs- und Einarbeitungszeit.
Openstreetmap-Kartenrenderer müssen sich zunehmend auf verschiedene Auflösungsstufen und Geräteklassen einstellen, da die Displays immer feiner werden und Karten bei einer Displayauflösung von etwa 200-280 dpi oder mehr (ja nach individueller Weitsichtigkeit) in der 1:1-Ansicht beim reiten kaum noch lesbar sind, sondern ständig herausgezoomt werden müssen. Andererseits möchte man die feine Auflösung ja haben, und 1280x800 sind beim Tablet heute schon so etwas wie Standard. (Das Problem ist nicht neu oder IT-spezifisch: Reitern mit nicht mehr ganz jungen Augen und 1:50.000er Karten aus Papier ist es bekannt!)

Obendrein werden heutzutage nicht mehr nur "irgendwelche", sondern zunehmend schöne, übersichtliche Karten verlangt, und das auch noch gleich in mehreren Zoomleveln: mit vollständigen Informationen im Zoomlevel 16 oder sogar 15 (kleine Frage, was ist "vollständig"?), und abstrakter, stufenweise generalisierter Darstellung mit Zoomlevels 14 oder kleiner.

Schliesslich ist es auch ein Unding, dass man immer noch gezwungen ist, wenn man mit dem Auto oder Motorrad auf Nebenstraßen unterwegs ist, und eine einfache übersichtliche Karte sucht, ohne jede Navi-Hilfe, mit einer vor über 10 Jahren mal digitalisierten, also straßentechnisch deutlich überholten "MAIR Generalkarte" (1:200.000) auf dem GPS Smartphone herumzufahren - weil die Aktualiserung des Kartenwerks aufgegeben wurde, es aber noch nichts besseres, d.h. aktuelleres und gleich übersichtliches Material gibt! (ein guter Versuch dazu könnte das OSM-basierte map1.eu sein, entsprechend etwa Zoomlevel 12).

Kurzum: Die Möglichkeit moderner Geräte und Apps, zwischen verschiedensten Karten umschalten zu können, sehe ich als klaren Vorteil von Smartphone/GPS gegenüber Papierkarten.

map1eu mit Datenquelle Openstreetmap
map1eu mit Datenquelle Openstreetmap, WMS-fähig

Wahrscheinlich wird es aber "die" (optimale) Lösung nicht geben, sondern es kommt immer auf die individuellen Einsatz-Umstände an. Ich lasse selbst auf den gewöhnlichen Geländeritten von einiger Dauer mein GPS-Smartphone zur Streckenkontrolle und späterem Hochladen bei gpsies einfach mitlaufen. Gibt es etwas nachzuschauen, schlage ich die entsprechende Karte auf. Meine historischen Karten dabei zu haben ist für meine  Hobby-Heimatforscher-Ambition sehr komfortabel. Für längere Wanderritte in unbekanntem Gebiet ist der Bildschirm (4,2 Zoll, 800x480 Auflösung) jedoch grenzwertig klein.
Hier werde ich wohl auf ein wasserdichtes GPS-Tablet (8 Zoll, 1920x1200 Auflösung, 4.500Ah Akku, 270g Gewicht) aufrüsten. Für "normale" Ausritte/Tagesritte werde ich dies aber wohl nicht verwenden, da die Geräte doch etwas größer und umständlich sind - ich bin auch früher immer am liebsten ohne Kartentasche losgeritten.

Und nun nochmal die Frage : Können die digitalen Karten die Papierkarten ersetzen ?

Klare Antwort : JA, seit ca. 2010 können sie es. -

Aber (für die "konservativen" oder nicht so technik-affinen Kartenliebhaber): Sie müssen es nicht.

Ich kaufe nach wie vor Papierkarten, allerdings weniger als früher und nun meist nur noch zur Übersicht. Ich habe auch meinen guten Grundbestand, der im Gelände kaum noch genutzt (und damit physisch verschlissen wird), den ich eher digital ergänze. Öfter kaufe ich heute Karten auf DVD. Ich muss auch feststellen, dass ich kaum noch mit Kartentasche unterwegs bin, sondern in der Regel mit dem GPS-Smartphone in der Gürteltasche.

Eines muss man jedenfalls bedenken: Man kann Orientierung mit dem GPS nicht lernen.
Für Leute, die sich damit auskennen, ist es eine nette Spielerei. Sie sind ja nicht drauf angewiesen. Ebenso wie die Navigation im Auto wenn man sich eigentlich auskennt. Um es aber zu lernen kommt man um die Papierkarte nicht herum - nach wie vor. Für denjenigen, der drauf angewiesen ist, die Navigation ohne Gerät aber nicht beherrscht, oder wenn das Gerät ausfällt, und dann kein "backup" dabeihat, ist es kein Spaß, sondern kann wenigstens spannend, eventuell sogar bitter ernst werden... - Ich musste im letzten (2014) Sommer 90km vom Rhein quer durch den Taunus ohne Karten zurückreiten, weil das für teure Geld gekaufte, noch nicht eingehend erprobte Solarlademodul nichts taugte und ich nach 4 Tagen Ritt mit vier leeren Akkus und ohne "Backup" dastand. In völlig unbekannten Umgebung hätte ich das nicht riskiert. Ich kenne die Gegend aber schon etwas besser, die nachfolgende "Kirchturmreiterei" heimwärts hat mir eigentlich ganz gut gefallen, und mich einige brauchbare schöne Wege finden lassen, die ich vielleicht mit Karte gar nicht gesucht hätte, und die ich mal wieder reiten werde.

Bevor man auf die "moderne Technik" schimpft, sollte man eins nicht vergessen:
Es gab früher auch schon Gründe weshalb man plötzlich ohne Karte dastehen konnte - von der Ziege gefressen, vom Regen aufgeweicht... und schon immer gab es nur relativ wenige Reiter die wirklich gut mit der Karte umgehen, etwa auch im Trab und Galopp ihren Weg finden konnten. Viele machten es sich dann einfacher und ritten nur auf befestigten Wegen weil die nicht "plötzlich aufhören"... - Warum sollte es anders sein bei einem technischen Gerät (mit komplexer Hardware und Software )?

Heutzutage mag es vielleicht Technikverliebte geben, die sich nur noch mit den Geräten beschäftigen, ohne die "basics" mit Karte und Kompaß gelernt zu haben. Wanderrittführer Herbert Fischer brachte das auf den Punkt, als er vor einigen Jahren sagte: "Ich habe noch keinen GPS Fan gefunden, der Karte lesen kann". Das war sicher nur ganz wenig übertrieben.

Die Folgen unseres heutigen "Navi-Wahns" sind absehbar: Das allgemeine Kartenlesenkönnen, das Orientierungsvermögen mit einfachen Mitteln nimmt ab, und wird künftig noch weiter abnehmen -- wie schon bei Autofahrern zu beobachten, die ohne Navi keine 100km mehr kommen...

Positiv sehe ich, dass viele durch das Gerät vielleicht auch bestärkt werden, neue Wege einzuschlagen und auszuprobieren, in die man sich ohne etwas Motivation vielleicht hinein traut -- eine neue Welt entdecken, oder zumindest ihre nähere Umgebung besser kennenlernen -- weiche Wege zu finden, die auch dem Pferd gut tun.

In diesem Sinne mein Schlußwort für heute: Machen Sie was draus, lassen Sie sich nicht von Ihren Geräten beherrschen, sondern beherrschen Sie die Geräte selbst - so gut es eben geht, und so weit Sie es vermögen...!  - und wenn die Geräte nichts taugen und ein Ärgerniss sind, schmeissen Sie sie weg, kaufen sich bessere, oder konzentrentrieren Sie sich wieder auf die Karte. Oder noch besser : aufs Pferd!

Spessart
Die schönsten zuletzt verfügbaren, nach handgezeichneten Vorlagen gedruckten Karten stammten vom LVA Bayern:  Karte vom Nordspessart, Blatt 5823 Burgsinn, Ausgabe 1994 (noch ohne ATKIS). Zugleich für den Wander- und Geländereiter die beste und übersichtlichste Karte! Lebt digitalisiert weiter in MagicMaps V2 Hessen. 
-> Karten dieses Detailreichtums, Präzisionsgrads und dieser Übersichtlichkeit waren, sind und bleiben das Ziel!

Erfahrungsbericht SONY 8" Android GPS Tablet

Sonstige Links zum Thema:

Hier lade ich meine gerittenen (gefahrenen) Routen : http://www.gpsies.com
Der Deutsche Reiterpfad als exemplarische Fernwanderreitstrecke auf gpssies und Openstreetmap
Locus (Android-App) : http://www.locusmap.eu/  -  Locus Forum : http://forum.locusmap.eu/
Glopus (für WM6.5) : http://www.glopus.de/
Mobile Atlas Creator (MOBAC) (Trek Buddy) : http://trekbuddyatlasc.sourceforge.net/
TK25 Blattaufteilung (Deutschland Süd): http://greif.uni-greifswald.de/geogreif/geogreif-content/suche/UEK_BRD_sued.jpg
"Welche genauen Koordinaten hat dieser Standort?" : http://www.mapcoordinates.net/
Anzeigen und Umwandeln/ Konvertieren von Routen und POI's :
Route Converter
Umwandeln von Karten in Google- oder OSM-konforme Kachelstruktur (tiles):  MAPC2MAPC
OpenStreetMap für Reiter: https://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Reiten - für Mitmacher und solche die es werden wollen!
Historische Karten von Deutschland: (randlose Karten) herunterladen, kalibrieren, in sqlite-Kacheln umwandeln - fertig!

Weitere, von mir nur grob getestete Anwendungen:
Cachewolf : http://www.cachewolf.de
Ozi Explorer : http://www.oziexplorer.com/
Touratech : http://www.ttqv.de/


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